Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2000/4
Hochtourengruppe

Getan wird, was getan werden muss

- 3 Mitglieder der Hochtourengruppe auf neuen Wegen -

Drei  Helden

Ursprünglich hatten wir Klettern in den Alpen geplant: 8-10 Leute mit Interesse, 2 Fachübungsleiter hatten zugesagt, eine Woche Lienzer Dolomiten im September stand bevor.

Doch dann mussten aus verschiedenen Gründen unsere Fachübungsleiter leider absagen, der Rest der Truppe schrumpfte zusehends, genauso wie der verfügbare Zeitraum. Zu allem Übel stieg auch noch der Benzinpreis in alpine Höhen, was die drei noch verbliebenen "Alpinisten" in den Großraum-Klettergarten ,Nördliches Frankenjura' führte. Dieses Gebiet im Dreieck Nürnberg, Bamberg und Bayreuth beherbergt über 400 Felsmassive in meist festem Kalkstein: Man weiss gar nicht, wo man anfangen soll! Zum Glück ausgestattet mit dem Thum'schen Kletterführer, privaten Tips und ausgedehntem Jet-setten im Internet, wussten wir dann doch, wo wir die Klemmkeile in die Felsen legen sollten. Jetzt durfte es nur nicht regnen!

Mit Optimismus an Bord starteten wir am Samstagvormittag bei strömendem Regen! Nichtsdestotrotz eröffneten wir das Klettern noch am Nachmittag an den Vorderen Stadelhofener Wänden (Nr. 221), Routen zum Eingewöhnen zwischen 4 und 7, Sturz inklusive.

Beim abendlichen Bier (3.00 DM !!) im Gasthof in Morschreuth (Matrazenlager und eigene Boulderhalle!) fassten wir neuen Mut, um am Sonntag richtig loszulegen. Obwohl es die ganze Nacht geregnet hatte, fielen uns : 1. Am Richard-Wagner Fels und dem Härtelstein noch zwei schöne 6er Routen, 2. eine riesige Portion Kuchen (Gasthof Eichler mit kletterfreundlichem Campingplatz) und 3. Martins Zahnkrone in den Schoß. Letzteres bescherte uns das AUS des Kletterns und einen Zahnarztbesuch am Sonntagabend. Das fränkischen Essen und günstige Bierpreise verhalfen uns aber zu späterer Stunde wieder, die gute Laune zurückzufinden.

Der Montag war dann auch ertragreicher:13 Routen zwischen 4 und 7, diesmal an den Hinteren Stadelhofener Wänden (Nr. 222): meist leicht überhängende, glatte Wandkletterei vom feinsten Sportklettercharakter (Zitat Martin). Der kulinarische Höhepunkt führte uns in den Gasthof zur Post nach Leupoldstein mit imposantem Ausblick: Von der Herrentoilette (stehend) die Leupoldsteiner Wände (Felsennr. 102) - Damen: Pech gehabt.

Dienstag: Fußmarsch (!) (Wandergruppe aufgepasst) durch Feld, Wald und Wiesen (leider alle Obstbäume abgeerntet) zu den Röthelfelsen (Nr.158), ein ca. 200 m langes Massiv mit bis zu 40 m Wandhöhe alpiner Struktur: oft gestuft, zerklüftet, mit Kamin- und Risskletterei, Zwischenstandplätzen und heftigem Wind. Unsere Routen zwischen 4 und 6, "sehr interessant, schön, cool". - Der Abend bescherte uns bei fränkischer Brotzeit, unfränkischem Salat und schwäbischen Kässpätzle mit ausreichend Kellerbier einen amüsanten Ausklang und die teilweise Niederschrift diese Berichtes.

Am Mittwochmorgen standen wir so früh auf wie noch nie, das Wetter war schön, und wir wollten den Vormittag noch zum Klettern nutzen. Die Gößweinsteiner Felsen waren uns aus dem Internet empfohlen und sollten eine ganze Reihe leichter und mittelschwerer Bierkrugrouten aufweisen (Anm: mit Bierkrügen sind im Kletterfüher die ,lohnenden' Routen hervorgehoben).Ein paar Autominuten, ein paar Wanderminuten und wir sahen uns Napoleon (Nr. 209) gegenüber. Auf vier Routen zwischen 4+ und 6+ stiegen wir dem großen Korsen aufs Haupt: die eine Spitze oben 25 cm breit und ca. 3 m lang, gerade mal Platz für zwei schlanke Hintern nebst einem Haufen Seil und zwei Ringhaken. Dann hieß es Abseilen, Abschiednehmen und die Rückreise antreten.

Die Akteure, Berichterstatter und ihr Fazit:

Martin Bernhardt: "cool, werde noch öfters wiederkommen". Schöne Landschaft, ausgeprägte Felsvegetation erfreute auch das Gärtnerherz; war sehr angetan von den leicht überhängenden, glatten Wänden bis 7 (fällt noch gerne).

Olaf Schröder: "Mal was Neues" Wollte eigentlich bis zur letzten Minute in die Dolomiten, fand in der Auswahl der kulinarischen Höhepunkte noch Verbesserungsmöglichkeiten und hat sich als kartenkundiger Beifahrer unentbehrlich für die nächste Unternehmung empfohlen.

Klaus Steube: "Vier Tage voll okay". Bewährt als Transportunternehmer, in Organisation und Logistik; war begeistert von den Bierpreisen und dem aufgelockerten Landschaftsbild. War dankbar für jeden Vorstieg und Fan der ,alpinen' Routen über Kanten, durch Risse, Kamine und Verschneidungen, wo sich auch mal das Seil verhedderte.

 

Kletteraktion
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Klaus Steube
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.19. November 2000