Zehn Leute, kein Problem, die passen ein Auto. Das ist zwar nen für den amerikanischen Markt gebauter Ford und dementsprechend groß, aber einer der Zehn sitzt im Kofferraum und einer muß quer vor der Tür auf dem Boden hocken. Und es sind ja nur acht Stunden Autofahrt bis Guadalajara. Aber mit der entsprechenden Partylaune geht es los, zunächst zur Werkstatt, weil noch ein Abgastest gemacht werden muß, um durch den Distrito federal, auf Deutsch Mexico City zu fahren, das scheitert aber an der Funktionsuntüchtigkeit des Meßgerätes. Wir lassen es darauf ankommen und fahren los. Wenn sie uns anhalten wird es teuer... Nicht ganz so teuer wird es an der nächsten Brauerei "Sol", wo erstmal Treibstoff für die Athleten gebunkert wird. Das wird sich allerdings noch rächen, weil der Genuß dieses Treibstoffes das Stundenmittel deutlich reduziert. Aber wir müssen ja auch erst um 8 Uhr morgens da sein. Um zwei erreichen wir nach unzähligen Pinkelpausen, einer Drogenkontrolle und einem Polizeistopp in D.F. endlich Guadalajara. Da können wir im Büro eines Alpenvereinverschnittes auf dem Boden pennen. Morgends geht es dann reichlich crudo ( verkatert) zum Wettkampfgelände. Von wegen, es dauert noch ungefähr zwei Stunden, bis wir endlich nach unzähligen Verhauern da sind. Eigendlich sind wir sogar zu spät, aber freundlicher Weise lassen sie das Team aus Puebla dann doch noch zu. 122 Herren warten auf die drei Qualifikationsrunden des ersten Tages. Fünfzig von ihnen sollen dann am Sonntag ins Viertelfinale kommen, aber vorher müssen erstmal drei Routen geklettert werden. Im Mördermodus. Toprope on sight, 40 Sekunden zur Routenbesichtigung, drei Minuten maximal für den Durchstieg und nach maximal einer Minute Pause in die nächste Route. Das gibt dicke Arme. Nur Aldo "el Bruto" schafft alle drei Routen, mich haut es aus der dritten Tour im Überhang an einem Handwechsel an einem Zangengriff raus. Aber es reicht für Aldo für Platz 5 und für mich für Platz 22 der ersten Qualifikationssrunde. Nur Demonio hat die Quali nicht geschafft, er hat sich unglücklicherweise verletzt, was das Kletttern dann doch etwas erschwert....Aber es reicht für Platz 58. Ixchel ist dritte geworden. Denn Platz wird sie dann auch am Ende des nächsten Tages behaupten können, felizidades Ixchel! Aber erstmal heißt es sich auf den Nächsten Wettkampftag vorbereiten. Während Ixchel , Demonio und ich gleich an der Wand bleiben und uns von einigen Klettervideos inspirieren lassen, geht der Rest der Truppe noch in einne All-free Bar um des Tag ordentlich zu begießen. Dafür kommen die am nächsten Tag auch amtlich spät und es liegt nur an der mexikanischen Geisteshaltung, daß sie noch zugelassen werden. Also ab in die Isolation, zum ersten Mal, dann kommt die Ernüchterung, ich bekomme nicht einmal die zweite Expresschlinge eingehängt, geschweige denn kann ich die Route vollenden. Aber der Versuch endet in einem gewaltigen Satz, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Und mit Rang 19! erreiche ich sogar noch das Viertelfinale, da müssen die Mexis gepurzelt sein, wie nichts Gutes. Also Isolation zum zweiten, die nächste Route ist nach meinem Geschmack, überhängend, pumpig. Als ich in das Abschlußdach klettere sagt mir das Geschrei der Zuschauer, daß ich wohl das Finale erreicht habe... noch zwei Meter geht es weiter im horizontalen Dach, dann kommen die Füße und mit brettharten Armen fliege ich vom vorletzten Griff ab. Unten stehen Demonio und Ixchel und strahlen mich an: De puta matre loco, hombre, eso es el final! Qué perro! Muy bien! Aldos Ausdrucksweise war noch viel weniger druckreif, daher erspare ich mir die Wiedergabe hier. Aldo ist zwei, drei Griffe vorher abgefallen, aber es reicht auch für Ihn und für Maurizio. So sind wir "Poblanos" zu dritt unter den letzten elf, (elf, weil zehn Mexikaner teilnehmen müssen- man hat wohl nicht mit potenten Ausländern gerechnet...). Und wieder geht es in die stickige heiße Isolation. Immerhin hat es ungefähr 28 Grad im Schatten...
Das Finale der Herren startet dann auch mit einer wackeligen Plattenstelle an saugend kleinen Griffen nach der anderen, einem Schlüsseldynamo und dann einer Schleife durch das gesamte Dach der Wand. Nur drei schaffen es überhaupt bis in das Dach. Aldo zeigt, das er seinen Name "El Bruto " zu recht trägt und erklettert sich rang drei in einer Kraftaktion, mich haut es am Schlusseldynamo raus, damit Platz fünf, Mauruzio Platz10. Alles in allem mit Ixchels drittem Platz ein super Ergebnis für den Kletterklub Vucup pec( mit Gastkletterer). Nach der Siegerehrung ist es dann auch schon 23.00 Uhr, ich komme rechtzeitig um 8.00 Uhr in Puebla an um ins Volkswagenwerk zu gehen. Der Tag wird hart...
Peter Bauer derzeit in Puebla, Mexico