Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1999/4
Wandergruppe

Wanderwoche in den Dolomiten

vom 22.8. bis 29.8.1999

Im Herzen der Dolomiten, innerhalb eines grünen Rahmens von Wiesen und Wäldern, überragt von den gigantischen Felsgestalten der Sella, der Puez- und der Kreuzkofelgruppe, liegt eines der schönsten alpinen Bergtäler, das Gadertal. Sein Herzstück heißt Alta Badia.

Am Fuße der dolomitischen Bergriesen La Varelle und Sassongher liegt das harmonische Bergdorf La Villa/Stern (1400 m), das vom Hausberg Piz La Ila (2080 m) überragt wird. Der alte Dorfkern breitet sich, etwas höher gelegen, rund um die Pfarrkirche und den Adelsansitz Schloß Colz aus, während sich der neuere Teil des Dorfes längs der Gadertaler Landesstraße entwickelte. Wir (23 freudige Wanderer) wohnten im alten Dorfkern im Ciase Mirjam und Ciasa Flora, was nach jedem Abendessen oder auch nach einer Wanderung einen "Schweineberg" -(oder auch "Punkt - Punkt - Punktberg" genannt) Anstieg bedeutete.

Sonntag, 22.8.1999

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßen sich morgens die Ersten und wandern dann in kleinen Gruppen in die Höhe oder zur Seilbahn. Nicht alle schaffen es zum Begrüßungsessen um 19.00 Uhr im "Savoy", zum Glück gibt es das Telefon. Auf der Karte sehen die Wege immer so klein aus und Höhenmeter, na ja, wer denkt schon dran, daß jeder kleine braune Strich seine Bedeutung hat, und vor allen Dingen, Zeit kostet.

Trotz Verspätung, freudestrahlend und guter Dinge, erreichen wir vier um 20.30 Uhr das Lokal, können die Vorstellungsrunde miterleben und das Programm für den morgigen Tag. Darauf einen "Grappa"!

Montag, 23.8.1999

22 Wanderer
22 freudige Wanderer und die Fotografin sind auf dem steinigen Weg
Foto:Elke Boemke

Wir treffen uns um 9.15 Uhr unten im Dorf an der Bushaltestelle und fahren bis St. Cassiano (1540 m), einem ehemaligen kleinen Bauerndorf, am Fuße des Conturines und des Piz Sorega, längs der Landesstraße, die zum Falzarego-Paß führt. Von dort steigen wir langsam, aber stetig 6 km bergan. Nach zwei Stunden sind wir der Pralongia-Hütte (2140 m) angekommen und werden von unserem Wanderführer mit einem "Grappa" begrüßt zum "Du". Mühsam hatte ich mir in den vergangenen Wochen die Nachnamen gemerkt, jetzt alles wieder von vorne, (nicht nur für den Körper was tun, sondern auch noch Gehirnjogging)! Nach 1 ½ Std. Pause nehmen wir den Abstieg in Angriff, die Sonne wärmt uns jetzt, und die nächste Hütte lädt uns bald zu Verweilen ein. Leider gibt es in der Fraina-Hütte keine "Germknödel", wir trauern mit Wolfgang. Wegstrecke: 17 km.

Dienstag, 24.8.1999

Treffen um 8.25 Uhr, wir fahren mit Pkw's nach Saré, um dann mit dem Bus in steilen Serpentinen bei herrlichem Weitblick auf die Dolomiten nach dem Falzarego-Paß (2100 m) zu fahren. Steil hinauf geht es zwei Stunden über 3 km auf den kleinen Lagazuoi (2750 m). Die Sicht wird schlechter und dann beginnt es zu regnen. Faszinierend ist, daß wir trotzdem höher als die Wolken sind und zur rechten die Gipfel der Puez-Gruppe mit dem Sassongher, das Grödner Joch, die Sella, die Marmolada (und dann verließen sie mich) usw. sehen können. In der Hütte warten wir ab und um 12.00 Uhr wagen wir den Abstieg zur Scotoni-Hütte (2100 m, 8 km). Nach kurzer Pause gehen wir im Sonnenschein weiter abwärts zum Parkplatz, um dann in Armentarola einen Riesen-Obstsalat zu essen. Um 17.00 Uhr geht es heimwärts und abend lockt viele ein Konzert im Schloß Colz. Wegstrecke: 14 km.

Mittwoch, 25.8.1999

Am Sassongher
Am Sassongher
Foto: Herbert Horstmann

Start ist 8.30 Uhr im Nebel steil bergauf von unserem Quartier (1450 m) zur Gardenazza-Hütte (2050 m, 3,5 km) in der Puez-Gruppe. Man sieht - fast wie im Märchen - wie sich der Nebel auflöst, und wir können dann wunderschön einen Teil unseres gestrigen Weges nach Fazarego und den Abstieg zur Scotoni-Hütte erkennen, aber auch die Aussicht auf den Gletscher der Marmolada begeistert uns. Auf einmal ist tiefblauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Von der Hütte geht es oberhalb des Val de Juel weiter zum Forc di Sassongher (2435 m). Herbert, Gesine und Jürgen steigen zum Gipfel, während wir noch Pause im Sassongherjoch machen, ein herrlicher Blick über die Dolomiten entschädigt uns für den mühsamen Aufstieg. Auf dem Dolomitenweg C1 gelangen wir durch das Edelweißtal zur Col Pradat-Hütte (2050 m,9,5 km). Dort machen wir Pause mit und ohne Kaiserschmarrn, Radler und was es sonst noch so gibt. Einige Gemsen zeigten sich uns, aber auch Edelweiß, Enzian und etliche Steinkräuter bekamen wir zu Gesicht. Es bleibt noch der Abstieg nach Colfuschg (1700 m) und Rückwanderung nach Stern/La Villa. Wegstrecke: 16 km.

Donnerstag, 26.8.1999

Kirche von Colfuschg
Lirche von Colfuschg mit Sellagruppe
Foto:Wolfgang Henschel

Wir starten 8.30 Uhr bei trockenem Wetter mit Pkw's nach Colfuschg (1650 m), dort können wir Punkt 9.00 Uhr ein Postkartenfoto der Kirche mit der Sellagruppe im Hintergrund und dem obligatorischen Bretterzaun im Vodergrund machen. Durch das Edelweißtal steigen wir in 2 Std. über 4 km in die Puezgruppe bis zum Ciampei-Joch (2380 m) auf. Jeder konnte genügend Edelweißpflanzen bewundern und anfühlen. Vom Ciampei-Joch geht es auf dem Dolomitenweg 2 über das Crespeina-Joch und Cir-Joch weiter zur Clarkhütte. Dort merkt man am starken Gegenverkehr die Seilbahnstation von Wolkenstein. Nach einigen Regentropfen hält sich das Wetter doch, aber wir sind bereits beim Abstieg durch eine schöne Wiesenlandschaft nach Colfuschg und sind schneller als geplant um 15.00 Uhr an unseren Autos. Abends treffen wir uns dann im tiefergelegenen neuen Teil Sterns zum "italienischen" Pizza-Essen. Die Bestellung erfolgte elektronisch in gebrochenem Englisch, doch die "Krönung" war dann die fürstliche Gesamtrechnung an unseren Wanderführer, 450 000 Lire !!! Buon Appetito!!! Nachdem wir dann unsere Rechnung selbst aufschlüsselten und bezahlten, hatten wir eine Stunde eingebüßt und unsere Bedienung eine gut gefüllte Kasse.

Buon Appetito!!! Und danach kam noch der Punkt - Punkt - Punkt - Berg!!!

Freitag, 27.8.1999

Nachts hat es schon zu regnen begonnen und die Berge sind am Morgen im Dunst verschwunden. Sollte das ein Ruhetag werden?

Natürlich nicht, wir sind zum Wandern da und treffen uns um 10.30 Uhr. Unser Ziel ist Pedraces (1320 m, 3,5 km). Wir wandern über Sumpont-See (1450 m) nach Pedraces mit der schönen Wallfahrtskirche im Ortsteil St.Leonhard.. Nach der Besichtigung geht es steil bergauf (ohne Ende) zur Heilig-Kreuz Mittelstation. Wer schlau war, nahm den Lift! Aber besser steil bergauf als glitschig bergab! Auf der Hütte ist eine Stärkung angesagt!

Doch auch nach der Mittagspause ist die Sicht verhangen, das hält einige Damen und einen Herrn jedoch nicht davon ab, weitere 200 Höhenmeter bis zur Heilig-Kreuz-Kirche (2050 m) aufzusteigen! Wir treffen uns abends in La Villa/Stern wieder, da waren die Damen dann warm und witzig, einige sagten auch "schlüpfrig"! Grappa macht's möglich!

Samstag, 28.8.1999

Bei leicht bedecktem Wetter starten wir um 9.00 Uhr mit den Pkw's nach Arabba (1600 m). Mit der Seilbahn fahren wir durch eine über und über erschlossene "Lift-Geisterwelt". Spätestens jetzt läßt sich der Schwerpunkt "Wintersport" für diese Gegend nicht mehr leugnen. Von Porta Vescovo (2500 m) steigen wir durch eine grüne Landschaft ab zum Fedaia-See (2050 m, 2 km). Überall kann man Murmeltiere beobachten, die die Sonne nutzen. Wir wandern am Seeufer entlang und steigen dann auf zum Pass Padon (2450 m, 7 km). Hier können wir in einer ausgedehnten Mittagspause den Gletscher der Marmolada auf und wirken lassen. Über einen Steilhang (Skiabfahrt schwarz!) geht es wieder zurück nach Arabba.

Am Abend treffen wir uns zu unserem Abschiedsessen, das von "unserem Führer" organisiert wurde. Eine wunderschöne Wanderwoche geht zu Ende, wobei jeder sicherlich auf seine Kosten gekommen ist. Die Wege waren einfach erstklassig ausgesucht; auch die Laune und das Wetter stimmte.

Aber wie kann man das eindrücklich beschreiben, ich stand staunend da, diese Wanderungen sind nicht mit Worten widerzugeben, man muss es mit eigenen Augen gesehen haben: das Alpenglühen am Abend, die verschiedenen Enziane, wie weich, ja samten sich ein Edelweiss anfühlt, aber auch die Verhüllung der Berge im Nebel und die unbeschreibliche Weite in der Höhe, nicht zu vergessen der allabendliche "kleine" Anstieg des Punkt - Punkt - Punkt - Berges !!!

Dir, Wolfgang, ein herzliches Dankeschön, dass du uns allen eine unvergessliche Wanderwoche beschert hast!

Doris Hackel und der halbblinde Passagier!

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.10. November 1999