Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1999/2
Wandergruppe

"50 Jahre Wandergruppe"

Ein Überblick

Nach den Wirren der Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre wurden Ende Oktober und im November 1948 im Mitteilungsblatt unserer Sektion Wanderungen angeboten, um das Interesse an regelmäßigen gemeinsamen Unternehmungen zu erkunden. Es war daran gedacht, ab Frühjahr 1949 an einem Sonntag im Monat eine Ganztagswanderung in der näheren Umge-bung oder im Harz durchzuführen. Bei genügendem Interesse sollte eine Wandergruppe innerhalb der Sektion gegründet werden. Sicherlich hat auch schon vor dem Kriege eine Gruppe bestanden, Unterlagen darüber sind jedoch nicht vorhanden. Die Resonanz war groß, und so konnte man im Mitteilungsblatt Nr. 2 im April 1949 lesen, daß unter Leitung von Dr. Otto Böse eine Wandergruppe in der Sektion ins Leben gerufen wurde. Am 10. April fand der erste offizielle Wandertag statt.

So hieß es im Mitteilungsblatt: "Die Wanderungen dienen der Vorbereitung größerer Touren im Hochgebirge sowie zum Kennenlernen der näheren Heimat. Die Wanderungen finden auch bei ungünstiger Witterung statt. Derbes Schuhwerk und ausreichender Regenschutz werden bei allen Teilnehmern vorausgesetzt. Zur Teilnahme sind nur Mitglieder berechtigt".

Gewandert wurde bei den Herren in langen Hosen oder den damals viel getragenen Knicker-bockern. Die Damen wanderten in Rock und Bluse oder im Dirndl. Rucksäcke waren selten zu sehen. Auf mir vorliegenden Wanderbildern aus einem Album von Martin Schönherr sind dann etwa ab 1962 die ersten Kniebundhosen und auch Damen in Hosen zu finden. Leichte luftgepolsterte Wanderstiefel, wasserdichte atmungsaktive Oberbekleidung und vieles mehr machen heute das Wandern gegenüber der damaligen Zeit wesentlich angenehmer. Idealismus und die große Freude an der Natur waren jedoch damals wie heute die Triebfedern zum Wandern.

Die Wandergruppe aus etwa 15 Gründungsmitgliedern wuchs bald auf etwa 40 Personen an. Heute gehören zur Gruppe etwa 150 Mitglieder. Betrachtet man die Zusammensetzung der Teilnehmer bei den einzelnen Wanderungen, so waren, mitbedingt durch den Krieg, bei vielen Wanderungen die Damen um ein Vielfaches in der Überzahl, oft nur von zwei oder drei Männern begleitet. Heute beträgt das Verhältnis etwa 2 : 1 oder weniger.

Der Gründer der Wandergruppe, Dr. Otto Böse, leitete diese bis 1951. Ihm folgte bis 1957 Ernst Rackebrand, bis 1958 Hilde Liebisch und anschließend gemeinsam Käte Claus und Selma Schlote. Mit zunehmender Zahl der Mitglieder wurde 1964 beschlossen, einen Vor-stand aus Gruppenleiter und einem Stellvertreter, Wanderwart mit Stellvertreter, Kassenfüh-rer, Schriftführer, Vortragswart und Kassenprüfer zu bilden und jährlich eine Mitgliederver-sammlung abzuhalten. Heute gibt es keine Stellvertreter mehr. Die Kassenprüfung gehört nicht mehr dem Vorstand an, dafür wurde die Leitung der Spaziergänge aufgenommen. Gleichzeitig wurde ein Jahresbeitrag von 1,- DM festgesetzt, der 1967 auf 2,- DM, 1973 auf 4,- DM und 1980 auf 5,- DM erhöht wurde. Seit 1999 beträgt er 10,- DM. 1964 übernahm bis 1971 Heinz Gerdes die Gruppenleitung. Ihm folgten dann bis 1977 Rudolf Schlote, bis 1983 Hans-Jürgen Kammerer und seit 1983 Klaus Schmidt. Wanderwarte waren bis 1976 Martin Schönherr, bis 1977 Hans-Jürgen Kammerer, bis 1981 Rudi Hüttig und dann Klaus Schmidt, der 1983 seinen Posten an Heinz Oberbeck abgab. 1997 übernahm Wolfgang Henschel die Aufgaben des Wanderwartes. Amle dem Vorstand in den 50 Jahren angehörenden Damen und Herren zu nennen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Es wurde zunächst einmal im Monat jeweils sonntags eine Ganztageswanderung angeboten. Das Programm erweiterte sich ab 1972 um monatlich eine Sonnabendwanderung. 1973 führte Dorothea Wegener monatlich einen Nachmittagsspaziergang für die Gruppenmitglieder ein, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht mehr an größeren Wanderungen teilnehmen konnten. Später übernahmen Eva Medler, Anneliese Bertram und Meta Walter die Leitung. Die Nachmittagsspaziergänge werden heute von Christine Klier betreut. Sie sollen dazu dienen, Kontakte zwischen den älteren und jüngeren Mitgliedern herzustellen und aufrechtzu-erhalten. Für die Senioren unserer Gruppe wurden 1978, 1982 und 1985 Seniorentreffen auf der Torfhaushütte durchgeführt. Sie hatten nach dem Krieg die Torfhaushütte von den Eng-ländern zurückerhalten und geholfen, sie wieder herzurichten. Daher fühlten sie sich mit ihr besonders verbunden. Auf Grund ihres Alters konnten sie allein nicht mehr zur Hütte gelan-gen. So wurden sie mit Pkws abgeholt und zum Torfhaus gebracht. Die Rüstigen unternah-men einen Spaziergang mit Imbiss unterwegs. Anschließend gab es auf der Torfhaushütte für unsere Senioren viel Neues anzusehen und bei Kaffee und Kuchen viel zu erzählen.

Die früheren Wanderungen wurden, im Gegensatz zu den heutigen flexibel gestalteten, sehr exakt in ihrem Ablauf geplant und auch minutiös durchgeführt. Dies war notwendig, da mit der Bahn gefahren wurde und stets Mittagessen und Kaffeetrinken in einer Gaststätte vorge-sehen war. Ab 1976 stieg die Zahl der Wanderungen schnell auf 40 bis 50 Wanderungen im Jahr an, da auf einen vierzehntägigen und dann wöchentlichen Rhythmus übergegangen wurde. Heute werden teilweise sonnabends und sonntags Wanderungen angeboten, um bei der gestiegenen Mitgliederzahl die Gruppe pro Wanderung nicht zu groß werden zu lassen. Die Hauptwanderzeit beginnt Anfang März mit der von Rudi Hüttig eingeführten Wanderung "Rund um Braunschweig, solange es Spaß macht" und endet mit der Jahresabschlußwande-rung am Totensonntag. Im Winter wird im Durchschnitt nur vierzehntägig gewandert. In den Anfangsjahren der Wandergruppe bildete die Braunkohlwanderung nach Essehof zu "Mutter Schaper" (seit 1951) und später bei Giesecke in Wendhausen, verbunden mit der Adventsfei-er, den Jahresabschluß. Vermutlich wurden Braunkohlwanderung und Adventsfeier erstmals 1975 getrennt durchgeführt, was bis heute beibehalten wurde. Nachdem jahrelang zum Braunkohlessen nach Essehof gewandert wurde, geht es heute nach Sophiental.

WandergruppeDas Wandergebiet, das zunächst auf die Gegenden beschränkt war, die man gut mit dem Zug erreichen konnte, wurde mit zunehmender Motorisierung auf den gesamten Westharz mit seinem Vorland, die Heide bis Lüneburg, das Elbufer bis Lauenburg, die Hildesheimer Berge und das Weserbergland ausgedehnt. Mit der Grenzöffnung erweiterte sich das Wandergebiet auf den Ostharz und andere Ziele in Sachsen-Anhalt und im Thüringer Wald. Gefördert wurde diese Ausweitung durch die Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu den Sektionen Celle (seit 1980), Hannover (seit 1978 bis ca. 1988), Hildesheim (seit 1981), Lüneburg (seit 1986) und Magdeburg (seit 1990), die uns zu Wanderungen in ihren Gebieten einluden. Charlottenburg und Goslar wurden Patensektionen der Braunschweiger Hütte.

Zur Sektion Goslar bestanden aber schon lange gute Kontakte, und es wurden viele Wande-rungen und andere Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt. So bot die Sektion Goslar bis 1992 eine Edelweißwanderung an, bei der die Wandergruppe seit 1976 regelmäßig mit zum Teil großer Beteiligung vertreten war. 1976 bis 1988 veranstalteten die Goslarer im Winter mit einigen Unterbrechungen ein Edelweißfest, zu dem die Braunschweiger eingeladen wurden. Einige Male verbanden die Braunschweiger diesen Besuch mit einer Wanderung. Eine weitere traditionelle Wanderung der Sektion Goslar war in den Jahren 1981 bis 1993 die winterliche Wanderung "Rund um den Kranichsberg" mit zünftigem Eintopfessen in der Maaßener Gaipel-Hütte.

Im Juni 1978 war die Sektion Goslar als eine doch recht kleine Sektion Ausrichter der Jahres-hauptversammlung des Gesamtvereins, verbunden mit Harzwanderungen. Da die Goslarer nicht genügend Wanderführer stellen konnten, half unsere Gruppe gerne aus und zeigte den Teilnehmern, daß auch im Harz zünftig gewandert werden kann. Erwähnt werden sollen auch die Grillnachmittage bei Walter Paetzold im Garten seines als Wochenendhaus umgebauten Stellwerkes in Wedebruch bei Seesen, die häufig den Abschluß einer Wanderung in diesem Gebiet bildeten.

Neue Wandergebiete lernen die Wandergruppenmitglieder auch bei den "Sternwanderungen" kennen. Die Sternwanderung wird jedes Jahr als Treffen der niedersächsischen, hamburgi-schen und einem Teil nordrhein-westfälischer Sektionen von einer anderen Sektion ausge-richtet. Morgens wird bis zum frühen Nachmittag in dem Gebiet der ausrichtenden Sektion gewandert. Anschließend treffen sich die Gruppen zum gemütlichen Beisammensein und Kennenlernen, oft begleitet von folkloristischer Unterhaltung. Bei Treffen in entfernteren Regionen wurden auch schon Mehrtageswanderungen im jeweiligen Gebiet organisiert. Die Teilnehmerzahl an dieser Veranstaltung liegt bei mehreren hundert Personen, so daß eine große organisatorische Aufgabe damit verbunden ist. Die Wandergruppe richtete dieses Treffen 1967 in Braunschweig und 1990 in Wolfenbüttel aus. In den seit 1964 vorliegenden Jahresberichten der Wandergruppe wird die Teilnahme Braunschweigs an der Sternwande-rung aufgeführt. Wie aus Unterlagen von Martin Schönherr hervorgeht, nahmen aber bereits im Jahre 1962 Braunschweiger daran teil. Die Teilnehmerzahl war so groß, daß mit einem Bus angefahren wurde. Im Laufe der Jahre nahm die Beteiligung ab, und auch zusammen mit einer Nachbarsektion konnte der Bus nicht mehr gefüllt werden. Zu den Sternwanderungen ab ca. 1980 wurde dann mit Privat-Pkws gefahren. Seit 1987 treffen sich die Sektionen Braun-schweig, Hildesheim, Goslar, Lüneburg und Magdeburg zusätzlich zur Zeit der Heideblüte Ende August / Anfang September zu der von der Sektion Celle angebotenen Heidewanderung.

Das Wanderprogramm der Gruppe besteht nicht nur aus reinen Wanderungen, sondern ab Ende der siebziger Jahre sind in ihm häufiger Wanderungen zu finden, die unter ein be-stimmtes Thema gestellt wurden.Geologische WanderungEs gab botanische und ornithologische Wanderungen unter der Führung von Benno Warnecke und dem Vogelschutzbund, außerdem bergbauliche, bergbaugeschichtliche oder wasserwirtschaftliche Exkursionen im Harz unter Leitung der Wanderfreunde Wilfried Bauer und Wolfgang Junk der Sektion Goslar oder auch mit dem Thema Umwelt und Waldschäden im Harz und Elm unter Führung des Umweltreferenten der Sektion oder der Forstämter. Aber auch einige unserer Wandergruppenmitglieder stellten ihre Wanderungen unter geschichtliche, geologische oder biologische Themen. Es gab Pilz-, Nachtigallen-, Kakgänschen (Lerchensporn)- und Märzenbecherwanderungen. Auch wurden Wasserbauten an der Elbe besucht. Quellen und Brunnen bei Wolfsburg und Feldwarten am östlichen Harzrand waren weitere Ziele. Ebenso wurden Wanderungen mit Besichtigungen verbunden, u. a. sind zu nennen: Erdölmuseum Wietze, Büssingmuseum, Wilhelm-Busch-Mühle, Asseschacht, Burg Falkenstein, Burg Regenstein.

Ein Höhepunkt im "Bildungsprogramm" der Wandergruppe war, daß in den sechs Jahren 1982 bis 1987 Prof. Mohr von der TU Clausthal-Zellerfeld, ein Experte auf dem Gebiet der Geologie des Harzes, für eine jährliche Exkursion im Harz und den Höhlen des südlichen Harzvorlandes bei Düna gewonnen werden konnte. Durch Vermittlung von Wolfgang Junk gelang es auch, den Granestollen von Romkerhall in Richtung Granetalsperre zu begehen, ein einmaliges aber mit einem seltsam bedrückenden Gefühl verbundenes Erlebnis.

Im Jahre 1980 wurde von Horst Johne eine weitere Kombination von Information und Wan-dern aus der Taufe gehoben: "Heimat, Deine Städte". Die Reihe begann mit der Besichtigung des neu eröffneten Till-Eulenspiegel-Museums und einer Ortsführung in Schöppenstedt. Das Typische dieser Reihe ist, daß morgens eine Ortsbesichtigung durchgeführt wird und sich nachmittags nach dem Essen eine kleine Wanderung oder ein Ortsspaziergang anschließt. Gemütliches Kaffeetrinken rundet den Tag ab. So wurden von den Gruppenmitgliedern viele nähere und fernere Orte aufgesucht. 1992 konnte Horst Johne mit dem Besuch Magdeburgs die 25. Stadt vorstellen. Gleichzeitig legte er nach zwölfjähriger Leitung diese sehr beliebte Veranstaltungsfolge in jüngere Hände. Noch heute wird "Heimat, Deine Städte" von Christine Klier und Ingrid Kostrzewa mit hoher Beteiligung durchgeführt.

Mehrtageswanderungen, und zwar im Weserbergland und am Torfhaus, wurden erstmals im Jahresbericht 1974 erwähnt. Es folgte 1975 die Viertagewanderung auf dem Wittekindsweg, die wie der 1976 erstmals gelaufene Hermannsweg in den folgenden Jahren mehrmals wie-derholt wurde. Anläßlich der Sternwanderung 1977 in Kassel wurde der Studentenpfad gelaufen.

Zu einer Tradition der Gruppe entwickelte sich das seit 1974 jährlich zu verschiedenen Jahreszeiten durchgeführte Wanderwochenende mit Übernachtung in der Torfhaushütte. Hier wurde so manches Hüttenfest mit großem Programm bis in die frühen Morgenstunden gefeiert oder auch nur das gemütliche Beisammensein mit den Wanderfreunden in der behaglichen Hüttenatmosphäre genossen. Mehrmals wurden auch Wandergruppen befreundeter Sektionen wie Goslar, Charlottenburg, Lüneburg, Hildesheim, Celle und Magdeburg zu diesen Veran-staltungen eingeladen, manchmal das Wochenende mit anderen Gruppen der Sektion Braun-schweig oder den an der Hütte beteiligten Hannoveranern verbracht. Mit der Skigruppe der Braunschweiger Sektion feierten wir Walpurgis. Bei einem Wochenende mit der Jugendgrup-pe zeigte diese ihre Kletterkünste an der Marienwand im Okertal, wobei auch einige von unseren Wanderern aktiv wurden. Aber auch auf anderen Hütten wie der Malepartus-Hütte der Sektion Hildesheim oder der Silbernaal-Hütte der Sektion Hamburg im Harz, der Moos-berghütte der Sektion Weserland im Solling und der Siechenborn-Hütte des Werratal-Vereins wurden fröhliche Wanderwochenenden verbracht. Mehrmals ging es in den achtziger Jahren von Braunlage aus zum Lichterfest nach Bad Sachsa mit Übernachtung in der Jugendherber-ge.

Über mehrere Jahre war der Gasthof "Zum Rosengarten" in Golmbach häufiger Ausgangs-punkt für Wanderungen im Weserbergland. Die Wochenendwanderungen beschränkten sich jedoch nicht auf den Harz und das Weserbergland. Sie wurden u. a. auch im Kaufunger Wald mit Übernachtung in Ziegenhagen (1984) und Roßbach (1988), in Melsungen (1985 / 1986), im Gebiet Elbufer Drawehn gemeinsam mit der Sektion Lüneburg (1987), parallel zu den Mehrtages-Radfahrten in der Nordheide (1989) und im südlichen Oldenburger Land (1990) und in Friedrichroda im Thüringer Wald (1993) durchgeführt.

Mit den Tageswanderungen, den Wanderwochenenden und den Streckenwanderungen wird jedoch nicht das gesamte Spektrum der Wanderaktivitäten der Gruppe abgedeckt. 1984 wurde die Idee aufgegriffen, außer dem Harz auch andere Mittelgebirge zu erwandern. Mit der Wanderwoche in der Rhön begann eine Serie von 15 Wanderwochen in den folgenden Jahren unter Leitung verschiedener Gruppenmitglieder. Die bisher letzte war die Wanderwoche in Friedrichsbrunn im Ostharz. Aber auch im Hochgebirge, in der Schweiz im Saastal, im Kleinwalsertal, im Chiemgau und Berchtesgadener Land mit Standquartier in Eisenärzt sowie mehrmals im Pitztal fanden Wanderwochen statt. radfahren In der Wandergruppe wird nicht nur zu Fuß sondern auch mit dem Fahrrad gewandert. Seit 1978 werden im Programm eine oder mehrere Eintagesfahrten rund um Braunschweig und in die Umgebung sowie von oder nach Nachbarstädten, z. B. Goslar, Helmstedt oder Celle angeboten. Seit 1989 sind Mehrtagesfahrten hinzugekommen (Jesteburg, südliches und nördliches Oldenburger Land, Münsterland).

Das Wanderprogramm wird durch kulturelle und informelle Veranstaltungen ergänzt. Wie häufig liest man in der Zeitung oder hört von Einrichtungen in Braunschweig und Umgebung, von denen man nicht genauer weiß, womit sie sich beschäftigen oder wie sie funktionieren. Aus diesem Grunde wurde von Horst Johne die Informationsreihe "Gewußt wie" ins Leben gerufen. Seit 1984 wurden Braunschweiger Firmen, Jägermeister in Wolfenbüttel - Schimmel - VW-Werk usw., öffentliche Einrichtungen, NDR Hannover und die regionalen Studios - Hauptpost - Heizkraftwerk - Feuerwehr usw. sowie Hochschulinstitute und Forschungsein-richtungen besucht. Insgesamt waren es in den 14 Jahren bis 1997 dreißig Besichtigungen. Als Horst Johne 1997 die Leitung abgab, stellte er umfangreiches Material zur Fortsetzung dieser Reihe zur Verfügung.

Die Diaabende, die in den Wintermonaten von Oktober bis März gehalten werden, gehen auf das Jahr 1951 zurück. Wandergruppenmitglieder oder auch Gäste zeigen Dias ihrer Urlaubs- oder Studienfahrten. Diese Vortragsabende sollen keine Konkurrenz zu den professionellen Vorträgen der Sektion sein sondern die Möglichkeit bieten, die Gruppenmitglieder an den Erlebnissen teilhaben zu lassen und Erfahrungen auszutauschen. 1951 wurden die Vorträge bei den monatlichen Zusammenkünften in der Kantine im Amtsgebäude der Bundesbahn gehalten, später wurden sie dann bei zunehmender Teilnehmerzahl in Schulen oder andere Einrichtungen verlegt. Heute werden die Diaabende von etwa 30 Personen besucht.

Eine lange Tradition haben auch die Stammtische der Gruppe. Jeweils am ersten Mittwoch des Monats treffen sich vorwiegend ältere Wandergruppenmitglieder zu einem gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Beisammensein. Es werden Erinnerungen aufgefrischt, aber auch aktuelle Themen der Wandergruppe besprochen. Zusätzlich zu diesem Stammtisch finden zweimal im Jahr Gruppenabende statt. Sie sollen alle Gruppenmitglieder ansprechen. Hier werden u. a. Dias gezeigt, die unter einem bestimmten Thema stehen, oder es werden Informationen z. B. über Versicherungsschutz, Gefahr durch Zeckenbisse usw. vermittelt. Ein Gruppenabend kann aber auch literarisch gestaltet werden. So wurden an einem Abend Harzsagen vorgelesen oder ein anderer unter das Thema "Wilhelm Busch" gestellt. Einige Gruppenabende wurden auch dazu benutzt, Jubiläen zu feiern. So gestaltete Horst Johne 1989 einen schönen Gruppenabend anläßlich seiner 25-jährigen Zugehörigkeit zur Wandergruppe und einen weiteren anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der von ihm organisierten Busfahr-ten. Diese und auch die später veranstalteten Fahrten führten in viele schöne Gegenden.

Weitere Veranstaltungen der Wandergruppe sind das auch auf eine lange Tradition zurückge-hende Wandergruppenkegeln, das Spargelessen und die Adventsfeier. Wie auch zum Braun-kohlessen wurde bis etwa 1979 zum Kegeln gewandert, und zwar zum Gasthof Niemann nach Weddel. In den folgenden Jahren bis heute wurde der Gruppen-Wanderpreis auf verschiede-nen Braunschweiger Bahnen ausgekegelt. Auch das Spargelessen fand in den 50 Jahren des Bestehens der Wandergruppe in verschiedenen Lokalen in Braunschweig und Umgebung statt. Über 10 Jahre wurde bei Upmann in Adenbüttel, der für seine besonders großen Portio-nen bekannt war, gegessen, teilweise auch verbunden mit einer Kegelpartie. Zur Adventsfeier, die meistens am zweiten. Adventssonntag stattfindet, kamen teilweise über einhundert Perso-nen. Einem Morgenspaziergang folgt das gemeinsame Mittagessen, dem sich zur Kaffeezeit die eigentliche Adventsfeier anschließt. Einige Male spielten Kinder auf Instrumenten. Manchmal wurden Lieder vorgetragen. Es werden weihnachtliche Geschichten vorgelesen und gemeinsam Weihnachtslieder mit Akkordeonbegleitung gesungen. Zu einigen Feiern wurden auch verschiedene Vorführungen von Marianne Havelka einstudiert. Kaffee und Kuchen Nicht vergessen werden dürfen die Gartenpartys bei Ria Meyer im Garten am Vossenkamp in den Jahren 1977 bis 1986. Zur Erdbeerzeit im Juni wurden lange Tafeln aus Tapeziertischen auf der großen Rasenfläche des Gartens aufgestellt, Wein wurde gekauft und in großen Behältnissen Erdbeerbowle angesetzt. In fröhlicher Runde ging es manchmal bis spät in die Nacht. Aber auch zur Zwetschenzeit im Spätsommer wurde eine Party veranstaltet. Die Damen der Gruppe übertrafen sich gegenseitig beim Kuchenbacken, jede hatte ein anderes Rezept. Da die Zeit zwischen Juni und September zu lang war, wurde dazwischen noch die Pellkartoffelparty eingeschoben. Pellkartoffeln, gekocht in einem großen elektrischen Koch-topf, kamen auf den Tisch, und jeder brachte sich das mit, was er dazu gerne aß, Heringe, Quark oder etwas anderes. Als Ria Meyer nach ihrem 70. Geburtstag nach Wiesbaden gezo-gen war, fand eine Party bei Anneliese Bertram im Garten statt. 1989 nahmen Kammerers in Sickte die Tradition der Zwetschenkuchenparty wieder auf.

Das Programm der Gruppe enthielt auch einige Veranstaltungen, die sich mit der Ausbildung der Mitglieder beschäftigten. So wurden uns 1979 im Okertal von der Hochtourengruppe erste Kenntnisse über das Klettern vermittelt. 1988 und 1989 erklärte uns Heinz Oberbeck die richtige Benutzung des Kompasses und in Verbindung mit der Wanderkarte das Orientieren im Gelände. Auch zeigte er uns auf, wie viele Informationen in diesen Karten enthalten sind. Ein wichtiger Ausbildungspunkt ist die Hilfeleistung bei Wanderunfällen. Daher wurden 1980 und 1995 Lehrgänge in Erster Hilfe durchgeführt.

Die Verbindung Heinz Oberbecks zur Weinbruderschaft "Braunschweiger Löwe" machte uns zu Weinkennern. Von 1990 bis 1995 hielt der Kellermeister der Bruderschaft jährlich für uns ein Weinseminar unter dem Motto "Wandern und Wein" ab.

Allen, die in den 50 vergangenen Jahren durch großen Einsatz zur Gestaltung und Durchfüh-rung des vielfältigen Wanderprogramms beigetragen haben, möchte ich auf diesem Wege herzlich danken. Unserer Gruppe wünsche ich weiterhin eine glückliche Zeit und viel Freude beim Wandern.

Klaus Schmidt

Die Jubiläumsschrift kann bei den Gruppenveranstaltungen der Wandergruppe gegen einen Unkostenbeitrag von DM 6,-- erworben werden.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.7. Mai 99