Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1998/3
Hochtourengruppe

Am Anfang war die Frage:

"Kletterkurs J A oder N E I N ?"


Als im ersten Mitteilungsblatt in diesem Jahr Kletterkurse für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten wurden, habe ich wochenlang hin und her überlegt, ob ich als "älteres" Semester (61 Jahre) noch so einen Kurs "für Anfänger" mitmachen soll.

Da ich mich der Hochtourengruppe angeschlossen hatte, und mir die Mitglieder zugeraten haben, stand mein Entschluß fest: "Ich mache den Anfängerkurs mit!"

Also habe ich mich angemeldet.

Am 9. 5. 1998 habe ich mich auf den Weg nach Braunschweig/Güldenstraße zur Kletterwand aufgemacht, wo wir uns treffen wollten, um auch die anderen Teilnehmer und die Übungsleiter kennenzulernen. Die Fachübungsleiter Matthias Körner und Dirk Voigt haben uns also in Empfang genommen.

Es stellte sich heraus, daß wir 6 Kursteilnehmer waren. Es hatten sich 3 Frauen und 3 Männer gemeldet, wobei ich feststellen konnte, daß ich doch nicht der Älteste war. Nach dem Kennenlernen wurden wir in 2 Gruppen eingeteilt.

Der 1. Tag war der Kletterwand vorbehalten.

Als Allererstes haben uns Matthias und Dirk einen Vortrag über Sicherheit und Sicherung gehalten. Diese zwei Worte Sicherheit und Sicherung zogen sich wie ein roter Faden durch unseren vier Tage dauernden Kletterkurs.

Danach wurden wir zum Klettern ausgerüstet und eingewiesen. Jeder bekam Sitzgurt, Brustgurt und Bandschlinge zum Einbinden. Jetzt wurde über Bandschlingen-Achter- und Sackstichknoten gesprochen. Dann wurde geübt und geübt. Am Nachmittag haben wir die ersten Versuche an der Wand geklettert, und jeder hatte sein Erfolgserlebnis. So ging der erste Tag zu Ende.

2. Tag: Wir wollten in den Harz, ins Okertal. Marienwand und Schlafender Löwe sollten unsere Ziele sein.

Treff war die Hauptpost und ab gings in gespannter Erwartung, wie wir die erlernte Theorie in die Praxis umsetzen könnten.

Heute mußte jeder zeigen, ob er richtig aufgepaßt hatte, das hieß sichern und sicher klettern. Unsere Übungsleiter präparierten uns Routen mit Klemmkeilen und Express-Schlingen, die wir nachklettern sollten, wobei wir noch Zwischensicherungen legen sollten. Matthias war immer mit auf Kletterhöhe und hat mit Argusaugen und Tips unsere Kletterei überwacht. Weiter haben wir immer wieder Abseilen und Standplatzsicherung geübt. So ging auch der zweite Tag erfolgreich zu Ende.

Am 3. Tag: fuhren wir zum Ith. Treffen war am DAV-Jugend Campingplatz. Fachübungsleiter Günter Gersdorf ist für Matthias zu uns gestoßen, der verhindert war. Heute sollten und wollten wir in Eigenverantwortung sichern und klettern. Wir hofften, alles gut gelernt zu haben. Das hieß also vorsteigen und Sicherungen legen (Klemmkeile, die auch halten sollten), Standplatzsicherung einrichten usw., usw. Es mußte sich jeder auf den Partner 100 % verlassen können. Dabei wurden wir stets mit wachen Augen von unseren Übungsleitern beobachtet. So haben wir dann im Wechsel immer neue Routen geklettert und wenn man noch ein Erfolgserlebnis hatte, weil die eigene Sicherung beim Rausfallen aus der Wand gehalten hat, war man happy.

So ging auch der 3. Tag gegen 17.30 Uhr gut zu Ende, wobei die Übungsleiter mit den Frauen noch bis ca. 20.30 Uhr weiter geklettert sind, da sie auf dem Campingplatz übernachtet haben.

4. und letzter Tag: Heute ist Matthias wieder da. Geklettert wird an einer anderen Wand, und ich finde, die Routen werden immer anspruchsvoller. Wir trauen uns immer mehr zu und haben auch fast immer Erfolg. Von uns Teilnehmern kommt immer öfter die Frage: "Ist das nun ein 3er, eine 3+ oder gar ein 4er?" Aber unsere Euphorie wird immer ein wenig gedämpft.

So geht schließlich auch unser letzter Tag zu Ende. Es geht zurück zum Campingplatz. Wir geben alle Sachen: Sitz- und Brustgurt, Karabiner, Klemmkeile usw. , die dem DAV gehören, zurück.

Wir, die Teilnehmer: Claudia, Ute, Sabine, Johannes, Frank und ich möchten uns auf diesem Wege bei unseren Fachübungsleitern Matthias Körner, Dirk Voigt und Günter Gersdorf für ihre Mühe, Geduld und Sachkenntnis bedanken.

Und zur Frage: "Kletterkurs J A oder N E I N" rate ich jedem

J A !


Paul Budkammer

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.19. Aug. 98