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Ursprünglich hatten wir Klettern in den Alpen geplant: 8-10
Leute mit Interesse, 2 Fachübungsleiter hatten zugesagt, eine Woche
Lienzer Dolomiten im September stand bevor.
Doch dann mussten aus verschiedenen Gründen unsere Fachübungsleiter
leider absagen, der Rest der Truppe schrumpfte zusehends, genauso wie
der verfügbare Zeitraum. Zu allem Übel stieg auch noch der Benzinpreis
in alpine Höhen, was die drei noch verbliebenen "Alpinisten" in den
Großraum-Klettergarten ,Nördliches Frankenjura' führte.
Dieses Gebiet im Dreieck Nürnberg, Bamberg und Bayreuth beherbergt
über 400 Felsmassive in meist festem Kalkstein: Man weiss gar
nicht, wo man anfangen soll! Zum Glück ausgestattet mit dem Thum'schen
Kletterführer, privaten Tips und ausgedehntem Jet-setten im Internet,
wussten wir dann doch, wo wir die Klemmkeile in die Felsen legen sollten.
Jetzt durfte es nur nicht regnen!
Mit Optimismus an Bord starteten wir am Samstagvormittag bei strömendem
Regen! Nichtsdestotrotz eröffneten wir das Klettern noch am Nachmittag
an den Vorderen Stadelhofener Wänden (Nr. 221), Routen zum Eingewöhnen
zwischen 4 und 7, Sturz inklusive.
Beim abendlichen Bier (3.00 DM !!) im Gasthof in Morschreuth (Matrazenlager
und eigene Boulderhalle!) fassten wir neuen Mut, um am Sonntag richtig
loszulegen. Obwohl es die ganze Nacht geregnet hatte, fielen uns : 1.
Am Richard-Wagner Fels und dem Härtelstein noch zwei schöne
6er Routen, 2. eine riesige Portion Kuchen (Gasthof Eichler
mit kletterfreundlichem Campingplatz) und 3. Martins Zahnkrone
in den Schoß. Letzteres bescherte uns das AUS des Kletterns
und einen Zahnarztbesuch am Sonntagabend. Das fränkischen Essen und
günstige Bierpreise verhalfen uns aber zu späterer Stunde wieder,
die gute Laune zurückzufinden.
Der Montag war dann auch ertragreicher:13 Routen zwischen 4 und 7, diesmal
an den Hinteren Stadelhofener Wänden (Nr. 222): meist leicht überhängende,
glatte Wandkletterei vom feinsten Sportklettercharakter (Zitat Martin).
Der kulinarische Höhepunkt führte uns in den Gasthof zur
Post nach Leupoldstein mit imposantem Ausblick: Von der Herrentoilette
(stehend) die Leupoldsteiner Wände (Felsennr. 102) - Damen: Pech
gehabt.
Dienstag: Fußmarsch (!) (Wandergruppe aufgepasst) durch Feld, Wald
und Wiesen (leider alle Obstbäume abgeerntet) zu den Röthelfelsen
(Nr.158), ein ca. 200 m langes Massiv mit bis zu 40 m Wandhöhe alpiner
Struktur: oft gestuft, zerklüftet, mit Kamin- und Risskletterei,
Zwischenstandplätzen und heftigem Wind. Unsere Routen zwischen 4
und 6, "sehr interessant, schön, cool". - Der Abend bescherte uns
bei fränkischer Brotzeit, unfränkischem Salat und schwäbischen
Kässpätzle mit ausreichend Kellerbier einen amüsanten Ausklang
und die teilweise Niederschrift diese Berichtes.
Am Mittwochmorgen standen wir so früh auf wie noch nie, das Wetter
war schön, und wir wollten den Vormittag noch zum Klettern nutzen.
Die Gößweinsteiner Felsen waren uns aus dem Internet empfohlen
und sollten eine ganze Reihe leichter und mittelschwerer Bierkrugrouten
aufweisen (Anm: mit Bierkrügen sind im Kletterfüher die ,lohnenden'
Routen hervorgehoben).Ein paar Autominuten, ein paar Wanderminuten und
wir sahen uns Napoleon (Nr. 209) gegenüber. Auf vier Routen zwischen
4+ und 6+ stiegen wir dem großen Korsen aufs Haupt: die eine Spitze
oben 25 cm breit und ca. 3 m lang, gerade mal Platz für zwei schlanke
Hintern nebst einem Haufen Seil und zwei Ringhaken. Dann hieß es
Abseilen, Abschiednehmen und die Rückreise antreten.
Die Akteure, Berichterstatter und ihr Fazit:
Martin Bernhardt: "cool, werde noch öfters wiederkommen".
Schöne Landschaft, ausgeprägte Felsvegetation erfreute auch
das Gärtnerherz; war sehr angetan von den leicht überhängenden,
glatten Wänden bis 7 (fällt noch gerne).
Olaf Schröder: "Mal was Neues" Wollte eigentlich bis zur
letzten Minute in die Dolomiten, fand in der Auswahl der kulinarischen
Höhepunkte noch Verbesserungsmöglichkeiten und hat sich als
kartenkundiger Beifahrer unentbehrlich für die nächste Unternehmung
empfohlen.
Klaus Steube: "Vier Tage voll okay". Bewährt als Transportunternehmer,
in Organisation und Logistik; war begeistert von den Bierpreisen und dem
aufgelockerten Landschaftsbild. War dankbar für jeden Vorstieg und
Fan der ,alpinen' Routen über Kanten, durch Risse, Kamine und Verschneidungen,
wo sich auch mal das Seil verhedderte.
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