Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/3
Ausbildungsreferat

Bergrettungsübung 2001

Am Wochenende vom 28.04. zum 29.04. 2001 fand unsere diesjährige Bergrettungsübung wieder im Okertal statt. Mit dem Wissen der ungünstigen Wettervorhersage trafen wir uns am Samstag gegen 9:00Uhr am Parkplatz oberhalb der Marienwand. Parkplatzmangel wie im letzten Jahr, als ca. 50 Teilnehmer an der Übung teilnahmen, war dieses Mal nicht zu beklagen. Eigentlich schade, vor allem aus der Sicht unserer Ausbilder.

Sicherlich sind so viele Bergfreunde zusammen wie auf der letzten Übung für eine Ausbildung nicht gerade effektiv. Wohl deshalb ist die Hürde für eine Teilname etwas höher gesetzt wurden. So durfte ein bereits absolvierter Erste-Hilfe-Kurs nicht länger als drei Jahre zurückliegen. Uns wurde dazu für den 17. und 18. März eine entsprechende Ausbildung angeboten, welche durch das Rote Kreuz durchgeführt wurde. Ich z.B. nahm dieses Angebot zwar auch an, war aber nicht ganz glücklich, ein ganzes Wochenende zu "opfern". Meine Kritik dazu habe ich allerdings nach der Bergrettungsübung revidiert.

Am Sammelpunkt trafen wir unsere Ausbilder. Das waren Dirk Voigt, Holger Blum, Martin Supplie, Andreas Hartmann, und Günter Gersdorf. Wir, als kleiner Teilnehmerkreis, sind schnell genannt: Gerhild Jüttner, Martin Bernhardt, Lutz Paulmann, Klaus Steube, Johannes Ronge sowie meine Person. Das Wetter war schon am Morgen recht "durchwachsen" und sollte noch im Laufe des Tages sich mit Regenschauern verschlechtern.

Für den ersten Tag wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt. Das Zielgebiet für die ersten Übungen waren die Studentenklippen. Dort trainierten wir gleich zu Anfang die Spaltenbergung. Obwohl diese Techniken für uns kein Neuland waren, ist eine Wiederholung aber trotzdem hilfreich gewesen.

Preparation eines "Unfallopfers"
Preparation eines "Unfallopfers"
Foto: Martin Supplie

Im Anschluß daran wurde mittels eines Seiles eine Tragbahre geknüpft. Mit dieser wird ein relativ komfortabler Transport für den Verletzten gewährleistet. Zwischendurch versuchte das Wetter immer wieder, uns mit der Feuchtigkeit von oben zu ärgern.

Bei den nächsten Übungen wurde uns vorgeführt, welche Techniken bei Seilverlängerungen gehandhabt werden. Diese haben natürlich die Gruppenteilnehmer auch selbst nachvollzogen. Für uns war es ganz angenehm, daß auf eine Gruppe mit drei Teilnehmern jeweils zwei Ausbilder zur Verfügung standen.

Am späten Nachmittag wurde aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen der Übungsablauf kurzfristig geändert. Wir fuhren zurück nach Braunschweig, um unter besseren Voraussetzungen an der Kletterwand in der Güldenstraße zu trainieren. Selbstrettung ist dort angesagt gewesen, und zwar mit Hilfe des Prusikknoten als auch mit der Gardaschlinge. Am Abend endete der erste Teil unserer Bergrettungsübung. Da eine Übernachtung für die Mitglieder des Bergrettungstrainings auf der sektionseigenen Hütte Torfhaus von dieser nicht abgesichert wurde, fuhr ein Teil nach Hause und der andere trainierte noch an der Kletterwand.

Am nächsten Morgen, dem Sonntag trafen wir uns um 9:00 Uhr im Okertal wieder an der gleichen Stelle. Das Wetter meinte es ein bißchen besser mit uns. Zumindest war es gegenüber dem Vortage beständiger.

Dieses Mal wurden wir in drei Zweiergruppen eingeteilt. Jede Gruppe hat nach dem Absolvieren der jeweiligen Übungen den Standort gewechselt. Das heißt, am Berge runter und rauf wandern. Unsere Ausbilder hatten zuvor an den Zielpunkten "Überraschungen" für uns vorbereitet.

Klaus Steube bei der Versorgung seines "Unfallopfers"
Klaus Steube bei der Versorgung seines "Unfallopfers"
Foto: Martin Supplie

Neu und sehr interessant sind für uns dann die folgenden Rettungsübungen verlaufen. Das waren unter anderen die Bergung eines Verunglückten sowie dessen Vorbereitung zum Abseilen an den Studentenklippen. Günter war dabei nicht nur der Ausbilder, sondern auch gleichzeitig unser "Unfallopfer". Um ihn in die richtige Abseilposition zu bekommen, mußte er zum transportieren dazu erst auf den Rücken des Retters gebracht werden. Wir mußten erfahren, daß so etwas keine leichte Aufgabe ist, obwohl der Günter ein "Leichtgewicht" ist. Wie schwierig muß dieses erst in einem richtigen Notfall sein, noch dazu, wenn bei der Rettung auf die Schmerzen des Verletzten keine Rücksicht genommen werden kann. Ich hoffe, daß die Anwendung dieser Kenntnisse einer Bergrettung auf solche Übungen beschränkt bleibt.

Nach dieser ersten Übung stiegen Johannes und ich als Zweiergruppe talwärts ab. Auf dem Platz unseres Zielgebietes angekommen, registrierten wir erstaunt, daß wir wohl dieses Übungsgebiet mit einer Gruppe des Roten Kreuzes teilen mußten. Dennoch sahen wir in dessen Mitte ein bekanntes Gesicht. Der Martin kam uns sofort entgegen. Dann ging alles recht schnell. Er schockte uns mit der Information, daß unsere Kenntnisse der Ersthelferausbildung sofort gefragt sind und die Jugendgruppe des Okertaler Roten Kreuzes in der Bergrettungsübung integriert sind. Es folgte eine kurze Information zum Unfallhergang. Auf einem Wanderausflug stürzte ein Schüler beim Klettern auf einen Baum ab. Ein Junge eilte dem Verletzten am Abhang zu Hilfe und verunglückte ebenfalls dabei. Für den Johannes als auch für mich eine stressige Situation, weil wir auf so etwas überhaupt nicht eingestellt waren. Jeder hatte ein Unfallopfer zu versorgen. Meines hatte z.B. eine Kopfverletzung sowie einen offenen Wadenbruch. Ich mußte schon zwei mal hinschauen, so täuschend echt wurden diese Verletzungen dargestellt. Unter Beobachtung von den Mitgliedern des Roten Kreuzes versorgten wir die Verletzten. Im Anschluß erfolgte sofort die Auswertung. Für uns war es eine Genugtuung zu hören, daß diese für uns nicht schlecht ausgefallen ist.

Hans-Jürgen Rönnecke bei der "Arbeit"
Hans-Jürgen Rönnecke bei der "Arbeit"
Foto: Martin Supplie

Danach suchten wir unseren letzten Übungsstandort am Treppenstein auf. Unsere erste Aufgabe war die Standplatzsicherung mit der Suche eines geeigneten Punktes auf dem Granit zum Abseilen. Für uns war dieses nicht leicht und wir mußten die Hilfe unserer Ausbilder in Anspruch nehmen. Wir seilten uns mit dem Doppelseil die erste Strecke bis zum Standplatz ab und sicherten uns dort. Die zweite Abseilstrecke endete am Fuß der Klippe. Diese Übung hätten wir gerne wiederholt. Die Zeit ließ es aber nicht zu.

Nach Abschluß dieser letzten Übung trafen sich alle drei Gruppen mit den Ausbildern am Nachmittag zur Auswertung am Sammelplatz. Die letzten beiden Tage wurden kritisch und überwiegend positiv die Organisation sowie Durchführung von uns bewertet. Wir können nur sagen: ein großes Lob für das Engagement der Ausbilder. Diese selber bedauerten jedoch die geringe Beteiligung an der diesjährigen Bergrettungsübung. Eine Bitte wurde dazu an uns Übungsteilnehmer herangetragen: "wenn euch diese Veranstaltung so gut gefallen hat, dann macht doch dafür Werbung". Dem möchten wir hiermit gern nachkommen. Ich hoffe, daß diese Zeilen doch den Einen oder Anderen zur Teilnahme an der nächsten Bergrettungsübung animieren.

Eine negative Kritik an der Organisation dieser Veranstaltung wurde aber doch geäußert. Wir alle hätten gern den Samstagabend gemeinsam verbracht. Ich als "Neuling" in der Gruppe sowieso. Wenn die sektionseigene Hütte bei solchen Veranstaltungen den Mitgliedern nicht zur Verfügung steht, können wir für keine Argumente, die dieses rechtfertigen wollen, gleichgültig welcher Art, Verständnis aufbringen.

Trotzdem möchte ich abschließend bemerken, daß die Bergrettungsübung als sehr gelungen zu bewerten ist.

Hans-Jürgen Rönnecke

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.12. August 2001