Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/4
Wandergruppe

Pitztaler Wanderwoche

Oder
vom Hochsommer in den Winter
25.8. bis 2.9.2001

Anreise: Nach und nach fanden sich die 30! angemeldeten Wanderfreunde in St.Leonhard, Ortsteil Tieflehn im Hotel Gundolf ein, soweit nicht einige Teilnehmer bereits vorher angereist waren, um sich schon einzulaufen. Wie sich erweisen sollte, wurde das auf rd. 1600 m Höhe liegende und von Hans-Jürgen Kammerer dankenswerterweise vorreservierte Hotel, das ihm seit Jahren bekannt ist, allen Ansprüchen gerecht. Um 18 Uhr konnte die Wirtin, Frau Knabl, die gesamte Gruppe mit einem Willkommensdrink begrüßen.

Abstieg vom Kreuzjoch
Abstieg vom Kreuzjoch
Foto: Herbert Horstmann
1. Wandertag: Nach Vorankündigung (die Wanderwoche lag in den Händen von Hans-Jürgen Kammerer und Wolfgang Henschel) stand als Eingehtour die Arzler Alm, die Tiefental Alm und das dazwischen aufragende Kreuz-Joch auf dem Programm. Damit wurde ein Angebot des Hauses Gundolf angenommen, dessen Chef die Führung übernahm. Naturgemäß lag die Leistungsfähigkeit bzw. -willigkeit der großen Gruppe um einiges auseinander, so dass, wie von selbst, mehrere Gruppen gebildet wurden, was auch für die folgenden Tage beibehalten wurde. Ausgangspunkt für alle war bei herrlichem Sonnenwetter der Ortsteil Piösmes (ca. 1400 m). Die erste Gruppe ging über die Arzler Alm hinauf zum Kreuzjoch (über 2300 m), d.h. eine Steigung von mehr als 900 m. Die Rundsicht war großartig, insbes. auf die beherrschende Rofele-Wand (3354 m) im Kaunergrat. Nach steilem Abstieg und Weiterweg am rauschenden Gschwandbach wurde die Tiefental Alm erreicht, bei der man sich mit der anderen Gruppe traf, die unter Führung von Hans-Jürgen Kammerer über die Arzler Alm aufgestiegen war. Gemeinsam gings zum Ausgangspunkt zurück und allen stand im Gesicht: es war ein wunderbarer Auftakt der Wanderwoche. Für Hans-Jürgen war es leider die einzige Tour mit der Gruppe, da ihn eine Fußzerrung zur Schonung zwang. Zum Glück war er 1 Woche vorher angereist und konnte wenigstens diese Zeit nutzen.
Fuldaer Höhenweg
Fuldaer Höhenweg, im Hintergrund
Taschachhaus und Taschachferner
Foto: Herbert Horstmann

2. Wandertag: Wieder herrliches Wanderwetter, und um es vorwegzunehmen, es hielt sich bis einschl. des 4. Wandertages, um dann über Nacht radikal umzuschlagen. Angesagt war für alle der Fuldaer Höhenweg, wobei sich Gruppen mit unterschiedlichen Gehzeiten bildeten. Zur Erleichterung wurde der Lift Mandarfen-Rifflsee benutzt, der 660 Höhenmeter überwindet. Nach mehrerern Pausen zur Stärkung und zum Schauen fanden sich schließlich alle am Taschachhaus (2434 m) ein, wo ausgiebig Mittagsrast gehalten wurde. Dann gings im Tal zurück mit einer Einkehr auf der Taschach Alm. Ein langer, aber erfüllter Wandertag mit beeindruckenden Blicken in die Abbrüche des Taschachferners und auf die darüber leuchtende Wildspitze. 3. Wandertag: Ziel war das Hochzeiger-Gebiet über Jerzens. Eine Gruppe nahm sich den Hochzeiger (2560 m), eine andere den Sechszeiger (2392 m) vor. Zunächst wurde aber von allen die Hochzeiger-Bahn bis Mittelstation -Tanzalm- (2000m) in Anspruch genommen. Die Gipfelrundsichten waren nach Auflösung von

Frühnebeln wieder fantastisch. Greifbar die zackengekrönte Wildgrat-Gruppe, dann die nördl. Teile des Gegenkammes und des Kaunergrates. Im Westen über dem Pitztal der Venet und dahinter Lechtaler, Samnaun und Verwall. Tief unter dem Sechszeiger das Inntal, Imst, dann der Tschirgant, Zugspitze, Mieminger Kette und und ... Der Labstieg führte über die Kalbenalm, die ihrem Namen alle Ehre machte, indem die Jungtiere bis auf Körperkontakt herankamen. Mit Hilfe der Bergbahn und der eigenen Fahrzeuge zurück ins Haus Gundolf; hier gab es, wie jeden Nachmittag, eine kleine Jause.

Hochzeiger
Gipfelrast auf dem Hochzeiger (2550 m)
Foto: Herbert Horstmann

4. Wandertag: Vorgesehen war der Aufstieg zur Rüsselsheimer Hütte im Geigenkamm, doch ein grundlegender Wetterumschlag war angesagt und so wurde, um das schöne Wetter noch zu nutzen, die Braunschweiger Hütte als Ziel vorgezogen. Eine richtige Entscheidung, denn es sollte ein Tag mit Bilderbuchwetter werden, der schönste der ganzen Woche! Weshalb auch die "Mitnahme" des Hinteren Brunnenkogels, einer der Glanzpunkte der Ostalpen überhaupt, beschlossen wurde. Zunächst ging es mit dem Pitzexpress, einer Tunnelbahn, bis hinter die Mittagsspitze auf 2840 m und anschließend mit der Pitz Panoramabahn auf den Brunnenkogel mit 3440 m. Eine Sternstunde! Ein 360-Grad-Rundblick, wie er bei dem Wetter nicht besser sein konnte. Die Sicht bis in die Dolomiten, den Ortler und die Bernina. Die Wildspitze (3772 m) über ihren Gletscheraufbauten zum Greifen. Aber die Größenverhältnisse wurden deutlich, nachdem man die aufsteigenden Seilschaften entdeckte, kaum sichtbar, Gletscherflöhen gleich. Auch der bevorstehende Übergang zur BS-Hütte war genau einsehbar. Nach ausgiebiger Gipfelschau und Talfahrt mit der Pitz-Panoramabahn gings auf dem Steig zur BS-Hütte, erst über die Randmoräne des Mittelbergferners, vorbei an eispolierten, rotleuchtenden Felsformationen, dann über den aperen Ferner und Hinauf zur Hütte über die Schutthalden und den Ablauf des stark zurückgeschmolzenen Karlesferner. An der Hütte (2759 m) traf man sich mit dem Methusalem der Gruppe, Gerhard Meyer (90), der die Hütte noch einmal von untern aus Mittelberg erreichen wollte, was er mit Bravour schaffte. Glückwunsch! Der Hüttenwirt meinte, es sei das erste Mal, daß ein Mitglied der Sektion BS mit 90 Jahren auf der Hütte sei. Begleitet wurde er übrigens von Rolf Haase, der ihn nicht allein gehen lassen wollte. Beide blieben zusammen mit Dieter Günther über Nacht, während alle anderen nach reichlicher Mittagspause mit Sonnenbad auf der Terrasse sich an den Abstieg machten. Im Hotel zurück, müde vom Gehen und Schauen, hatte wohl jeder das Glücksgefühl, mit dem Besuch des Brunnenkogels und der Hütte der Heimatsektion, und dies bei allerbestem Wetter, einen besonderen Tag, ja den Höhepunkt der Woche, erlebt zu haben.

5. Wandertag: Das angekündigte Schlechtwetter blieb nicht aus. Es kam über Nacht mit Neuschnee bis auf 2000 m. Der aufgeschobenen Trip zur früheren Chemnitzer Hütte wurde abermals vertagt. Der Regen zwang zur Bescheidenheit: eine Talwanderung entlang der Pitze von Mandarfen bis Eggenstall mit immerhin 14 km. Rückfahrt mit dem Bus, aber nicht ohne vorherige Einkehr. Alle waren zufrieden, denn man war ja beschirmt und angepasst gekleidet. Der Abend wurde dann noch ausgefüllt mit einem Diavortrag von Rolf Gerschler über seine diesjähr. Wandertage in der Rhön. Nochmals Dank, Rolf.

Sechszeiger
Auf dem Sechszeiger (2400 m) - Blick auf Imst,
im Hintergrund die Lechtaler Alpen, rechts der Tschirgrat
Foto: Herbert Horstmann

6. Wandertag: Weiterhin Schlechtwetter. Mit Regenschirm bewaffnet sollte es zur Ludwigsburger Hütte (vormals Lehnerjochhütte, 1935 m) gehen. Ausgangspunkt war der Ortsteil Außerlehn oberhalb Zaunhof auf einer Höhe von 1450 m. Die Hütte tauchte erst unmittelbar vor Erreichen im Nebel auf. Der Abstieg war nicht besser, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Bewegung an frischer Bergluft war es allemal.

7. Wandertag: Auch am letzten Wandertag kaum Wetterbesserung. Immerhin zeigten sich am Himmel gelegentliche Lichtblicke, so dass endlich doch noch der Besuch der Rüsselsheimer Hütte (vormals Neue Chemnitzer Hütte, 2323 m) realisiert wurde. Der Ausgangspunkt bei Plangeroß liegt etwa auf 1600 m. Es waren gute 700 Höhenmeter zu bewältigen. Die Hütte lag im Nebel und Neuschnee, so dass sich einige geplante weiterführende Aufstiege verboten. Stattdessen wurde ausgiebig gerastet, wozu die heimelige Wärme der gut geheizten Hütte einlud. Der Abstieg bildete den Abschluß der Wanderwoche.

Das bleibende schlechte Wetter erleichterte den Abschied. Am Sonntag, dem 2.9.2001 trat jeder seine Heimreise bzw. Weiterfahrt zu anschl. Urlaubszielen an, nicht ohne am Vorabend durch den Schatzmeister der Sektion, Bernhard Priß, den Organisatoren der Wanderwoche, Hans-Jürgen Kammerer und Wolfgang Henschel, den Dank für gute Vorbereitung und Durchführung namens der gesamten Gruppe auszusprechen.

Sicher werden diese Pitztaler Wandertage allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben.

Herbert Horstmann

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.6. November 2001