Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/3
Wandergruppe

Besichtigung der Innerstetalsperre

und geologische Wanderung um die Talsperre am 12. 5. 2001.

Im vergangenen Jahr regte der unserer Wandergruppe seit langem freundschaftlich verbundene Wilfried Bauer, der schon viele Wanderungen mit wasserwirtschaftlichen, geologischen oder auch geschichtlichen Themen für uns geführt hat, an, eine Besichtigungsserie der Harzer Talsperren zu beginnen.

Leute
Foto: Klaus Schmidt

In den vielen Jahrhunderten des Harzer Bergbaus diente das Wasser als Energielieferant für die Bergbaumaschinen. Es entstanden die Anlagen des "Oberharzer Wasserregals", eines Systems aus Teichen und Gräben. Mit dem Rückgang des Bergbaus nahm auch die Bedeutung des Wassers als Energiequelle ab, stattdessen nahmen die Wasserprobleme des Harzvorlandes wie die Hochwassergefahr und die Trinkwasserversorgung der Städte zu. Der westliche Teil des Harzes ist das niederschlagsreichste Gebiet nördlich des Mains (1273 mm/Jahr in Clausthal-Zellerfeld). Das größte Problem sind dabei jedoch nicht die hohen Niederschlagsmengen, sondern aufgrund des felsigen Untergrundes und der hohen Geländeneigung der starke Wasserabfluß bei Gewitterregen, langen Landregen und der Schneeschmelze. 50 % der zu Tal gehenden Wassermenge entfallen auf 50 Tage. Somit ergaben sich für die Wasserläufe des Harzvorlandes auch Zeiten extrem niedriger Wasserstände. Im Harz entstanden daher zahlreiche Talsperren mit unterschiedlichem Nutzen wie Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Trinkwasserbevorratung und als Nebenprodukt die Gewinnung elektrischer Energie. Aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten und der geologischen Struktur des Untergrundes weisen die Talsperren unterschiedlich konstruierte Dämme und Sperrmauern auf.

Die Innerstetalsperre, 1963 - 1966 gebaut, dient vorrangig dem Hochwasserschutz und der Niedrigwassererhöhung des Bereiches Langelsheim und des Leinegebietes. Sie speist außerdem das private Wasserkraftwerk einer ehemaligen Papierfabrik in Langelsheim. Über eine 3,9 km lange Rohrleitung wurde sie mit der Granetalsperre verbunden, durch die Wasser in diese herübergepumpt werden kann. Das Einzugsgebiet der Innerstetalsperre beträgt 97 km² mit einem jährlichen Wasseraufkommen von 60 Millionen m³. Der max. Stauraum der Sperre beträgt 20 Millionen m³ bei einer Fläche von 1,39 km² bei höchstem Stauziel. Der Staudamm hat eine Grundbreite von 98 m bei einer Kronenbreite von 8 m, eine Länge von 750 m und eine Höhe über der Talsohle von 35 m. Der Damm besteht aus einer Kernschüttung aus Hangschotter, der zur Wasserseite mit mehreren Dränschichten und einer Asphaltbetonaußendichtung versehen ist. Zur Luftseite besteht er aus Felsschüttung, grobem Hangschotter und einer Lehmschicht mit Mutterbodenabdeckung. Sollte die Innerstetalsperre das anfallende Wasser nicht mehr aufnehmen können, so erfolgt der Überlauf über einen für die Talsperre charakteristischen Trichter des Einlaufturmes, der vor der Staumauer aus dem Wasser ragt und eine Höhe von 33 m hat. Der Trichter hat einen Öffnungsdurchmesser von 20 m.

Staumauer
Foto: Klaus Schmidt

Am Fuße des Staudammes begrüßte uns ein Mitarbeiter der Harzwasserwerke und erklärte zunächst die Bedeutung der Talsperre, ihre Besonderheiten und nannte die technischen Daten. Anschließend wurde das Maschinenhaus besichtigt, das durch seine großen Regelorgane und Ringkobelventile beeindruckte. Erstaunt waren wir über die Ruhe im Maschinenhaus, da wir doch Stömungsgeräusche des Wassers in den Rohren erwartet hatten, die jedoch nicht entstehen, da die Leitungen vollständig mit Wasser, d. h. ohne Luft, gefüllt sind. Hier wurden uns auch der Grundablaß- und der Hochwasserentlastungsstollen, die unter dem Damm hindurchführen, sowie der Zweck des Tosbeckens erklärt. Anschließend ging es an die Besteigung des Einlaufturms, die über einen Schacht an der Wasserseite des Turmes über schmale steile Stufen erfolgt. Überwältigend ist der Blick von dem kreisförmigen Bedienungssteg oberhalb der Schachtüberfalls in die große Öffnung des Trichters mit dem 90° -Krümmer, durch den bis zu 125 m³/s bei 1 m Überstau abfließen können, und auf den Damm und die Talsperre. Bergauf geht es immer einfacher, und so mußte der Abstieg besonders vorsichtig erfolgen. Nun ging es in den Kontrollstollen der Herdmauer. Die Herdmauer ist wasserseitig das Bindeglied zwischen der Asphaltbetondecke und dem Untergrund (Gründungsfels). In diesem Kontrollstollen befinden sich die Mess- und Kontrolleinrichtungen zur Überwachung des Dammes, wie geologische Deformationsmessungen, Kontrollrohre des Dränsystems für Dichtungsdecke und Damm und Sickerwassermessung. Die hohe Luftfeuchtigkeit im Stollen machte einigen von uns doch etwas zu schaffen, und so waren alle froh, nach 137 Stufen die Dammkrone wieder zu erreichen. Es war eine sehr interessante mehrstündige Besichtigung.

Bei warmem Wetter und strahlendem Sonnenschein suchte wir uns anschließend ein schönes Plätzchen am Ufer der Talsperre zur Mittagspause.

Die Wanderung um die Talsperre wurde von Wilfried Bauer geführt und stand vorwiegend unter geologischen Aspekten. Der Innerstestausee liegt im Nordwestabschnitt des Oberharzer Devonsattels, der sich vorwiegend aus oberdevonischen Schichten zusammensetzt . Im Südwesten reicht die Clausthaler Kulmfaltenzone bis an den Stausee heran. Die unterschiedlichen Schieferarten sowie andere Gesteinsarten wurden aufgezeigt sowie auf die Erzadern der Gangzüge, insbesondere dem Gegentaler Gangzug, hingewiesen. Wilfried Bauer machte jedoch auch auf die noch vorhandenen Spuren der Besiedelung vor dem Bau der Innerstetalsperre aufmerksam, wie die Abwasserleitung durch die Talsperre. Durch den Bau der Talsperre mußten ein Gasthaus, ein Sägewerk und drei Wohnhäuser umgesiedelt sowie die Landesstraße und die Eisenbahnlinie verlegt werden. Auf der Trasse der inzwischen zu einem Rad- und Wanderweg umgebauten Eisenbahnlinie ging es dann, nachdem der Tag mit einer gemütlichen Kaffeerunde auf der Terrasse des Cafés am Campingplatz abgeschlossen wurde, zum Ausgangspunkt, dem Staudamm, zurück.

Wilfried Bauer sei an dieser Stelle nochmals für die Organisation der Besichtigung und seine Führung herzlich gedankt. Wir freuen uns schon auf die Besichtigung einer weiteren Talsperre im kommenden Jahr.

Klaus Schmidt

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.12. August 2001