Sektion Braunschweig

Von Haken, Bohrhaken und Rostlauben

Haken, einst Inbegriff zuverlässiger Absicherung, fristen inzwischen in unseren norddeutschen Klettergebieten nur noch ein Nischendasein. Doch es gibt sie noch, hin und wieder kann man sie noch finden und im Allgemeinen werden sie dann auch immer als willkommene Sicherung benutzt, auch wenn daneben eine gute Klemmkeilstelle zu finden ist. Der Vorteil eines Klemmkeils liegt auf der Hand, er läßt sich mit einiger Erfahrung recht gut beurteilen. Bei Haken ist dies nicht so. Wenn überhaupt, kann dies nur der- oder diejenige, der / die ihn schlägt. Viele Haken erreichen allerdings das ehrwürdige Alter von 15 Jahren und mehr. Während dieser Zeit gammeln sie, von außen meist nicht sichtbar, im Riß vor sich hin. Außerdem gibt es Haken bei denen sich hinter einer imposanten Öse oft nicht viel Schaft verbirgt.

Als vor einigen Jahren im Oberreintal (Wettersteingebirge) einige beliebte Routen saniert wurden, versuchten die Sanierer (allesamt erfahrene Bergsteiger, teilweise auch Bergführer) die Haltekraft der zu entfernenden Haken zu beurteilen - das Ergebnis war bezeichnend schlecht, selbst Profis lagen in ihren Prognosen teilweise um ein Vielfaches über den tatsächlichen Werten. In Norddeutschland wurden aus derartigen Erkenntnissen die Konsequenzen gezogen und kräftig saniert. Haken an Stellen, die auch mit Keilen abzusichern sind wurden ersatzlos entfernt, alle anderen durch Bohrhaken ersetzt. Außerdem herrscht der Konsens, das neue Haken nicht mehr gesetzt werden, eben weil sie nicht zuverlässig beurteilt werden können und weil sie außerdem den Fels zerstören.

Bohrhaken ist allerdings auch nicht gleich Bohrhaken. Man kann sie grob in zwei Gruppen einteilen: traditionelle Expansionsbohrhaken und moderne Klebehaken. Zu den Klebehaken zählen auch die bei uns weitverbreiteten Bühlerhaken. Klebehaken sind nur mit Hilfe einer Bohrmaschine zu setzen: Als erstes wird ein Loch gebohrt, in das dann nach Entfernung des Bohrstaubs ein Zweikomponentenkleber eingeführt wird. Zum Schluß wird der Kleber mit dem Haken gut verrührt und muß dann eine gewisse Zeit abbinden. Ähnlich ist es mit Bühlerhaken, nur das hier an Stelle des Klebers Schnellzement benutzt wird. Diese Haken sind bei fachgerechter Setzung (wovon in Norddeutschland ausgegangen werden kann) eine sichere Angelegenheit. Klebehaken kommen in verschiedenen Erscheinungsformen vor, es gibt sie als Ringe, Laschen und Spezialformen, vornehmlich als Umlenker. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, daß bei Bühlerhaken die Gefahr des Selbstaushängens von Expressschlingen bei ungünstigen Seilbewegungen besteht. Unfälle die darauf zurückzuführen sind, sind in Norddeutschland allerdings bisher nicht bekannt
.BohrhakenKlebehaken

Bei Expansionsbohrhaken sieht es anders aus. Ihre Festigkeit ist von außen nicht zu beurteilen! Sie können in mühsamer Handarbeit auch mit Hammer und Bohrmeißel von Hand gesetzt werden. Es wird ein Loch in den Fels getrieben. In dieses Loch wird dann ein Dübel eingesetzt, der von einem Keil aufgespreizt und verklemmt wird. Ist das Loch nicht exakt gebohrt sondern zu tief, wird der Dübel nicht ausreichend gespreizt und hält dementsprechend auch nicht. Außerdem wird auf den Fels ein hoher Druck ausgeübt worauf dieser mit Erosion reagiert. Dies wird beschleunigt, wenn der Dübel nicht hermetisch abgedichtet wird und Wasser und Umweltgifte ins Bohrloch eindringen können. Nach einigen Jahren glänzt die aufgeschraubte Lasche zwar immer noch, der Fels hingegen ist schon erodiert und - je nach Fabrikat - der Dübel korrodiert. Bewegt sich die Lasche oder ist sie gar schon korrodiert, kann nur noch von äußerst niedrigen Haltekräften ausgegangen werden. Dies wird zum Beispiel in einigen Schweizer Sportklettergebieten, die in den achtziger Jahren erschlossen wurden, zum Problem, hier ticken noch einige Zeitbomben.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Trau keinem Haken, außer er ist ein Klebehaken!!!

Dirk Voigt, Landesteam Ausbildung

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.28. Aug. 97