Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1997/3
Klettergruppe

Arbeitseinsatz Braunschweiger Hütte

Das Team (Foto: Dieter Langkopf)

vom 28. Juni bis 5. Juli 1997

Wie viele Außenfenster hat die Braunschweiger Hütte?

Zur Klärung dieser und anderer wichtiger Fragen trafen sich am 28. Juni in loser Reihenfolge in der Hütte ankommend:

Erika und Joachim Weigel aus Wolfenbüttel (Spender der Weigel-Bank),
Manfred Krüger aus Barwedel
Sigbert Goebel aus Helmstedt
Dieter Langkopf aus Braunschweig.

Daß wir nicht zum Spaß zusammen gekommen waren, zeigte sich schon bald am Samstagnachmittag. Achim Weigel hatte sich mit seiner Frau Erika im Zimmer 3 (dem Feldschlößchen-Zimmer) einquartiert. Zarge und Türblatt des Eingangs waren durch einen Einbruch beschädigt. Achim begann unverzüglich mit den Reparaturarbeiten, die noch vor unserem ersten gemeinsamen Abendbrot als erledigt abgehakt wurden.

In der Lagebesprechung nach dem Essen wurde der Aufgabenplan für die nächsten 5 ½ Tage erläutert. Voraussetzung für das Gelingen war allerdings vernünftiges Wetter. Wie sicher noch bei dem einen oder anderen in Erinnerung, scheiterte der Arbeitseinsatz mit dem Streichen der Fenster im letzten Jahr an den Unbilden des Wetters. Also wurde beschlossen, daß jeder der Anwesenden auf seine Weise einen Appell an den Wettergott in sein Abendgebet mit einbezog. In der Tat hat diese Maßnahme - wenn auch nicht kurzfristig - zum gewünschten Erfolg geführt.

Doch der Reihe nach:

Natürlich war das Streichen der Außenfenster einschließlich der Klappen unsere vornehmste Aufgabe. Denn würden wir erneut scheitern, dann müßte noch in diesem Jahr ein Malerbetrieb den Job übernehmen, um die Fenster vor ernsthaften Schäden zu bewahren. Aber wir hatten uns auch Ersatz- und Zusatzaufgaben gestellt, wie das Anbringen von 6 Rauchmeldern, die Montage von 17 Spiegeln, das Täfeln des Goslarer Ecks und des Damenwaschraums im Obergeschoß.

Erfahrungsgemäß ist die erste Nacht in knapp 2.800 m Höhe mit mehr oder weniger Schlafstörungen verbunden. So hatten wir alle kaum Schwierigkeiten, die verabredete Zeit von 8.00 Uhr zum gemeinsamen Frühstück einzuhalten. Ein Blick nach draußen zeigte, daß Petrus zwiespältige Gefühle walten ließ. Es war kalt, unbeständig und windig. Also wurde beschlossen, die Schlacht unter einem Dach beginnen zu lassen. Die Bergstation des Materialaufzugs wurde als Austragungsort ausgesucht. Nach einigem hin und her einigten wir uns, daß jedes Fenster und jede Klappe ausgehängt, in die Bergstation transportiert, von der Restfarbe befreit und nach dem Streichen wieder eingehängt werden sollte.

Wie viele Außenfenster hat die Braunschweiger Hütte? Wir wußten es zu diesem Zeitpunkt noch nicht! Vielleicht hätten wir uns für ein anderes Vorgehen entschieden, wäre uns der wahre Sachverhalt bekannt gewesen.

Also fingen wir an. Nicht gerade mit absolut passendem Werkzeug, obwohl im Vorfeld gerade an diesem Punkt heftig gearbeitet worden war. Sigbert hatte eine Drahtbürste im Zahnbürstenformat, die eigentlich zum Aufrauhen von Wildlederschuhen gedacht war. Achim versuchte mit Stahlwolle Restfarbe von den Rahmen der Fenster zu entfernen. Ehrlich gesagt: Zu diesem Zeitpunkt hatten wir so unsere Schwierigkeiten. Aber bereits jetzt zeigte sich die Klasse des Teams: Keiner verzagte, jeder gab sein Bestes. Wir hatten trotz widriger Umstände unsere ersten Erfolge.

Das Ergebnis der Lagebesprechung nach dem Abendessen war, daß Verbesserungsvorschläge auf den Tisch gelegt wurden. Franz war einverstanden, daß er den Abstieg seiner jüngsten Tochter von der Hütte - sie mußte wieder zur Schule - mit einem Ausflug nach Imst kombinierte. Drahtbürsten für Hand- und Maschinenbetrieb, zusätzliche Farbe, Schrauben in verschiedenen Größen, Dübel und Nägel wurden beschafft. Dazu kam in Stillebach der Griff in den eigenen Werkzeugschrank. Eine Hilti, ein Akkuschraubendreher und viele andere nützliche Hilfsmittel lagen im Kasten des Materialaufzugs. Jetzt konnte es richtig losgehen. Und es ging los.

Erika und Manfred beim streichen (Foto: Dieter Langkopf)Zunächst wurde trotz nächtlicherweise gefallenem Neuschnee unsere Wirkungsstätte aus dem Häuschen des Materialaufzugs auf die Terrasse der Hütte verlegt. Das Ergebnis waren kürzere Wege, frische Luft und bei zunehmend aufklarendem Wetter die bekannte Fernsicht auf die umliegenden Dreitausender. Da kaum Tagesgäste auf die Hütte kamen, störte unser Werkeln niemanden.

Jeder hatte inzwischen seinen Aufgabenbereich gefunden und abgesteckt: Erika schwang den Pinsel. Achim arbeitete in den Zimmern und ließ die Fensterrahmen in frischem Glanz erstrahlen. Sigbert leistete Schwerstarbeit in dem er, jetzt mit der Bohrmaschine und einem Drahtigel ausgestattet, pfundweise die alte Farbe von den Klappen abschruppte. Manfred bearbeitete die Fensterrahmen mit der Drahtbürste und unterstützte Flocki, der mangels handwerklichen Geschicks für den Transport der Fenster und Klappen zuständig war. Er soll angeblich die Distanz zur Wildspitze in Höhe und Länge in der Hütte hinter sich gebracht haben.

Nach wenig mehr als 3 ½ Tagen, nach Verarbeitung von mehr als 20 Litern Farbe (entspricht etwa 120 qm Fläche) strahlten die Fenster und Klappen neuwertig in der Sonne. Zwischendurch waren bei ungünstigen Wetterbedingungen die Rauchmelder und die Spiegel montiert worden, so daß mit Hochdruck an die Holzvertäfelung gegangen werden konnte.

Erika und Achim nahmen sich die Goslarer Ecke vor, Manfred und Sigbert den Damenwaschraum, derweil Flocki mit Botengängen im Haus und mit Handlangertätigkeit seinen Pflichten nachkam.

Eigentlich haben wir es selbst nicht so richtig glauben wollen. Am Freitagmittag waren alle Arbeiten einschließlich dem Verlegen und Verfugen von Fliesen in der Küche geschafft. Ein Ehepaar und drei Männer, die sich vorher nicht gekannt hatten, waren auf Grund ihrer menschlichen und fachlichen Qualitäten binnen einer knappen Woche zu einem hervorragend funktionierenden Team zusammen gewachsen, das mit Interesse und zum Vorteil der Sektion ganze Arbeit abgeliefert hatte.

Es darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß wir von Franz und seiner Mannschaft bestens versorgt wurden. Dafür herzlichen Dank. Eine besondere Überraschung bescherte uns der 1. Vorsitzende Walther Ludewig, der gemeinsam mit Dr. Karl-Friedrich Zobel im Tal weilte und die arbeitenden Mitglieder der Sektion über Franz mit einer frischen Portion Braunschweiger Wurst verwöhnte. Walther wir danken Dir.

Dank sagen möchten wir auch Friedel Weber, der mit seiner Spende von 17 Spiegeln den Zimmern der Hütte Glanz verliehen hat. Hoffentlich gehen die Gäste mit dem Gebotenen sorgsam um.

Achim fensterlt (Foto: Dieter Langkopf)Zum Schluß sei angemerkt, daß Höhenluft durchaus heilsame Wirkung haben kann: Achim konnte aus gesundheitlichen Gründen kein Bier und keinen Schnaps trinken, weil sich sonst Kopfschmerzen einstellten. Aber wie es im Leben so geht, eines Abends trank er versuchsweise einen halben Obstler. Dem Genuß ohne Reue folgte am nächsten Abend ein ganzer Obstler, wieder ohne Nachwirkung. Dem Chronisten ist nicht bekannt, ob die Versuchsrehe später fortgesetzt wurde.

Ganz zum Schluß die Anmerkung: Dieser Arbeitseinsatz hat gezeigt, daß es keineswegs über Masse gehen muß, wenn ordentliche Arbeit abgeliefert werden soll, sondern daß fachliche Klasse und Harmonie unter den Beteiligten zu beachtlichen Ergebnissen führt.

Ja, wie viele Außenfenster hat denn nun die Braunschweiger Hütte?! Es sind exakt 83 Fenster, davon 14 ohne Klappen. Und wer's nicht glauben will, der möge nachzählen.

Dieter Langkopf

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.28. Aug. 97