Als Aufgaben eines Naturschutzreferenten des Alpenvereins verstehe ich
In unserer näheren Umgebung sehe ich als unsere konkrete Arbeit für alle diese drei Ziele die Umsetzung der Kletterkonzeption. Diese ist im nördlichen Harz bereits von den Behörden de facto zur Grundlage der konkreten Regelungen genommen worden und hat zu einer sowohl von Behörden als auch von ehrenamtlichen Naturschützern und Kletterern als konstruktiv und gewinnbringend beurteilten Zusammenarbeit geführt.
Wichtige aber im Detail langwierige Arbeit ist das Markieren der freigegebenen und der gesperrten Felsbereiche mit den Zeichen Pfeil ( > ) bzw. dem Sperrzeichen ( x ), das noch viel Detailarbeit verlangen wird.
Praktisch waren die von Mitgliedern der Sektionen Braunschweig, Goslar und Hannover durchgeführte Felsfreistellung die sichtbarsten Maßnahmen. So wurden im letzten Jahre neben dem ganzjährig dem Naturschutz vorbehaltenen oberen Teil der Rabowklippe auch die Kletterfelsen Treppenstein, Kurfürst und Ziegenrücken von den stark verschattenden (und dadurch die lichtliebende charakteristische Felsflora dezimierenden und damit die Biodiversität bedrohenden) Fichten befreit. Dafür gebührt allen Mitgliedern der Kletter- und Hochtourengruppe, die daran mitgewirkt haben, ganz besonders herzlicher Dank. Allen die dabei mitmachten wird jedoch auch die muntere, konstruktive Atmosphäre bei den Arbeitseinsätzen noch lebendig sein, die hoffentlich dazu einlädt, sich auch bei den in diesem Jahre fällig werdenden Einsätzen wieder nach Kräften zu beteiligen. Es gibt da noch viel zu tun - als erstes beim Aufräumen und Nachräumen an den Adlerklippen, wo die Forst in einer großzügigen Aktion Felsfreistellung betrieben hat. Auf jeden Fall ist die lichtere und schönere Situation an den Felsen eine überzeugende Demonstration der praktischen Wirkung der oft harten Knochenarbeit.
Eine weitere Dimension von Maßnahmen galt einer besseren Sicherung der Arterhaltung seltener Raubvögel durch Verbesserung potentieller Brutplätze in Zusammenarbeit mit den darauf spezialisierten Naturschützern. Für das Okertal gab es dann eine Überraschung, weil das dort erwartete Brutpaar zwar eintraf, aber nicht einen von den beiden von uns als optimal geeignet eingeschätzten Plätzen wählte sondern einen dritten. Wir sind daraufhin natürlich flexibel eingegangen und haben diesen Bereich dort für das Klettern gesperrt, wo dies nötig ist. Ich bitte eindringlich, die vor Ort angebrachten Sperrhinweise unbedingt genau zu beachten und auch notfalls Überzeugungsarbeit zu leisten, falls jemand von uns andere Leute treffen sollte, die sich nicht daran halten wollen. Die Sperrungen sind auf jeden Fall in dem festgelegten Umfang für den Bruterfolg der seltenen und sensiblen Tiere nötig.
Im Zusammenhang mit der Kletterkonzeption gelang im Dezember nun auch wieder die Wiederfreigabe des Wurmberg-Steinbruchs mit seinen sehr interessanten Klettermöglichkeiten im Eis und Fels für die Zeit von August bis einschließlich Januar. Dafür wurde der Abschluss eines Gestattungsvertrages mit dem Niedersächsischen Landesverband für Bergsteigen vereinbart. Wichtig ist hier ganz besonders, dass die Sperrzeit vom 1.Februar bis 31.Juli strikt beachtet wird und dass der Zugang zur Wand nur von unten über die alte Steinbruchzufahrt erfolgt.
Auf der Landesebene ist nach zwei Jahren Stagnation nun die Diskussion um die Kletterkonzeption in Gang gekommen. Sie fügt sich nahtlos in eine Serie von Initiativen zur Förderung eines Ökotourismus ein, über die bereits ein Ausschuss-Hearing stattgefunden hat. Wir hoffen, nun auch in absehbarer Zeit behördliche Zustimmung zur Kletterkonzeption erhalten zu können. Als nächster Schritt dorthin ist auf der Ebene der Bezirksregierungen eine Reihe von Runden Tischen vorgesehen.
Neben den Aktivitäten als Naturschutzreferent in Niedersachsen gibt es dieses Jahr auch Handlungsbedarf im Alpenraum. Dort sind im Pitztal als traditionellem Arbeitsgebiet der Sektion Braunschweig - unter cleverer Nutzung des Kapruner Unglücks mit dem Totschlagargument von "Notfallvorsorge"! - gleich zwei Hammerprojekte forciert worden:
Die Sektion kann sich nach unseren Erfahrungen bei solchen Plänen nicht engagieren, ohne seitens der Talgemeinde Repressialien zu gewärtigen. Dafür hat sich jedoch "Mountain Wilderness Deutschland" als eine vom Alpenverein unabhängige Lobbyorganisation für der Erhalt ursprünglicher Bergwelt dieser Sache angenommen. Am 6. April 2002 wurde von "Mountain Wilderness" vor der Gletscherbahn auf dem Gletscher von einer 17köpfigen Gruppe demonstriert. Mit großen in den Schnee gesteckten Transparenten und einem spektakulären Gleitschirmflug mit Transparent wurde in Anwesenheit von Journalisten und Kameraleuten die Forderung auf Beibehaltung des Gletscherschutzes und gegen die Ausweitung der Bahnen sichtbar gemacht. Dabei wurde die bestehende Pitztaler Gletscherbahn von den Demonstrierenden ausdrücklich akzeptiert und in keiner Weise in Frage gestellt. Trotzdem konnte sich das Management nicht entblöden, die Verteilung von Informationsblättern an Skifahrer unter Berufung auf ihr Hausrecht zu verbieten und auch die am Parkplatz an Autos verteilten Infoblätter wieder absammeln zu lassen. Von Stärke der Argumentation und Selbstsicherheit zeugt solch ein Verhalten nicht.
Zum Schluss danke ich noch einmal allen bei den Aktionen und Arbeitseinsätzen Mitwirkenden - und dem Vorstand der Sektion für die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit.
Richard Goedeke