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Foto: Klaus Steube
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Die Schlosserei klimpert am Gürtel, müde Füße und Hände nehmen Kontakt mit den Felsen auf, gewinnen an Höhe, Karabiner in die Bohrhaken, Seil nachziehen und einschnappen; nach 10 bis 15 m bedeutet ein Umlenkhaken das Ende der Kletterstrecke; Seil einhängen, ein Ruf nach Unten und es geht wieder abwärts: Die ersten Klettermeter in Arco waren geschafft!
Dabei wollten wir (Gerhild Jüttner, Andrea Moldenhauer, Lutz Paulmann und Klaus Steube), müde nach der nächtlichen Autofahrt uns nur ein bisschen die Füße vertreten und die nahe Umgebung des Campingplatzes erforschen. Aber die Sonne wärmte, die Palmen und das frische Grün auf dem Campingplatz, der Duft von Frühling und Menschen in T-shirts und kurzen Hosen vertrieb die Trägheit von Körper und Geist; DOCH VOR ALLEM DIE FELSEN, zum Greifen, Kraxeln, Bouldern oder nur zum Anschauen, direkt vor der Nase. Deshalb war die Rast kurz und begleitet von Ronald und Jens stiegen wir den drahtseilversicherten Steig auf den Colodri, jener steil über Arco aufragende Felsklotz, hoch, genossen oben die Aussicht und machten uns an die Felsen auf der Rückseite des Berges, den "Muro dell' Asino"....
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Foto: Andrea Moldenhauer
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Arco -? Was, wie, wo, und wie kam es überhaupt dazu? Die Idee war gleichzeitig in mehreren Köpfen im letzten Herbst entstanden. Während des Winters trainierten wir fast regelmäßig an der Wand in der Güldenstrasse und auch in der 150 km entfernten Kletterhalle in Kassel, sogar Ith und Harz waren schon mit kalten Fingern im März angeklettert. Und dann starteten sieben Mitglieder der HTG, plus unser Kletterfreund Jens aus der Sektion Goslar (zusammen das stattliche Durchschnittsalter von 43 Jahren!!!) Anfang Mai in den sonnigen Süden Oberitaliens in den kleinen Ort Arco, etwa 5 km nördlich des Gardasees gelegen. Unter Kletterern bekannt für (meist) feste Kalkfelsen mit unzähligen gebohrten Routen im Umkreis einer Autostunde und alljährlicher Austragungsort des Rockmaster-Wettkampfes (eine "Weltmeisterschaft/Olympiade" im Sportklettern) aber auch anderer Aktivitäten wie Mountain-Biking, Surfen oder Canyoning. - Etwa die Hälfte aller Outdoor-Fans aus Süddeutschland, Tirol und Oberitalien hatten die gleiche Idee wie wir und fanden sich am ersten Maiwochenende hier ein. Entsprechend voll war es auf den Campingplätzen. Aber unser Vorkommando (Paul Budkammer, Ronald Scheffler und Jens Poggemann, seit 2 Tagen am Ort) hatte am Morgen ein Fleckchen für uns freigekämpft.
Der zweite Tag begann mit Reibungsklettereien in mehreren Seillängen - eine hieß "Solarium" (6) und wir merkten rasch "Nomen est Omen": die Sonne meinte es wirklich gut und heizte uns nicht nur in dieser Tour ein. Die besten Kletterer waren jedoch die Eidechsen, die ständig um unsere Hände und Füße auf den Felsen herumturnten. Abends dann wurde in unserer Zeltburg (3 Zelte, 1 Wohnwagen) gegrillt und bis spät in die Nacht der Flüssigkeitsbedarf mit ortsüblichen Traubensäften gedeckt.
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Foto: Lutz Paulmann
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Während sich in Norddeutschland langsam die Sonne einstellte, begann bei uns das regnerische Wetter. Der Zeltplatz wurde leerer, das Schlangestehen beim Brötchen holen wurde erträglich. Während der Regenschauer trafen sich die meisten Kletterer in den Eisdielen oder den Sportgeschäften von Arco. Die Regenpausen nutzten wir kreativ und hoben Zeltgräben aus; vor unserem Gruppenzelt entstand Klein-Venedig.
Aber es blieb warm und die Felsen trockneten rascher als unser Zeltvorplatz. Fast jeden Tag zogen wir los, mal in die senkrechten Sportklettergebiete von Nago, Mori oder Torbole, wir machten Filmstudien in Crosano und Nago oder tummelten uns auch in den nichtsenkrechten, aber langen Routen von Baone oder den Sonnenplatten. Geklettert wurde nach Lust und Laune mit wechselnden Partnern, der 6. Grad wurde mutig angegangen und Dank Martin durften wir auch in einige 7er Routen (mal ins Seil fallen). Jeden Abend wurde der Kletterer des Tages gekürt - alternativ auch mal der Sherpa des Tages (für heldenhaftes Tragen des Rücksackes in den Sonnenplatten). Ja, die Sonnenplatten, vielleicht der Höhepunkt des Klettercamps: in "unserem" Schwierigkeitsbereich (4 bis 6), machte jedes Duo mindestens 3 verschiedene Touren. Nicht so schwierig wie die Sportkletterwände, doch durchaus anspruchsvoll weil lange Routen (bis zu 14 Seillängen) in alpinem Gelände. Letzteres spürten Andrea und ich fast hautnah, als plötzlich ein etwa kopfgroßer Stein nur einige Meter von unserem Standplatz entfernt in die Tiefe sauste; an einem anderen Tag kletterten wir beide unserer ersten Seilschaft brav hinterher und befanden uns plötzlich in einer 6+ Stelle...Wieder Unten, trafen sich alle Teams zur Nachbereitung bei Kaffee, Weißbier oder Radler in der Kneipe, gleich neben dem Parkplatz.
Zwischen den Kletterstunden blieb noch Zeit für andere(s): Joggen für Frühstaufsteher, Lesen, Kuchenbacken, Puddingrühren, Fotografieren mit und ohne Film, Wandern, Autofahren, Mountain-Biking (ACHTUNG Vorstand: hier könnte sich demnächst eine Splittergruppe formieren, die Bikerhochtourenklettergruppe "Seilverlängerung"); sogar eine Besichtigung mit Baden im Gardasee bei nur 5,6°C (nach Ronalds hightech GPS-Uhr - oder war es gerade 6 Minuten nach 5 Uhr ?)!
Kulinarisch abgerundet wurden die Abende durch zwei Grillfeste (mit Salat in der Spülschüssel), etlichen Pizzen, viele Meter Nudeln und etwas Wein (oder umgekehrt), nebst abendlichen Stadtbummel (Geschäfte zum Glück geschlossen - Eisdielen und Strassencafees zum Glück geöffnet). - Und ganz plötzlich waren 10 Tage rum; wir mussten heim, wollten wir doch alle am nächsten Tag auf der Hochzeit einer - vorübergehend abtrünnigen - Kletterin tanzen...
Wer jetzt alles ganz genau wissen will, sollte zum Diaabend kommen oder einen der Teilnehmer fragen. Und zwar:
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Foto: Selbstauslöser
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Gerhildina und Paolo: Angenehm überrascht waren wir Küken der Truppe von der enormen Steigerung der Kletterkunst unserer Senioren, die selbst den nervenschwächeren Nachwuchstalenten vormachten, wie man eine 5+ vorgeht - solange man nur nicht weiß, dass es auch eine ist. Unsere Frühaufsteher, die den Tag mit Joggen bzw. Lesen und Brötchenholen begannen. Während G. durch ihre ruhige und bedächtige Art so manche gruppendynamisch interessante Situation meisterte, dirigierte P. durch seine praktischen Kommentare oft lange theoretische Diskussionen diverser Computerkids ins richtige, handwerklich korrekte Leben zurück und sorgte stets dafür, dass nie eine ruhige Minute in den Gruppenunternehmungen entstand. Besonders wertvoll auch sein Sponsoring durch eine komplette Wohnwageneinrichtung. (allerdings nicht Ameisensicher).
Ronaldo: Besonders hervorzuheben die optimale Tourenplanung, bereits in den Wochen zuvor, mit Topos, Buch, GPS und Internet (siehe homepage http://b-f-t.de/_bergsteigen/kletterfuehrer) und der enormen zerebralen Speicherkapazität für die vielen italienischen Namen der Routen und Kletterziele. R. wusste auch in den widrigsten Wetterumständen stets, wo der rechte Scheitel in der Frisur hingehört und konnte rasch das seelische Zwischentief nach Ausscheiden des Lieblingspartner mit neuen Höchstleistungen wettmachen. Immer guter Dinge, selbst bei bissigen Bemerkungen.
Luigi :Aufsehenerregend der großartige Appetit; seine trockene Kommentare brachten selbst den wortgewaltigen P. hin- und wieder zu schweigenden Staunen (oder Kopfschütteln ?). Einziger wahrer Anhänger der von Klaus selbstgemachten Nutella und Experte für Pizza mit Büffelmozarella und Rucola. L. hatte in jeder Route stets Ersatzkarabiner und Klemmkeile dabei und begegnet gekonnt jeder Aufbruchhektik mit ausgefeilter Rucksackpackerei.
Claudio: Erstaunen rief sein jeden Tag verändertes kreatives Arrangement des Zeltvorplatzes hervor, sowie die unzähligen Kleinigkeiten die er aus seinem winzigen VW-Bus hervorzauberte, um allen Arcofahrern den Luxus des Campinglebends zu vergolden (ein schwerer Schönheitsfehler war es allerdings, eine bereits defekte Körnermühle mitzubringen, die aber vermutlich durch P's Reparaturservice (s.o.) beim nächsten Mal voll funktionsfähig sein wird). Zuständig für pessimistische Wetterprognosen, achtete er stets darauf, dass zumindest eine Regenjacke pro Seilschaft im Rucksack dabei vor.
Giovanni:Der südlichste Teilnehmer (aus Goslar), halber Teil des Teams "DDR-1", musste uns leider aus beruflichen Gründen schon nach einer Woche wieder verlassen, kam aber dennoch voll auf seine Kosten. Packgenie, der alles in einem einzigen Rucksack unterbrachte. Trotz des übriggebliebenen Winterspecks, beim Mountainbiking stets vorneweg fand G. auch im Fels leichtfüßig und unfehlbar den richtigen Routenverlauf.
Andrea: stets willkommene Kundin sämtlicher Sportgeschäfte und Bikerverleiher von Arco und Torbole. Obwohl Vegetarierin, erlegte sie schon auf der Hinfahrt ein gutes Stück Rehwild (zum Grillen leider unbrauchbar); A. nutzte geschickt jede Fahrrad- und Shoppingfreie Zeit zum Klettern (oder Teekochen, Haarewaschen, SMS-verschicken und Lächelnverteilen). Als Chefin des OP-Teams mit ihrem Notfallset bestens ausgestattet, versorgte A. die kleinen und großen Schrammen der Männerstation sachkundig und zuverlässig.
Martino: Gern gesehener Vorkletterer, der sich aber aus nicht näher genannten Gründen zum Gelegenheitskletterer und Langstreckenautofahrer entwickelte, war unser Minimalist in Sachen Frühstück und Gepäck; M. musste feststellen, dass die unbekannten 7er Routen in Arco doch ganz schön schwer sein können und hat den klettertechnischen Unterricht für die Laien auf die Zeit nach Arco verschoben.
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Foto: Selbstauslöser
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Aufgeschrieben von Klaus Steube und redigiert von 5 weiterenTeilnehmern.