Am 7.6.1997 um 5.00 Uhr standen 2 einsame Wanderer auf dem Betriebshof
der Firma Weihrauch in Northeim und warteten auf den Start über Braunschweig
nach Spindlermühle / Spindleruv Mlyn zum Wandern. Um 7.00 Uhr in Braunschweig
war es dann mit der Ruhe vorbei, der Bus füllte sich bis auf 4 Plätze,
die in Magdeburg besetzt werden sollten. Aber es hatte keiner an die Höhen
der Brücken in Magdeburg gedacht, so daß mit unse- rem hohen Bus diese
technischen Hindernisse umfahren werden mußten und die Reise erst um 8.30
Uhr weiter- ging. Nachdem nun der Bus bis auf den letzten Platz besetzt war und
alle Koffer verstaut waren, ging es zügig auf der Autobahn voran. Südlich
von Berlin grüßte der Spreewald, und weiter ging es an Dresden vorbei
bis Baut- zen. Hier verließen wir die Autobahn. Vorbei an der Festung Bautzen
entdeckten wir die typischen Umgebinde- häuser, sahen von ferne das Zittauer
Gebirge, ein früheres Ziel der Wandergruppe, sowie die markante Bergspit-
ze des Jeschken. Petrus schien auch mit unserem Reiseunternehmen einverstanden
zu sein, denn es gab Sonne pur. Durch waldreiches Gebiet näherten wir uns
dann gegen 15 Uhr dem Grenzübergang Seifhennersdorf / Varnsdorf.
Der
8.6. beginnt mit strahlendem Sonnenschein und einem reichlichen Frühstücksbuffet.
Nach einem Rundgang durch den Ort, dem Kauf von Wanderkarten, Geldumtausch und
Erkundung der Einkehr- und Einkaufsmöglich- keiten geht es dann mit einem
modernen Vierer-Sessellift zur Planur/Predni Planina auf 1.195 m. Hier teilt
sich die Busbesatzung, wie auch an den folgenden Tagen, aufgrund unterschiedlicher
Interessen und Leistungsvermö- gen beim Wandern in zwei Gruppen, Gruppe
I unter der Führung von Wolfgang Henschel und Gruppe II unter bewährter
Regie von Heinz Oberbeck. Nach einer mittäglichen Rast wanderte die Gruppe
I nach Spindlermühle zurück( ca 10 km).
Gruppe II, Ein Glück, daß Heinz Oberbeck die 2. Gruppe mit
ca. 10 km führte. So konnten wir in aller Beschau- lichkeit die Landschaft
und die Schönheit der Berge in uns aufnehmen und die gute Bergluft genießen.
Oberhalb der Baumgrenze, in 1.200 m, begann unser Rundweg mit schönen Ausblicken
auf die "Keilbauden", wohin die Bauern ihr Vieh treiben. Auch Pferde tummeln
sich auf einer Koppel. Durch Wiesen und kleine bewaldete Hänge führen
schmale und breitere Wege, letztere dienen auch als Skiabfahrten. Lange Stangen
säumen die Wege, damit sich bei Nebel oder Schnee keiner verirrt. Urige
Stämme an Wegkreuzungen dienen als Beschilderung, nur für uns schwierig
zu entziffern, deshalb verlassen wir uns auf die Wanderkarte. Mancher bückt
sich nach Steinen - Calcit, Gneis, Granit - , andere schauen nach Bergblumen,
und in Mengen wachsen Blaubeeren. Immer wieder schauen wir auf das Gewoge der
Berge, sind dankbar für die gute Sicht, auch dafür, wenn mal einige
Wolken die Sonne verdecken. Abgeholzte Stämme am Wege bieten uns einen
willkommenen Rastplatz. Ringsum haben sich Hochmoore gebildet, deshalb gehen
wir den nördlichen Rundwanderweg, immer im Anblick des langen Ziegen- rückens.
Da die Baude an der Station zu war, nutzten wir den Lift um 15 Uhr und trinken
den Kaffee im Ort, wo bereits die I. Gruppe fast den ganzen Kuchen verzehrt
hatte.
Am 9.6 ging es für beide Gruppen mit dem Bus zur Goldhöhe/Vrbatova
auf 1.410 m, wo der Bus blieb. Dort wurden wir von Wolken und Kälte empfangen.
Alles fror und drängte trotz fast keiner Sicht auf den Abmarsch. Wir steigen
zum Steindenkmal, betrachten das in Holz geschnitzte Panorama. Das war es dann
auch schon. "Was sie sehen ist Gegend und was sie nicht, sehen ist die Umgegend",
ein alter, zutreffender Spruch.
Für die Gruppe I ging es dann über den Pantschefall und die
Elbbaude zur Elbquelle. Plötzlich- siehe da- Klär- chen hatte sich
durch die Wolken gekämpft, und die Sicht wurde rechtzeitig vor Erreichen
des Kammweges gut. Endlich auf dem Kamm des Riesengebirges und Sicht nach allen
Seiten. An der ehemaligen Schneegrubenbaude gab es eine Mittagsrast und zur
Stärkung für jeden einen Becher Stonsdorfer aus dem Riesengebirge.
Die Her- stellung des edlen Saftes erfolgte bis 1945 in Stonsdorf auf schlesischer
Seite zu unseren Füßen. Dann ging es auf steinigen Wegen über
das Hohe Rad, Mannstein, Mädelsteine bis zur Peterbaude. Hier sollte vor
dem Abstieg Einkehr sein. Aber zu unserer Enttäuschung war die uns bekannte,
immer sehr schön ausgestattete Baude zu. Hier bildete sich erstmals eine
Gruppe Ib heraus. Die Gruppe Ib ging den Kammweg weiter bis zur Spindlerbaude
und fuhr mit dem Bus nach Spindlermühle. Der andere Teil der Gruppe setzte
die Wanderung in der Hoffnung auf Kaffee-Einkehr in der Davidsbaude fort. Aber
auch die Davidsbaude war zu und in einem schlimmeren Zustand als die Peterbaude.
Auf einem kleinem Schild gab es dann doch noch einen Hinweis auf Kaffee, und
wir wurden nicht enttäuscht. Nach der Stärkung setzte die Gruppe die
Wanderung fort , es waren beim Zieleinlauf ca. 18 km.
Gruppe
II: Wir marschieren hinter Heinz her, entdecken Berganemonen, Germer und
riesige Flächen von Lat- schenkiefern mit frisch aufgesetzten Trieben.
Einige Schneefelder werden sichtbar und Bergkonturen treten her- vor. Plötzlich
sehen wir vor uns das Steinrondell der Elbquelle. Unfaßbar: Hier stehen
und gedanklich den Weg von 1.144 km bis zur Mündung zu verfolgen,. Auf
einer Mauer aus Feldsteinen sind 26 Wappen der an der Elbe liegenden Städte
von der Qüelle bis zur Mündung eindrucksvoll dargestellt. Wir treffen
ein Wanderpaar und Mitglied des Riesengebirgsvereins Hameln und tauschen Erfahrungen
und Grüße aus. Der Anstieg zum Kamm war nicht mehr weit, wir erblicken
die markante Reifträgerbaude und schauen auf Oberschreiberhau, wobei Heimatgefühle
aufkommen. Zurück begegnet uns an der Elbquelle die "Henschelgruppe" mit
einem fröhlichen Hallo. Der Weg zurück über die Elbfallbaude/Labska
bouda ist bequem und wunderschön, nur den Betonbau empfinden wir in dieser
Landschaft unpassend, störend. Auf einer windgeschützten Wiese ist
Mittagsrast. Es war himmlisch, über uns eine Bläue, um uns die Berge,
unter uns das Elbtal und in der Ferne die Schneekoppe. Gibt es etwas Schöneres?
An Steilhängen entlang führt der Weg mit Tiefblick auf das Elbtal
bis zum Pantschefall (1.300 m). Hier stürzt die Pantsche in Kaskaden 250
m ins Tal. Wir haben den Anstieg zur Goldhöhe vor uns, und die Sonne brennt.
Ab und zu sehen wir Bunkerbefestigungen aus der Zeit vor 1938. Unser Bus ist
in Sicht. Zuvor gönnen wir uns in der gemütlichen Baude einen Kaffee
oder Eisbecher. Pünktlich sind wir am Bus und blicken nochmals auf die
im Sonnenlicht glänzenden Berge.
Am 10.6. ging es dann bei blauem Himmel mit dem Bus für beide Gruppen
zum Spindlerpaß/ Spindlerova (1.200 m) und schauen über die tschechisch/polnische
Grenze auf den Hirschberger Kessel. Die Hotels sind um diese Zeit fast alle
verwaist, doch im Winter herrscht Hochbetrieb.
Die Gruppe I wandert auf dem Kammweg weiter über Mittagsstein, Silberkamm
zum Koppenplan auf 1.400 m. Hier schieden sich dann wieder die Geister. Die
Gruppe Ib wandert über den Koppenplan auf einem Panorama- und naturkundlichen
Weg zur Wiesenbaude. Dort wird eingekehrt und sich gestärkt. Der übrige
Teil der Gruppe I erstürmte die höchste Erhebung des Riesengebirges,
die Schneekoppe, mit 1.603 m. Als diese Gruppe auf der Wiesenbaude ankam, machte
sich Gruppe Ib langsam an den Abstieg über den Ziegenrücken nach St.
Peter. Bei Rückkehr nach Spindlermühle hatten alle eine Wanderstrecke
von 25 km zurückgelegt.
Gruppe II: Wir wandern zum Weißwassergrund, das letzte Stück
ist steinig, wir müssen Obacht geben. Aus dem Teufelsgrund kommt wildschäumend
die " Weiße Elbe/Bille Labe". Uns zieht es zur Baude, einige wagen den
Gang in den Teufelsgrund, der aber seine Tücken hat. Wir genießen
einen unvergleichlichen Palatschinken mit Aprikosen, andere Fleischgerichte
oder Salate. Als alle gesättigt waren, machten wir uns auf den Weg, der
unter schattigen Bäumen entlang der weiß schäumenden Elbe schnurstracks
hinabführt. Plaudernd wurden die Schritte immer schneller, bis wir am Elbufer
auf den abgerundeten Granitsteinen noch verweilten und das Erlebte in uns nachklingen
ließen.
Am 11. 6. ging es mit dem Bus zum Tagesausflug nach Adersbach, einer Felsenstadt im Nordosten Böhmens am Rande des Riesengebirges. Das Steinmassiv besteht aus spitzen Türmen, Pfeilern, Klippen, Säulen und kammar- tigen Gipfeln. Die Bewohner der Gegend nennen es die verzauberte, verwunschene Stadt. Wir wurden dort von Josef Kretschmer, einem tschechischen Touristenführer, in Empfang genommen und mit den Worten "Auf geht's, das Beste kommt noch" durch das Felsenmassiv geführt. Plötzlich hatte die Gruppe eine Elisabeth, Mädchen vom Lande, Rudi und andere Schönheiten zu verzeichnen. Rübezahl hat sich sicher bei der Gestaltung der Gesteine etwas gedacht, uns das "Beste" vom Riesengebirge zu zeigen. Nach einem ausgiebigen guten böhmischen Mit- tagessen ging es über einen Kurzaufenthalt in Hohenelbe zurück nach Spindlermühle.
Nach dem Ausruhetag wurde am 12. 6. wieder gewandert. Es fuhren beide
Gruppen wieder gemeinsam mit dem Bus ins Aupatal nach Petzer am Südfuß
der Schneekoppe auf 754 m.
Gruppe I: Und wiederum gab es Gruppe I und Ib. Die Gruppe I wanderte
durch den Riesengrund auf den Kop- penplan. Die Gruppe Ib fuhr mit dem Lift
bis auf die Schneekoppe und wanderte dann über den Jubiläumsweg zum
Koppenplan, von hier ab ging es gemeinsam über die Wiesenbaude und das
Denkmal für die Opfer der Ber- ge zur Geiergucke (Vyrovka). In der neuerbauten
Baude wurde sich gestärkt, ehe dann der Abstieg über den Langen Grund
nach St. Peter und Spindlermühle in Angriff genommen wurde. Die Gruppe
I war so gut einge- wandert, daß der Abstieg im Sturmschritt erfolgte
und die gesamte Gruppe nach 19 km um 16.00 Uhr wieder in Spindlermühle
war.
Gruppe
II: Wie sagte doch Joseph in Adersbach: "Das Beste kommt noch!" Der "Höhepunkt"
unserer Wande- rungen war die Tour zur Schneekoppe. Mit dem Sessellift ging
es auf 1.603 m. Bei klarem Wetter ist vom Gipfel eine unbeschreiblich schöne
Sicht ins Land von Schlesien und Böhmen. Leider verlor sich die Ferne im
Dunst. Aber für einige Teilnehmer war es doch ein Blick in die alte Heimat.
Wo fängt man mit den Erinnerungen an? Vor uns nach Norden geht es steil
in den Melzergrund hinab. In der Talsohle liegt Krummhübel, ein Luftkurort.
Im 16. Jh. vertrieben Heilkräuterkundige von hier ihre Arzneien weit in
den Osten. Wir sehen Brückenberg mit der evangelischen Stabholzkirche Wang
aus dem 12. Jh.. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. kaufte sie
1841 in Norwegen. Ein Stück weiter liegen Stonsdorf und Hirschberg. Hirschberg
, berühmt durch seine Tuch- macherei, Bortenwirkerei und Weberei, hat einen
historischen Stadtkern mit schönen Bürgerhäusern und Lau- bengängen.
Wir sehen Schmiedeberg, einen Luftkurort mit radonhaltigen Quellen. Unser Blick
gleitet nachWe- sten den Kamm entlang in schwingenden Linien. Wir sehen die
Abstürze zum Kleinen Teich und die Hampel- baude, 1.234 m, den Silberkamm,
weiter die Kleine Sturmhaube, 1.435 m, das Hohe Rad, 1.509 m, und die ehe- malige
Schneegrubenbaude, 1.480 m. Schauen wir in Richtung Süden nach Böhmen,
so fesselt uns der steile Absturz der Bergwände des Brunnenberges, 1.554
m, zweithöchster Gipfel des Riesengebirges, zum Riesen- grund. Es zeigt
sich der Hochwiesenberg, dahinter legen sich Ziegenrücken und Krkonosch
mit der Goldhöhe als Ausläufer des Hauptkammes wie eine mächtige
Spange um die Quellgründe der jungen Elbe. Nach Norden und Osten sehen
wir den Landshuter Kamm, vom Waldenburger Bergland den Hochwald, 850 m, den
Heidelberg, 936 m, die Heuscheuer, 919 m, den Glatzer Schneeberg, 1.425 m. Die
Bergketten türmen sich wie die Wellen eines gigantischen Meeres. Auf der
Koppe befinden sich die Koppenkapelle, 1681 erbaut, das 1900 begründete,
1989 erneuerte Observatorium und die Sesselliftbergstation von Petzer. Ab 1.000
m hört der Bergwald auf. Ab 1.400 m breiten sich Latschen, etwas höher
Rasenflächen,von Hochmooren unterbrochen, aus. Über den Jubilä-
umsweg, der sich in weitem Bogen durch mächtige Geröllhalden um den
Berg herumschwingt, er wurde 1904 anläßlich des 25-jährigen
Jubiläums des Riesengebirgsvereins gebaut, gingen wir hinab zum Koppenplan.
Hier steht an der schmalsten Stelle des Hauptkammes das Schlesierhaus. Am Anfang
des Riesengrundes machten wir Mittagsrast. Dann stiegen wir auf alpinem Weg
600 m hinab in den Aupakessel. Nach verdienter Rast in der Großmannsbaude
wanderten wir auf bequemem Weg nach Petzer, begleitet von der Aupa. Mit Rückblicken
auf die Koppe und dem Rauschen des Wassers nehmen wir diesen schönen Wandertag
so ganz in uns auf.
Am 13. 6. ist es sehr schwül. Wir fahren mit dem neuen Sessellift
zum Schüsselberg (Medvedin), 1.235 m,. und genießen den Blick auf
den Naturschutzpark Riesengebirge.
Gruppe I: Wieder gab es eine Untergruppe,. diesmal aber die Gruppe Ig.
Das "g" stand für "gemütlich Gebirge genießen". Sie wanderte
also genießerisch und gemütlich bis zu den Aussichtspunkten und ließ
die vergangenen Wandertage Revue passieren. Es kam, was kommen mußte,
denn wie immer: "Das Beste kommt noch". Der Sonnenschein war zu Ende, und vor
unseren Augen zog eine Gewitterfront auf, hier Blitz und Donner und dort Regen.
Selbst die "Alte Gake" (Schneekoppe) war in Wolken gehüllt und dann wieder
ohne Mütze. Ein herrli- ches Naturschauspiel. Mit diesem Zeitvertreib brachte
es die Gruppe Ig immerhin auf 9 km. Die Gruppe I war inzwischen über Rübezahls
Rosengarten, Kesselgruben, Rübezahlweg und Schüsselbauden auch unter
Andro- hung des Gewitters nach ca. 17 km wieder in Spindlermühle gelandet.
Gruppe II: Wir gehen den oberen Weg, vorbei an zerzausten Fichten und
Birken, erblicken von weitem die "Filemnicka Bouda". Für die Mittagsrast
ist es noch zu früh, als wir die Baude erreichen. Trotzdem gönnen
wir uns einen kleinen Imbiß. Am Himmel drohende Wolken, sie ziehen näher,
und wir brechen auf. Nach dem Don- nergrollen legen wir einen Schritt zu. Wir
verzichten auf die übliche Mittagsrast. Es ist der letzte Wandertag, uns
ist etwas wehmütig. Wir erreichen das Hotel Montana noch in trockener Kleidung.
Hier schließt sich der Kreis, und aus dankbaren Kehlen erklingt nach alter
Art und Weise: "Heinz wir danken Dir für diese Wanderwoche hier, wir danken
Dir - es war sehr schön."
Dann ging es ans Kofferpacken und zum letzten Abendbrot. Nach Abzug der Gewitterfront über Nacht strahlte am 14. 6. zur Abreise wieder die Sonne, und um 7.15 Uhr wurde die Heimreise angetreten. Es war eine wunder- schöne Wanderwoche, und sicher hatte Wolfgang Henschel einen Pakt mit Rübezahl für gutes Gelingen abge- schlossen. Zur Statistik sei gesagt: Die Gruppe I hat in dieser Wanderwoche fast 100 km erwandert, die Gruppe II ca. 50 km.
Für Gruppe I: Brigitte Hartmann
Für Gruppe II: Meta Walter / Magda Korherr