Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2000/4
NN

Ein weiter Weg !

Am 18. September 2000 geht es los. Heute wollen wir den Europaweg von Grächen nach Zermatt in Angriff nehmen. Wir, das sind Dieter, Günther, Klaus, Theo, Jürgen und ich. Von unserem Standquartier in Saas Almagell starten wir mit 2 PKW´s nach St. Niklaus, um von dort mit dem Bus nach Grächen zu fahren und unsere lange Wanderung zu beginnen.

Am Bahnhof von St. Niklaus lösen wir Parkmarken für unsere Autos und ein Rundfahrtbillet für unsere Tour (Bus von St. Niklaus nach Grächen, Sunneggabahn und Zug von Zermatt zurück nach St. Niklaus). Der Bahnbeamte ist unwahrscheinlich nett und der Bus wartet nur noch auf uns und schon geht es los.

In Grächen, 1622 m hoch gelegen, müssen wir zuerst bis Gasenried auf der Straße wandern. Aber dann beginnt eine beschwerliche aber sehr schöne Wandertour.

Wir steigen durch einen Lärchenwald auf dem Geissweg steil hinauf und erreichen nach einiger Zeit auf dem Aussichtspunkt am "Grat" den heiligen St.Bernhard, den Schutzpatron der Bergwanderer. Am "Grossen Graben" wird der höchste Punkt der Königsetappe mit 2690 m überschritten.

Diese wunderbare Gegend, die man auf teilweise unvorstellbaren Wegen zu sehen bekommt, lässt uns in Bewunderung ausbrechen. Man muss zwangsläufig stehen bleiben und einfach schauen, denn beim Wandern ist man gezwungen, unbedingt auf den Weg zu achten. Er verläuft fast ausschließlich oberhalb der Baumgrenze, ein Hochgebirgsweg, der viel über Blockwerk führt und teilweise ausgesetzt und mit Seilen abgesichert ist. Der Weg verlangt Schwindelfreiheit und gute Kondition. Bei schlechter Sicht und Regen möchte ich diesen Weg nicht gehen.

Wir schauen auf das Brunneghorn, Bishorn und Weisshorn und erreichen über den Galenberg, Hohberge und Miesboden endlich nach ca. 8 Stunden die neue Europahütte (2220 m).

Wir werden schon erwartet (Anmeldung unter Tel. 27 / 9678247 ist ratsam) und mit einem reichhaltigen Abendessen und einigen Radlern entschädigt. Wenn man an diesen schönen Tag zurückdenkt, ist die Anstrengung schnell vergessen. In einem Sechsbettzimmer dürfen wir unsere müden Glieder ausstrecken.

Am nächsten Morgen beobachten wir vom Frühstückstisch aus den Sonnenaufgang am Weisshorn. Bei bestem Wetter wandern wir los und kreuzen den "Domhüttenweg". Unser Weg ist weiterhin noch recht beschwerlich. Am "Alten Spechtbaum" machen wir eine Pause und genießen das Panorama. Das Weisshorn, Schalihorn, Zinalrothorn, Ober Gabelhorn mit Wellenkuppe, Matterhorn, Breithorn usw. haben wir jetzt immer im Blick. Diese einmalige Gegend und die Aussicht auf die vielen Gletscherausläufer vor diesen Bergen sind beeindruckend und wir sind mittendrin.

Wir wandern durch einen Tunnel und im Täschgufer durch einige Steinschlagverbauungen. Nun erreichen wir die Region der Lärchen und Almwiesen bei der Täschalp. Hier besteht nach der Europahütte die erste Möglichkeit einen Imbiss und ein Getränk zu kaufen, denn diese Alp ist bewirtschaftet.

Nun erlaubt der breiter werdende Weg, dass man während des Wanderns diese Traumlandschaft bewundern kann. Am Nachmittag quellen dicke Föhnwolken über den Theodulpass und verhüllen das Matterhorn.

Vorbei an Tufteren streben wir der Sunnegga-Standseilbahn zu und es fällt schwer, nicht immer wieder über die schöne Landschaft in Bewunderung auszubrechen. Nach ca. 7 Stunden erreichen wir den Bahnhof von Zermatt um dann mit dem Zug nach St. Niklaus zurückzufahren. Nun fallen auch die ersten Regentropfen und wir sind glücklich über die verlebten Wandertage bei bestem Wetter.

Karin Reinefeld

Anmerkung der Redaktion: Der beschriebene Wanderweg ist das letzte Teilstück des Rundwanderweges Tour Monte Rosa (TMR), das erst vor einigen Jahren fertiggestellt wurde.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.19. November 2000