Erst müssen Eingehtouren gemacht werden, aber welche? Wir beschließen, nach Saas Fee zu gehen, und weil das Wetter so schön ist, fahren wir zum Felskinn. Von dort zur Britannia Hütte ist es nicht weit, und nach mehreren Fotopausen erreichen wir die Hütte. Hier muß ich erstmal meine Zuckerwerte messen, vom Gefühl geht es mir gut in der Höhe um 3000 m. Mein Messgerät zeigt 100mg/dl, das ist normal, aber essen muß ich jetzt doch etwas. Der Rückweg geht über den Plattjen nach Saas Fee. Für den ersten Tag ist es eigentlich zu viel.
Die nächste Tour geht zum Monte Moro Pass. Von dem Pass hat man eine schöne Aussicht auf die Monte Rosa Ostwand . Aber man muß vor 9 Uhr dort sein, denn dann kommen Wolken auf. Bei unserem Aufstieg treffen wir viele Wanderer, und wir erfahren , daß heute der Kardinal von Mailand die Madonna auf der Passhöhe weiht. An diesem Tag habe ich große Probleme beim Aufstieg, ich muß oft Pausen einlegen und etwas essen, weil meine Zuckerwerte sehr niedrig sind. Von der Monte Rosa haben wir an diesem Tag nichts gesehen.
Nachdem wir den Gsponer Höhenweg gegangen sind und auf dem Eggishorn waren, gönnen wir uns einen Ruhetag.
Das Breithorn ( 4165 m ) sollte mein erster Viertausender sein. Werde ich es schaffen???
Frühes Aufstehen ist angesagt, denn wir müssen ja erst nach Zermatt.
Erich zeigt uns vom Zug aus schon das Klein Matterhorn und das Breithorn Bei
herrlichem Sonnenschein sehen wir zum ersten Mal auch das Matterhorn. Mit der
Seilbahn geht's hinauf zum Klein Matterhorn. In der Nacht hat es gefroren, und
so ist der Aufstieg bis zur Anseilstelle bald geschafft. Die Höhe macht
sich doch bei mir bemerkbar. Nun heißt es wieder Zuckerwerte messen. Sie
sind für die Anstrengung beim Aufstieg zu niedrig. Also Energieriegel,
Banane, Mars usw. essen, denn durch den Aufstieg wird ja der Zucker wieder abgebaut.
Dann werden Gurt, Steigeisen und Seil angelegt. Ach ja, Prusikschlinge auch
noch, das haben wir doch bei der Bergrettungsübung gelernt Mit Erich als
Führer gehen wir langsam los. Renate und Jürgen gehen zum ersten Mal
mit Steigeisen und am Seil, daher machen wir öfter kleine Pausen. Bei dem
Tempo kann ich gut mithalten. Nach 1 Stunde sind wir auf dem Gipfel.
Für
mich ist es ein schönes Gefühl, etwas geschafft zu haben, was für
einen gesunden Menschen leichter ist. Der Blick vom Gipfel ist ein schönes
Erlebnis. Das Wetter zeigt sich auch heute, wie fast jeden Tag in diesem Urlaub,
von seiner besten Seite.
Am nächsten Tag machen wir nur eine "kleine Wanderung", denn zu den Murmeltieren auf dem Spielboden sind es nur 1000 Höhenmeter.
Eine Bahnfahrt führt uns auf den Gornergrat. Wir haben hier, so finde ich, den schönsten Aussichtspunkt auf die Berge um Zermatt.
Meine Blutwerte sind in den nächsten Tagen so gut, daß wir uns entschließen, den Höhenweg von Grächen nach Saas Fee zu gehen. Mit ca. 1000 m Auf- und Abstieg und einer Gehzeit von 7 - 8 Std. ist das eine anstrengende Tour, die ich aber gut bewältige. Daher wird am Abend der Rucksack für die Besteigung des Allalinhorns ( 4027 m) gepackt. Ob das auch wieder so gut klappt?
Wir fahren bis zur Metrostation am Mittelallalin. Bis zu den Skipisten gehen wir ein ganzes Stück abwärts, überqueren die Pisten und binden uns ein. Nun geht es steil hinauf bis zum Feejoch. Bis hier ist noch alles ohne Probleme, aber ich muß etwas essen. Nach einer kurzen Pause gehen wir weiter. Bald merke ich, daß mir der weitere Aufstieg schwer wird. Zum Werte messen ist kein guter Platz da. So kann ich nur nach dem Gefühl handeln, und mit Traubenzucker und Schokolade meinen Blutzuckerspiegel hoch powern. Beim Weitergehen kommt schon mal der Gedanke auf, laß Erich und Heidelore alleine auf den Gipfel gehen, daß schaffst du heute nicht. Aber Dank der vielen Pausen, die wir machen, stehe ich schließlich doch mit auf dem Gipfel.
Nun habe ich meinen 2. Viertausender . Das hätte ich alleine nicht geschafft, ich brauche dafür die Hilfe und das Verständnis meiner Bergkameraden, die doch oft auf mich Rücksicht nehmen müssen.
Manfred Freyer