Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1999/4
Wandergruppe

Bad Bederkesa

Eine Radwanderung im "Nassen Dreieck"

Alpenverein? Wer da meint, die kraxeln da nur durch die Berge, der hat weit gefehlt. iesmal war Radfahren der Wandergruppe im "Nassen Dreieck" angesagt! Wie, Ihr wißt nicht, wo das ist? Nun, das wissen die meisten nicht (auch der Verfasser wußte das nicht). Bederkesa liegt ziemlich in der Mitte des besagten Dreiecks, das aus den Eckpunkten Cuxhaven - Bremerhaven -Bremervörde gebildet wird. Und außerdem: Um Bederkesa herum gibt es keine Berge, nicht einmal Hügel, nein, nur sanfte Erhöhungen prägen das Bild dieses stillen Landes, und im wesentlichen sind es Geest, Moor und Heide, die unsere Augen erfreuen sollten. Doch langsam, alles der Reihe nach.

Da hatte im Mitteilungsblatt 1/99 die Wandergruppe unserer Sektion eine Radwanderwoche mit Standquartier in Bederkesa ausgeschrieben. Wir, Irene und Kurt Jentzsch aus Rühen, rieben uns erst mal verwundert die Augen und da wir ahnten, daß Bederkesa wohl nicht in alpinen Regionen zu finden sei, nahmen wir den Atlas zu Hilfe, wurden fündig und meldeten uns an. Es sollte sich zeigen, daß wir im Kreise der 14 Teilnehmer die Neulinge waren, wenn sich auch bald, und das auch sei schon mal vorausgeschickt, zeigte, daß uns mindestens zwei Kriterien Lust und Last waren. Die gute Nachricht zuerst: Die Gruppe, alle kannten sich ja untereinander, hat uns ganz selbstverständlich an- und aufgenommen. Dann die schlechtere Nachricht: Irene und ich waren immer die letzten im radelnden Pulk, aber immer wurde ohne hörbares Murren auf uns gewartet, und so etwas nennt man dann ja auch Teamgeist und so hat die "schlechte Nachricht" ja auch noch ihre guten Seiten.

Donnerstag, 5. August

Langsam trudelten die mit Radgepäck beladenen Autos in der herrlich am Waldrand gelegenen Evangelischen Heimvolkshochschule ein und sehr bald war auch für die Neulinge auszumachen, wer denn da alles zur Radlergruppe gehören könnte.

Heimvolkshochschule
Heimvolkshochschule
Foto: H. Henschel

Klar, daß es nur "sportlich-gestählte" (und entsprechend gestylte) Leute sein konnten. Selbstverständlich, daß wir - wie weiland die Cowboys ihre Pferde - erst einmal unsere Räder abschließbar versorgten und dann unsere schönen Zimmer bezogen, so richtig zum Wohlfühlen. Unglücksrabe des Ankunftstages: Der Verfasser! Sein Audi brachte beide noch klaglos zum Parkplatz des Hauses. Zwei Minuten später machte der Anlasser nur noch "klick" und das war's dann. Gut, und hier mal ein wenig Werbung, über den hilfsbereiten Audi/VW-Club sofort Kontakt zu einer Werkstatt zu bekommen, die alles übernahm, nur nicht das Bezahlen und das sollte nicht ganz billig werden. Und noch etwas muß vorausgeschickt werden und dabei bin ich ja immer noch fast beim Vorspann. Klaus Schmidt und seine Renate hatten mustergültig vorbereitet und das sollte sich nicht nur auf die Strecken der nächsten Tage beziehen, nein, auch wußten sie genau, wohin hungrige Radler ihre Schritte zu lenken hatten: In die "Koppeler Stube" am Campingplatz, die nicht nur mit ihren Speiseplan-Delikatessen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ, sondern der Gruppe gleichsam als "Logistikzentrale" diente. Hier wurden unsere "Einsatzpläne" besprochen, Erfahrungen ausgetauscht und, und, und. Es kam auch fröhliches Plaudern und Lachen nicht zu kurz. Der Verfasser schließt für sich an, daß die "Krabben mit Rührei und Bratkartoffeln" wirklich ein Hochgenuß waren, zumal auch die freundliche Bedienung versicherte, "daß die Krabben heute früh noch munter in der See krabbelten".

Freitag, 6. August- der erste Radeltag:

5.45 Uhr weckten uns die Tauben mit ihrem dunklen Gegurre; sie tauschten wohl erste Morgengrüße aus. Uns stimmte etwas später ein gutes Frühstück auf den Radeltag ein. Ein Novum ist für ein so großes Haus, in dem außer uns noch eine Behinderten-Gruppe aus Thüringen zu Gast war, zu nennen: Es gab - natürlich unter anderem - einen Frischkornbrei, nicht gerade jedermanns Sache, aber hochgelobt von den Jüngern dieser gesunden "Delikatesse".

Und 9.00 Uhr standen wir dann, einige schon unruhig mit den Füßen scharrend, mit den Rädern vor der Tür. Klaus gab uns noch Hinweise zur Fahrtroute und insbesondere zu Bederkesa. Es ist eine kleine Stadt, schön bewaldet gelegen am ca. 200 ha großen See und am Bederkesa-Geeste-Kanal., seit dem 12. Jahrhundert Grafensitz, danach in den Händen der Bremer, dann waren die Schweden die Besi(e)tzer, später dann in hannoverschen und preußischen Händen. Eine sehenswerte Burg mit heute besonders guter Restauration krönt die Stadt, in Gemeinschaft mit einer 100-jährigen Holländer-Galeriewindmühle mit herrlicher Aussicht auf das umgebende Land.

Mit diesem Wissen ausgestattet ging es in die Pedalen. Der Wettergott meinte es gut mit uns. Nach etwas kühlem Startwetter wurde es bald auf eine angenehme Art wärmer. Die "navigatorische" Meisterleistung des Führungstrios (Klaus, Waltraud und Rudolf), dies sollte hier schon mal eingeschoben werden, weil alle Tage erstaunenswert, führte uns schier auf "Irrwegen" kreuz und quer durch das leicht hügelige, grüne Land. Nur ganz selten wurde die Route verloren, stets aber wiedergefunden. An herrlich blühenden Wegerändern vorbei, gesäumt mit Kuckucksnelken, Lichtnelken, Storchenschnabel, Blutweiderich und vielen anderen Blumenschönheiten, ging es über Flögeln mit seinen alten bäuerlichen Fachwerkhäusern, vorbei am Flögelner See und den naturgeschützten Halemer und Dahlemer Seen nach Wanna. Wir querten unverfälschte Natur, gespickt mit Großstein-Hünengräbern, Steinkistengräbern und bronzezeitlichen Grabhügeln. An einem solchen in grenzenloser Abgeschiedenheit ließen wir uns auch zur Mittagsrast nieder. Was da alles aus den Gepäcktaschen herausgekramt wurde; wir merkten dazu, wie gut auch klares Wasser den Durst stillt. So ausgeruht kamen wir nach Midlum mit der bemerkenswerten Kirche St. Pankratius mit ihrem bleiernen Taufkessel mit spiegelbildlicher Inschrift. Klaus brachte irgendwie den Pastor Rolf Orzelki zu uns und der erzählte uns viel zur Geschichte dieser Kirche. Hier schlug auch die Stunde unseres Sonnenuhrenfans Manfred. Tatsächlich gruben die beiden doch eine sehr alte Uhren-Steinplatte aus; die Begeisterung war groß, aber der Laie hätte da nur eine dickere Steinscherbe mit irgendwelchen Einritzungen erkannt. "Fachleute" mit ihren geschärften Blicken sehen da eben mehr.

Weiter ging es mit zahllosen Richtungsänderungen nach Neuenwalde und trotz des fortgeschrittenen Tages wurde das flotte Anfangstempo beibehalten. Neuenwalde mit seinem Kloster entwickelte sich schon im frühen Mittelalter schnell zu einem geistlichen, gerichtlichen und wirtschaftlichen Zentrum der weiteren Umgebung. Selbst nach der Reformation blieb das Kloster noch lange Zeit eine katholische Hochburg. 1630 dann wurde es vom schwedischen König Karl XI. der "Bremischen Ritterschaft" als Stift zur "Erziehung ihrer ledigen Töchter" übergeben. Wie so häufig in diesen Zeiten brannte es ab, wurde wieder aufgebaut und beherbergt noch heute einige wenige Damen, aus deren Reihen dann die Priorin (bei unserem Besuch leider abwesend) gewählt wird. So besorgte uns Klaus die zweitwichtigste Funktion des Hauses, die Küsterin Frau Engelke, die uns mit Eifer viele Einzelheiten aus der jüngeren Vergangenheit und auch der Gegenwart erzählen konnte. Und dann stand allen der Sinn nach Kaffee. Welch eine Enttäuschung! Das Gasthaus "Zur Tränke" hatte geschlossen und auch auf dem weiteren Zick-Zack-Kurs in Richtung Bederkesa sollte uns der Kaffee nicht vergönnt sein. Trotz des immer heftiger werdenden Kaffeeverlangens stoppten wir kurz vor Bederkesa noch kurz unseren raschen Lauf. Eine Großgräber-Anlage, gleichzeitig Teil eines historischen Lehrpfades, lud zur Besichtigung ein. Dieser oder jener von uns wird sich wohl der besonderen Atmosphäre dieser uralten Grabstätte nicht entzogen haben können. Wie mag es wohl vor einigen 1000 Jahren an dieser Stelle ausgesehen haben, wie haben unsere Vorfahren damals gelebt; unterschieden sie sich in ihren Gefühlen von uns heutigen? Schwerer und sicher auch gefährlicher war das Leben allemal.

Übrigens: Dieser Tag sollte Rudolfs Tag sein. Nach 32 km brach an seinem Hinterrad eine Speiche, eine kleine "Acht" ließ sein Rad etwas schlackern. Aber so etwas ist für Fachleute ja kein Problem; mit dem Speichenspanner wurde notdürftig geholfen. bei km 34 war der Mantel ein Stück aus der Felge gesprungen, kräftiges Drücken brachte ihn wieder rein, und bei km 66 brach dann die zweite Speiche. Damit wurde es nun ernst, aber wir waren ja auch schon kurz vorm Ziel. Bei einem Vermieter lieh sich Rudolf ein Rad für die nächsten Tage. Beim näheren Hinsehen war da auch eine Speiche kaputt und erst das nächste Rad sollte dann überdauern.

In der "Heimat" angekommen, lagen 72 km hinter uns, eine schöne Leistung für den ersten Tag. Nach dem Abendessen, natürlich wieder in der "Koppeler Stube", bummelten wir bei schönem Abendwetter noch durch Bederkesa, besichtigten die Mühle und kehrten zu einem Nachttrunk noch in die Burggaststätte ein. Der gute Wein und vor allem die "Kanonenkugeln" (Eisspezialität) und das Ambiente des Hauses gaben den Ausschlag, uns für das Abendessen am Sonntag anzumelden. Alles in allem ein schöner Abschluß des ersten Tages.

Sonnabend, 7. August-der zweite Radeltag

Hier wird der Verfasser in seinen Beschreibungen nicht ganz auf der Höhe des Gruppengeschehens sein und das kam so: Klaus hatte für diesen Tag eine Tour geplant, die mehr in das Moor und in Richtung Elbe, also nach Norden, führte und es nötig machte, die ersten 15 km zum Startpunkt Ilienworth per radbeladenem Auto zurückzulegen. Nur, der Wagen von Kurt/Irene mußte erst aus der Reparatur geholt werden. So kam ab Ilienworth für uns ein abkürzender Weg in Frage, der in der Wingst wieder auf die Gruppenroute treffen sollte, die über den Balksee zur Wingst fuhr. Die Warnung von Klaus, "solche Treffen klappen nie", wurde vielleicht ein wenig belächelt, er sollte aber recht behalten. Da es auch mit dem Handykontakt nicht gar soweit her war, blieb das Treffen dem Zufall überlassen und der sollte funktionieren! Bei wieder warmem Sonnenwetter erreichten wir den Start/Zielpunkt Ihlienworth, ein 2000-Seelen-Dorf im Mittelpunkt des "Hadeler Sietlandes". (Siedt oder siet = tief = Land unter dem Meeresspiegel). Ort und Umgebung mußten also mit einem ausgeklügelten Entwässerungs-System und vielen Schöpfwerken versehen werden; erst ein solches System erlaubte die Gewinnung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen. Am kleinen Fluß Medem liegt die St. Wilhadi-Kirche, benannt nach dem ersten angelsächsischen Missionar und Bischof von Bremen, der im 8. Jahrhundert, wohl mit harter Hand, die Christianisierung Sachsens vorangetrieben hat. Unser (abkürzender) Radweg führte weit nördlich des Weges der Gruppe vorbei an blühenden Wegrändern und sonnigen Blumenwiesen, vorbei an blitzsauberen und blumengeschmückten Bauernhäusern quer durch das Labyrinth wassergefüllter Gräben, nach Bülkau und Zollbaum, in die Wingst zum geplanten Treffpunkt. Die Wingst, ein 1100 ha großes Waldgebiet mit dem für dieses brettlebene Land hohen Bergen, dem Silberberg (74 m) und dem Fahlenberg mit dem "Deutschen Olymp", der wegen des 29 m hohen Aussichtsturmes den Silberberg noch um einiges überragt. Von dort aus gibt es einen schönen Überblick über das Land bis hinüber zur Elbmündung bei Cuxhaven. Und wieder viele Gräberfelder um das Gasthaus "Deutscher Olymp" herum, die der frühere Besitzer um 1850 für eine heilige Stätte der Germanen hielt und dem Platz so den Namen gab.

Am See
Am See
Foto: H. Henschel

Nun ja, man traf sich nicht in der Wingst und so wurde weiter getrennt geradelt, und dank der von Klaus überlassenen Karte mit eingezeichneter Fahrtroute war der Weg für die beiden Vor- oder Nachzügler leicht zu finden. Cadenberge, in dessen Park die einzige Rohanbuche Norddeutschlands steht, wurde nach kurzer Zeit erreicht. Nach einer Rast führten herrliche, nahezu autofreie Wege über Deichschippe und Belum zum Elbdeich, der uns allerdings keinen Blick auf die Elbmündung erlaubte; alle Wege zur Deichkrone hinauf waren mit dicken Vorhängeschlössern versperrt. Aber auch ohne diesen Ausblick war der Weg zwischen Deich und neben dem Hadelner Kanal ein Erlebnis, wie auch schon die Wegeführung vorher. Kleine Motorboote tuckerten Richtung Otterndorfer Schleuse, über dem Land lag eine Stille, die es uns Radlern erlaubte, dem Summen der Bienen zu lauschen und das leise Fächeln des Windes in Sträuchern und Bäumen wahrzunehmen., jäh unterbrochen mit dem Erreichen des verkehrslauten Städtchens Otterndorf. Und dabei ist diese Kleinstadt ein staatlich anerkannter Erholungsort, mit gut erhaltenem mitteralterlichen Stadtkern an der dort 17,5 km breiten Elbmündung. In Literaturkreisen ist Otterndorf durch Heinrich Voss, den Übersetzer der "Odyssee" und anderer Werke von Aristophanes und Shakespeare, bekannt geworden. Und dort, oh Wunder, schlug der Zufall zu; alle fanden sich wieder, stolperten fast übereinander. Die Gruppe hatte inzwischen Kaffeerast gemacht und war bei der Stadtbesichtigung.

14 km bis Ihlienworth lagen noch gemeinsam vor uns. Der immer dunkler werdende Himmel ließ uns heftiger in die Pedalen treten und doch, 20 Minuten vorm Ziel, erreichte uns der Regen, der dann aber doch nur leise, aber stetig, so vor sich hin fiel. Da er uns also nicht über Gebühr durchnäßte, empfanden wir die Kühle, die er mit sich brachte, nach diesem heißen Tag fast als wohltuend. Die Räder schnell auf den Dächern verstaut, fuhren wir zurück nach Bederkesa und es regnete weiter, sogar stärker, und so war es dann nur der harte Kern, der, diesem Regen trotzend, ohne Auto zum Abendessen nach unten wanderte. Wohin? War doch klar: Zur "Koppeler Stube"! Ein dann doch noch regenfreier Spätabend erlaubte sogar noch einen Verdauungsspaziergang in die Nacht hinein. Hinter der Gruppe lagen heute rd. 62 km.

Sonntag, 8. August - der dritte Radeltag

Wieder das gute Frühstück, na klar, und dann ging es kurz nach 9.00 Uhr hinaus in einen kühlen Morgen mit einem bedeckten Himmel, aus dem einige Regentropfen zögerlich auf uns herabfielen. Diese Startbedingungen schienen niemand bedenklich zu stimmen, als wir uns auf den für heute südlich von Bederkesa projektierten Weg machten. Um den ganzen See herum führte uns das Spitzentrio zuerst nach Lintig, einem kleinen Bauerndorf mit einer Holländer-Galeriewindmühle. Nächste Station, auf die es in flottem Tempo zuging, war Hainmühlen.

Wassermühle
Wassermühle
Foto: K. Schmidt

Hier faszinierte uns die alte, 1419 erstmals erwähnte Wassermühle, die sogar noch auf Knopfdruck in Gang zu setzen war, und natürlich probierten wir das auch aus. Mächtig rumpelnd setzte sich das riesige, hölzerne Rad in Bewegung und wir staunten, wie wenig Wasser dazugehörte, das Mahlwerk arbeiten zu lassen. Die Mühle gehört heute der Samtgemeinde Bederkesa. Sie wurde auf den alten Fundamenten 1828 neu aufgebaut und 1963/1984 gründlich restauriert. Es war inzwischen wieder warm geworden und wieder führte uns der Weg mit seinen zahllosen Biegen in die freie Natur und durch herrliche Alleen und es stand bald außer Frage, in Großenhain, im Gasthaus "Bin Holthacker" (welch Wunder, es war geöffnet) eine genüßliche Rast einzulegen. Allgemein bejubelt dieser Entschluß, der, wie Stimmen dies laut werden ließen, "Schmidt's Lernfähigkeit", wenigstens einmal einzukehren, positiv anmerkten. Wie gut tut so ein Bier, hier und dort auch Mineralwasser für die ganz Standhaften. Aber "der Wagen der rollt" und so saßen wir nach guten 50 Minuten wieder im Sattel; es lag ja noch einiges an Wegstrecke vor uns. Im Gegensatz zu gestern (viel an moorigem Weideland) radelten wir heute mehr an landwirtschaftlich genutzten Feldern entlang und durch Wälder. In einem kleinen Waldgebiet nutzten wir ein schattiges Plätzchen für unsere doch schon kärglicher bestückte Mittagsrast. Viel an Delikatessen wurde da nicht mehr aus den Taschen gezaubert, aber wir alle waren's zufrieden, nach den bis dahin 30 km, die Ruhe der von Sonnenflecken gesprenkelten Waldlichtung zu genießen. 9 km weiter erreichten wir über schöne sonnig/schattige Wege Ringstedt. Hier beherrscht die mächtige St. Fabians-Kirche das Dorfbild. Weiß der Himmel, wie es Klaus wieder gelang, in den Besitz des ebenso mächtigen Kirchenschlüssels zu gelangen; der Besuch der Kirche sollte sich lohnen. Die vier Altartafeln zeigen keine Gemälde, sondern zeigen die fünf Hauptstücke des Katechismus. Überhaupt zeigte sich dieser Kirchenraum anders als gewohnt, da es sich um eine sogenannte "Simultankirche" handelt, also eine Kirche, die von zwei Konfessionen genutzt wird; in diesem Falle lutherisch und lutherisch-reformiert. Wir lernten, daß in der reformierten Glaubensrichtung bildliche Darstellungen religiöser Natur nicht erwünscht sind, da sie die alleinige Geltung des Wortes Gottes beeinträchtigen könnten. Beeindruckend war auch eine Ausstellung von Laienbildern religiöser Motive. Ein Biohof mit seinen gesunden Milchprodukten brachte Irene zum Entzücken. Mit diesen Produkten in der Satteltasche machten wir uns auf die letzten 14 km nach Bederkesa, nicht ohne zuvor in Kührstedt eine Gasthof-Rast ins Auge zu fassen. Und in Kührstedt gab es sogar zwei geöffnete Häuser. Im ersten gab's nur Butterkuchen, danach stand den meisten wohl nicht der Sinn und so radelten wir zum zweiten. Im schattigen Gastgarten Platz genommen, hörten wir, "daß die Hitze der vergangenen Tage allen Kuchen verdorben hätte". Hätten wir doch nur den Butterkuchen im ersten genommen. Aber gute Miene zu dieser Panne und so ließen wir uns Bier und Kaffee gut schmecken. Nach längerer Rast erreichten wir dann Bederkesa und dort das "Café am See". Wir hatten nur den Sonntag vergessen; es war rappelvoll, aber hier und dort fand sich doch noch ein Plätzchen. 59 km im Nassen Dreieck lagen heute hinter uns.

Für den Abend suchten wir, und insbesondere wohl die Damen, das Feinste heraus, was in unseren Koffern zu finden war. Heute war ja das Burgrestaurant im Abendprogramm und es sollte ein schöner Abend werden. Auf der Terrasse wurde für uns der Tisch gedeckt und so tafelten wir denn fürstlich vor den dicken Mauern der Burg, bis uns heftiger Regen ins Innere scheuchte. Wein, gutes Bier und die heiß ersehnten "Kanonenkugeln" ließen uns fröhlich erzählend die Zeit vergessen und irgendwann waren wir dann auch wieder in unserem "Heim".

Wir haben schöne Tage erlebt! Der Abreisetag, der 9. August, versammelte uns noch einmal im Foyer des Hauses, einmal um uns voneinander zu verabschieden, aber auch -und dies ein besonderes Bedürfnis- Renate und Klaus Schmidt mit einem Wein-Präsent unseren Dank zu sagen für die hervorragend gute Organisation der Reise, die vielen Vorarbeiten, das Erkunden der Radelrouten. Diese viele und wohl auch kostenträchtige Mühe hat uns allen das Erleben der Natur, das Wohlfühlen in der Gruppe, zum Genuß werden lassen.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.10. November 1999