Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/3
Klettergruppe

Ein Wochenende in Franken

Himmelfahrt, eigentlich ein Termin, an dem man die Skisaison ausklingen lassen könnte und schon mal zu den Eisbeilen greift, um bei komfortablen Stapffirn klassische Eiswände zu machen. So dachten wir zumindest.

Mathias at work
Mathias at work
Foto: Dirk Voigt

In Vorbereitung auf unseren Sommerausflug in die peruanischen Anden wollten Petra, Axel, Matthias und ich eigentlich die Taschachwand mit samt ihrer Nachbargipfel stürmen. Konditions- und Materialtest war angesagt. Die Lawinenlage war gut, Schnee und Firn super, das einzige was mal wieder nicht passte: Das Wetter!

Hektische Telefonate am Mittwoch abend. Arco? ...auch nicht besser bei Südströmung! Verdon? ... zu weit für vier Tage! Finale! ... dito! Was blieb also? Franken! Immerhin garniert mit etlichen Brauereien, so dass sich schlechtes Wetter auch aussitzen lässt.

Donnerstag früh dann Start. Als erstes in die nördlichen Gebiete um Bamberg. Sie stießen dann auf eine recht unterschiedliche Resonanz.

Jemand at work
Foto: Dirk Voigt

Petra als Henkel-Verachterin war von den plattigen und abschüssigen Felsstrukturen begeistert, wir anderen schwankten so von offener Ablehnung bis hin zu "na ja ganz in Ordnung...". Am Abend dann die Suche nach den Strategen aus der Braunschweiger Kletterszene, die sich gerüchtehalber in einer zwanziger Horde auf einem Campingplatz zusammengerauft hatten. Einzelne Mitglieder unserer Gruppe hatten zwar ursprünglich angeblich genaueste Informationen wo das sein könnte, vermochten uns dann aber doch nicht zum Ziel zu geleiten.

Oma Eichler hingegen nahm uns mit offenen Armen auf, was immerhin den Vorteil hatte, dass der morgendliche Start und das abendliche Grillen nicht zu gnadenlosen gruppendynamischen Prozessen ausarten konnte.

Die folgenden Tage waren geprägt von Gebietshopping. Da wir leider nicht die einzigen Alpenflüchtlinge waren, konnten wir nicht alles klettern, was wir gerne so geklettert wären. Dafür lernten wir mal wieder einigen neue Klettergebiete kennen, in denen wir vorher noch nicht gewesen waren.

Höhepunkt, zumindest kulinarisch gesehen, waren dann die Forellen, die wir aus Schweinthal mitbrachten. Die Fischzucht, die wir da letztes Jahr aufgetan hatten, erwies sich mal wieder als top. Die Chefin stieg kurzer Hand zu uns ins Auto, um noch ein paar Tierchen aus dem Wasser zu ziehen. Frischer geht es eigentlich nur, wenn man den Grill direkt neben den Fischteich stellt.

Langsam aber sicher war das Wetterpech in den Alpen ganz gut zu verschmerzen, vor allem weil wir auch Kletterer trafen, die uns von Regen und anderen Nettigkeiten erzählten. In der brütenden Hitze kaum vorstellbar und Sportklettern ist ja schließlich auch was schönes, wenn man nur nicht immer so träge wäre... Das finale Gewitter kam dann auch pünktlich am Sonntag auf der Autobahn. Alles in allem konnten wir uns zu unserer Entscheidung nur beglückwünschen.

Dirk Voigt

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.12. August 2001