Samstag, 3.6.2000
Um 7.15 Uhr ist es soweit, die lang ersehnte Reise ins Riesengebirge beginnt vom neuen ZOB in Braunschweig. Alle angemeldeten 42 Wanderfreunde fahren mit, fast pünktlich geht die Fahrt in einem komfortablen Reisebus der Firma Weihrauch los. Es geht über Magdeburg (wo wir noch 5 Wanderfreunde der Sektion Magdeburg aufsammeln), Halle, Dresden, Bautzen, Grenze Warnsdorf .(hier erwartet uns eine freudige Überraschung: Mohnkuchen und Kaffee werden von der Reiseleitung gestiftet), Reichenberg, Gablonz, Hohenelbe nach Spindlermühle. Nach 10 1/2 Stunden mit informativen Erläuterungen durch die Reiseleitung erreichen wir müde und durchgeschwitzt unser schönes ***Hotel Windsor. Leider hat das Hotel für den Reiseleiter und den Fahrer erst einen Tag später die beiden Zimmer zur Verfügung. Beim 4-gängigen Menü bekommen wir den ersten Kontakt mit der einheimischen Kost und dem leckeren Schwarzbier. Der erste Tag einer schönen Reise geht zu Ende.
Sonntag, 4.6.2000
Raus aus den Betten, denn die Schneekoppe in ihrem unverhüllten Anblick gibt es nicht oft zu sehen. Nach dem Frühstück bringt uns um 9.00 Uhr der Bus zum Spindlerpaß. "Auf, auf Ihr Wandersleut heißt es nun! Das Wetter zeigt sichvon der besten Seite. Damit jeder nach seiner Art und Weise wandern kann, werden zwei Wandergruppen mit unterschiedlichen Wanderrouten bezüglich des Schwierigkeitsgrades und der Dauer angeboten.
Die Gruppe I ist am ersten Tag 23 km gelaufen, vom Spindlerpaß um 220 m hinauf zu den Mittagssteinen, etwa 300 m Abstieg vorbei am Großen Teich zur Stelle der ehemaligen Schlingelbaude/Polana, dann knapp 100 m Aufstieg zum Kleinen Teich (sengende Mittagshitze), weitere rund 200 m Aufstieg zur Wiesenbaude (endlich den ersehnten Palatschinken mit Sprühsahne.) Danach geht es gestärkt nur noch bergab 700 m nach Spindlermühle. Der Weg ist Gott sei Dank schon erneuert, aber immer noch sehr steinig und steil. Für manchen wurde der Abstieg zur Qual. Kein Wunder, daß der große Teil der Wandergruppe auf und davon war.Einige waren froh, als das Hotel in Sicht war.Unser erster Wandertag hat uns einen Einblick in die wunderschöne Umgebung mit den unterschiedlichsten Grüntönen und Gebirgszügen, Schneefeldern, Wiesenblumen, Vogelstimmen und natürlich auf die zu erwartenden "STEINE" in allen Variationen gegeben. Mal sehen , was uns noch erwartet!
Gruppe II: Für diese Wandergruppe, die der "leistungsgeminderten" Wanderer, haben sich 10 Leute entschieden. Die Führung dieser Gruppe übernimmt für die ganze Woche Ingrid Frömming aus Magdeburg. Gemeinsam mit der Gruppe I geht es mit unserem Bus auf einer Mautstraße zum Spindlerpaß (1200 m ) hinauf, wo wir ca. 9.30 Uhr starten und ostwärts auf dem Freundschaftsweg in Richtung Mittagssteine aufsteigen. Der Weg führt etwa unterhalb der Kammlinie auf der polnischen Seite entlang und zeigt uns gleich eine Besonderheit der Riesengebirgswanderungen. Man läuft oft oberhalb der Baumgrenze und hat - gutes Wetter vorausgesetzt - stets wunderbare Fernsichten. So können wir weit in das dem steilen Nordabfall des Riesengebirges vorgelagerte schlesische Land blicken. Kurz vor 11.30 Uhr erreichen wir die Mittagssteine (1420 m), wo eine kleine Rast eingelegt wird. Hier erblicken wir zum ersten Mal die Schneekoppe. Wenige hundert Meter nach den Mittagssteinen öffnet sich der Blick auf den Großen Teich, ca. 200 m tiefer gelegen. Wir gehen auf dem nach Krummhübel führenden Weg steil bergab bis zur 1060 m hochgelegenen Polana-Wiese ( Platz der früheren Schlingelbaude). Wir haben hier den tiefsten Punkt unseres Weges erreicht und steigen erst durch Wald, dann mit freiem Blick auf die Schnee gefüllten Murenrinnen unterhalb des Hauptkammes wieder auf zum Kleinen Teich mit der wunderschön gelegenen Kleinen Teichbaude. Wir gehen gleich nach kurzer Trinkpause weiter zur Hampelbaude, wo wir unsere Mittagspause einlegen. Kurz nach 14.00 Uhr geht es weiter auf einem gepflasterten Fahrweg hinauf zum Kammweg. Die Schneekoppe ist zum Greifen nah; wir wenden uns aber in die entgegengesetzte Richtung, um in leichtem Auf und Ab auf dem breiten Kammrücken zu den Mittagssteinen zurückzukehren. Der Weg bietet zauberhafte Ausblicke auf Krummhübel, vor allem aber auch auf den Kleinen Teich. An den Mittagssteinen gestattet uns Ingrid noch eine kleine Pause. Und dann geht es abwärts zurück zum Spindlerpaß, den wir ca. 15 Minuten vor Abfahrt des Busses (17.00 Uhr) erreichen. Wir haben doch mit 18 km Weglänge und ca. 600 Höhenmetern im Auf- und Abstieg eine durchaus respektable Eingehtour bewältigt.
Montag, 5.6.2000
Das Wetter ist wieder gut, und es muß genutzt werden: schöne Tage auf der Schneekoppe sind nicht die Regel (siehe Brocken). Die 2. Wanderung beider Gruppen führt uns deshalb auf Rübezahls höchsten Berg, die 1602 m hohe Schneekoppe. Über Hohenelbe - Kleinaupa fährt der Bus auf den Paß zu den Grenzbauden (1046 m hoch), der das böhmische Trautenau mit dem schlesischen Schmiedeberg verbindet und geographisch das Riesengebirge im Osten begrenzt.
Gruppe I: Hier starten um 9 Uhr 28 Wanderer bei Sonnenschein. Der erste Abschnitt führte uns zur Schneekoppe, (s. Wegbeschreibung Gruppe II). Um 13 Uhr stehen wir auf dem Gipfelplateau. Wolfgang verteilt den Gipfeltrunk.
Wir haben nun die Gelegenheit, die unscheinbare, hölzerne Koppenkapelle und die tschechische und polnische Baude zu besichtigen. Von den Aussichtskanzeln schweift der Blick weit ins Land. Im Osten ist der Löwengrund und der Riesen-/Schmiedeberger Kamm zu sehen, im Süden steil abfallend der Riesengrund und Rübezahls Lustgarten und nördlich der Melzergrund und dahinter der Ort Krummhübel. Steil geht´s bergab den mit Ketten gesicherten Zickzackweg zum Schlesierhaus. Über den Koppenplan wandern wir an der Wiesenbaude vorbei über den Brunnenberg und über ein Schneefeld zur Geiergucke. Hier kehren wir ein, es gibt köstlichen Palatschinken mit Sahne und Eis.
Das Wetter ändert sich schnell. Rübezahl zieht die Schublade mit dem Nebel auf und verteilt ihn rasend schnell, danach noch die Schublade mit Blitzen und Donner. So sitzen wir für eine Stunde fest in der Geiergucke (1356 m hoch). Weiter geht´s dann bei Sonnenschein 600 m abwärts durch den Langen oder Peters Grund über St. Peter nach Spindlermühle. Es ist 18.30 Uhr, 24 km Wegstrecke und ein herrlicher, erlebnisreicher Tag. Vielen Dank Wolfgang für deine Führung und Erklärungen.
Gruppe II: Um Viertel nach Neun startet dieGruppe II, die sich von gestern zu heute auf 16 Leute glatt verdoppelt hat! Auf der tschechisch-polnischen Grenze entlang geht es zunächst steil bergauf zum Schmiedeberger Kamm. Direkt am Wege unter einer Fichte entdeckt jemand von der Wandergruppe I ein kleines Rehkitz. Auf dem Kamm wandern wir fast eben bis zum Tafelstein (1282 m), wo wir die erste Pause einlegen. Von hier bietet sich ein herrlicher Blick auf Krummhübel, auf die Schneekoppe und auf den weiteren Wanderweg, der zunächst abwärts zum Eulenpaß (1164 m), an der Jelenka Baude, der ehemaligen Emmaquellenbaude, vorbei und dann mühselig und schweißtreibend bergauf zur Schwarzen Koppe (1410 m) führt. Nach einer kurzen Trinkpause am Gipfelfelsen der Schwarzen Koppe wird die letzte Etappe mit ca. 200 Höhenmetern in Angriff genommen, zuerst wieder fast eben auf steinigem Weg durch Latschen, aber dann wieder mühselig bergauf und zum Schluß auf dem gepflasterten Jubiläumsweg zum Tagesziel unserer Gruppe, der Schneekoppe mit einer Gipfelhöhe von 1602 m, die wir um ca. 13.40 Uhr erreichen. Hinter uns liegen etwa 10 km Weg mit rund 700 Höhenmetern. Während des letzten Teils des Aufstieges zogen sich hinter uns dunkle Wolken zusammen, aus denen Donner grollte und erste Blitze zuckten. Gewitter macht Wanderer einig, vor allem in Gipfelpositionen. Keiner widerspricht, als Ingrid vorschlägt, auf eine ausgiebige Gipfelrast zu verzichten und umgehend mit dem Sessellift nach Petzer hinab zu schweben. Natürlich ist noch Zeit für den Gipfeltrunk. Zusammen mit drei Abtrünnigen der Gruppe I geht es um 14 Uhr gelenkschonend in zwei Sektionen zu Tal. Bleibt uns nur noch ein kleiner Weg von wenigen hundert Metern zum Busparkplatz. Am Ortseingang von Petzer erwischt uns dann doch noch ein heftiger Gewitterguß, den wir aber unter dem Zeltdach einer kleinen Gastwirtschaft fast trocken überstehen. Um 15.30 Uhr sitzen wir alle in unserem Bus und rollen das Aupatal hinab, später an Hohenelbe vorbei nach Spindlermühle zurück.
Dienstag, 6.6.2000.
Der Tag beginnt mit einem gepflegten Frühstück um 6.30 Uhr. Heute bilden sich drei Gruppen. Die Leute der neuen Gruppe wollen diesen Tag individuell gestalten. Abfahrt nach Petzer (754 m) ist um 8 Uhr.
Die Gruppen I und II trennen sich hier.
Gruppe I: Wir, 23 Personen, gehen an der Aupa entlang in Richtung Riesengrund, 850 m hoch, weiter in den Blaugrund auf 1000 m. Dieser Weg hat den obligatorischen morgendlichen Kreislaufkick. Eine herrliche Aussicht und Ansicht im Blaugrund ist der Lohn, wenn sich auch die Schneekoppe hinter einer Wolke versteckt.
Es beginnt zu tröpfeln, und wir eilen weiter über die Richterbaude (1140 m) ohne Halt zur Geiergucke(1357 m) und sind dort schon um 11.30 Uhr. Der Antrieb ist nicht der Regen, der nur drohte (!), sondern das leckere Essen.Vier Wanderer eilen von dort in Richtung Spindlermühle und wünschen dem Rest noch viel Vergnügen auf dem Weg.
Als wir die "Geiergucke" gut gestärkt verlassen wollen, foppt Petrus uns mit einem kurzem Regenschauer. So überqueren lustig bunte Tupfer das Schneefeld vor dem höchsten Punkt (1500 m) zwischen Brunnenberg und Hochwiesenberg. Unser Blick schweift über die ausgedehnten Flächen der Weißen Wiese zur Wiesenbaude, zum Koppenplan und zum wolkenumhüllten Gipfel der Schneekoppe. Unser heutiger Abstieg führt uns auf bestens gebautem Natursteinweg abwärts in den wildromantischen Weißwassergrund. Der Weg schlängelt sich immer am Hang entlang oberhalb der weißen Elbe mit herrlichen Ausblicken auf das steinige Bachbett, zuletzt mit winzigen Stauseen und vielen kleinen Wasserfällen.
Nach unserer frühen Kaffeepause auf der Terrasse der Weißwassergrundbaude (996 m) steigen wir nochmals etwas an und folgen dann dem sanft abfallenden Schneeschubweg um den Ziegenrücken, ein besserer Panoramaweg. Leider beginnt es zu tröpfeln: Anorak an. Es regnet: Regencape drüber, und im Eilschritt geht's zurück nach Spindlermühle.
Die Gruppe II, die der "Genußwanderer", läßt sich mit dem Bus wieder nach Petzer chauffieren, um mit dem Schneekoppen-Lift zur Schneekoppe hochzufahren. Heute haben wir mehr Zeit, um uns in Ruhe auf dem Gipfel mit seinen Ausblicken und Bauwerken umzusehen. Das Wetter ist deutlich kühler als gestern, Nebelschwaden schränken die Sicht gelegentlich etwas ein. Um 11 Uhr beginnen wir den Abstieg auf dem Jubiläumsweg in Richtung Koppenplan und Schlesierhaus (1400 m), wo wir kurz rasten und zusehen, wie Wolken die Schneekoppe verhüllen und dann wieder freigeben. Hier zweigt der Weg zur Wiesenbaude ab, der uns teilweise über Knüppeldämme durch ein großartiges Hochmoor führt. Die Wiesenbaude (1420 m) ist die größte und höchstgelegene Baude im Riesengebirge. Wir passieren die Hütte ohne Einkehr und steigen ca. 100 Höhenmeter zu einem sanften Bergsattel mit einer kleinen Kapelle auf. Hier begegnen uns auch die Wanderer der Gruppe I mit freudigem Hallo. Nun geht es nur noch bergab. Weiße Anemonen, das endemische gelbe Hornveilchen (viola sudetica), Kuckuckslichtnelken, Fingerkräuter, Schwalbenwurzenziane (natürlich noch nicht blühend) und viele andere Blumen sind am Weg zu sehen. Die Schneefelder werden ohne besondere Vorkommnisse überschritten, und wir erreichen die "Geiergucke", eine Baude. Der merkwürdige Spitzname "Geiergucke" kommt von den Grenzwachen, die den Schmugglern aufgelauert haben sollen. Gegen 14.30 Uhr brechen wir zur letzen Etappe des Tages auf. Der Weg führt uns durch den im Winter lawinengefährdeten Langen Grund - ein Gedenkstein am Wege erinnert an Lawinenopfer - nach Spindlermühle hinab. Heute erwischt uns nun doch ein heftiger Regenguß. Aber auch der Regen geht vorüber. Als wir um 16.30 Uhr nach 14 km Weglänge, 100 m Aufstieg und 1000 m Abstieg wieder im Hotel Windsor eintreffen, sind wir fast schon wieder trocken.
Mittwoch, 7.6.2000
Für den 4. Wandertag hat Wolfgang für beide Gruppen eine Wanderung auf dem westlichen Grenzkamm des Riesengebirges vorgesehen. Der Wetterbericht verspricht nichts Gutes. Das Thermometer zeigt im Tal nur 9 Grad an, als uns der Bus wieder zum 1200 m hoch gelegenen Spindlerpass bringt.
Mit 27 Wanderern startet die Gruppe I auf dem Weg des Friedens, direkt an den tschechisch-polnischen Grenzsteinen entlang, in Richtung Westen. Das erste Ziel, die Peterbaude, ist schon von weitem zu sehen. Sie ist allerdings geschlossen. Weiter geht es bergan auf dem mit langen Holzstangen gut gekennzeichneten Grenzweg. Der abgestorbene Fichtenwald sieht gespenstisch und bedrückend aus. Doch die mit niederländischer Unterstützung durchgeführten Aufforstungen von Fichten, Latschen und Laubbüschen lassen Hoffnung aufkommen. Am Mädelkamm erreichen wir die Mädelsteine und die Mannsteine. Dann geht es wieder bergab in eine Paßsenke, wo wir an der Kreuzung des Weges Agnetendorf - Martinsbaude eine kleine Rast einlegen.
Vorbei an der Großen Sturmhaube marschieren wir auf Steinplatten nördlich um das Hohe Rad zum Rand der Großen Schneegrube. 200 m unter uns blicken wir senkrecht auf Schneereste und kleine Teiche hinunter. Während Hirschberg und Schreiberhau im Sonnenlicht glänzen, ziehen kalte Nebelschwaden um unsere Köpfe. Plötzlich taucht die ehemalige Schneegrubenbaude, eine polnische Fernseh-Relaisstation, vor unseren Köpfen auf. Im Windschutz der Felsen schenkt uns Wolfgang einen Stonsdorfer ein. Offensichtlich ist hierüber Rübezahl nicht beglückt, denn er schickt uns auf dem Weiterweg einen kräftigen Hagelschauer hinterher. Die Hagelkörner trommeln auf die Kapuzen, nur noch 5 Grad zeigt das Thermometer. Im dichten Nebel erreichen wir die mit Steinen ringförmig gefasste Elbquelle. An einer Mauer sind die bunten Wappen der Städte angebracht, durch die die Elbe auf dem Weg zur Nordsee fließt. Nun geht es vorbei an blühenden Wiesen zu einem klotzigen Betonbau, der noch nicht bewirtschafteten Elbfallbaude. Auf dem überwiegend waagerechten Weg zur Martinsbaude wird das Wetter wieder freundlicher. Noch mehr erhellen sich die Gesichter beim guten und preiswerten Essen und Trinken in der Martins-baude. Von hier stammt auch die bekannte Tennisspielerin Martina Navratilova.
Wir warteten noch einen Regenschauer ab, dann gehen wir abwärts durch den Bärengrund. Doch schon bald nach der Bärengrundbaude holt uns der nächsten Regenschauer ein und die Regenumhänge kommen erneut zum Einsatz. Erst gegen 16 Uhr, beim Erreichen unseres Hotels, schließt Rübezahl wieder die Himmelspforten. Naß von innen und außen, aber glücklich über die Erlebnisse und die erwanderten 21 km können wir uns unter der Dusche und im Bett erholen.
Die Gruppe II ist heute auf 19 Personen angeschwollen. Es ist kalt und windig. Kurz vor 9 Uhr starten wir. Es geht diesmal auf dem Freundschaftsweg in westlicher Richtung aufwärts an der geschlossenen Peterbaude vorbei zu den Mädelsteinen (1414 m ), wo wir dann schon das gesamte Steigepensum des Tages geschafft haben. Im Windschatten der Felsen machen wir eine kleine Trinkpause. Nebelschwaden ziehen über den Riesengebirgskamm und nur gelegentlich ist der Blick frei nach Schlesien oder zum vor uns liegenden Hohen Rad (1509 m). Bei leichtem Nieselregen geht es entlang der tschechisch-polnischen Grenze an den Mannsteinen vorbei leicht abwärts zum Agnetendorfer Paß (1350 m). Es ist der Übergang über das Gebirge von Spindlermühle nach Agnetendorf, dem langjährigen Wohnsitz von Gerhard Hauptmann, wo er auch am 6.6.1946 kurz vor seiner Ausweisung gestorben ist. Wegen des schlechten Wetters verzichten wir auf einen Abstecher zu den Schneegruben. Wir wandern also den Paßweg hinab zur nicht weit entfernten Martinsbaude (1244 m), die wir um 11.30 Uhr erreichen. In einem sehr gemütlichen Kachelofenzimmer verbringen wir eine sehr angenehme Mittagspause, während draußen ein heftiger Regenguß niederprasselt. Kurz vor 13 Uhr - der Regen hat aufgehört, die Sonne scheint wieder - brechen wir auf, und gehen auf gutem Weg durch den Bärengrund an der Bärengrundbaude vorbei zum Zusammenfluß von Elbe und Weißwasser hinab und dann wieder bei leichtem Regen, an der jungen Elbe entlang nach Spindlermühle. Mit nur etwa 13 km Wegstrecke, 220 m Auf- und 700 m Abstieg und reichlich Pausen war dieser Tag fast ein Ruhetag.
Am Donnerstag, 8. Juni 2000, ist unser letzter Wandertag. (Warum wir einen Tag früher abreisen müssen, wird wohl ein Geheimnis bleiben). Unser Ziel ist die Kesselkoppe (1435 m). Gleich mit dem morgendlichen Betriebsbeginn des Liftes wird die gesamte Wandergruppe schnell auf den Schüsselberg/ Medwedin (1235 m) gebracht. Die Gruppen I und II wählen die gleiche Route, aber natürlich mit unterschiedlichen Marschgeschwindigkeiten. Eine dritte Gruppe will eine leichte Wanderung zur Elbquelle unternehmen.
Gruppe I: Der frische Morgen und die allmählich wärmenden Sonnenstrahlen versprechen einen schönen Wandertag. Abschiedsstimmung. Der weite Rundblick läßt uns immer wieder innehalten: Goldhöhe, Elbgrund, große Sturmhaube, Ziegenrücken und Hohes Rad. Auffällig die Silhouette des Reifträgers.
Um 10.25 Uhr haben wir die Harrachsteine erreicht - Zeit für eine Bananenpause. Für noch bessere Stimmung sorgt ein Geburtstagskind mit dem restlichen Slivowitz und Becherovka. Gespannt sein können wir auf Rübezahls Rosengarten - und werden nicht enttäuscht. Milchstern, Trollblume (Glatzer Rose) - in kleinen Gruppen oder als herrliche Blumenwiese in ansonsten karger Landschaft. Auf dem Rübezahlweg geht es abwärts in die Kesselgruben. Eine üppige Vegetation, begleitet von Vogelkonzerten, selbst der Kuckuck will nicht fehlen. Eine kleine Rast muß schon sein. Über schattige Waldwege erreichen wir um 13.15 Uhr die Schüsselbauden. Genauso groß wie der Durst ist auch der Appetit auf Palatschinken.
Um 14.30 Uhr beginnt die letzte Etappe, ein sanfter Abstieg nach Spindlermühle. Dort warten schon die Koffer, um gepackt und im Bus verstaut zu werden.
Am Abend läßt ein gemütliches Beisammensein im Ort Abschiedsstimmung aufkommen. Eisgekühlte Getränke und heitere Geschichten von Rita und Annegret sorgen für gute Stimmung.
Gruppe II: Wir sind heute wieder nur 10 Wandersleute. Der Weg ist wie in Gruppe I beschriebenNach einer wunderbaren Wanderung kommen wir um 14.45 Uhr in Spindlermühle an. Auf der Elbterrasse eines kleinen Cafes direkt an der weißen Brücke lassen wir die Tageswanderung (ca. 17 km, 200 m Auf- und 700 m Abstieg) und unseren letzten Wandertag bei Kaffee und Kuchen ausklingen.
Die Gruppe II bedankt sich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Ingrid Frömming für die vorzügliche Führung, für die vielen sachkundigen Erläuterungen über Land und Leute, über Pflanzen und Vögel. Sie hat ganz außerordentlich dazu beigetragen, die Riesengebirgswanderungen zu einer `Genuß'-Wanderwoche werden zu lassen!
Am Freitag, 9.6.2000, um 7 Uhr starten wir in Richtung Magdeburg und Braunschweig - gut gelaunt und voller schöner Erinnerungen. Gegen 18.30 Uhr hat uns die Heimat wieder.
Für Gruppe I: Bärbel Eilers, Claudia Hassa, Helga Hennig-Kässmann, Dorle Umberg, Helmut Eidam, Winfried Rasp
Für Gruppe II: Inga und Klaus Göbel