Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1998/3
Wandergruppe

Eine Wanderwoche "Ostharz-Natur erleben"


Vom 13. bis 20. Juni 1998 wanderten 27 Mitglieder der Wandergruppe im Ostharz und erlebten dort Natur pur sowie Geschichte zum Anfassen. Standort war Friedrichsbrunn, mit 580 m über NN der am höchsten gelegene Ort im Ostharz. Seinen Namen erhielt der Ort von seinem Gründer, dem Preußenkönig Friedrich dem Großen, der 1754 auf einer Inspektionsreise am "Ungetreuen Brunnen", dem heutigen Friedrichsbrunn, rastete und der 1775 der Gründung sowie Namensgebung durch "allergnädigste Erlaubnis" zustimmte. Der Ort liegt am Südwesthang des Rambergmassivs zwischen zwei der schönsten deutschen Gebirgstälern, dem Bode- und dem Selketal, wo man botanische Raritäten aller Art bewundern kann. Besonders genannt sei hier das Flächennaturdenkmal "Trollblumenwiese".

Die Anreise der Wanderer erfolgte mit Pkw's. Untergebracht waren alle im "Promenaden-Kurhotel", wo sie von der Familie Stär bestens betreut und verpflegt wurden. Die Organisation und Führung der Wanderwoche lag in den Händen des Ehepaares Anke und Jürgen Wenz aus der Braunschweiger Wandergruppe. Zusätzlich übernahm an einigen Tagen die Führung der Harzklub-Wanderführer Gerald Fritsch aus Friedrichsbrunn, der insbesondere die geschichtlichen und prähistorischen Sehenswürdigkeiten erläuterte, von dem aber auch alle Wegemarkierungen (Schilder) im Friedrichsbrunner Bereich stammten. In diesem Gebiet stießen früher die Länder Preußen, Anhalt und Braunschweig zusammen, was heute noch an den vielen historischen Grenzsteinen zu erkennen ist.

TeufelsmauerAm 1. Tag (Ankunftstag) wanderten wir nach kurzer Pkw-Fahrt von Bad Suderode durch das Kalte Tal nach dem Anhaltinischen Saalstein (auf der anderen Seite des Tales liegt der Preußische Saalstein) und nach dem Preußenturm, der bestiegen wurde. Hier hatten wir eine herrliche Sicht von Blankenburg bis Gernrode und in das nördliche Harzvorland mit Quedlinburg und den kleinen Gebirgen. In der Ferne sahen wir den Schornstein von Buschhaus bei Helmstedt. Zurück nach Bad Suderode gab es zunächst einen kleinen Aufenthalt im neuen Kurzentrum, dann fuhren wir nach Neinstedt und bestiegen dort die Teufelsmauer (kreidezeitliche Quadersandsteinbildungen), wo uns wieder eine wunderbare Aussicht geboten wurde.

Am 2. Tag gingen wir von Friedrichsbrunn durch das Tiefenbachtal den Berg- und Tälerweg vorbei an der "Adlereiche" und der "Klobenbergbaude", dann durch das Uhlenbachtal den Tälerweg vorbei an der "Uhleneiche" bis zum Gondelteich. Von hier aus machten die "starken" Wanderer noch einen Umweg über die Viktorshöhe, während die anderen an der "Trollblumenwiese" (die Trollblumen blühten leider nicht mehr) vorbei direkt nach Friedrichsbrunn wanderten.

Der 3. Tag wurde historisch besonders interessant. Von Friedrichsbrunn führte uns unser Weg über Bormannswiese (Rast) nach der Ruine Lauenburg oberhalb von Stecklenberg. Die Burg wurde im 12. Jahrhundert erbaut und mehrmals zerstört. Sie war eine der größten Burgen im Harz und bestand aus der Vorburg und der Hauptburg, deren Ruinen unter fachkundiger Führung von Gerald Fritsch bestiegen werden konnten. Ein Teil der Wanderer stieg von hier aus ab nach Bad Suderode und fuhr mit dem Bus nach Friedrichsbrunn, während die anderen durch das Wurmbachtal und über den Glockenstein und die Georgshöhe nach Friedrichsbrunn zurück wanderten.

Am 4. Tag fuhren wir nach Ballenstedt und wanderten nach den Gegensteinen, die bestiegen wurden. Die Gegensteine gehören zur Teufelsmauer, die sich von Blankenburg über Neinstedt teilweise unterirdisch bis hierher erstreckt. Weiter ging der Weg nach der Roseburg, einer neuromanischen Burganlage, die 1807 - 1825 von dem Architekten Sehring als Wohnsitz auf der mittelalterlichen Burgstelle "Rudolfsburg" erbaut wurde und deren Park architektonisch interessant gestaltet war mit vielen Figuren, davon einigen antiken. Auf der Schloßallee gelangten wir nach dem Ballenstedter Schloßpark und hatten Gelegenheit, im Schloß u.a. das Grabmal von Albrecht dem Bären zu besichtigen.

Am 5. Tag fuhren wir an die andere Seite des Harzes nach Questenberg, einem kleinen Dorf eingebettet in ein enges, durch schroffe Felswände gebildetes Tal. Wir bestiegen zuerst die Queste, ein Berg mit einem hohen Eichenstamm, an dem ein großer Eichenkranz mit zwei Quasten hängt, der alljährlich zu Pflingsten erneuert wird. Der Platz ist eine altheidnische Opferstätte. Von hier aus wanderten wir auf dem Karstwanderweg, einem Kammweg, weiter. Unter uns im Süden lag die Goldene Aue und gegenüber das Kyffhäusergebirge. Unser Weg endete am "Periodischen See", der nur periodisch Wasser hat, z.Zt. aber vollkommen trocken war. Auf einem anderen Weg wanderten wir über die Queste nach Questenberg zurück.
An der Queste
Am 6. Tag regnete es. Trotzdem wanderten wir von Friedrichsbrunn vorbei am Gondelteich und am Bergrat-Müller-Teich sowie an der Teufelsmühle, einem Felsgebilde, nach der Viktorhöhe. Einige Wanderer machten noch einen Umweg, die anderen gingen auf direktem Weg vorbei an Soldatengräbern aus dem 2. Weltkrieg und an dem leider verfallenen Waldschwimmbad zurück nach Friedrichsbrunn.
Am Nachmittag war Gelegenheit, unter Führung von Gerald Fritsch das Ski- und Heimatmuseum zu besichtigen.

Der 7. Tag war der letzte Wandertag. Von Friedrichsbrunn ging es vorbei am Erichsburger Teich durch das Friedenstal (am Friedensbach) nach Alexisbad, im Selketal gelegen. In Alexisbad wurde 1856 der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gegründet, woran ein Denkmal erinnert. Mit der Selketalbahn fuhren wir Richtung Gernrode. Die "stärkeren" Wanderer stiegen am Sternhaus aus und wanderten von dort nach Friedrichsbrunn zurück, während die anderen bis Osterteich fuhren und am Harzrand nach Gernrode wanderten und an der Welt größter Kuckucksuhr (außerhalb des Schwarzwaldes) eine Kaffeepause einlegten. Von Bad Suderode brachte uns ein Bus nach Friedrichsbrunn.

Erwähnt werden muß noch, daß alle Wanderungen durch herrliche Mischwälder gingen mit einem Reichtum an z.T. seltenen und unter Naturschutz stehenden Pflanzen, die uns von Anke Wenz gezeigt und erläutert wurden.

Am Abschiedsabend wurde den Organisatoren und Führern dieser schönen Wanderwoche, Anke und Jürgen Wenz, der Dank aller Teilnehmer ausgesprochen, verbunden mit kleinen Präsenten als Anerkennung. Für den Rückreisetag wurde den einzelnen Fahrgemeinschaften empfohlen, noch einige Sehenswürdigkeiten anzufahren, z.B. die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode, die Burg Falkenstein, die Ruine Regenstein oder Bad Frankenhausen.

Dies war die 15. Mittelgebirgs-Wanderwoche der Wandergruppe seit 1984, die wieder zur vollsten Zufriedenheit aller Teilnehmer verlaufen ist. Nochmals ganz herzlichen Dank Anke und Jürgen (gen. Dennis)!

Heinz Oberbeck

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.19. Aug. 98