Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2002/4
Wandergruppe

Eine Weinwanderung in Südtirol

Am 7.9.02,, um 19.00 Uhr trifft sich die 21-köpfige Wandergruppe im Tagungsraum des Hotels „Stiegl“ in Bozen. Frau Mader, die im Auftrag des Veranstalters tätig ist, und Wanderführer Wolfgang Henschel erläutern des Ablauf der morgen beginnenden Wanderung. Danach wollen wir noch gemeinsam in die Stadt zum Essen und dem dort gerade stattfindenden „Spectaculum“ (mittelalterliches Stadtfest) gehen, aber da es regnet, bleiben wir im Hotel und verbringen dort einen gemütlichen Abend.

1.Tag: Um 9.49 Uhr fahren wir mit dem Zug von Bozen nach Sigmundskron und beginnen dort unsere Wanderung. Das Hauptgepäck wird vorausgebracht, und so haben wir nur unsere Tagesrucksäcke dabei. Die Wegmarkierung bildet eine kleine rote Traube, die oft schwer zu erkennen ist. Zunächst geht es durch Laubwald, dann am Waldrand entlang mit schönem Blick ins Etschtal und auf die Mendel. In Eppan-St.Pauls machen wir vor der Kirche Rast und lassen uns unsere mitgebrachte Brotzeit zu den Klängen einer in der Nähe spielenden Blasmusik schmecken. Weiter durch wunderschöne Obst-und Weingärten sehen wir Schloß Korb und die Ruine Hocheppan.

Burg Warth
Blick auf Burg Warth in Eppan (Oberetsch)
Foto: Rolf Gerschler

Unterwegs fällt uns ein Winzer inmitten seiner Weinstöcke auf, der scheinbar nur mit einer blauen Schürze bekleidet ist! Alle rätseln, ob er noch etwas darunter trägt. Durch den Torbogen eines malerischen alten Bauernhofes erreichen wir einen Parkplatz, von wo es hinauf zur Burg Hocheppan geht. Der Weg wird allmählich steiler und nach etwa ½ Stunde erreichen wir die Burg. Wir stärker uns mit leckeren Tiroler Köstlichkeiten und ¼ Roten. Von der Terrasse des Burgrestaurants werden wir mit einem fantastischen Rundblick belohnt. Über einen steinigen, schmalen Waldweg geht es jetzt hinunter nach Andrian. Es hat zu regnen begonnen, und da auch zwischendurch die Sonne scheint, können wir, als der Wald sich lichtet, einen wunderschönen Regenbogen beobachten, der sich genau über Andrian spannt.
Beim gemeinsamen Abendessen in unserem Hotel am Dorfplatz können wir noch in der Ferne den „Rosengarten“ im leuchtend roten Abendlicht bewundern.

2.Tag: Nach dem Frühstück geht es vom Dorfplatz steil hinauf und dann auf einem Waldweg mit vielen Eßkastanien in Richtung „Nals“. Wir durchqueren den hübschen Ort und blicken auf die hochgelegene Ruine Pfeffersburg. Am Ortsrand beginnt ein steiler, steinigen Pfad, der uns zum Restaurant „Unter Kasatsch“ führt. Oben angekommen, sind wir die einzigen Gäste. Wir machen es uns im Wirtshausgarten auf Liegestühlen bequem und genießen Südtiroler Spezialitäten. Nach der Rast geht es zunächst eine Asphaltstraße steil hinauf, aber bald nehmen uns wieder schöne Waldwege auf. Wir erreichen die kleine Kapelle „St.Christoph“. Als wir weiter durch Obstgärten wandern, schenkt ein Bauer unseren hübschen Damen, von denen er sehr angetan ist, Äpfel. Jede nimmt auch für den Partner einen mit. Über den mit Bildstöcken gesäumten steinigen Pilger-Weg erreichen wir Niederlana. Ein Teil der Gruppe besichtigt die Kirche mit dem berühmten „Schnatterpeck-Altar“, die anderen gehen gleich in ein nahe gelegenes Café und genießen Kaffee, Kuchen und Eis. Danach geht es am Obstbaummuseum vorbei steil hinauf zum Brandiser Waalweg. Waale sind künstliche Bewässerungsrinnen, die zumeist parallel zu einem Weg verlaufen und bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Nach kurzer Zeit, über teils am Feld angebrachte hölzerne Stege, erreichen wir „Lana“. Über eine den Falschauer Bach überquerende Brücke, die mit Fahnen und Grünem geschmückt ist, kommen wir zu unserem Hotel „Teiss Weißes Rößl“. Das Abendessen nehmen wir in einem nahegelegenen Restaurant ein.

3.Tag: Nachts hat es kräftig geregnet und beim Aufbruch ist der Himmel noch sehr wolkenverhangen, aber wir sind optimistisch und behalten recht, denn die Wolken reißen auf. Bald sind wir wieder auf dem Marlinger Waalweg und können Meran und Dorf Tirol vor uns sehen. Am Wegesrand steht ein Tisch mit 2 Traubensaftkanistern. Man kann sich für 40 Cent pro Becher selbst bedienen, was wir natürlich gerne annehmen. Der Weg verläuft fast eben. Wir kommen zu einer von einem kleinen Schaufelrad angetriebenen Wasserglocke. Wird der Wasserstand zu niedrig, hört die Wasserglocke auf zu schlagen und der „Waaler“ muß nach dem Rechten sehen.

Vom Wanderweg aus bieten sich immer wieder herrliche Ausblicke auf Meran mit der Pferderennbahn, die Texelgruppe und Dorf mit Schloß Tirol. Gegen Mittag gehen wir hinunter nach Algund. Über einen überdachten Steg, der über die Etsch führt, gelangen wir zur Ortsmitte mit einer modernen Kirche, die wir uns anschauen. Beide Seiten sind mit großen farbigen Glasfenstern versehen, durch die ein wunderschönes warmes Licht in den Innenraum fällt. Nach einer Rast auf Bänken vor der Kirche geht es auf einem von Wein und Zierkürbissen „überdachten“ Weg wieder hinauf zum Algunder Waalweg. Das Wasser am Wanderweg fließt jetzt in unsere Richtung, und mittlerweile läßt strahlender Sonnenschein uns die tolle Landschaft genießen. In dem Ort Gratsch biegen wir in die „Tappeiner Promenade“ ein, auf der es jetzt leicht abfallend nach Meran geht. Auf der Terasse des Cafés „Schlehdorf“ machen wir bei Eis, Kaffee und Kuchen noch eine kleine Rast, bevor es endgültig hinunter nach Meran geht. Durch Geschäftsstraßen und ein elegantes Wohngebiet mit prächtigen Villen gelangen wir zu unserem Hotel „Residence Flora“ in der Aprilstraße. Einige springen gleich in den Swimmingpool. Später gehen wir zum Restaurant „Rainer“, wo wir in einem gemütlichen mit Weinreben bepflanzten Innenhof mit dem Abendessen den Tag beenden. Es gefällt uns so gut, daß wir für den nächsten Abend wieder Tische reservieren lassen.

4.Tag: Gegen Morgen ist ein wunderschönes Glockenspiel zu hören und das Rauschen, welches man zunächst für Regen hielt, ist der Fluß „Passer“, die in der Nähe vorbeiströmt. Rolf hat schon um 6 Uhr ein Bad im Pool genommen. Hildegard hat heute Geburtstag. Wir empfangen sie zum Frühstück mit dem Lied „Viel Glück und viel Segen ...“. Da der heutige Tag zur freien Verfügung ist, trennt sich die Gruppe. Wir fahren um 9 Uhr mit noch einigen Wanderfreunden mit dem Bus nach Dorf Tirol. Es hat zu regnen begonnen, die Regenjacken und Schirme kommen zum Einsatz, können aber bald darauf wieder in den Rucksäcken verschwinden. Nach einem Abstecher zu der kleinen Kirche „St.Jacob“ mit alten Fresken aus dem 9. Jahrhundert kommen wir an Schloß Tirol (z.Zt. eingerüstet) und an sog. Erdpyramiden vorbei. Meran ist noch in Wolken gehüllt, nur der Gantkofel“ ragt aus diesen heraus.

Meraner Höhenweg
Auf dem Meraner Höhenweg
Foto: Rolf Gerschler

Nachdem wir uns wieder mit einem frisch gepreßten Traubensaft am Straßenrand gestärkt haben, wandern wir nun einen zunächst sanft ansteigenden, später steiler werdenden Höhenweg in Richtung Vellau. Nach ca. 2 Stunden erreichen wir die Seilbahnstation, wo sich noch einige unserer Gruppe eingefunden haben, die mit dem Bus hochgekommen sind.
Mit einer abenteuerlichen Seilbahn, die aus 2-er “Körben“ besteht, auf die man aufspringen muß, fahren wir zur Bergstation auf 1550 m. Von dort gelangen wir kurz darauf zur schön gelegenen Leiteralm, wo wir uns bei leckerem Kaiserschmarrn, Speckbroten usw. unsere Mittagsrat gönnen. Frisch gestärkt machen wir uns auf zum Abstieg auf dem Meraner Höhenweg in Richtung „Muthöfe“. Der Weg verläuft über ein Felsband, und rechts geht es z.T. recht steil hinunter. Bei den „Muthöfen“ fährt ein Teil der Gruppe mit der Seilbahn herunter, der Rest steigt den Wanderweg ab nach Dorf Tirol.
Abends treffen wir uns alle wieder im Restaurant „Rainer“. Leider können wir wegen des kühleren Wetters nicht im Innenhof sitzen; aber die Gaststube ist auch sehr gemütlich. Das gute Essen, von einer netten Kellnerin serviert, wiegt dieses wieder auf.

5.Tag: Um 8.45 Uhr gehen wir zu Bushaltestelle und fahren mit der Linie 1 A zur Talstation der Ifinger Seilbahn. Mit dieser fahren wir dann mit Umsteigen zur Bergstation auf 1905 m. Die schönen, urwüchsigen Haflinger Pferde scheinen schon auf uns zu warten, um uns ein unvergessenes Bild (Foto) von sich zu schenken. Zunächst geht es einen breiten Weg nach Falzeben (1600 m) hinunter, vorbei an der „Zuegg-Hütte“, wo um diese Zeit (10 Uhr) schon eine Menge los ist.
Der weitere Weg führt uns durch Waldstücke und über Wiesen, wobei wir oft Gatter mit interessanter Schließtechnik passieren. Schöne Ausblicke, z.B. malerische Bauernhöfe vor der imposanten Bergkulisse, lassen uns immer wieder zum Fotoapparat greifen. Über Hafling (1300 m) wandern wir nun zur „Leadner Alm“ (1550 m). Dort genießen wir bei einer rustikalen Brotzeit die schöne Bergluft.
Über Wirtschafts- und Waldwege folgen wir dem Wanderzeichen „M“ in Richtung Mölten. Unterwegs gibt es noch einen Schnaps von Hildegard. Plötzlich verschwindet die Sonne, es wird dunkler, und es gibt einen kurzen Hagelschauer. Aber der Spuk ist gleich vorbei. Die Sonne scheint wieder als ob nichts gewesen wäre. Kurz nach 17 Uhr sind wir am Ziel, dem Gasthof „Zum Hirschen“ in Mölten (1150 m). Die Zimmer sind einfacher, und es finden nicht alle im Hause Platz. Aber schließlich ist die Quartierfrage geklärt. Da im Gasthof Ruhetag ist, essen wir außerhalb. Nach dem Essen gehen wir zurück in unser Quartier und sitzen mit unserer netten Wirtin am Stammtisch. Sie erzählt uns aus ihrem Leben und würzt das Ganze noch mit ein paar Witzen.

6.Tag: Nach einem gewaltigen Frühstück geht es um 9 Uhr in die letzte Runde mit dem Aufstieg zum „Langfenn“(1530 m). Der Weg geht steil bergan. Oben angekommen herrscht Nebel. Die schöne kleine Kirche ist verschlossen und gewährt uns nur einen Blick ins Innere durch ein eingeschlagenes Fenster. Nach kurzer Rast in einer schönen Bauernstube geht es dann überwiegend bergab durch eine mit vielen Lärchen bestandenen, parkähnlichen Weidelandschaft mit vielen Haflinger Pferden. Die Sonne setzt sich immer mehr durch und unterstreicht das satte Weidegrün. Schließlich erreichen wir den Gasthof „Edelweiß“ und machen unsere Mittagseinkehr. Jetzt führt uns der Weg hinunter nach „Jenesien“. Inzwischen herrscht gute Fernsicht mit schönem Blick auf die Dolomiten.
Das letzte Stück von Jenesien (1150 m) nach Bozen (260 m) hinunter legen wir mit der Seilbahn zurück, nur unsere Wanderfreundin Helga nimmt den Fußweg. Um 17 Uhr treffen wir uns an der Rezeption des Hotels “Stiegl“, um zu einer Weinprobe zu gehen. Nach einer ausführlichen, interssanten Besichtigung der Großkellerei lädt die Winzerin zur eigentlichen Weinprobe ein.
Den Abschluß des Abends bildet noch ein ausgzeichnetes Abendessen mit gutem Wein im „Weißen Rössl“ in der Bindergasse.
Am nächsten Morgen trifft man sich noch beim letzten gemeinsamen Frühstück, um danach mit dem Auto oder Zug die Heimreise anzutreten.

Eine schöne, harmonische Wanderwoche liegt hinter uns. Petrus hat es gut mit uns gemeint, die Wanderapotheke kam nicht zum Einsatz. Wir haben viel vom Land und seinen Leuten kennengelernt. Wir haben täglich ca. 20 km zurückgelegt; das waren ca. 120 km in 6 Tagen.
Die herrlichen blumengeschmückten Bauern-und Winzerhöfe werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Dank gebührt hier noch einmal Wolfgang, der uns sicher und mit Begeisterung durch die Wanderwoche führte und zusätzlich noch viel über Land und Kultur zu erzählen wußte.
Wir haben uns gefreut, daß wir dabei sein konnten, Das Einfügen in die nette Gruppe fiel uns nicht schwer.

Jürgen und Christina Zillig

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.2. November 2002