Den Abschluß der Wettkampfsaison im nördlichen Deutschland stellte auch dieses Jahr der Gegenseitigkeitscup in Sande / Wilhelmshaven dar.
Martin und ich machten uns am Freitag gutgelaunt, wenn auch etwas spät, auf den Weg zum Kletter-Eldorado der Friesen - dem Monte Pinnow -.
Viele bekannte Gesichter vom Braunschweiger Wettkampf und oder vom Ith waren schon da und tranken zusammen noch das ein oder andere " Konditions-Bierchen ", um dann im Schatten des Bunkers in die Schlafsäcke zu kriechen.
![]() |
|
Kletterturm im Sande
Foto: Martin Supplie
|
Zuvor haben wir uns als Sande-Neulinge eine sofortige Bunkerbesichtigung - der Monte Pinnow - nicht entgehen lassen. Nach dem zweiten Weltkrieg sollte der Bunker durch eine Sprengung, unter Zuhilfenahme von Wasser, abgerissen werden. Diese war jedoch so uneffektiv angelegt, daß in der Umgebung des Bunkers zwar die Gullydeckel der Kanalisation mehrere Meter in die Luft schossen und schöne Springbrunnen auf den Straßen entstanden, sich der Betonkolloss aber nur um einige Grad auf die Seite neigte. Der spätere Vorsitzende der Sektion Wilhelmshaven, Herr Pinnow, hatte dann den innovativen und mutigen Plan, den schiefen Bunker, später auch das umliegende Gelände, der Sektion für Trainingszwecke zugänglich zu machen. Herr Pinnow ließ es sich auch nicht nehmen, dem Wettkampfspektakel einen Besuch abzustatten.
Heute hat die Sektion eine Anlage, die eher ein Erholungsgebiet als eine Sportanlage ist. Mit einer Sektionshütte, einer 18 m hohen Außenkletteranlage, einer Boulderwand und einem Boulderraum im Inneren des Bunkers ist für jeden was dabei. Durch seine Neigung kann man sich dort auf drei Etagen mit endlosen optischen Täuschungen und Schwerkraft-Spielchen vergnügen.
Am nächsten Morgen wurde dann sehr schnell deutlich, daß Sande mittlerweile auch schon zu den Klassikern gehört: eine Startliste von 35 Herren und 20 Damen und dann noch zahlreiche Besucher.
Wie bei unserem Wettkampf in Braunschweig war die halbe Sektion auf den Beinen um Kaffee, Kuchen und Bratwurst, das Kletterer - Buffet, sowie einen kleinen alpinen Flohmarkt und Bunkerführungen auf die Beine bzw. Tische zu stellen.Angesichts des zunehmenden Menschenauflaufs von Helfern, Kletterern und Besuchern mochten wir trotz der kurzen Nacht auch nicht ganz so ausgedehnt frühstücken und um 10.00 Uhr ging es ja auch los.
![]() |
|
Foto: Martin Supplie
|
In der Qualifikation waren dann von Damen und Herren jeweils zwei Routen im Toprope zu bewältigen. Die Qualifikations- und Halbfinalrouten wurden von den Routenbauern Rolf Witt und Stephan Böhme aus Oldenburg vorher demonstriert. In zweiwöchiger Bohrarbeit waren die insgesamt 6 Wettkampfrouten in den Bunkerbeton gebohrt bzw. gehauen worden. Da ein Umschrauben während des Wettkampfes, sowie eine strenge Isolation dort nicht möglich ist, waren dann auch erst die Finalrouten on sight zu bewältigen.
Neben den Local Heroes und Heroines machten Angie Faust, Isabell Roloff, Uli Renger und Ralf Kowalski aus Hannover, sowie Tobias Bosse und Thorsten Bauer aus Braunschweig (um nur einige zu nennen) das Wettkampfgeschehen anhaltend spannend. Die Braunschweiger Holger Blum und Martin Supplie wollten, "eigentlich nur ein Wettkampf - T Shirt und die Lizenz für das Kletterer - Buffet erwerben", schieden dann aber nicht wie erwartet in der Qualifikation sondern im Halbfinale aus.
Besonders das Herrenfinale hatte allerdings Thriller-Qualität für Publikum und Kletterer: Die erste Schlüsselstelle war bereits das Verlassen des bereitgestellten Startstuhls. Nach der Hälfte der Route nutzten die Routensetzer die große Fläche des Bunkers und ließen die Kletterer in einem nach unten führenden Quergang nach rechts abklettern. Eine große Anzahl der Finalisten stürzte allerdings schon vor dem gymnastischen Quergang. Der einzige, der auch das letzte Drittel der Route bewältigte, war der in Braunschweig zweitplatzierte Ralf Kowalski, der sich damit Tages und Gesamtsieg sichern konnte. Der in Braunschweig erstplatzierte Uli Renger kam auf den zweiten Platz. Bei den Damen siegte die Niederländische Jugendmeisterin Maaike Waalken. Angie Faust wurde mit einem zweiten Platz Gesamtsiegerin, da in Sande, dem vierten und letzten Wettkampf nach Hannover, Braunschweig und Kiel, in diesem Sommer die Nordwestdeutschen Gesamtsieger ermittelt wurden, die einen Wanderpokal erhielten.
Für mich steht jedenfalls fest: die Nordwestdeutschen Meisterschaften im Sportklettern lasse ich mir nächstes Jahr nicht entgehen !!
Dorothea Fahlbusch
Weitere Informationen unter http://www.gegenseitigkeit.de/klett99/cupber99.htm