Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1997/4
Hochtourengruppe

Viel Wind um's Hockenhorn oder:
aller guten Dinge sind drei

Der erste Anlauf

Für Ende Juni stand wieder unsere fast schon traditionelle "Damentour" an. Vor mehreren Jahren von einigen Damen als reine Wanderwoche ins Leben gerufen und anfänglich mit einigen Unterbrechungen durchgeführt, hat sich diese Tour inzwischen zu einer gemischten Veranstaltung beiderlei Geschlechter entwickelt und dient immer mehr auch der Akklimatisation für größere Touren.

So trafen sich dieses Jahr am 24. Juni Christel, Lisel, Monika und Ute im Lötschental, dem "Tal der Täler". Mit von der Partie waren Helmut, Horst, Jürgen und ich.

Die Loetschenpaßhütte ist noch tief verschneitVon Mittal, unterhalb Goppenstein, wanderten wir über Jeizinen, Leukerbad, Albinen hoch über dem Rhonetal, um am 4. Tag über den Lötschentaler Höhenweg auf den Lötschenpaß (2.690 m) zur gleichnamigen Hütte zu gelangen. Die ganze Gegend lag noch tief verschneit. Am folgenden Tag wollten wir auf das Hockenhorn (3.293 m). Doch in der Nacht machte sich ein Fönsturm auf. Es begann gewaltig zu regnen Im Laufe des Vormittags ging der Regen in Schnee über. Der Sturm tobte über den Paß, die Sicht war gleich Null. So blieb uns nichts anderes übrig, als in der Hütte zu bleiben und auf Wetterbesserung zu warten.

Als am Nachmittag das Wetter kurz aufklarte, stiegen wir schnell ins Lötschental ab, wo wir mit fünf Personen in einer Ferienwohnung des Hüttenwirtes in Wiler Quartier fanden. Christel, Monika und Horst quartierten sich in einem Hotel ein. Eine Woche durchstreiften wir dann bei durchwachsenem Wetter das Lötschental. Anenhütte, Bietschhornhütte, das Blauseeli, aber auch Sion im Rhonetal waren u. a. unsere Tagesziele. Fast jede Nacht brachte in der Höhe neuen Schnee. Es war ziemlich hoffnungslos.

Der zweite Versuch

Unsere Gruppe veränderte sich in dieser Zeit. Christel, dann Monika mußten abreisen. Ronald, später Sigrid, kamen hinzu. Dann, am Montag, dem 7. Juli, wie angesagt, strahlender Sonnenschein. So waren wir guter Dinge, als wir uns frühmorgens an der Seilbahn trafen, um zur Lauchernalp zu fahren. Wir wollten einen neuen Angriff auf's Hockenhorn wagen. . Von der Bergstation waren 2 bis 2 ½ Stunden zur Lötschenpaßhütte vorgegeben. Doch bei ca. 2.000 m begann der Schnee, der schnell tiefer und tiefer wurde und uns nur sehr langsam vorankommen ließ. So ging es auf 12.30 Uhr - wir hatten fast 4 Stunden gebraucht - als wir die Lötschenpaßhütte im steifen Nordwind erreichten. Der Hüttenwirt machte ein bedenkliches Gesicht - wir enttäuschte. Und dann begannen wir, den Weiterweg hochzurechnen. Ergebnis:

Nach einer Mahlzeit stiegen wir mit langen Gesichtern wieder ab, ohne das Hockenhorn überhaupt gesehen zu haben.

Das waren auch betrübliche Aussichten für unsere weiteren Pläne über die Hollandiahütte zur Mönchsjochhütte zu gelangen. Dies bestätigten Anrufe in den Hütten und im Bergführerbüro Grindelwald. So ließ uns der viele Neuschnee in den Hochlagen am nächsten Tag die Heimreise antreten. Die Berner Alpen mochten uns anscheinend nicht.

.... und die Nr. 3

Für Anfang August war als Ziel unserer 2. Gruppenfahrt das Mt. Blanc-Gebiet vorgesehen. Nach der oben geschilderten "Pleite" änderten wir aber unsere Pläne und trafen uns am 2. August wieder im Berner Oberland. Wir waren dabei ganz konsequent und begannen dort, wo wir aufgehört hatten: mit dem Hockenhorn. Allerdings trafen wir uns dieses Mal in Kandersteg und zogen durch das Gasterental, dem oberen Kandertal, zur Gfällalp (1.847 m), wo wir übernachteten.

Endlich Gipfelrast auf dem sonnigen HockenhornDie Sonne war unsere Begleiterin, als wir am Sonntag, dem 3. August, die Gfällalp verließen und dieses Mal von Norden her zum Lötschenpaß aufbrachen.. Als wir nach knapp 3 Stunden die Hütte erreichten, wurden wir von Yolande, der Hüttenwirtin, als alte Bekannte freudig begrüßt. So bekamen wir vorzugsweise ein Separeelager. Nachdem wir unseren Rucksack um einige Dinge erleichtert hatten, ging es weiter, denn wir wollten die Gunst der Stunde und des Wetters nutzen, heute noch aufs Hockenhorn zu kommen. Lag die Hütte vor vier Wochen noch im tiefen Schnee, so zog sich heute der Weg, markiert durch Steinmänner, weit durch Schutt und Geröll hinauf. . Vor dem Kleinen Hockenhorn, einem ansprechenden Kletterturm, querten wir einige Firnfelder, bis der Schlußanstieg in eine leichte Felskletterei überging und zum Gipfel führte.

Bei Sonnenschein genossen wir im Windschatten fast eine Stunde den Gipfelblick. Allerdings konnten wir mehr die im ersten Urlaub begangenen Talwege ausmachen, da vom Norden ständig Wolken gezogen kamen, die den Blick auf weiter entfernt liegende Gipfel der Berner Alpen, des Wallis und der Montblanc-Gruppe verhinderten. Aber immerhin, wir hatten es im dritten Versuch endlich geschafft. Und wir können jetzt auch trotz der vielen Wolken beurteilen, daß das Hockenhorn ein ganz fantastischer Aussichtsbalkon sein muß.

Der Abstieg erfolgte zügig und leicht, kaum vorstellbar, daß wir zweimal gescheitert waren. Nach dem Abendessen spendierte die Hüttenwirtin eine Flasche Rotwein, die sicher mehr den "Stammgästen" als weniger dem Hockenhorn angedacht war.....

Acki Schröder

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.8. Nov. 97