Himmelfahrt ...es war soweit. In der Vorfreude waren die Sachen schon Tage vorher
gepackt. Als dann Mittwochabend Zelte, Essenskisten, Seile, Gurte die und anderen
Ausrüstungsgegenstände in die Autos verteilt und gepackt waren, konnte
es endlich losgehen.
Um ca. 20.00 Uhr erreichten wir den Ithkamm mit seinem Zeltplatz. Wir bauten zunächst die Zelte auf, kochten unser Abendbrot (Spaghetti mit Tomatensauce). Nach dem Essen gingen wir noch einen Erkundungsspaziergang zu den Felsen machen. Wir wählten den Weg, der an den Einstiegen der Felsen vorbei geht. Nachdem wir Hexenkanzel, Kamel und Teufelstrichter hinter uns gelassen hatten, standen wir plötzlich am Pilzstein mit DER Tour. - HANG OR HANG NOT - . In diesem Moment dachten wir alle das Gleiche. Wir wollten über diese Tour den Gipfel des Pilzsteines erreichen. Abends am Lagerfeuer (was wie immer urgemütlich war) lasen wir alle den Kletterführer, in dem stand: "Pilzstein; Hang or Hang not: ... über glatte Wand, durch pralles Dach zum Gipfel." Die Schwierigkeit wurde mit VIII- angegeben, was uns alle etwas abschreckte, da wir im Schnitt alle gerade erst mal den unteren siebten Grad beherrschten. Doch trotzdem war es beschossene Sache, daß DIESE Tour unsere erste Tour im achten Grad werden würde.
Am Donnerstag war alles in allem ein schöner lockerer Klettertag. Zum Abendbrot gab es wie immer Spaghetti, aber diesmal mit Käsesauce.
Freitagmorgen gingen wir den Tag sehr locker an, wobei der vorangegangene Abend nicht ganz unbeteiligt war. Es war ein typischer Ithmorgen: 1. Aufstehen, 2. Waschen und Zähne putzen, 3. Frühstücken, 4. Erzählen und den Tag besprechen, 5. Geschirr vom Frühstück abwaschen, 6. zum Klettern fertigmachen. Um ca. 10.30 Uhr gingen wir dann los zu den Felsen. Wir beschlossen, mit dem Klettern hinten am Zwilling anzufangen.
Um
den Pilzstein haben wir den ganzen Tag einen großen Bogen gemacht, bis
wir plötzlich doch an diesem Fels stehen blieben und einer Seilschaft mit
zwei sehr fähigen Sportkletterern, die in UNSERE Tour einstiegen, zusahen.
Nachdem der vorsteigende Kletterer den 1., 2., 3., und dann auch noch den Umlenker
geklinkt hatte, ließen wir uns die Schlüsselzüge erklären.
Nach jeder Menge Vorinformationen war es beschlossene Sache. Wir würden
in die "Hang or Hang not" einsteigen. Den Achterknoten haben wir alle bestimmt
fünf sechs mal kontrolliert, denn wir waren uns im Klaren, daß es
einer der sturzreichsten Begehungen werden würde, die wir je gemacht haben.
Es ging los, die Hände noch schnell in den Chalkbeutel, die erste Sicherung geklinkt (Klemmkeil DMM Größe 6 paßt wie angegossen), den ersten Bühler und dann ein brutal schweres Stück Kletterei. Nachdem auch der zweite Bolt direkt unter dem Dach geklinkt war, atmeten wir erst einmal alle auf. Jetzt konnte der Spaß beginnen, das riesige Dach, was einem noch viel größer vorkommt, wenn man darunter hängt. Im dritten Haken, den man von Wundergriffen unter dem Dach aus klinken kann, war auch schnell das Seil eingehängt. Tief durchatmen, den großen Untergriff mit der rechten Hand, dann mit links ganz weit rausgreifen, und spätestens jetzt gab es nur noch zwei Möglichkeiten: 1. Sauber zu den beiden Ausstieghänkeln kommen und dann dynamisch aus der Waagerechten wieder in die Senkrechte, oder 2. ...Stürzen. Das Verhältnis zwischen den beiden Möglichkeiten war etwa 1:3. Nachdem war allen klar, daß die erste Rotpunkt-Begehung noch eine Menge Training erfordern würde, aber trotzdem würde uns dieses Erlebnis noch eine Weile im Gedächtnis bleiben.
Es war eine super klasse Aktion, die wir unbedingt wiederholen müssen !!!
Kilian Stumpp