Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2001/4
Wandergruppe

Rauf und runter mit dem Rad

in der Holsteinischen Schweiz, vom 13.-18. Juni 2001


Am späten Nachmittag des 13. Juni hatten alle Teilnehmer die Herberge, Hotel/Pension "Am Wildpark" in Malente, gefunden. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Hause waren noch zwei organisatorische Punkte zu klären. Erstens: Soll ein Bericht für das Mitteilungsblatt der Sektion geschrieben werden? Dieser Vorschlag des Gruppenleiters wurde einstimmig - bei 20 Enthaltungen - angenommen. Zweitens: Wer schreibt den Bericht? Mangels Freiwilliger wurde über den Vorschlag des Gruppenleiters abgestimmt. Wiederum erfolgte die Zustimmung einstimmig - diesmal bei 19 Enthaltungen und einer Gegenstimme, die sogleich für ungültig erklärt wurde. Der Gewählte hatte keine Chance, die Wahl abzulehnen und fühlte sich geehrt... Nach soviel Basisdemokratie vom Feinsten war die Stimmung bestens, sie wurde nur leider bald dadurch getrübt, daß uns der Wirt um 21:30 bedeutete, er habe nun genug Überstunden gemacht.

Am nächsten Morgen wurde unser Optimismus mit Nieselregen auf die Probe gestellt. Pünktlich um 9 Uhr starteten wir zu einer 70 km Rundtour, die uns über Grebin und Rantzau nach Lütjenburg brachte und dann über Benz zum Kellersee und zurück nach Malente. Beachtlich, wie es unser Führungsteam - Klaus Schmidt, assistiert durch Rudolf Rinas - verstand, die direkte Entfernung Malente Lütjenburg von 16 km auf vielerlei Feld-, Wald- und Wiesenwegen auf besagte 70 km auszudehnen. Wie oft wurde nicht die Entfernungsangabe Lütjenburg 9 km gesichtet???!!! Soviel Bemühen um Vermeidung der asphaltierten Landstraßen wurde an einer Stelle durch einen derart aufgeweichten Feldweg belohnt, daß wir uns - natürlich erst, nachdem alle Fahrräder total verdreckt waren - zur Umkehr entschlossen.

Fuldaer Höhenweg
Reinigung der Fahrräder
Foto: H. Hentschel

Die Reinigung mit dem Hochdruckwasserstrahl an einer Tankstelle war dann der komplementäre Spaß. Gegen 11 Uhr kam die Sonne vor und es blies ein mäßiger Wind, bei einer Rundtour zumindest zur Hälfte der Tour aus der angenehmen Richtung. Eine Rundtour hat noch einen zweiten Vorteil: Es geht garantiert genau so viel rauf wie runter! Allerdings hätte ich nicht gedacht, daß ich im hohen Norden Deutschlands so oft meine extremen Berggänge einschalten würde. Da wir nicht wieder so früh auf die Zimmer genötigt werden wollten, fand das Abendessen am See statt, mit kostenloser Vorführung der Kunst des Fischens durch Haubentaucher und Kormorane.

Die zweite Tour führte uns über 65 km rund um den Plöner See. Schönes Wetter und nur ein leichter Wind, was will ein Radwanderer mehr? In Plön wurde auf dem "Boulevard" gewandert, auf dem Weg zum Plöner Schloß, hoch über dem See, durfte wieder der extreme Berggang Dienst tun, bis zum Schloßhof, jawohl. Natürlich, irgendwann muß es bei einer Radwanderung mit 21 Teilnehmern einmal passieren: 6 km vor dem Ziel gibt es einen "Platten" und selbstverständlich am Hinterrad. Doch eine geballte Ladung fachkundiger Beratung, und das Quentchen Glück des Tüchtigen - der Splitter wurde entdeckt noch bevor der Schlauch freipräpariert war - ermöglichte eine schnelle Re-paratur und einen wieder glücklich strahlenden Radfahrer. Am Abend kann ich endlich Scholle "Finkenwerder Art" genießen.

Fuldaer Höhenweg
Foto: Manfred Hüttig

In der Nacht gab es Blitz und Donner und viel Regen. Warum nicht, wenn es nur rechtzeitig aufhört! Am Morgen werden zunächst die Räder auf den Autos montiert, Ausgangs-punkt der Rundtour ist heute Neustadt in Holstein. Wenn wir schon so nahe dran sind, sollten wir doch auch einmal die Ostsee sehen. Aber erst am Ende der 40 km Rundtour war es uns vergönnt. Offenbar waren wir heute auf der Spur des OSTSEE-FAHRRATONs, überall diese Schilder, auch die Polizei "kümmerte" sich einmal um uns, es waren nette Kollegen. Das Wetter stellte uns heute vor schwierige Probleme. Am Beginn jedes Schauers mußte entschieden werden, ob man anhalten sollte, um das Regenzeug anzulegen, und am Ende, ob es sich lohnt, wieder abzulegen. Ein Schauer war tatsächlich so kurz - oder wir hatten so spät entschieden - daß er beendet war, bevor alle ihr Regenzeug angelegt hatten. Macht doch Spaß! Gegen 14:30 Uhr kamen wir in Neustadt an, begaben uns auf einen Stadtbummel mit Einkehr zu Kaffee und Kuchen, schließlich noch ein Gang zum Hafen, wo Schiffe mit Gebrauchtwagen jeglicher Restqualität zu ihrer vermutlich letzten Reise ins Baltikum verladen wurden. Am Abend sind wir noch einmal im Restaurant am See.

Wieder erst einmal Nieselregen am Morgen, wird es besser oder schlechter? Egal, zunächst führt uns die letzte Fahrt zum Jagdschloß Uklei hoch über dem kleinen Ukleisee, weiter am Kellersee entlang nach Eutin. Wieder ist unser Führungsteam findig, eine "normale" 9 km Distanz zu einem 24 km - Umweg auszudehnen, aber so haben wir es ja wohl gewollt. Wir sind nicht immer nur gefahren, man muß doch auch Pausen machen, zum Beispiel an kulturell hervorragenden Orten, Dorfkirchen, Gutshöfen. Klaus holte dann immer seine "Spickzettel" vor und versorgte uns mit historischer Hintergrundinformation, zum Beipiel sollen die Gutshöfe früher nach Gutsherrenart regiert worden sein. Das ist aber ganz lange her und heute nicht mehr üblich. Eine schlammige Kurzstrecke kann heute gemeistert werden, dafür landen wir an zwei anderen Stellen auf dem "Acker", offenbar stimmt die Gegend nicht mit der Karte überein! Es soll noch der verantwortungsvolle Führungsstil erwähnt werden, also immer nur mit mäßiger Fahrt bergab, ganz unten anhalten, um die Karte zu studieren und dann - aus dem Stand ! - hinauf auf die nächste Anhöhe. Für soviel Führungskunst gibt es am Abend, noch einmal bei unserem Wirt, ein großes (und feuchtes) Lob für den Gruppenleiter. Auch dem Assistenten scheint es soviel Freude gemacht zu haben, daß er seine Dienste einer weiteren Radwanderwoche in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft angeboten hat.

Manfred Hüttig

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.6. November 2001