Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/3
Hochtourengruppe

Wanderwochenende Rhön vom 18. bis 21. Mai 2001

Unterkunft: Enzianhütte am Weihersberg (Hütte der Sektion Fulda)

Am 18. Mai punkt 9.30 Uhr waren wir alle vor der Enzianhütte versammelt. Horst hatte um Pünktlichkeit gebeten, da noch eine kleine Wanderung auf dem Programm stand, und alle waren zur Stelle. Da waren: Erich und Lilo Schneider, Sigrid und Heinrich Holste, Heidelore und Manfred Freyer, Edith und Horst Rose, Lisel und Jürgen Koziol, Ute Schröder, Monika Schulitz, Helmut Meineke, Horst Sommer und Bruni und Wolfgang Watteroth.

Um 10.00 Uhr kam unser Hüttenwirt Georg und wir bezogen das Lager. Als wir uns eingerichtet hatten, trafen wir uns gegen 12.00 Uhr zur Wandertour. Der Himmel verhieß nichts Gutes, also hatte jeder einen Regenschirm oder Umhang eingepackt.

Es ging von der Hütte in westlicher Richtung am Gasthaus Grabenhöfchen vorbei zum Teufelstein, 729 m, einem Basaltkegel, den wir erkletterten. Eng war's, aber von dort hatten wir eine schöne Aussicht. Danach gingen wir durch eine wunderschöne Landschaft, weite Wiesen, überall Löwenzahnblüten. Leichte Höhenzüge mit viel Wald wechselten sich ab. Wir erreichten die Steinwand, 646 m. Sie ist ein Phonolithfels von etwa 15 bis 20 m Höhe in waldreicher Gegend, für Kletterer ein Paradies im III und IV Schwierigkeitsgrad. Wir wanderten zur Maulkuppe, 706 m, mit Fuldaer Haus bis Stellberg, 727 m. Beim Rückweg in Richtung Eselsbrunn setzte dann der Regen ein und hörte nicht mehr auf, bis wir wieder über Grabenhöfchen zur Enzianhütte aufstiegen.

Ja, wir mußten jedes Mal, egal aus welcher Richtung wir kamen, den Hüttenschinder aufsteigen, über eine Wiese, einen kleinen steilen Berg, aber oben angekommen, wieder dieser herrliche Blick über die schöne Landschaft.

In der Hütte waren für uns jedes Mal zwei Tische reserviert, und um 19.00 Uhr trafen wir uns alle zum Abendessen. Das Essen war deftig und reichlich. Bratkartoffeln mit verschiedenen Sorten Fleisch zum Beispiel. Einige bestellten sich auch eine Riesenhaxe mit Sauerkraut.

Nach dem Essen wurde viel erzählt und gelacht, Georg, der Wirt, setzte sich zu uns und begrüßte uns erst einmal mit einem Hüttenschnaps. Die Hütte selbst war rappelvoll, -Wanderer, Kletterer oder einfach Bewohner aus den umliegenden Dörfern, die dort ihr Bier tranken. Hüttenruhe war immer erst um 0.30 Uhr. So einen Wirt, besonders die Gemütlichkeit, würde ich mir auf manch anderen Hütten wünschen.

Der Aufenthaltsraum war urgemütlich zurechtgemacht. An den Wänden hingen alte Skier, Rucksäcke, Sense und Dreschflegel, um nur einiges zu nennen, ebenso ein ausgestopfter "Wolpertinger". Der Hüttenwirt versicherte uns, ihn drei Tage vor unserem Kommen geschossen zu haben. Es war wohl der Letzte seiner Art, denn wir haben die nächsten Tage keinen mehr gesehen.

Am 19. Mai um 8.00 Uhr erwartete uns, wie jeden Morgen, ein kleines Frühstücksbuffet. Kaffee, soviel wie man wollte, zapfte man sich aus einer Riesenkanne. Wurst, Käse, Honig und Nutella, frei nach Wahl. Wir ließen es uns schmecken.

Um 9.30 Uhr treffen zur zweiten Wanderung. Wir richteten uns nach Osten in das Feuchtgebiet "Schlicht". Hier waren viele Trollblumen zu sehen. Wir kamen zum Ort Brand und gingen weiter nach Wickers. Mitten im Ort war dort ein altes Backhaus. Ein Bewohner schleppte gerade etliche Körbe mit Brotteig hinein. Er erklärte uns, daß jeder Einwohner dort das Backhaus benutzen könnte. Morgens wurde aufgeheizt, dann gebacken. Gerade kam seine Frau mit zwei großen Kuchenblechen vorbei. Schade, wir waren zu früh dort, sonst hätte sicher jeder von uns um ein Stück Brot oder Kuchen gebeten. Glück für den Bäcker!

Wir verließen Wickers und gingen nach Findlos. Aufstieg zum Findloser Berg, 635 m. Über Tannenfels erreichten wir die Ruine Eberstein. Die Burg wurde 1282 zerstört. Ergänzt, bzw. erhalten sind Teile der Umfassungsmauer und der Turmstumpf. Die überdachte Schutzhütte bot Schutz vor Regen und ließ auch uns für kurze Zeit verweilen.

Leute
Foto: Horst Rose

Wir wandten uns nach Westen zum Bubenbader Stein, 759 m, auf den Weitwanderweg "Atlantik - Ardennen - Böhmerwald" zur "Milseburg". Alexander von Humboldt lobte die legendenumwobene Burg. Auf der 835 m hohen Phonolithkuppe, einem ehemaligen Vulkan, befindet sich die größte Ringwallanlage der Rhön. Der Steinwall der Anlage ist leider um die Jahrhundertwende teilweise zum Eisenbahnbau verwendet worden. In der Schutzhütte des Rhönklubs tranken wir Kaffee zu leckerem Kuchen. Zurück zur Enzianhütte hatten wir an diesem Tag 22 km hinter uns gebracht.

20. Mai: Am dritten Tag führte uns Horst in südlicher Richtung über Abtsroda zur Wasserkuppe , 959 m, höchster Berg der Rhön und des Landes Hessen. Oben angekommen, gingen wir zum Fliegerdenkmal, einem Basaltkegel auf dem oben ein großer Adler thront. Das Wetter war sonnig und die Sicht herrlich. Die Wasserkuppe ist eine große Hochfläche, die zum Teil bebaut ist. Hotels, Museum und Andenkenläden wechseln sich ab. Die großen Freiflächen werden von der Segel- und Drachenflugschule genutzt. Im Sommer ist eine Rodelbahn von 700 m Länge vorhanden. Im Winter ist der Berg ein Skizentrum.

Wir waren früh dort und hielten uns nicht allzu lange auf, denn dieser Berg ist ein beliebtes Ausflugsziel und schnell überlaufen. Über den Schafstein ging es zur Fuldaquelle. Am Rande der Straße sah man eine gemauerte Einfassung, aus der ein kleiner Bach floss. Er begleitete uns noch eine Zeit lang bei unserer Wanderung. - Die Sonne schien und immer wieder Löwenzahn- und Trollblumenfelder - einfach herrlich.

Unser nächstes Ziel war der Guckai See, der aus Bade- und Paddelteich bestand. Man kann sich ans Kaffeetrinken gewöhnen, also kehrten wir dort in einem Lokal ein und saßen draußen auf der Terrasse und ließen es uns gut gehen. Zurück ging es über Heckenhöfchen und Abtsroda.. Es waren dieses Mal nur
18 km, und wir erreichten gegen 17.00 Uhr unser Quartier.

An diesem Sonntag hatte die Sektion Fulda ein Bergfest ausgerichtet. Es wurde am Tag vorher eine Kletterwand und ein Festzelt aufgebaut. Rund um die Hütte war Leben, kaum ein Platz war frei. Trotzdem haben wir am Abend unser warmes Abendessen bekommen. Personal und Organisation waren super. - Es war der letzte Abend in der Hütte und wir hatten noch bis spät in die Nacht hinein Spaß, da wir nach dem Bergfest die letzten Übernachtungsgäste waren. - Apropos Spaß: Wie es so in Lagern auf Hütten zugeht, waren die Nächte nicht ohne Störungen. Ein Mal wurde ein Wald abgesägt, ein anderes Mal schlurfte Besuch, der sich verlaufen hatte, zu Horst und wollte zu ihm ins Bett. Von der Knoblauchwolke, die die eine Nacht über uns schwebte, wollen wir gar nicht reden.

Eine Gruppenfahrt in die Rhön muß unbedingt wiederholt werden, da die Landschaft einmalig ist und die Anreise nur ca. 3 Stunden dauert.
Danke nochmals an unseren Wanderführer Horst, der sich viel Mühe mit der Ausarbeitung der Touren und Führung der Wanderungen gemacht hat.

Bruni Watteroth

Da unsere bisherige Berichterstatterin Bruni schon am Montagvormittag die Heimreise antreten mußte, übernimmt der Wanderwart den Bericht über unsere letzte Rhönwanderung.

Auf Grund des schönen Wetters hatten alle Teilnehmer des Wanderwochenendes beschlossen, am Montag, dem Abreisetag, noch eine Wanderung zu machen und das gute Wetter zu nutzen. Die ca. 3-stündige Rückreise über die Autobahn sitzt man anschließend dann schlußendlich auf einer Po-Backe ab.

Gipfelkreuz
Foto: Horst Rose

Die für die Heimreise fertig gepackten Fahrzeuge wurden vom Parkplatz der Enzianhütte auf einen Wanderparkplatz an der B 458, nahe der kleinen Ortschaft Untermittelberg, versetzt. Von hier ging es durch Felder und blühende Wiesen nach Poppenhausen. Unterwegs ging unser Blick immer wieder hinüber zur Wasserkuppe, der Milseburg und allen anderen Kuppen, die wir an den Tagen vorher erwandert hatten. Der kleine Luftkurort Poppenhausen liegt am Fuß der Wasserkuppe und beherbergt in seinen Mauern eine Segelflugzeugfabrik, eine Bergsteigerschule mit Indoor Kletterwand, Schwimmbad usw. Kurz hinter dem Ortsausgang, jedoch ein kleines Problem, eine Wegabzweigung mit etwas diffuser Wanderwegmarkierung. Auch die Wanderkarte gibt keinen klaren Hinweis. Nach einigem Zögern und Diskussionen entscheiden wir uns für einen der beiden Wege, der dann zum Glück auch der richtige war.

Auf dem Ebersberg, mit 688 m die höchste Erhebung zwischen Fulda und dem Kamm der Rhön, befinden sich neben der Ebersburg noch Reste einer prähistorischen Wallanlage. Die Ebersburg, eine kleinere Burganlage, stammt aus der Hohenstaufenzeit und war Stammsitz der Herren von Ebersberg. Sie wurde mehrmals zerstört, zuletzt 1451, und wieder aufgebaut. Seit dem 18. Jahrhundert ist sie dem Verfall preisgegeben. Erhalten sind zwei Türme, von denen einer normalerweise zugänglich ist, und Reste der Ringmauer. Aus baulichen Gründen war jedoch auch dieser eine Turm nicht begehbar. Nach einer ausgiebigen Mittagsrast im Burghof ging es weiter zum Wachtküppel, einem eigenartigen kegelförmigen Basaltfelsen. Auf dem Wachtküppel steht ein schon weithin sichtbares Holzkreuz. In früheren Zeiten war hier oben ein vorgeschobenerWachtposten der Ebersburg. Die Aussicht, die uns in der Ebersburg entgangen war, konnten wir hier von dem 706 m hohen Felsen nachholen und genießen. Der Blick ging weit in das Land, Wasserkuppe, Heidelstein, ja selbst der Kreuzberg, "der heilige Berg der Franken", in der bayrischen Rhön war gut zu sehen.

Unser Rückweg führte uns dann durch Wald und Feld nach Poppenhausen. Hier wurde von Monika noch eine Runde köstliches Eis ausgegeben. Nach dieser Erfrischung waren die letzten 4 km bis zum Parkplatz bald bewältigt.

Die Rückreise ging dann über die Autobahn A 7, ohne Stau, zurück nach Braunschweig.

Ein, wie ich annehme, für alle schönes Wanderwochenende ging damit zu Ende. Am Schluß meines Berichtes geht auch noch ein "Dankeschön" an den Hüttenwirt Georg mit seinem Team.

Horst Rose

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.12. August 2001