Zwischen dem Jugendumweltbüro Hannover und dem „Youth Club der Vilnius Nature Protection Society“ in Litauen besteht seit mehreren Jahren ein aktiver Jugendaustausch: Im Rahmen gemeinsamer Projekte wurden bereits mehrere Naturschutzworkcamps in Deutschland und Litauen durchgeführt, beispielsweise der Bau von Informationstafeln und Naturerlebniswegen zu umweltpädagogischen Zwecken in einem Naturreservat am Stadtrand von Vilnius. Unvergessen bleiben auch eine gemeinsame Bergwanderung in den Berchtesgadener Alpen und gemeinsame Arbeitseinsätze im gerade neu entwickelten Alpengarten des Nationalparks, um insbesondere jüngere Besucher an die Natur der Berge und deren Schutz heranzuführen.
Bereits zur Jahrtausend-Silvesterfeier auf der Torfhaushütte reisten vier junge Litauer und Litauerinnen an, die den Harz bereits von einem Naturschutzworkcamp im Somer 1998 kannten; die fröhliche Feier bis zum frühen Morgen 2000 bei winterlichen Außentemperaturen hatte alle so beeindruckt, dass es nicht die letzte Begegnung auf der gemütlichen DAV-Hütte in Torfhaus bleiben sollte: Es reifte die Idee heran, vom 3. – 12. Oktober 2002 mit insgesamt 12 jungen Naturschützern aus Deutschland und Litauen ein Seminar und zugleich ein erneutes Workcamp im Harz zu veranstalten, um den jungen Teilnehmern (u. a. BiologiestudentInnen, Mitarbeiterinnen in litauischen Nationalparks, einem künftigen Forstwirt sowie deutschen Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres und ehrenamtlichen Jugendgruppenleitern) die Natur, Kultur und Geschichte sowie die Nationalparke des Harzes näherzubringen.
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Abendliche Sitzung im Brockenzimmer
in der Torfhaushütte
Foto: Kersten Gassmann |
Am 3. Oktober reisten die sechs Gäste aus dem Raum Vilnius per Fernbus in Hannover an, zusammen mit den deutschen Teilnehmern ging´s dann gleich weiter per Kleinbus und PKW in den Oberharz, wo Jutta und Helmut Gödecke die folgenden neun Tage und Abende dafür sorgen sollten, dass es an nichts mangelte und gerade abends bei fabelhafter Verpflegung und Atmosphäre im Brockenzimmer optimale Verhältnisse für den Austausch der jungen TeilnehmerInnen untereinander möglich waren.
Die folgenden Tage waren von früh bis zum Sonnenuntergang mit Programm
ausgefüllt:
Es fanden Arbeitseinsätze und waldkundliche Führungen mit dem Revierförster
von Zellerfeld statt und umfangreiche Exkursionen gemeinsam mit dem Pressesprecher
des (niedersächsischen) Nationalparks; im Nationalparkhaus „Samsoner
Erzwäsche“ wurde die „Wildnisidee“ und die Entstehung
der Harzer Nationalparke vorgestellt und das Auerhuhngehäge in Lonau besucht.
Die Folgen des Bergbaus für die Natur und Kultur des Harzes konnten anschaulich
im „Stollen Samson“, im Bergwerkmuseum in Clausthal, am Rammelsberg
Goslar, aber auch oberhalb von Oker mit Blick auf schwermetallhaltige Halden
bzw. Wasserflächen demonstriert werden. Das Management des Nationalparks
(insbesondere Besucherlenkung und Öffentlichkeitsarbeit) wurde im Rahmen
mehrerer Exkursionen im Sieber- und Odertal, am Eckerstausee und Luchsgehege
an den Raabeklippen sowie der obligatorischen Brockenwanderung erklärt.
Am Südharz wurden das geplante Biosphärenreservat und die Problematik
des Gipsabbaus sowie die Rhumequelle und die Einhornhöhle vorgestellt.
Dazu wurden begleitend das Grenzlandmuseum in Tettenborn über die Geschichte der innerdeutschen Grenzziehung und das ehemalige KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen besichtigt. Von insbesondere diesen beiden Orten waren alle Teilnehmer zutiefst beeindruckt, eine junge Litauerin verglich die Situation mit der ehemaligen sowjetischen Okkupation ihres Heimatlandes und äußerte spontan: „Wie können Deutsche, gerade untereinander, nur so grausam sein?“.
Als Kontrast zu diesem sehr ernsthaftigen Programm kamen aber auch die landschaftlichen, geschichtlichen und kulturellen Besonderheiten des Harzes nicht zu kurz: Stadtbesichtigungen in Goslar und Stolberg, eine Fahrt mit der Selketalbahn, Burg Falkenstein sowie das Bode- und Selketal rundeten das Programm ab und nicht zu vergessen ein abendliches Quiz gegen Ende des Workcamps, in dem viele zuvor bekanntgegebenen Informationen wieder abgefragt wurden (z. B. die Namen der Luchse des Schaugehäges, Höhe des Brockenmoores, „wer befreite das KZ Dora-Mittelbau ?“ usw., aber z. B. auch „welchen Vorname hat Juttas Ehemann ?“, „wann wurde Deutschland wiedervereinigt ?“...). Die ersten Sieger bekamen Nationalparkspiele, der Gewinner zusätzlich eine Flasche „Brockenfeuer“.
Zusammenfassend kann man sagen, dass speziell die litauischen Gäste stark vom Harz und natürlich der Gastfreundschaft und der Atmosphäre in der Torfhaushütte beeindruckt waren und dass alle Teilnehmer umfangreiches Fachwissen und tiefe menschliche Eindrücke über den grenzüberschreitenden Austausch mit nach Hause nehmen konnten.
Für die Unterstützung dieser Internationalen Jugendbegegnung in der DAV-Hütte im Torfhaus durch den Vorstand der Sektion Braunschweig sowie das Ehepaar Gödecke möchte ich mich nochmals sehr herzlich bedanken !
Karsten Gastmann
(Sektionsmitglied u. ehrenamtlicher Jugendgruppenleiter beim Jugendumweltbüro
Hannover)