Am 7.9.02,, um 19.00 Uhr trifft sich die 21-köpfige Wandergruppe im Tagungsraum des Hotels „Stiegl“ in Bozen. Frau Mader, die im Auftrag des Veranstalters tätig ist, und Wanderführer Wolfgang Henschel erläutern des Ablauf der morgen beginnenden Wanderung. Danach wollen wir noch gemeinsam in die Stadt zum Essen und dem dort gerade stattfindenden „Spectaculum“ (mittelalterliches Stadtfest) gehen, aber da es regnet, bleiben wir im Hotel und verbringen dort einen gemütlichen Abend.
1.Tag: Um 9.49 Uhr fahren wir mit dem Zug von Bozen nach Sigmundskron und beginnen
dort unsere Wanderung. Das Hauptgepäck wird vorausgebracht, und so haben
wir nur unsere Tagesrucksäcke dabei. Die Wegmarkierung bildet eine kleine
rote Traube, die oft schwer zu erkennen ist. Zunächst geht es durch Laubwald,
dann am Waldrand entlang mit schönem Blick ins Etschtal und auf die Mendel.
In Eppan-St.Pauls machen wir vor der Kirche Rast und lassen uns unsere mitgebrachte
Brotzeit zu den Klängen einer in der Nähe spielenden Blasmusik schmecken.
Weiter durch wunderschöne Obst-und Weingärten sehen wir Schloß
Korb und die Ruine Hocheppan.
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Blick auf Burg Warth in Eppan (Oberetsch)
Foto: Rolf Gerschler |
Unterwegs fällt uns ein Winzer inmitten seiner Weinstöcke auf, der
scheinbar nur mit einer blauen Schürze bekleidet ist! Alle rätseln,
ob er noch etwas darunter trägt. Durch den Torbogen eines malerischen alten
Bauernhofes erreichen wir einen Parkplatz, von wo es hinauf zur Burg Hocheppan
geht. Der Weg wird allmählich steiler und nach etwa ½ Stunde erreichen
wir die Burg. Wir stärker uns mit leckeren Tiroler Köstlichkeiten
und ¼ Roten. Von der Terrasse des Burgrestaurants werden wir mit einem
fantastischen Rundblick belohnt. Über einen steinigen, schmalen Waldweg
geht es jetzt hinunter nach Andrian. Es hat zu regnen begonnen, und da auch
zwischendurch die Sonne scheint, können wir, als der Wald sich lichtet,
einen wunderschönen Regenbogen beobachten, der sich genau über Andrian
spannt.
Beim gemeinsamen Abendessen in unserem Hotel am Dorfplatz können wir noch
in der Ferne den „Rosengarten“ im leuchtend roten Abendlicht bewundern.
2.Tag: Nach dem Frühstück geht es vom Dorfplatz steil hinauf und dann auf einem Waldweg mit vielen Eßkastanien in Richtung „Nals“. Wir durchqueren den hübschen Ort und blicken auf die hochgelegene Ruine Pfeffersburg. Am Ortsrand beginnt ein steiler, steinigen Pfad, der uns zum Restaurant „Unter Kasatsch“ führt. Oben angekommen, sind wir die einzigen Gäste. Wir machen es uns im Wirtshausgarten auf Liegestühlen bequem und genießen Südtiroler Spezialitäten. Nach der Rast geht es zunächst eine Asphaltstraße steil hinauf, aber bald nehmen uns wieder schöne Waldwege auf. Wir erreichen die kleine Kapelle „St.Christoph“. Als wir weiter durch Obstgärten wandern, schenkt ein Bauer unseren hübschen Damen, von denen er sehr angetan ist, Äpfel. Jede nimmt auch für den Partner einen mit. Über den mit Bildstöcken gesäumten steinigen Pilger-Weg erreichen wir Niederlana. Ein Teil der Gruppe besichtigt die Kirche mit dem berühmten „Schnatterpeck-Altar“, die anderen gehen gleich in ein nahe gelegenes Café und genießen Kaffee, Kuchen und Eis. Danach geht es am Obstbaummuseum vorbei steil hinauf zum Brandiser Waalweg. Waale sind künstliche Bewässerungsrinnen, die zumeist parallel zu einem Weg verlaufen und bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Nach kurzer Zeit, über teils am Feld angebrachte hölzerne Stege, erreichen wir „Lana“. Über eine den Falschauer Bach überquerende Brücke, die mit Fahnen und Grünem geschmückt ist, kommen wir zu unserem Hotel „Teiss Weißes Rößl“. Das Abendessen nehmen wir in einem nahegelegenen Restaurant ein.
3.Tag: Nachts hat es kräftig geregnet und beim Aufbruch ist der Himmel noch sehr wolkenverhangen, aber wir sind optimistisch und behalten recht, denn die Wolken reißen auf. Bald sind wir wieder auf dem Marlinger Waalweg und können Meran und Dorf Tirol vor uns sehen. Am Wegesrand steht ein Tisch mit 2 Traubensaftkanistern. Man kann sich für 40 Cent pro Becher selbst bedienen, was wir natürlich gerne annehmen. Der Weg verläuft fast eben. Wir kommen zu einer von einem kleinen Schaufelrad angetriebenen Wasserglocke. Wird der Wasserstand zu niedrig, hört die Wasserglocke auf zu schlagen und der „Waaler“ muß nach dem Rechten sehen.
Vom Wanderweg aus bieten sich immer wieder herrliche Ausblicke auf Meran mit der Pferderennbahn, die Texelgruppe und Dorf mit Schloß Tirol. Gegen Mittag gehen wir hinunter nach Algund. Über einen überdachten Steg, der über die Etsch führt, gelangen wir zur Ortsmitte mit einer modernen Kirche, die wir uns anschauen. Beide Seiten sind mit großen farbigen Glasfenstern versehen, durch die ein wunderschönes warmes Licht in den Innenraum fällt. Nach einer Rast auf Bänken vor der Kirche geht es auf einem von Wein und Zierkürbissen „überdachten“ Weg wieder hinauf zum Algunder Waalweg. Das Wasser am Wanderweg fließt jetzt in unsere Richtung, und mittlerweile läßt strahlender Sonnenschein uns die tolle Landschaft genießen. In dem Ort Gratsch biegen wir in die „Tappeiner Promenade“ ein, auf der es jetzt leicht abfallend nach Meran geht. Auf der Terasse des Cafés „Schlehdorf“ machen wir bei Eis, Kaffee und Kuchen noch eine kleine Rast, bevor es endgültig hinunter nach Meran geht. Durch Geschäftsstraßen und ein elegantes Wohngebiet mit prächtigen Villen gelangen wir zu unserem Hotel „Residence Flora“ in der Aprilstraße. Einige springen gleich in den Swimmingpool. Später gehen wir zum Restaurant „Rainer“, wo wir in einem gemütlichen mit Weinreben bepflanzten Innenhof mit dem Abendessen den Tag beenden. Es gefällt uns so gut, daß wir für den nächsten Abend wieder Tische reservieren lassen.
4.Tag: Gegen Morgen ist ein wunderschönes Glockenspiel zu hören und
das Rauschen, welches man zunächst für Regen hielt, ist der Fluß
„Passer“, die in der Nähe vorbeiströmt. Rolf hat schon
um 6 Uhr ein Bad im Pool genommen. Hildegard hat heute Geburtstag. Wir empfangen
sie zum Frühstück mit dem Lied „Viel Glück und viel Segen
...“. Da der heutige Tag zur freien Verfügung ist, trennt sich die
Gruppe. Wir fahren um 9 Uhr mit noch einigen Wanderfreunden mit dem Bus nach
Dorf Tirol. Es hat zu regnen begonnen, die Regenjacken und Schirme kommen zum
Einsatz, können aber bald darauf wieder in den Rucksäcken verschwinden.
Nach einem Abstecher zu der kleinen Kirche „St.Jacob“ mit alten
Fresken aus dem 9. Jahrhundert kommen wir an Schloß Tirol (z.Zt. eingerüstet)
und an sog. Erdpyramiden vorbei. Meran ist noch in Wolken gehüllt, nur
der Gantkofel“ ragt aus diesen heraus.
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Auf dem Meraner Höhenweg
Foto: Rolf Gerschler |
Nachdem wir uns wieder mit einem frisch gepreßten Traubensaft am Straßenrand
gestärkt haben, wandern wir nun einen zunächst sanft ansteigenden,
später steiler werdenden Höhenweg in Richtung Vellau. Nach ca. 2 Stunden
erreichen wir die Seilbahnstation, wo sich noch einige unserer Gruppe eingefunden
haben, die mit dem Bus hochgekommen sind.
Mit einer abenteuerlichen Seilbahn, die aus 2-er “Körben“ besteht,
auf die man aufspringen muß, fahren wir zur Bergstation auf 1550 m. Von
dort gelangen wir kurz darauf zur schön gelegenen Leiteralm, wo wir uns
bei leckerem Kaiserschmarrn, Speckbroten usw. unsere Mittagsrat gönnen.
Frisch gestärkt machen wir uns auf zum Abstieg auf dem Meraner Höhenweg
in Richtung „Muthöfe“. Der Weg verläuft über ein
Felsband, und rechts geht es z.T. recht steil hinunter. Bei den „Muthöfen“
fährt ein Teil der Gruppe mit der Seilbahn herunter, der Rest steigt den
Wanderweg ab nach Dorf Tirol.
Abends treffen wir uns alle wieder im Restaurant „Rainer“. Leider
können wir wegen des kühleren Wetters nicht im Innenhof sitzen; aber
die Gaststube ist auch sehr gemütlich. Das gute Essen, von einer netten
Kellnerin serviert, wiegt dieses wieder auf.
5.Tag: Um 8.45 Uhr gehen wir zu Bushaltestelle und fahren mit der Linie 1 A
zur Talstation der Ifinger Seilbahn. Mit dieser fahren wir dann mit Umsteigen
zur Bergstation auf 1905 m. Die schönen, urwüchsigen Haflinger Pferde
scheinen schon auf uns zu warten, um uns ein unvergessenes Bild (Foto) von sich
zu schenken. Zunächst geht es einen breiten Weg nach Falzeben (1600 m)
hinunter, vorbei an der „Zuegg-Hütte“, wo um diese Zeit (10
Uhr) schon eine Menge los ist.
Der weitere Weg führt uns durch Waldstücke und über Wiesen, wobei
wir oft Gatter mit interessanter Schließtechnik passieren. Schöne
Ausblicke, z.B. malerische Bauernhöfe vor der imposanten Bergkulisse, lassen
uns immer wieder zum Fotoapparat greifen. Über Hafling (1300 m) wandern
wir nun zur „Leadner Alm“ (1550 m). Dort genießen wir bei
einer rustikalen Brotzeit die schöne Bergluft.
Über Wirtschafts- und Waldwege folgen wir dem Wanderzeichen „M“
in Richtung Mölten. Unterwegs gibt es noch einen Schnaps von Hildegard.
Plötzlich verschwindet die Sonne, es wird dunkler, und es gibt einen kurzen
Hagelschauer. Aber der Spuk ist gleich vorbei. Die Sonne scheint wieder als
ob nichts gewesen wäre. Kurz nach 17 Uhr sind wir am Ziel, dem Gasthof
„Zum Hirschen“ in Mölten (1150 m). Die Zimmer sind einfacher,
und es finden nicht alle im Hause Platz. Aber schließlich ist die Quartierfrage
geklärt. Da im Gasthof Ruhetag ist, essen wir außerhalb. Nach dem
Essen gehen wir zurück in unser Quartier und sitzen mit unserer netten
Wirtin am Stammtisch. Sie erzählt uns aus ihrem Leben und würzt das
Ganze noch mit ein paar Witzen.
6.Tag: Nach einem gewaltigen Frühstück geht es um 9 Uhr in die letzte
Runde mit dem Aufstieg zum „Langfenn“(1530 m). Der Weg geht steil
bergan. Oben angekommen herrscht Nebel. Die schöne kleine Kirche ist verschlossen
und gewährt uns nur einen Blick ins Innere durch ein eingeschlagenes Fenster.
Nach kurzer Rast in einer schönen Bauernstube geht es dann überwiegend
bergab durch eine mit vielen Lärchen bestandenen, parkähnlichen Weidelandschaft
mit vielen Haflinger Pferden. Die Sonne setzt sich immer mehr durch und unterstreicht
das satte Weidegrün. Schließlich erreichen wir den Gasthof „Edelweiß“
und machen unsere Mittagseinkehr. Jetzt führt uns der Weg hinunter nach
„Jenesien“. Inzwischen herrscht gute Fernsicht mit schönem
Blick auf die Dolomiten.
Das letzte Stück von Jenesien (1150 m) nach Bozen (260 m) hinunter legen
wir mit der Seilbahn zurück, nur unsere Wanderfreundin Helga nimmt den
Fußweg. Um 17 Uhr treffen wir uns an der Rezeption des Hotels “Stiegl“,
um zu einer Weinprobe zu gehen. Nach einer ausführlichen, interssanten
Besichtigung der Großkellerei lädt die Winzerin zur eigentlichen
Weinprobe ein.
Den Abschluß des Abends bildet noch ein ausgzeichnetes Abendessen mit
gutem Wein im „Weißen Rössl“ in der Bindergasse.
Am nächsten Morgen trifft man sich noch beim letzten gemeinsamen Frühstück,
um danach mit dem Auto oder Zug die Heimreise anzutreten.
Eine schöne, harmonische Wanderwoche liegt hinter uns. Petrus hat es gut
mit uns gemeint, die Wanderapotheke kam nicht zum Einsatz. Wir haben viel vom
Land und seinen Leuten kennengelernt. Wir haben täglich ca. 20 km zurückgelegt;
das waren ca. 120 km in 6 Tagen.
Die herrlichen blumengeschmückten Bauern-und Winzerhöfe werden uns
noch lange in Erinnerung bleiben.
Dank gebührt hier noch einmal Wolfgang, der uns sicher und mit Begeisterung
durch die Wanderwoche führte und zusätzlich noch viel über Land
und Kultur zu erzählen wußte.
Wir haben uns gefreut, daß wir dabei sein konnten, Das Einfügen in
die nette Gruppe fiel uns nicht schwer.
Jürgen und Christina Zillig