Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2000/4
NN

Goldene Hochzeitsfeier in der Torfhaushütte

"Aus vielen schönen Städten kommt alle mit uns rauf,
,ne Goldne gib's zu feten, da trinken wir jetzt drauf.
Hali, halo, wir fahren, wir fahr'n zum Torfhaus jetzt!"

So lautete unsere Liedstrophe für das elterliche Goldhochzeitspaar und seine Gäste während der Busfahrt von Braunschweig zum Torfhaus.

Der Anlaß lag also 50 Jahre zurück, der "Tatort" war derselbe: die Torfhaushütte. Die haben meine Großeltern, Irma und Oskar Hillebrand, von 1943 bis 1965bewirtschaftet - und dort hatten sich ihre Tochter Helga (meine Mutter) und mein Vater Gerhard Küster (in den Siebziger und Achtziger Jahren Schriftführer dieses Blattes und schon als Junge mit der Jugendgruppe oft wandernd und kletternd dort oben) kennen- und liebengelernt. Und was lag damals als auch heute näher, als die Grüne bzw. Goldene Hochzeit auch dort zu feiern?

Nun ja, ein wenig skeptisch war ich ja schon. "Deftig"-gemütlich, eben hüttenmäßig, hatte ich mir dieses Goldene-Hochzeitsessen vorgestellt, so wie wir es eben von unserer Hütte kannten (auch von vielen schönen Feiern der Wander- und Skigruppe, deren Liedern wir Kinder meistens, spät im Bett liegend, durch den Heizungsschacht lauschten, wenn wir schon nicht so lange dabei sein durften!).

Aber so festlich geschmückt hatten sie nur die wenigen "Zeugen" vor 50 Jahren gesehen, die sich jetzt wieder gerne daran erinnerten, und die die Hütte innen ebenso schön gedeckt vorfanden wie damals: Goldgelbe Rosen zierten die weißen Tischdecken, hübsche Menükarten mit Fotos von "einst" und "jetzt" wiesen schon auf das lukullische Mahl von Hühnerkraftbrühe, Hirschkalbsbraten und Eis und Kirschen sowie den nachmittäglichen Zwetschenkuchen hin. Die Bedienung war aufmerksam, freundlich und die servierende Chefin nebst Chefkoch in der Küche (das Ehepaar Gödecke) hatten auch ihren Spaß an den Gaumenfreuden der Gäste sowie an deren Darbietungen zwischen den Gängen. Einige Freunde zeigten stolz ihre heute extra angesteckte 50-jährige AV-Zugehörigkeitsnadel. Auch der älteste Gast, meine nun fast 100jährige Großmutter Käthe Küster, schwelgte in Erinnerungen - vor allem, als nunmehr auch ihre bis vor 10 Jahren "im Osten" wohnenden Nichten den Brocken von dieser Seite aus beim gemeinsamen Luftschnappen betrachten konnten.

Für alle eine Überraschung war dann der Besuch des Vorsitzenden der Sektion Braunschweig, Herrn Dr. Walter Sprenger und seiner Frau, der es sich nicht nehmen ließ, dem Jubelpaar mit einem großen Blumenstrauß und einer sehr persönlichen Ansprache zu gratulieren und die beide auch noch zu Kaffee und Kuchen und gemeinsamem Plausch blieben.

Kein 1st-class-Hotel hätte besser geeignet sein können, diesen Tag so festlich und doch in so privatem Rahmen stattfinden zu lassen - so kann man nur sagen: Nachahmungen empfohlen! Leider gibt es ja nur noch wenige Goldhochzeiten, aber goldene Anlässe gibt es ja genügend, einmal in der Hütte in "geschlossener Gesellschaft" zu feiern , und wir freuen uns schon wieder auf das nächste Mal dort, wenn es heißt:

"Im Harz die Blicke lenken wir dann zum Brocken hin,
am Tatort zu gedenken, danach steht uns der Sinn.
Hali, Halo, wir fahren, wir fahr'n zum Torfhaus hin ....!"

Sabine von Imhoff, geb. Küster

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.19. November 2000