Ob Mensch, ob Tier, ob Motor oder Maschine, alles was funktioniert, was geht,
fährt, fliegt oder schwimmt, ohne daß besondere Komplikationen auftreten,
wird von uns Menschen kaum mit besonderer Beachtung bedacht. Dabei wissen wir
sehr genau und besonders dann, wenn wir ja in unserem Leben die eine oder andere
Verantwortung übernommen haben, daß nichts, absolut nichts selbstverständlich
ist oder von selbst geht.
Ich glaube, daß sich diese Gedanken in abgewandelter Form auf die Braunschweiger Hütte übertragen lassen. Angeregt zu diesen Überlegungen wurde ich bei unserer diesjährigen Hauptversammlung. Alle Mitglieder, die an der Hauptversammlung teilgenommen haben, hatten Gelegenheit, sich in komprimierter Form über die Geschehnisse in und um die Hütte herum zu informieren. Alle, die nicht dabei sein konnten oder wollten, haben einen Anspruch auf Information, denn die Braunschweiger Hütte bringt der Sektion nicht nur Geld ein, sondern in naher Zukunft wird sie viel Geld kosten.
Die erste Maßnahme - verbindlich bis zum 30. Oktober 2000 fertig zu stellen - wird der Bau einer Abwasser-Reinigungs-Anlage mit integriertem Fettabscheider sein. Unsere Hütte wurde neben 30 anderen alpinen Objekten vom Hauptverein für ein von der EU gefördertes sog. Life-Programm ausgewählt. Die Planung und das Genehmigungsverfahren sind abgeschlossen. Die Bezirkshauptmannschaft Imst hat die Anlage für 10 Jahre genehmigt (üblicherweise wird die Genehmigung nur für 5 Jahre erteilt). Gebaut wird - unter Einbeziehung der bestehenden dreikammrigen Absetz- und Faulanlage - eine mechanisch-biologische Kläranlage.
Die vorgesehene Gesamtfinanzierung beläuft sich auf 155.000,00 DM. Davon hat die Sektion 40.000,00 DM aus Eigenmitteln aufzubringen. Der Rest wird durch Zuschüsse finanziert.
Der im 2. Weltkrieg durch österreichische Pioniere gebaute Materialaufzug zur Braunschweiger Hütte muß wegen Baufälligkeit erneuert werden. Alternativen wie die Ver- und Entsorgung der Hütte mit dem Pitztal-Expreß (und weiter über den Gletscher) oder aus der Luft mit Helikopter rechnen sich nicht bzw. sind nicht machbar, weil z. B. der Pitztal-Expreß während der Hüttenöffnungszeit im Frühsommer nicht in Betrieb ist. Beachtet werden muß auch, daß das Hauptkontingent der in der Hütte übernachtenden Touristen auf dem E-5-Wanderweg unterwegs ist, und daß die Rucksäcke zwecks Marscherleichterung gern dem Materialaufzug anvertraut werden. Bei meinen zahlreichen Besuchen in der Hütte habe ich immer wieder gehört, daß dieser Umstand neben dem hervorragenden Essen und den gepflegten, sauberen Schlafräumen ein ernstzunehmender Grund ist, die Braunschweiger Hütte - auch mehrmals - zu besuchen.
Im Augenblick erstellt die Firma Reisch das Projekt für den neuen Aufzug. Bei planmäßigem Ablauf wird die Ausschreibung im Spätsommer d. J. abgeschlossen sein. D. h. die Arbeiten werden im Sommer 1999 oder 2000 durchgeführt. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 300.000,00 DM bis 400.000,00 DM
Diese finanzielle Belastung kann die Sektion aus eigener Kraft nicht bewältigen. Obwohl München generell bei der Bezuschussung von Seilbahnanlagen sehr zurückhaltend ist, werden wir Unterstützung erhalten, weil hier eine alte Anlage gegen eine neue eingetauscht wird und weil die Ver- und Entsorgung der Hütte - wie schon beschrieben - auf andere Art und Weise nicht gut machbar ist.
Doch mit der Unterstützung des Hauptvereins allein ist die Finanzierung des Seilbahn-Neubaus nicht zu schaffen. Wir werden also betteln müssen. Ich fange deshalb schon mal bei den Mitgliedern und Freunden der Sektion an und bitte um Spenden. Mir ist klar, daß in der heutigen Zeit die Mark nicht mehr so locker sitzt, wie in der Vergangenheit. Bedenken Sie jedoch, daß die Braunschweiger Hütte keineswegs ein Zuschußbetrieb ist. Im Gegenteil: In den letzten Jahren wurden jeweils 5-stellige Erträge erwirtschaftet, eine Tatsache, die eindeutig für die Pflege und den Erhalt der Braunschweiger Hütte spricht.
Es wird Ihnen bekannt sein, daß der Hüttenbetrieb zwischen Ostern und Pfingsten wegen Ausfall der Heizung seit 3 Jahren ruht. Der Dampfkessel ist geplatzt und das Rohrsystem der Heizung gleicht im Aussehen und Funktion einem Schweizer Käse. Im Klartext: Die Heizungsanlage einschließlich Rohrsystem muß total erneuert werden.
Bereits im März letzten Jahres wurde uns von den Pächtern der Martin-Busch-Hütte und der Vernagt Hütte unterstellt, wir würden unsere Hütte im Winter absichtlich geschlossen halten, um die klassische Rundtour von Obergurgl bis zur Braunschweiger Hütte zu behindern. Dabei sind wir in guter Gesellschaft mit den Sektionen Berlin (Hochjochhospiz) und Karlsruhe (Hochwildehaus). Beide vorher genannten Sektionen haben genau wie wir gute Gründe, ihre Hütte im Winter geschlossen zu halten, bieten aber genau wie wir als Alternative bestens ausgerüstete und durch die Hüttenwirte versorgte Winterräume an, die auch gern angenommen werden. Allerdings wird das Bezahlen in den meisten Fällen vergessen und zusätzlich die Geldkasette immer wieder aus der Halterung gerissen und wegen Beschaffung von "Trinkgeld" geknackt.
Zurück zur Braunschweiger Hütte: Die Erneuerung der Heizung würde bis zu 200.000,00 DM kosten. Doch damit nicht genug. Weil der Gletscher seine Fließbahn mal wieder geändert hat, ist der unterste und bis dahin wasserführende Schacht ohne Wasser und damit auch die Hütte. Die Quellfassung unterhalb des Rettenbach-Jochs taut in Abhängigkeit von der Schneelage erst etwa Mitte Juli auf. Die Versorgung der Hütte mit Frischwasser über den "Teich" funktioniert ab Mitte Juni nur über den Zufluß von Tauwasser. Also müßte der Teich mit erheblichem, finanziellem Aufwand "wintertauglich" gemacht werden, um die Hütte zwischen Ostern und Pfingsten öffnen zu können.
Ist das zu verantworten? Ich meine: Nein! Hier sollten wir doch die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht aus den Augen verlieren. Aufwendungen in der Größenordnung von 300.000,00 DM und mehr für einen Öffnungszeitraum von 8 bis 10 Wochen und für 1.200 bis 1.500 Gäste. Das rechnet sich nicht. Auch nicht für den Pächter.
Fraglich ist, und die Frage wird durch Zeitablauf immer akuter, ob die früheren Hüttengäste - viele Niederländer - sich überhaupt wieder in die Braunschweiger Hütte zurückholen lassen. Mußten sie sich doch nach Schließung unserer Hütte neu orientieren. Sicher haben viele von ihnen bereits in neuer Umgebung Wurzeln geschlagen.
Wie hatte ich doch oben gesagt? Nichts geht von selbst und nichts ist selbstverständlich oder umsonst. Deshalb zum Schluß nochmals die Bitte: Helfen Sie mit und unterstützen Sie unsere Arbeit durch eine zweckgebundene Spende zu Gunsten des Materialaufzuges der Braunschweiger Hütte. Danke.
Dieter Langkopf
1. Hüttenwart