Sektion Braunschweig
mehrspaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/4
NN

Arbeitseinsatz in der Braunschweiger Hütte

Sonnabend, der 15. September 2001. Pünktlich gegen 7.00 Uhr steht mein Wagen in Wolfenbüttel vor Achims Haustür. Der mit Polstermaterial und Dekostoffe bereits gut gefüllte Kofferraum wird durch einen wirklich schweren Werkzeugkoffer, eine Flex und andere brauchbare Gegenstände ergänzt. Dann geht es ab gegen Süden.

Am Fernpaß hat ein Milchtankwagen vielleicht wegen Zeitnot den direkten Weg bergab gewählt. Ergebnis: 11/2 Stunden Stau mit anschließendem zäh fließenden Verkehr. Doch dann sind wir im Pitztal. Unser erstes Ziel ist in Neurur, das Hotel Sturpen. Hier wartet Friedel auf uns, der am Vortag von einer Bergtour kommend bereits im Pitztal eingetroffen war. Sein Rucksack findet gerade noch Platz im überfüllten Auto, er selbst geht zunächst zu Fuß - allerdings mit dem vorher ausgehandelten Versprechen, dass er umgehend nachgeholt wird. Wir fahren mit dem Wagen bis zur Talstation des neuen Materialaufzugs. Das umfangreiche Gepäck wird ausgeladen und im Kasten der Seilbahn verstaut. Zu guter Letzt macht es sich Achim im Kasten bequem. Dann schwebt er nach oben zur Braunschweiger Hütte. Wie er später andeutet, hat er die Fahrt meist liegend ertragen. Ich mache mich auf den Rückweg, um Friedel einzufangen. Die Wanderer, die bei eher mäßigem Wetter auf dem Weg zum "Gletscher Stübl" unterwegs sind, bedenken das Auto aus Braunschweig mit kritischen Blicken oder Kopfschütteln. Woher sollen sie wissen, dass der Hüttenwart in amtlicher Mission unterwegs ist. Friedel kommt mir auf der Straße
unterhalb von Plangeros entgegen. Er hat gerade in einer Tunnelüberbauung ein gnadenloses Hupkonzert einer Autokolonne über sich ergehen lassen müssen. Eine Hochzeitsgesellschaft war auf dem Weg zu ihrer Festgaststätte. Wenig später sind wir mit dem Restgepäck auf der Hütte, wo wir bereits von Franz um 16.30 Uhr erwartet werden. In der Hütte sind keine Gäste. Der ausgiebige Schneefall in den letzten Tagen und das allgemein schlechte Wetter im September dieses Jahres hat die E 5-Wanderer und sonstige Tagesgäste vergrault.

Noch an diesem Abend beschließen wir einstimmig, dass wir morgen, also am Sonntag, mit unserem Wochenwerk beginnen wollen. Gesagt getan. 8 Uhr ist Frühstück angesagt. Dann geht es los. Achim - als genialer Holzverarbeiter - fängt im Erdgeschoßflur an, die Wand rechts und links vom Ausgang zur Bergstation zu vertäfeln, eine wahrlich diffizile Arbeit in Anbetracht der krummen und schiefen Wände in diesem Bereich der Hütte. Manches Bohrloch endet zudem im Nichts. Die Wände der Hütte sehen von außen besser aus, als das Innere hergibt. Friedel und ich beschäftigen uns mit der "Braunschweiger Ecke". Die alten Rückenpolster müssen abmontiert werden. Die Sitzpolster sind ohnehin schon vor längerer Zeit entsorgt worden. Unser Wirken wird um 13.00 Uhr vom Mittagessen unterbrochen. Hier beginnen die ersten Schwierigkeiten. Dem Koch - namens Patric, sonst ein netter Bursche - will es einfach nicht in den Kopf, dass drei ausgewachsene Männer die angebotenen leckeren Portionen nicht aufessen können oder wollen. Nach wiederholten Ermahnungen klappt es dann später doch noch mit den "Kinderportionen". Friedel und ich sind bald nach 16.00 Uhr mit unserer Arbeit in der Braunschweiger Ecke fertig. Achim hat uns zum guten Schluß einige Holzleisten zugeschnitten. Geschafft. Den Rest des Tages helfen wir Achim im Flur bei seinen schwierigen Aufgaben. Draußen ist tiefster Winter. Es schneit ununter-brochen. Welch ein Glück, dass wir uns Arbeiten im Innenraum der Hütte vorgenommen haben.

Arbeitseinsatz
Arbeitseinsatz Braunschweiger Hütte September 2001
Foto: Dieter Langkopf

Beim Abendessen erleben wir eine Überraschung: Achim fängt mit einer unglaublichen Präzision eine Fliege nach der anderen. Lt. eigener Aussage hat er diese Fertigkeit bereits als Kind beherrscht. Seine Dienste bei einem Bäcker - er bekam 0,001 DM für eine Fliegen-leiche - mußte er wegen drohender Insolvenz des Bäckers auf Grund hoher Fliegen-beseitigungskosten vorzeitig aufgeben.

Im Laufe des Montags arbeiten wir mit vereinten Kräften im Flurbereich. Holzleiste an Holzleiste fügt sich zu einem lobenswerten Gesamtbild. Am Abend sind wir im Bereich des Fensters angekommen. Morgen steht der Bereich um die Wasser-Entkeimungsanlage im Brennpunkt der Arbeiten. Inzwischen sind die Hölzer und Latten für den neu aufzubauenden Winterraum auf der Hütte angekommen. Friedel hat mit Unterstützung des Hausburschen den Transport der Teile von der Bergstation in den Winterraum übernommen. Dabei müssen u. a. große Holzplatten bei rutschigen Wegverhältnissen und stark böigem Wind um die Hütte herum getragen werden, was die Beteiligten arg strapaziert. Wir gehen an diesem Abend früh schlafen, aber erst nachdem Achim die Anzahl der Fliegen in der Hütte weiter dezimiert hat.

Isidor Eiter ist noch am Montagabend auf der Hütte angekommen. Er bildet ab heute - Dienstag - mit Friedel ein Team. Die Zusammenarbeit der Beiden ist so perfekt, dass Isidor meint mit Friedel eine Firma gründen zu müssen. Achim und ich arbeiten derweil weiter im Flur. Heute ist ein sonniger Tag. Eine Gruppe von 39 Personen ist auf der Hütte angekommen, weitere 21 werden noch erwartet. Die Wanderer gehen mit Bergführern, bei diesen Schneebedingungen der einzig vernünftige Weg.

Mittwoch: Um 11 Uhr sind die Arbeiten im Gang erfolgreich beendet. Friedel werkelt mit Isidor weiter im Keller. Achim und ich gehen derweil von Raum zu Raum durch die Hütte. Es sind zum Teil nur Kleinigkeiten, die repariert werden müssen. Verbeulte Schließbleche, fehlende Schrauben in Langblechen, schlecht schließende und quietschende Türen und lose Deckenbretter. Aber trotzdem mehr als 1 Dutzend verschiedener Schäden werden von Achim sorgfältig repariert. Inzwischen sind die angefaulten und verschimmelten Matratzen aus dem Winterraum hinaus geschafft und verbrannt worden. Das Schloß der Eingangstür zum Gastraum wird ebenso wie das Schloß der Eingangstür zum Winterraum repariert.

Der Donnerstag beginnt für Achim mit der Montage eines neuen Wandtresors im Winterraum, eine Kräfte zehrende und langwierige Arbeit. Denn der Tresor wird nicht auf die Verschalung der Wand gesetzt, sondern in die Wand hinein. Damit wird die Demontage der Geldkassette und die Aufbruchsmöglichkeit erschwert wenn nicht gar unmöglich gemacht. Im Abort des Winterraums dringt Schnee in größeren Mengen ein. Die Untersuchung ergibt, dass das Abdeckblech des Daches sich von der Wand gelöst hat. Friedel stopft von innen Glaswolle in die Öffnung, Franz bohrt mit Unterstützung aller Beteiligten Löcher in die Wand und dübelt das Blech neu an. Um diese Arbeit zu bewerkstelligen, muß eine schwere Eisenleiter transportiert werden, und Franz muß sich, um auf dem schrägen mit Schnee bedeckten Dach nicht auszurutschen, anseilen. Achim verkleidet den Eingangsbereich zur Treppe hin mit neuer Wandschalung. Friedel entrümpelt gemeinsam mit Franz den Raum hinter dem alten Diesel, eine längst überfällige Aktion. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr altes Gerümpel weggeworfen wäre. Isidor wollte nachmittags wieder in der Hütte sein. Er ist nicht gekommen und hat auch nicht angerufen. Dann ist er später doch noch - vom Pitztaler Jöchl kommend - eingetroffen. Er hat eine Alu-Leiter mitgebracht. Sie soll mittig durchgesägt und an den Betten des Winterraums montiert werden. Über die Frage was ist mittig, läßt sich streiten, jedenfalls mit Isidor. Er schafft es, die Leiter außerhalb der Mitte zu teilen und ist über sein Mißgeschick untröstlich. Unser Spot ist ihm gewiß.

Freitag: Unser vorläufig letzter Tag in der Braunschweiger Hütte. Achim vervollständigt die Holzvertäfelung im Eingangsbereich. Friedel und ich demontieren ein altes eisernes Regal. Wir wollen die Bleche im Winterraum zwischen Wand und Ofenrohr montieren, um einer möglichen Brandgefahr entgegen zu wirken. Leider sind die alten Bleche zu sehr verrostet und vergammelt und deshalb für die Montage im neuen Winterraum nicht geeignet. Franz bestellt neue Bleche und Isidor wird sie montieren. Zur Mittagszeit ist unser 6-tägiger Arbeits-einsatz beendet. Friedel und ich rechnen mit Franz die Saison 2001 ab. Achim steigt hinunter zu seiner vor 9 Jahren gestifteten Sitzbank. Sie ist in aller besten Zustand, wie er nach seiner Rückkehr verkündet. Anmerkung: Patric - unser Koch - serviert die Suppe am letzten Tag unseres Aufenthaltes um 17.14 Uhr. Der Grund: Er hat keine Uhr. An diesem Abend werden noch einige Bierchen - aus Flaschen - das Faßbier ist - nicht nur von uns - schon früher ausgetrunken worden. Und weil uns noch einige wohl schmeckende "Mach- mich-froh" angelächelt haben, schlafen wir die letzte Nacht tief und fest.

Sonnabend, 22. September 2001: Eine Woche Arbeitseinsatz auf der Braunschweiger Hütte sind schnell und im Ergebnis hervorragend vorbei. Wir: Joachim Weigel, Friedrich Weber und Flocki Langkopf haben mit Spaß und Routine gearbeitet. Wir sind zufrieden und freuen uns auf ein Wiederkommen mit neuen Aufgaben und Zielen. Die Heimfahrt steht bevor. Sie wird zunächst durch einen "Almabtrieb" empfindlich gestört. Einige 100 Schafe versperren die Straße nach Imst. Es dauert bis wir über eine Nebenstraße dieses Hindernis überwunden haben. Dann geht es mehr oder wenig zügig über Wolfenbüttel und Brome nach Braunschweig. Wir sind wieder wohl behalten zu Hause.

Dieter Langkopf
1. Hüttenwart

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 22. November 2001