Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1998/3
Hochtourengruppe

Tour Monte Rosa

TMR

Eine Wanderung auf der Südseite des Monte Rosa Gebirgsstockes



Als wir uns am 1. Juli trafen, um über eine Tour zur Capanna Margherita zu sprechen, kam vom Günter der Vorschlag, es wäre für uns Flachländer besser, die Wanderung in Saas Almagell zu beginnen , um Kondition und Anpassung zu verbessern.

Am 9. Juli pünktlich 6.00 Uhr stehe ich bei Heinz vor der Tür. Wir laden die Sachen ein und ab geht's. Die anderen 3 Bergkameraden Günter, Lutz und Heinrich sitzen bereits im Auto und fahren Richtung Allgäu. Am späten Nachmittag treffen wir uns in Saas - Almagell und belegen die von Heinz reservierten Zimmer.

Erster Tourentag 10. Juli. Nach ausgiebigem Frühstück geht es mit gepacktem Rucksack zum Bus. Wir fahren zur Staumauer des Mattmarkstausees hinauf. Als wir losgehen, merkt Heinz, daß seine Stöcke noch unten im Tal stehen. So muß er die Tour halt ohne Stöcke gehen. Am Stausee entlang und hinauf zum Monte Moro - Paß, 2826 m, geht der Weg. Wir passieren den See und rasten am großen Stein. Die Treppe des Walserweges wird genommen und bald sind wir am Paß. Doch was ist das, die Hütte ist verschlossen und verriegelt. Also nochmals 1300 Hm abwärts nach Macugnaga, 1533 m. Auf dem Zahnfleisch kommen wir unten im Hotel Signal an. Doch nach der ersten Stärkung kommen die Lebensgeister wieder.

Der 11. Juli ist angebrochen. Wir stehen am Eingang des Val Quarazza. Da der Weg nach Alagna Valsesia weit ist, beschließen wir, nur bis zum Lantibiwak aufzusteigen. Am ehemaligen Goldbergwerk vorbei zieht sich der Walserweg in Serpentinen zur Alp Schena, 2037m. Die Sonne brennt noch, als wir am Lantibiwak ankommen. Wasser, Gas und Kocher sind vorhanden. Auch die 8 Schlafplätze machen einen guten Eindruck. Zum Abschluß des Tages gibt es aufgelöste Schokolade und Müsliriegel.

12. Juli, bereits 6.15 Uhr verlassen wir, nachdem wir 3000 Lire / Person hinterlassen haben, das Biwak und steigen zum Törlipaß, 2738 m, hinauf. Am Paß zeigt sich die Parrotspitze. Wir steigen durch blühende Wiesen mit vielen Paradieslilien zur Pastore - Hütte, 1575 m, hinab. Die 1200 m Abstieg liegen uns in den Beinen, aber als der Hüttenwirt Juliano uns klarmacht, daß er die billigste Unterkunft hat, bleiben wir. Die Pastore Hütte ist eigentlich eine Alm und hat mehrere Gebäude, die für den Hüttenbetrieb umgebaut sind. Da wir am nächsten Tag zur Gnifetti Hütte wollen, soll Juliano Zimmer für uns bestellen. Es kommt eine Absage. Es ist Wochenende und in der Hütte sind 150 Betten und 350 Leute anwesend.

Der 13. Juli wird also zusätzlicher Ruhetag. Wir fahren mit dem Bus, der unterhalb der Hütte hält, nach Alagna, einem alten Walserdorf mit vielen alten Walserhäusern. Abends in der Hütte erzählt uns Juliano, daß im Jahr etwa 3000 Leute auf dem TMR gehen und ungefähr 1000 seiner Landsleute dabei sind.

14. Juli, der Ernst des Lebens beginnt. Wir weichen nun vom TMR ab und fahren mit der Seilbahn zur Punta Indren hinauf. Sommerskigebiet, hier läßt es sich auf der Piste nicht gut laufen. Erst auf dem Pfad zum Felsriegel wird es angenehmer. Der Steig führt durch die Felsen und ist teilweise versichert. Als wir oben ankommen, liegt die Gnifetti Hütte, 3647 m, als langgestreckter Holzbau vor uns. Es ist eine ungünstige Zeit, denn erst ab 14.00 Uhr gibt es Zimmer. Man muß eine Marke ziehen und wird aufgerufen. Wir bekommen Zimmer 19 für die nächsten 2 Tage.

15. Juli, 6.45 Uhr verlassen wir die Hütte. Der Gletscher ist gefroren und liegt im Schatten. Wolken sind nicht mehr am Himmel. Nach 2 Std. kommen wir am Lysjoch, 4248m, an.Die Sicht ist super, links von uns steilt der Grat zum Lyskamm auf. Wir wenden uns nach rechts, wo Zumsteinspitze und Signalkuppe zu sehen sind. Ein kurzer Abstieg führt uns unter der Ludwigshöhe hindurch und an der Parrotspitze vorbei steil hinauf auf die Hochfläche der Signalkuppe, 4400 m. Ich bekomme Kopfschmerzen. Trinken und etwas langsamer gehen und Schritte zählen hilft auch. Endlich die Hüttentür mit dem Schild Capanna Regina Margherita, 4556 m. Ein Hochgefühl stellt sich ein. Vergessen sind die Strapazen. Wir genießen nur noch, Essen, Trinken und Aussicht. Dann mahnt die Zeit und wir steigen wieder ab. Hinter dem Lysjoch breche ich noch zweimal ein, es ist jetzt sehr warm. Etwa 14.30 Uhr sind wir wieder an der Gnifettihütte. Da Wasser Mangelware ist, wird der Körper nur mit dem Handtuch getrocknet.

Gut ausgeruht geht es am nächsten Morgen, 16. Juli wieder zurück zur Punta Indren. Es begleitet uns eine Schweizerin, die an Bergkrankheit leidet. An der Seilbahnstation trennen sich unsere Wege. Sie fährt ins Tal und wir begeben uns in Richtung auf den TMR zurück. Über den Bergrücken des Solmberges geht es hinab zum Colle de Olen, 2881 m. Der Weg ist an den schwierigen Stellen versichert. Ab dem Colle de Olen sind wir wieder auf dem TMR, und es wird nur noch gewandert.

Den Originalweg mit 3 Stunden Aufstieg schenken wir uns und gehen auf der Skipiste zur Alp Gambiet hinunter. Die Wirtin der Alp mahnt uns, den richtigen Weg nicht zu verpassen. Drei von uns gehen ins Tal ab , während Lutz und ich den Weg finden und absteigen. Unten an der Seilbahnstation Bettaforca treffen wir uns wieder. In einer kleinen Wirtschaft bekommen wir etwas zu essen und vor allem ein gezapftes Bier. Der Weg ist noch weit zur Alp Resy, deshalb werden die 1000 Hm zum Colle Bettaforca mit der Bahn bewältigt. Hier überschreiten wir wieder eine Sprachgrenze, denn in den nächsten Tälern wird nur französisch gesprochen. Gemütlich gehts ins Tal. Weiter unten am Forcabach nimmt Lutz ein Bad. Noch 30 Minuten bis zur Alp Resy mit dem Rifugio Ferraro, 2066 m.Die Hütte ist sehr komfortabel, es gibt Warm - und Kaltwasser in der Dusche. Nach dem Abendessen werden wir mit klassischer Gitarrenmusik unterhalten.

Lustig ist es am nächsten Morgen. Beim Bezahlen liegen neben Lira und Schweizer Franken auch Deutsche Mark. Alles wird kassiert. Der Wirt weist uns noch den neuen Weg, und los geht es. Wir kommen in ein großes Tal und lenken unsere Schritte nach rechts. Dies sollte sich rächen. Leicht ansteigend kommen wir nach geraumer Zeit an einen blauen See, tolle Farbe. Die Karte wird befragt und siehe da, wir sind im falschen Tal. Denn rechts oben liegt die Mezzalama - Hütte. Das Ganze retour und auf den richtigen Weg. Das TMR- Zeichen ist hinter einem Felsen am Weg versteckt! Wir steigen im Wasser auf und queren abenteuerlich am Talende den Bach. Weglos geht es nach oben in ein Sumpfgebiet. Der Feldstecher zeigt uns den rechten Weiterweg. Eine Almhütte taucht auf, hier müssen wir bleiben, denn es ist zu spät. Als Günter die Tür öffnet, flüchtet bellend ein Fuchs. Aber oben im Haus sieht es besser aus, hier haben schon viele genächtigt. Die Fenster werden gedichtet, der letzte Proviant aufgeteilt, die Lager hergerichtet und alles angezogen, was man hat und sich zur Ruhe auf den Fußboden begeben.

Es wird kalt und gegen 6.00 Uhr am 18.Juli sind wir schon auf den Beinen. Das Wasser ist gefroren und ein steifer Wind bläst. Mit leerem Magen läuft es sich nicht gut. Beim Gran Lago kommt die Sonne ins Tal. Kehre für Kehre geht es hinauf zum Colle Superiore Cima Bianche, 2982 m. Vor uns steht wie ein Klotz das Matterhorn in einer ungewohnten Perspektive. Über Schneefelder geht es auf dem markierten Weg Richtung Plan Maison. Im Glauben, über die Staumauer gehen zu können, kommen wir zum Stausee. Fehlanzeige, wir müssen ganz hinab zum Grund der Mauer und drüben wieder hoch. Das schlaucht, vor allem immer noch mit leerem Magen. Auch diese Schinderei hat ein Ende, aber bis zur Station ist noch ein Stück zu bewältigen. Essen ist das Wichtigste. Mit jedem Bissen und Schluck Bier wird die Stimmung besser. Aber Ausruhen geht nicht, denn unser Weg endet erst in Zermatt. Also mit der Bahn hinauf zur Testa Grigia, 3479m.

Über die Skipiste müssen wir absteigen zur Station Trockener Steg. Mit Ski im Winter wäre es viel einfacher, jetzt im knöcheltiefen Schnee ist es eine Qual. Heinz ruft von der Station im Tal an, seine Wirtsleute sollen uns mit dem Auto in Täsch abholen. Aber Fehlanzeige, wir müssen ab Zermatt mit Bahn und Bus nach Saas Almagell fahren. Da wir den Weg zwischen Zermatt - Täschhütte und Grächen - Saas Almagell schon mehrmals gegangen sind, verzichten wir auf den Rest der Rundwanderung.
Am 19. Juli nehmen wir Abschied, packen die Sachen und fahren mit einer tollen Tour im Rucksack Richtung Heimat.

Harry Giese

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.19. Aug. 98