Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1997/4
Wandergruppe

Rückschau auf den Südtiroler Weinweg

Für 16 erlebnishungrige Wanderer hieß es für sieben Tage vom 31. August bis zum 6. 9. 1996: "Folgen Sie dem Zeichen der Weintraube" auf dem Südtiroler Weinweg von Bozen nach Meran und Umkehr zurück nach Bozen über 103 km . 4 Wanderfreunde der Sekt. Braunschweig, 10 von der Sektion Magdeburg und 2 Nichtorganisierte aus Krefeld reisten am 31. 8. 1996 individuell an und trafen sich am Abend zu einer ersten Weinverkostung mit Kennenlernen und Lagebesprechung im Foyer des Hotels "Stiegl" in Bozen. Die eigenen Fahrzeuge waren halbsicher bis sicher für eine Woche untergebracht, so daß am nächsten Morgen die erste Etappe nach Andrian bei herrlichstem Sonnenschein und guter Dinge in Angriff genommen wurde. Aus Kapazitätsgründen wurde die Übernachtung nach Terlan verlegt. Wir überquerten den Talfer, durchwanderten Bozen in südlicher Richtung entlang der Talferpromenade durch herrliche Parks und erfreuten uns an bekannten und unbekannten Blumen und Gehölzen der subtropischen und tropischen Flora. Leichte Orientierungsschwierigkeiten (viele Köche verderben bekanntlich den Brei) ersparten uns den Steilanstieg zur Burgruine Sigmundskron, das oben genannte Wegsymbol war aber auch, zugegebener Weise , von 16 Paar Adleraugen oft nur schwer und manchmal überhaupt nicht auszumachen (ein Hinweis zur Verbesserung für nachfolgende Wandergruppen).

Dafür gab es im Örtchen St. Pauls, das nun schon westlich von Bozen und der Etsch im Gebiet Eppan liegt, eine willkommene Rast in Form eines Dorffestes, bei dem auch eine Kletterwand aufgestellt war (wir hatten durch hochsommerliche Temperaturen "geschwächt" keine so rechte Lust) und wo doch die Leberknödel mit Sauerkraut nur 8.000,00 Lire kosteten.

Eigentlich müßte der Südtiroler Weinweg nicht so sondern Wein- und Apfelweg heißen, denn beides löste sich nun zu gleichen Teilen in schöner Abwechslung ab. Vorbei an Schloß Korb und Ruine Boymont erreichte die noch fröhliche Truppe auf schönen Hangwegen das nächste Zwischenziel, die Burg Eppan, auf 630 m mit schönen und uralten Fresken (um 1150) in der Burgkapelle, aber auch einer herrlichen Aussicht nach Bozen und dem Schlern. Bis Andrian, wo der Bus uns nach Terlan ans Ostufer der Etsch brachte, zeigte uns Petrus doch schon mal, daß es auch etwas anderes als Sonnenschein geben kann. Trotzdem Stimmung gut, zumal Hotel Weingarten es in jeder Hinsicht gut mit uns meinte. (Hier gab es die ungewollte Story mit der Hosentasche und dem weichgekochten Ei, aber auch ein Geburtstagskind).

Am nächsten Morgen, bei Prachtwetter, Richtung Ultental und dann rechts ab. Entlang der Pfefferburg (dort eine Hinweistafel in kyrillischer Schrift!), durch Obst- und Weinplantagen, durch Kiefernwäldchen und Wiesen zum Aussichtspunkt und Kirchlein St. Christoph, wo uns Meran so richtig zu Füßen lag und die schnee- und eisbedeckte Texelgruppe sich offenbarte.

Hotel Poeder in Lana bot neben einem von uns langandauernd genutzten Hausschwimmbad auch ein gutes Quartier, doch das Abenddiner war leider im Preis nicht inbegriffen.

So war der Anstieg, ob der Völlerei am Abend und am Frühstücksbüffet, auf die Höhen des Marlinger Waalweges am nächsten Morgen mit Luftmangel und Milchsäure in den Muskeln verbunden, aber die Abwechslung und Schönheiten des Weges, wieder durch "Apfel- und Weinberge", ließen die kleinen Schwierigkeiten vergessen machen. Rückblickend auf St. Christoph und Schloß Braunsberg, vorbei an Schloß Lebenberg, eröffnete sich ein herrlicher Blick auf Meran und das morgige Ziel "Meran 2000" mit dem Ifinger (2.581m). Eine kleine Waalbrücke überquerend lasen wir:
Die Waalschell hell erklingt solang das Wasser rinnt. Und bleibt es einmal aus muß der Waaler aus dem Haus!

und es wurde aber auch eng auf dem nicht allzu breiten Weg, Wanderer und Gruppen staunten sich gegenseitig an: Wo kamen die plötzlich alle her und wo wollten sie hin? Wir wollten über die Etsch zum Algunder Waalweg in Richtung Schloß Tirol. Vorerst war Mittagsruhe im Schwimmbad Mitter angesagt und "Jupp" ließ sich beim Schnarchen nicht stören. Frisch gestärkt gönnten wir uns einen kleinen Abstecher zur 640 m hoch gelegenen Pfarrkirche St. Peter. Sie ist ein seltenes Beispiel einer Kreuzkuppelkirche mit Langhaus und Seitenschiffen. Ihr vorromanischer Ursprung geht in die Zeit vor 1200 zurück. In der Taufkapelle finden regelmäßige Sonntagsmessen und beliebte Traumessen statt, ein Ort der unsere Ehrfurcht erfordert. Über Schloß Tirol, hier wurde ein satter Eintritt gefordert, erreichten wir über die Tappeiner Promenade, ( rückwärts schauend erkennt man, daß das Schloß auf einem riesigen Lößberg steht, wie lange noch?), unser Etappenziel Meran und Hotel Sonnenhof. Hier schien alles riesig zu sein (auch die Preise?), auf dem Hof ein alles überragender Mammutbaum und im Haus zum Empfang ein riesiger Schäferhund, er war zum Glück friedlich. Trotz abendlicher Frische und etwas wackeligen Beinen ein Stadtbummel mit natürlich unumgänglicher Einkehr. Die vorletzte Etappe forderte uns zu Beginn wenig Kraftreserven ab, denn mit Bus zur Talstation und dann mit der Ifinger Seilbahn wurden wir gefahren und fast bis auf 2.000 m gehoben. Es müssen ja auch nicht immer kräftezehrende Anstiege sein. Von hier oben hat man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick ins Ultental, zur Königsspitze und Ortler sowie zur Texelgruppe und in das Passeiertal, nicht zu vergessen die greifbar nahe Gruppe um den Ifinger. Und wir hatten beides.

Wir waren in eine völlig andere Landschaft versetzt. Die Äpfel- und Weinberge waren saftigen Almen mit Kuhweiden gewichen, die von Fichten- und Lärchenwäldchen unterbrochen waren. Es ging immer sacht bergab, am Wege standen Parasole, Eberwurz und Hallimasch. Eine bunte vielfältige Abwechslung, durchsetzt mit zustimmendem Brummen und Wiederkäuen der hübschen dunkelbraunen und eselsgrauen Kühe. Die Leadner Alm verleitete mit ihren lukullischen Angeboten zum Verweilen, wir hatten auch Zeit, da der letzte "Hafen" in Mölten "Zum Löwen" schon in greifbare Nähe gerückt war.

Am LangfennAuch der letzte Tag, wo ein frühmorgendlicher Anstieg zum Langfenn gefragt war, bescherte uns das notwendige schöne Aussichtswetter. Wir wurden auch für die Mühe belohnt und konnten uns um das Kirchlein St. Jakob am Panorama nach Westen und Norden nicht satt sehen. Nach Süden blieben allerdings durch Nebelbänke Sella - Langkofel - Plattkofel -- Schlern und Rosengarten unseren gierigen Blicken verborgen. Schade. Den sprichwörtlichen Haflingern wurden die letzten Schnitten und Hasenbrote verabreicht, ob es ihnen schmeckte, werden unsere Nachfolger erkennen können , jedenfalls waren die Wiesen sehr üppig. Auf dem Weg zur Bergstation in Jenesien sollte noch einmal unser innerer Flüssigkeitsspiegel in der Edelweißhütte angehoben werden, statt dessen, da sie zu war, senkte sich der vom Langfenn gesichtete Nebel in Form von Regen auf uns, mit dem einzigen Vorteil, daß die vorhin verhangenen Berge jetzt prächtig zum Vorschein kamen.

Abstieg oder Abfahrt ins Sarntal, das war hier die Frage. Jedenfalls traf sich die geteilte Gruppe in Bozen bei einem Bier wieder. Die einen um 5.000,00 Lire ärmer, die anderen um 6 km reicher. Ins Programm gehörte noch am gleichen Nachmittag eine Weinverkostung im Gummerhof, mit vorheriger Besichtigung der Kellereieinrichtungen, die aber alle prächtig überstanden.

Wir alle haben die 6-tägige Etapentour ohne irgendwelche Weh-Wehchen oder gar größere Beschwerden sehr gut überstanden, das ist mit Sicherheit auch der erfahrenen und gefahrlosen Führung unseres Wanderleiterehepaares Frömming zuzuschreiben, dem wir hiermit nochmals herzlich danken möchten.

Im Auftrage der Gruppe

Euer Hans Gropp

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.8. Nov. 97