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24. September 1972 ,geplant "Wildspitze"
5.30 Uhr: Es ist sehr neblig und kalt, wir steigen nicht zur Wildspitze auf, sondern wieder in den noch warmen Schlafsack, um weiterzuschlafen.
8.00 Uhr:Aufstehen und waschen
8.30 Uhr: Kaffeefrühstück. Es ist immer noch neblig.
10.00 Uhr:Es reißt auf. Wir wollen uns die Füße vertreten und über den Karlesferner zum Rettenbachjoch. Dabei sind Flocki, Käthe, Peter, Willi und Wulf. Es wird immer klarer - die Sonne kommt durch. Da die Wolken jetzt unter uns sind, beschließen wir, weiter zur Inneren Schwarzen Schneide zu gehen. Wir steigen in der Rinne zwischen Karleskogl und Gletscher sehr steil zum Rettenbachjoch, über den Rettenbachferner und in der steilen Nordwand zum Gipfel, 12.45 Uhr. Es war trotz der Mühe und Anstrengung in dem tiefen Schnee eine wunderbare Tour. Noch ist der Rettenbachferner unberührte Natur, nicht verschandelt mit Ski- und Schleppliften. Nach einem Gipfelobstler und etwas essen steigen wir um 13.30 Uhr wieder ab. Was heißt steigen?!? Wir laufen, rutschen und springen den steilen Nordhang leichtsinnig bis auf den Rettenbachferner hinunter. Um 14.45 Uhr sind wir schon wieder an der Braunschweiger Hütte. Es gibt gleich Kaffee und den guten selbstgebackenen Obstkuchen unserer Hüttenwirtin. Nach dem köstlichen Abendessen (Rindsbraten mit Reis und Krautsalat) um 19.00 Uhrqvc sitzen wir noch bei einigen Runden Obstler bis 22.00 Uhr mit unserem Hüttenwirtehepaar Irmgard und Haus Auer beisammen.
.............. fast 25 Jahre später
Nach ausgiebigem, gutem Frühstück gehe ich dieses Mal mit Albert und Florian um 8.15 Uhr auf den Weg zum Rettenbachjoch. 1972 lag dieser Steig größtenteils noch unter dem Eis des Karlesferner. Heute ist er anfangs völlig schnee- und eisfrei. Um 9.00 Uhr legen wir am Wasserbassin zur Versorgung der Braunschweiger Hütte das Brustgeschirr und den Sitzgurt sowie die Steigeisen an. Bei dem aperen Eis gehen wir zuerst noch ohne Seil. An den großen Gletscherspalten unter der Westwand der Inneren Schwarzen Schneide seilen wir um 9.40 Uhr an, um Florian, der führt, über die langen schmalen, diagonalen Gletscherspaltenbrücken zu sichern. Am Tiefenbachjoch bläst uns eisiger Wind entgegen. Wir machen Seil und Steigeisen wieder ab. Die nun folgende Gratkletterei in dem brüchigen Fels bis zur Station des Schleppliftes des Tiefenbachferner ist so besser zu bewältigen, erfordert aber auch unsere ganze Aufmerksamkeit. Ab 11.00 Uhr geht es dann steil, teilweise sogar mit beidseitigen Drahtseilversicherungen zum Gipfel. 11.35 Uhr sind wir am Gipfelsteinmann in 3.369 m Höhe. Wir genießen die Fernsicht und machen eine ausgiebige Mittagsrast im Windschatten des Gipfels. Auch hier war 1972 noch viel Gletschereis.
Nach
1 Stunde steigen wir über den verschneiten und vereisten Grat ostwärts,
dann nördlich hinunter auf die geschobenen Spuren des Rettenbachferner.
Sicherheitshalber gehen wir ab hier wieder mit Steigeisen. An uns rauschen die
Ski- und Snowboardfahrer vorbei. Um 14.10 Uhr sind wir am Rettenbachjoch, 2.089
m. Ein Becher Tee mundet köstlich, denn die Sonne brennt erbarmungslos.
Um 15.00 Uhr werden wir von unserem Bergfreund Bernd mit einem Obstler vor der
Braunschweiger Hütte empfangen. Er und Walter waren zum Pitztaler Jöchl
gestiegen, um unsere Tour zu beobachten. 15.30 Uhr kommt Hartmut, unser weiterer
Bergkamerad aus Fallersleben, zurück vom Mittagskogel, 3.159 m. Um 16.00
Uhr gibt es nach Waschen und Umziehen wieder Kaffee und selbstgebackene Sachertorte.
Leider ist der leckere Apfelstrudl schon alle. Nach dem Abendbrot sitzen wir
noch bis 21.45 Uhr mit einem Japaner "Michu" beim Spiel "Schwimmen" zusammen.
Die Unterhaltung geschieht in englisch, aber wir wissen jetzt: japanisch - Yoi
Yama = Berg Heil! Schließlich sitze ich noch bis 23.30 Uhr mit unserem
Hüttenwirt Franz Auer und seinem Freund Jacob aus der Schweiz zusammen.
Am nächsten Morgen: Waschen - Rucksack packen - frühstücken - 1 Obstler zum Abschied - auf ein Wiedersehen im September im nächsten Jahr.
9.05 Uhr: aufwärts zum Pitztaler Jöchl und weiter in Richtung Heimat.
Wieder liegen unvergeßliche Bergtage hinter uns.
Friedel Weber