Sektion Braunschweig
mehrspaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/4
NN

DAV-Kletterlehrgang

für AnfängerInnen am 9./10. und 16./17. Juni 2001

Am Anfang war die Kletterwand wüst und grau - für uns Kursteilnehmer am Kletterlehrgang allemal - denn zum Beginn unseres Kletterkurses war die Wand an der Güldenstraße sehr Respekt einflößend! Der Umgang mit Klettergurt, Toprope und HMS-Karabiner war zwar recht schnell gelernt, doch das scheinbar kraftlose Emporgleiten an der Wand ganz und gar nicht. Am Ende des ersten Tages konnte ich kaum die Hände auf dem Lenkrad meines Autos halten, so kraftlos waren meine Arme durch die Kletterversuche geworden. Aber immerhin: zweimal hatte ich es so wie die meisten anderen KursteilnehmerInnen auch geschafft!

Der zweite Tag, diesmal im Okertal, war völlig anders: der Fels war für mich viel leichter zu begehen. Durch das Vertrauen in das Material machte uns auch die größere Höhe der Kletterrouten nichts aus. Besonders schön war, dass trotz fortgeschrittener Zeit unsere Übungsleiter nicht zum Aufbruch drängten - im Gegenteil: ihre Begeisterung am Klettern zeigte sich darin, immer noch einen Aufstieg für uns auszusuchen, obwohl es schon dämmerte. Das Vertrauen in die Übungsleiter wuchs dadurch ebenso wie unser Gruppengefühl, obwohl wir uns doch erst zwei Tage lang kannten. Das erste Wochenende war schon toll! Und das zweite?

Treffpunkt war eine Woche später der DAV-Zeltplatz am Ith. Rasch hatten wir unsere kleinen Zelte nah bei einander aufgebaut, und schon ging es wieder los zum Klettern. Erst ein bisschen Bouldern, dann einige Aufstiege im 4. Grad! Ein Gewitter zwingt uns zur Unterbrechung. Etwas feucht geworden erreichen wir das Clubheim der Segelflieger auf dem Ith - mit unseren Klettersachen und Rucksäcken sind wir willkommen und genießen Kekse und Kaffee. Schließlich ist es aber doch zu feucht, um noch weiter zu klettern, und so beginnt der Rückmarsch zum Campingplatz.

Das Grillen wird gemütlich, die heiße "Nachtisch-Banane mit Schokolade" auf dem Grill ist zunächst der Höhepunkt des Abends. Allerdings treibt es trotz der Dunkelheit doch einige Unverbesserliche noch einmal zum Nachtklettern...

Am letzten Tag des Kurses Klettern wir in Gruppen weiter, üben den Vorstieg, bauen Standplätze und freuen uns über das tolle Wetter. Dann kommt am Nachmittag die große Abschluss-Show: Es geht zum Kamel, um dort das Abseilen aus "größerer Höhe" zu üben. Das Vertrauen in das Klettermaterial ist inzwischen bei allen KursteilnehmerInnen vorhanden, doch wie sieht es mit der eigenen, persönlichen Einstellung zu einer langen Abseilstrecke aus? Mit diesen Gedanken machen wir uns auf den Weg...

Auf dem Hauptkamm des Ith gehen wir auf dem breiten Wanderweg, von dem nach und nach kleinere Wege abzweigen, die zu den Kletterfelsen führen. Uns zieht es zur "Nase" des "Kamel"-Felsens - beim Anmarsch ist uns noch nicht ganz klar, um welche Riesen-Nase es sich da eigentlich handelt! Nach und nach erreichen wir den Ausgangspunkt der Abseiltour. Die Aussicht zur Weser ist gewaltig - die "nach unten" auch... Hoch zum Kamel

Jetzt erkennen wir die wahren Ausmaße - das Seil baumelt gut 25 m hinab! Ein wirklich gewaltiger Zinken...

Oben am Standplatz (dort, wo wir uns - zunächst noch mit einer Schlaufe an einem fest einzementierten Bohrhaken gesichert - mit dem Abseilachter in das Seil einhängen und dann den Abstieg beginnen) kann man die Beine unseres Fachübungsleiters Matthias baumeln sehen. Er kontrolliert uns und spricht uns Mut zu - hat aber auch eine gewisse hämische Freude an unserem etwas "verkrampften" Tun...

In Position
Nur Mut Dann bin ich dran: Seil in den Abseilachter einhängen, Prusikknoten zur Sicherung zusätzlich einbinden, Sicherungsschlaufe am Bohrhaken lösen und dann ...
An der Kante ... langsam mit steifen Beinen nach hinten lehnen - aaaaaahhhhhhh!!! - die "schönsten" Momente beginnen, doch als ich dann fest im Seil hänge, ist alles nur noch halb so schlimm.
Frei schwebend Schließlich beginnt der Überhang: kurz mit den Beinen abstoßen und gleichzeitig Seil nach lassen - schwuppdiwupp hänge ich frei und lasse mit schön langsam nach unten gleiten! Das Seil federt leicht und ich erkenne so nebenbei die Wirkungsweise bei einem möglichen Sturz. Doch hier und jetzt läuft alles gut!
Geschafft! Unmittelbar über dem Boden - noch im Seil hängend - ein schnelles Abschluss-Foto. Das war der Kletterkurs: viel Sicherungstechnik, Materialkunde aber auch ein tolles Miteinander in der Gruppe! Vielen Dank, ihr lieben Fachübungsleiter! Es hat einen Riesenspaß gemacht! Beim nächsten Kurs mache ich bestimmt wieder mit... Kurz vor Ende

Ralf Schimmelmann

Alle Fotos: Ralf Schimmelmann

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 6. November 2001