Die Ereignisse des letzten Sommers waren schwer zu verdauen. Auch wenn die Bergunfallstatistik meines Wissens nach keine signifikanten Veränderungen aufweist ist doch einiges passiert, was uns vielleicht nachdenklich machen sollte. Der traurige Höhepunkt war der tödliche Unfall eines guten Freundes, aber auch andere Freunde hatten Unfälle, die zum Glück glimpflicher abliefen. Aus dieser Situation heraus kam Alfred Punke vor einigen Wochen auf mich zu und sprach mich auf die Mög-lichkeit einer Veröffentlichung seiner Gedanken zu diesem Thema an. Die Gedanken, über die er schon lange intensiv nachdenkt, waren mir nicht neu und nach einigen Gesprächen auch mit anderen Bergsteigern hielten wir es für sinnvoll sie zu veröffentlichen.
Als Westalpenkenner und -bergsteiger ist Alfred seit über zehn Jahren weitgehend unfallfrei in Tou-ren wie Civetta NW-Wand, Gervasutti-Pfeiler am Tacul oder Brenvaflanke am Montblanc unterwegs und weiß wovon er redet. Mit der Zeit wird man als "Extremer" zwar immer abgebrühter und läßt sich von Problemen während einer Tour nicht so leicht aus der Ruhe bringen, aber nach einer Tour kommt man dann doch ins Grübeln, erst recht wenn man Zeuge von Unfällen wurde.
Alfred schneidet ganz bewußt Tabuthemen an, um uns die Gefahren, die wir doch so gerne verdrän-gen ins Bewußtsein zu rufen. Wer gibt es schon gerne zu, Situationen falsch eingeschätzt zu haben. Zu Hause wird dann halt doch nur über die Erfolge erzählt, Mißerfolge, Rückzüge oder gar Fehler bleiben meist unerwähnt, oder hat schon einmal jemand im Mitteilungsblatt darüber berichtet wie er kläglich gescheitert ist und das nicht wegen dem Wetter, den Verhältnissen oder aus anderen Grün-den, die man ja dann so gerne sucht und meistens auch findet sondern einfach nur aufgrund eigener Fehler? Wohl eher nicht! Es wäre sinnvoll darüber zu reden oder wenigstens nachzudenken. Eine Diskussion läßt zwar geschehene Unfälle nicht ungeschehen werden, aber vielleicht hilft sie zukünfti-ge zu vermeiden. Deshalb sei hier offen zur Diskussion aufgerufen, wobei klar ist, das Alfred längst nicht alle Facetten der komplexen Problematik angeschnitten hat, sondern nur die, die ihm besonders unter den Nägeln brannten. Dies läßt aber auch Raum für andere Meinungen und ich denke eine Meinung zu diesem Thema sollte sich jeder und jede bilden, der/die in die Berge geht, sei es nun zum Wandern oder doch in die prestigeträchtigen großen Wände.
Um es Klarzustellen: Es soll niemanden die gute Laune verdorben werden und Bergsport sinnvoll ausgeübt bleibt auch immer eine sehr gesunde Sache, weil Menschen aller Altersgruppen sich damit körperlich und geistig fit halten können.
Wir sind auf Eure und Ihre Meinung gespannt und würden uns über Zuschriften an die Klettergruppe freuen.
Dirk Voigt