Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1997/4
Hochtourengruppe

Ein langgehegter Traum........

Wenn einem Worte wie "mein erster Viertausender" nicht mehr aus dem Kopf gehen, so sollte man versuchen, endlich zur Tat zu schreiten.

Nach vielen Überlegungen, ob nun mit der Hochtourenruppe oder mit Bergführer, kamen wir zum Entschluß, uns als Neulinge doch für Letzteres zu entscheiden, um durch unsere Unerfahrenheit niemandem die Tour zu vermasseln. Gesagt, getan! - Nur ging unsere Rechnung nicht so ganz glücklich auf. Am Urlaubsbeginn in Herbriggen hatten wir über Globo Alpin zwar einen Bergführer, nur war seine Zeit für uns kürzer als ursprünglich geplant. Resultat davon: Eingehtouren gab es nicht.

Anreise Mittwoch, Wetter hervorragend, abends im Zimmer grüßte am Horizont das Breithornmassiv, und so schliefen wir erwartungsvoll unserem ersten Viertausender entgegen. Am nächsten Morgen, wir durften noch etwas ausschlafen, mit der Bahn zum Klein Matterhorn. Auf die häufig von unserem Führer Ulli gestellte Frage, ob wir unseren Kopf irgendwie merken würden , konnten wir zum Glück immer nur sagen: "Es ist alles in Ordnung!" Mit unseren neuen Ausrüstungsutensilien kamen wir auch gleich gut zurecht und so stand dem Aufstieg zum Breithorn (4.165 m) nichts im Wege. Die Route verlief auf dem Normalweg auf den Hauptgipfel/Westgipfel und weiter über den Ostgrat zum Mittelgipfel und von dort zum Breithornplateau zurück.Unser erster Viertausender, das Breithorn So richtig konnten wir es gar nicht glauben, als wir auf unserem ersten Viertausender standen, denn wir waren ja erst wenige Stunden von zu Hause weg! Nach einem Abstecher zur Aussichtsplattform des Kleinen Matterhorns ging es zurück ins Tal und am Abend stellten sich dann doch die befürchteten Begleiterscheinungen der ungewohnten Höhe ein, denn das Abendessen wollte nicht so recht munden.

Am nächsten Tag zum Glück oder....? ...... Regen! Also kein Gipfel! Im Nebel Wanderung rund um den Mattmark Stausee. Inzwischen war die Freundin unseres Bergführers zu uns gestoßen, und so sind wir am 3. Tag zu viert zum Allalinhorn (4.027 m) aufgebrochen. Von der Alpen-Metro aus ist uns der Aufstieg an diesem Tag trotz starkem Wind und Schneegrieseln viel leichter gefallen, da uns der Vortag etwas mehr Akklimatisation gebracht hatte.

Am Abend wurde dann die Tour für den nächsten Tag geplant und wie es sich so oft ergibt, erhielten wir von einem anderen Bergführer den wohlgemeinten Tip "Der Pollux (4.092 m) wird euch sicher gefallen, gar kein Problem, guter Stapfschnee usw." So ging es am nächsten Morgen wieder mit der ersten Bahn zum Klein Matterhorn, eine unbeschreibliche Fernsicht, wolkenfreier Himmel, angenehme Temperaturen - es hatte nachts gefroren, also gute Verhältnisse. Auf dem Hinweg wunderten wir uns zwar etwas über das gemache Tempo, und ich hatte beim Anblick des Aufstiegsweges Bedenken betreffs Steilheit usw, aber wenn man dann hört: "Komm erst einmal dorthin, dann sieht alles halb so schlimm aus", ist man ja wieder beruhigt. Der versprochene Stapfschnee stellte sich vor Ort als mehr oder weniger Eis dar und so brauchten wir einige Seillängen und Eisschrauben und natürlich auch Zeit, bis wir oben waren. Das Gipfelglück bei solchem Kaiserwetter und völliger Windstille will ja auch genossen sein, und wer denkt dann sofort an den Abstieg. Der Rückweg erfolgte über den Felsgrat, damit wir auch die andere Variante kennenlernten. Uns hat die ganze Tour richtig Spaß gemacht, nur so langsam fing ich an zu rechnen, ob wir bei dem längeren Rückweg die letzte Bahn schaffen würden. Auf halber Strecke streikte Ulli's Freundin und wir mußten sie, nachdem wir ihr noch unsere Trinkflasche abgetreten hatten, zurücklassen. Ulli wollte, nachdem er uns über den Breithorngletscher geführt hatte, zu ihr zurück. Inzwischen war es immerhin schon 16.00 Uhr und sein Tempo entsprechend hoch. Mein Selbstschutz ließ mich nach einigen Metern protestieren, und so lief er bei straffem Seil etwas langsamer. Unterwegs begegneten wir noch einer Zweierseilschaft. Unsere Hoffnung, nicht die Letzten zu sein, zerschlug sich, als wir hörten, daß sie nicht zur Bahn, sondern zu Fuß absteigen wollten. Beim Ausbinden war es bereits 16.30 Uhr und Frank rannte, so gut es noch ging, dem Eingang entgegen. Gerade noch geschafft - glücklich fuhren wir mit der letzten Bahn einem Riesenradler im Tal entgegen.

Für den nächsten Tag sahen wir uns schon "führerlos", aber Ulli und Freundin erreichten noch die Putzkolonnenbahn und so gab es eine herrliche Abschiedstour von Hohsaas zum Weissmies (4.023 m), rundherum gelungen und ohne Zeitdruck. Der ruhige gleichmäßige Schweizer Bergsteigerschritt sorgte dafür, daß wir nach 5 Stunden wohlbehalten zurück waren.

Vielleicht macht der Bericht auch anderen Neulingen Mut, es einmal zu versuchen. An Motivation aus der Gruppe wird es sicher nicht fehlen.

Undine Roscher

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.8. Nov. 97