Der Gipfel des Kilimandscharo war das Ziel. Die Spannung und Erwartung auf
den höchsten Berg Afrikas waren groß. Und als dann endlich am Samstag,
27. Januar, um elf Uhr der Düsenjet in Amsterdam zum Nonstoppflug nach
Arusha abhob, begann für Eberhard von der Heide, Götz Meier, Florian
Psenner und Friedel Weber das abenteuerliche Umsetzen eines Wunschtraums. Ein
Pappenstil war es für die Wolfsburger Bergfreunde jedoch nicht, denn in
nur neun Tagen mußte das gesamte Unterfangen mit dem DAV-Summit-Club abgewickelt
werden.
Gute Kondition und Höhentauglichkeit sind Voraussetzungen, den Götterberg
der Massai zu besteigen. Erfahrungen in höheren Regionen sammelten Eberhard,
Florian und Friedel in Jahren zuvor meist in Südtirol. Götz, der sich
spontan nur wenige Wochen vor dem Start für das Mitmachen entschied, baute
auf Hochtouren in Südtirol, Österreich und der Schweiz auf.
Intensiv studierte das Quartett zu Hause die Strecke der Überschreitung
des Kilimandscharo, die über die Rongai- hinauf und Marangu-Route hinunter
führte.
Hier kurz die Stationen: Vom Arusha-Airport Fahrt zur Unterkunft. Am nächsten
Tag mit dem Bus zum Ausgangspunkt Rongai (2050 m) in Grenznähe von Kenya.
Erstes Lager wird 800 Meter höher aufgeschlagen und am Tag darauf in 3800
Meter Höhe. Der vierte Tag dient zur Akklimatisation und am fünften
führt der Weg bis zur Kibohütte in 4703 Metern Höhe. Am sechsten
Tag geht es bis an den Kraterrand zum Gilman's-Point (5715 m) oder zum Uhuru
Peak (5892 m), anschließend folgt der Abstieg vorerst bis zur Horombo-Hütte
(3720 m). Am Tag darauf geht's hinab bis zum Hotel und ein Erholungstag ist
vor den Abflug gesetzt.
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In den Dörfern ziehen sich die Einheimischen
am Sonntag fein zum Kirchgang an.
Foto: Eberhard v. d. Heide
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Die Schwierigkeiten der einzelnen Abschnitte sollen im folgenden Bericht nicht
beschrieben werden, die kann man in Fachliteratur nachlesen. Hier soll ein Einblick
in die persönlichen Erlebnisse und Eindrücke der Teilnehmer gegeben
werden. Und die waren reichhaltig, wie die Verfasserin in mehreren Gesprächen
erfuhr.
Es begann schon mit der Ankunft in Arusha in der Lodge "Mount Meru".
Die Wärme, Farbenpracht der Flora, die unbekannten Düfte und Laute
vieler Vögel versetzten die Männer in eine andere Welt. Und während
des Bustransfers auf unebenen, teils schlammigen Straßen am nächsten
Tag über Marangu nach Rongai gewannen die beobachtenden Bergfreunde einen
kleinen Einblick in die Lebensweise der Einheimischen. Da Sonntag war, hatten
sich die großen und kleinen Afrikaner in Schale geschmissen. In auffällig
hübscher Kleidung gingen sie zur Kirche.
Die Gruppe bestand aus sieben Teilnehmern, dem Bergführer mit seinen
zwei Assistenten und den 13 Trägern. Alle übernachteten in Zelten.
Florian schlief in der ersten Nacht schlecht. Er begründete: "Ich
hatte die Isomatte nicht ausgerollt und merkte jeden Stein." Auch Friedel
haderte mal mit seiner Luft-Isomatte: "Der Nippel war aufgegangen und ich
rutschte zur Seite." Wenig Schlaf war die Folge.
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Auf dem Marsch zum Kilimandscharo - Die einheimischen
Träger befördern die Last auf dem Kopf. Es folgen der Bergführer
und wir
Foto: Eberhard v. d. Heide
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Der Weg zum Kibo führte durch üppigen Pflanzengürtel, dichtes Buschwerk und hohes Heidekraut. Am Tag der Akklimatisation auf 3800 Metern Höhe zeigte sich der Kibo im frisch angezogenen weißen Schneekleid. Die Sonne schien, es waren Minusgrade. Friedel schrieb in sein Tagebuch: "Der Kibo lockt und sieht so leicht zu besteigen aus - noch 2100 Meter."
Und dann kam der am meisten Kräfte raubende Tag bzw. Nacht, der letzte
Anstieg stand bevor. Florian notierte: "Am Abend krochen wir mit beinahe
der gesamten für den Gipfelanstieg benötigten Kleidung in den Schlafsack.
Es wurde lausig kalt und der Wind war so stark, dass wir befürchteten,
samt dem Zelt weggetragen zu werden. Von Schlaf war keine Spur." Um 0.30
Uhr setzte sich die Mannschaft in der Dunkelheit mit Stirnlampen sehr langsam
("pole, pole") in Bewegung. Der Weg war steil. Florian berichtete,
dass er zeitweise das Gefühl hatte, als ob er eine "halbe Kiste Bier"
getrunken hätte. So torkelte er. Da seien wohl die Höhe und der wenige
Schlaf dran Schuld. Er zweifelte, ob er es wohl hinauf schaffen werde.
Auch Friedel hatte mit der Atmung etwas Schwierigkeiten. Doch nach einer kleinen
Pause ging er langsam weiter. Götz stolperte durch die Nacht, weil die
Batterien seiner Stirnlampe durch die Kälte ihren Geist aufgegeben hatten.
Obwohl sich Ersatz in seinem Rucksack befand, waren seine Finger so kalt und
steif, dass er an ein Auswechseln nicht dachte.
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Am Kraterrand des Kilimandscharo.
Foto: ?
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Den Sonnenaufgang am Gilman's-Point bewunderte die Gruppe gegen sechs Uhr.
Golden stieg sie hinter dem Mawenzi (5149 m) auf und tauchte den riesigen Krater
und die Stufengletscher in rosiges Licht. Der Gilman's Point war für alle
ein Erlebnis unterschiedlicher Art. Götz fror wie noch nie in seinem Leben
und Florians Finger blieben am Metallgehäuse seiner Kamera kleben, so dass
er noch Wochen später unter den Erfrierungen zu leiden hatte.
Während Eberhard, Götz und Friedel vom Gilman's-Point aus wieder zur
Kibohut abstiegen, begab sich Florian mit dem Bergführer bis zum Uhuru
Peak auf 5892 Meter Höhe. Florian: "Es war für mich wie eine
innere Befreiung, auf diesem Gipfel zu stehen. Trotz der geschätzten Kälte
von minus 20 Grad und des eisigen Sturms war es für mich wie ein Wunder,
dass ich so etwas erleben kann." Keiner der Wolfsburger hat über Schlafschwierigkeiten
nach dem Abstieg vom Kraterand geklagt, die völlige Verausgabung der Kräftebatterie
wurde in tiefem Schlaf wieder aufgeladen.
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Der Kilimandscharo nach der Gipfelbesteigung
Foto: Friedel Weber
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Der Rückweg durch die Vielfalt der Gewächse, Feuchtgebiete und den Regenwald mit seinen Riesenbäumen, Lianen und Grünpflanzen bildete einen beeindruckenden Kontrast zur Gletscherwelt auf dem höchsten Berg Afrikas. Der Vulkanberg unweit des Äquators verabschiedete sich am letzten Tag noch einmal beeindruckend mit einer über Nacht gefallenen Schneedecke, die die vier Wolfsburger im Abendlicht vor dem Abflug sehen konnten.
Eberhard kommentierte das Abenteuer: "Aus meiner Sicht hat es sich bewährt, mit bekannten Bergkameraden solch eine Tour zu machen. Es war insgesamt eine gute Organisation und Kameradschaft." Götz: "Der Gesamteindruck der Reise wirkt viel nachhaltiger als das kurze Gipfelglück." In einem Punkt war sich das Quartett besonders einig: Es will eine weitere ähnliche Tour planen.
Gudrun Meier