Am Anfang war die Kletterwand wüst und grau - für uns Kursteilnehmer am Kletterlehrgang allemal - denn zum Beginn unseres Kletterkurses war die Wand an der Güldenstraße sehr Respekt einflößend! Der Umgang mit Klettergurt, Toprope und HMS-Karabiner war zwar recht schnell gelernt, doch das scheinbar kraftlose Emporgleiten an der Wand ganz und gar nicht. Am Ende des ersten Tages konnte ich kaum die Hände auf dem Lenkrad meines Autos halten, so kraftlos waren meine Arme durch die Kletterversuche geworden. Aber immerhin: zweimal hatte ich es so wie die meisten anderen KursteilnehmerInnen auch geschafft!
Der zweite Tag, diesmal im Okertal, war völlig anders: der Fels war für mich viel leichter zu begehen. Durch das Vertrauen in das Material machte uns auch die größere Höhe der Kletterrouten nichts aus. Besonders schön war, dass trotz fortgeschrittener Zeit unsere Übungsleiter nicht zum Aufbruch drängten - im Gegenteil: ihre Begeisterung am Klettern zeigte sich darin, immer noch einen Aufstieg für uns auszusuchen, obwohl es schon dämmerte. Das Vertrauen in die Übungsleiter wuchs dadurch ebenso wie unser Gruppengefühl, obwohl wir uns doch erst zwei Tage lang kannten. Das erste Wochenende war schon toll! Und das zweite?
Treffpunkt war eine Woche später der DAV-Zeltplatz am Ith. Rasch hatten wir unsere kleinen Zelte nah bei einander aufgebaut, und schon ging es wieder los zum Klettern. Erst ein bisschen Bouldern, dann einige Aufstiege im 4. Grad! Ein Gewitter zwingt uns zur Unterbrechung. Etwas feucht geworden erreichen wir das Clubheim der Segelflieger auf dem Ith - mit unseren Klettersachen und Rucksäcken sind wir willkommen und genießen Kekse und Kaffee. Schließlich ist es aber doch zu feucht, um noch weiter zu klettern, und so beginnt der Rückmarsch zum Campingplatz.
Das Grillen wird gemütlich, die heiße "Nachtisch-Banane mit Schokolade" auf dem Grill ist zunächst der Höhepunkt des Abends. Allerdings treibt es trotz der Dunkelheit doch einige Unverbesserliche noch einmal zum Nachtklettern...
Am letzten Tag des Kurses Klettern wir in Gruppen weiter, üben den Vorstieg, bauen Standplätze und freuen uns über das tolle Wetter. Dann kommt am Nachmittag die große Abschluss-Show: Es geht zum Kamel, um dort das Abseilen aus "größerer Höhe" zu üben. Das Vertrauen in das Klettermaterial ist inzwischen bei allen KursteilnehmerInnen vorhanden, doch wie sieht es mit der eigenen, persönlichen Einstellung zu einer langen Abseilstrecke aus? Mit diesen Gedanken machen wir uns auf den Weg...
Ralf Schimmelmann