Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2003/2
Hochtourengruppe

Von der Rotwandlspitze bis zur Hohen Wilde

Von Mittenwald nach Meran - eine Alpenüberquerung mit dem Summit-Club

1.Tag (Samstag, der 06.Juli 2002)

Ich steige in den Zug, morgens um 7.56 Uhr in Braunschweig Hbf., einen ICE nach Mittenwald, Ankunft 14.08 Uhr. Es regnet in Strömen. Ab ca. 15.00 Uhr wird es freundlicher. Ich habe mich in einer Jugendherberge vorher telefonisch angemeldet. Sie liegt jedoch 4 km nördlich von Mittenwald. Doch für mich allein und älter als 27 Jahre besteht leider nicht die Möglichkeit dort zu übernachten........... Also wandere ich wieder zurück nach Mittenwald , wo am nächsten Tag die Tour starten wird. Ich bin als erster von der Wandertruppe angekommen und kenne noch niemanden von den Leuten, mit denen ich die Alpen überqueren werde. Im Gasthof Stern ist meine erste Übernachtung, Zimmer mit warmer Dusche und einem kuscheligen Bett.

2.Tag (Sonntag, der 07.Juli 2002)

Am Vormittag besichtige ich Mittenwald und besteige den 1.391 m hohen Kranzberg.. Um 15.00 Uhr ist es endlich soweit. Die Wandergruppe trifft sich im Gasthof Stern. Insgesamt sind wir zehn Personen und ein Bergführer. Um 16.00 wandern wir los. Wir haben 650 Hm zu steigen. Noch sind die Wege einfach, außer einem kleinen Leitersteig und der Hühnerleiter. Nach vier Stunden Gehzeit erreichen wir die 1560 m hoch gelegene Brunnsteinhütte der DAV-Sektion Mittenwald. Hier haben wir Zeit, uns miteinander näher bekanntzumachen.

3. Tag (Montag, der 08.Juli 2002)

Wir starten morgens um 7.30 Uhr mit der Wanderung hinauf zur Rotwandlspitze (2192 m), überqueren die deutsch-österreichische Grenze und kommen zur Brunnsteinspitze (2179 m). Wir genießen den Weitblick auf das Wetterstein- und Karwendelgebirge und auf Leutasch und Seefeld in Tirol. Danach beginnt ein steiler Abstieg von 1200 Hm.. Die Alpenrosen blühen und die Latschenkiefern duften. Nach ca. 4 Stunden erreichen wir Scharnitz in Tirol. Weiter geht es mit dem Taxi zur Möslalm, der nächsten Hütte in der wir übernachten. Ich wäre lieber durch das Gleirschtal hinauf gewandert.

4. Tag (Dienstag, der 09.Juli 2002)

Wir verlassen die Möslalm in Richtung Kristental.. Vorbei an der Kristenalm, durch den Jöchlwald und über die Erlalm wandern wir aufwärts zum Solsteinhaus (1806 m) und steigen weiter auf die Erlspitze (2406 m). Wir haben eine wunderbare Sicht bis nach Mittenwald. Anschließend steigen wir zur Hütte zurück zum Abendessen und Übernachten.

5. Tag (Mittwoch, der 10. Juli 2002)

Wir steigen ab vom Solsteinhaus über Kalkgestein, vorbei an Zirbelkiefern und Kriech- wacholder, ähnlich wie in der Lüneburger Heide, bis zum Bahnhof Hochzirl. Von dort aus fahren wir wieder ein Stück mit dem Bustransfer zunächst ins Städtchen Zirl zum kurzen Shopping und dann ca. 30 km weiter über den Inn, über Kematen nach Praxmar. Von dort steigen wir 650 Hm hinauf zum Westfalenhaus (2272 m) der Sektion Münster. Auf dem Weg dorthin blicken wir auf den Lisenser Fernerkogel, einem 2976 m hohen Berg, von dem ein Wasserfall herunterrauscht. Kurz vor Ankunft am Westfalenhaus fängt es an zu regnen. Später zieht dichter Nebel auf, sodass wir nur noch ca. 2 m Sicht haben.

6.Tag (Donnerstag, der 11.Juli 2002)

Im immer noch dichten Nebel setzen wir unsere Wanderung fort. Wir müssen 1070 Hm aufsteigen zum Winnebachjoch (2788 m) und danach wieder 980 Hm hinab über das Winnebachkar zur Winnebachseehütte. Sie liegt in 2362 m Höhe am Winnebachsee, einem See aus Schmelzwasser, der wegen seiner hellblauen Farbe zum Baden einlädt. Nachdem das Wetter später aufklart, steigen wir noch auf den Gipfel des 2915 m hohen Gänsekragen.

7. Tag (Freitag, der 12 Juli 2002)

Wir verlassen die Winnebachseehütte und steigen im Winnebachtal 850 Hm bergab nach Gries. Dort rasten wir kurz bei einem Eis, bevor es mit einem Taxi weitergeht über Sölden und Obergurgl bis zum Timmelsjoch (2509 m). Am Timmelsjoch ist noch das ehemalige Zollamt zu erkennen, denn wir befinden uns jetzt schon an der Grenze zwischen Österreich und Italien. Hier blicken wir auf die Wildspitze (3774 m), dem zweithöchsten Berg Österreichs. Dann überqueren wir die Grenze zu Italien, steigen ca. 1500 Hm bergab durch das Passeirer Timmelstal. Vorbei an einer Wiese mit Alpenastern entdecken wir endlich das erste Edelweiß. Noch am frühen Nachmittag erreichen wir das Hochfirst-Wirtshaus (1860 m) mit Blick auf die Seewertaler Alpen. Das Wirtshaus ist nun keine Hütte, sondern ein kleines Hotel mit warmen Betten und warmer Dusche. Nachts zieht ein kräftiges Gewitter auf, doch ich merke nichts davon, weil ich in dem Wirtshaus friedlich schlafe und mich vom Gewitter nicht stören lasse. .

8. Tag (Samstag, der 13. Juli 2002)

Vom Wirtshaus Hochfirst gehen wir ca. 300 Hm hinunter ins Seewertal. Es beginnt zu regnen. Als wir an einem Bauernhaus vorbeikommen, werden wir von einer Herde Ziegen verfolgt. Etwas höher liegt der Scheibsee, ein See aus Gletscherschmelze, aus dem ein Bach fließt und über den eine Holzbrücke führt. Diese Brücke ist ziemlich nass und rutschig geworden vom Regen. Unser Bergführer spannt ein Seil über sie und wir können sie problemlos überqueren. Danach erfolgt der Aufstieg auf das Rauhjoch. Nun sind wir auf dem Touristensteig. Hier müssen wir uns manchmal an Ketten festhalten. Dann zieht erneut ein starkes Gewitter heran, zunächst mit Regen, später mit Hagel, weiter oben fällt Schnee. Je höher wir steigen, desto kälter wird es. Oben an der Zwickauer Hütte (2.989 m) bleibt der Schnee sogar liegen. Wir haben fast alle Regenkleidung an, doch zum Schluss sind wir, besonders vom Schweiß, naß bis auf die Haut. Warme Getränke und Speisen machen uns schnell wieder fit.

9. Tag (Sonntag, der 14. Juli 2002)

Der Schnee von gestern ist in der Nacht wieder geschmolzen, zumindest an der Zwickauer Hütte. Unser Bergführer sagt, dass die Hohe Wilde wegen Schnee und Wolken nicht zu besteigen ist. Schade, wir wären so gerne auf die Hohe Wilde gestiegen. So gehen wir in der Nähe der Zwickauer Hütte wenigstens auf den Selkogel, bis wir die 3000 m Höhe erreichen. Wir wagen uns wegen der Schneemassen nicht bis zum Gipfel und kehren um.
Dann machen wir uns auf den Weg über den Pfelderer Höhenweg, die Ostflanke des Gurgler Kamms, in Richtung Stettiner Hütte. Wieder sind wir auf Wegen, wo wir uns an Ketten festhalten müssen. Dieser Steig führt uns durch Gletscher, durch einen Wasserfall und über steile Hänge. Doch die letzten 2 Kilometer vor der Stettiner Hütte ist ein relativ breiter gut ausgebauter Weg. Er wurde im 2. Weltkrieg für Krads und Mulis gebaut. Dann kommen wir an der Stettiner Hütte (2876 m) an. Wir steigen , da wir immer noch nicht auf die Hohe Wilde können über das Eisjöchl (2908 m) auf die kleine Grafspitze (3002 m). Wir kehren zurück zur Hütte, essen unser Abendessen und verbringen die letzte Nacht auf einer Berghütte.


10. Tag (Montag, der 15. Juli 2002)

Wir verabschieden uns von der Stettiner Hütte, gehen noch einmal über das Eisjöchl und dann abwärts in Richtung Eishof durch das botanisch reizvolle Pfossental, wo wir 2 Murmeltiere beobachten, bis zur Jägerrast. Und da ist jetzt unsere Alpenüberquerung zu Ende.

Von dort aus geht es weiter mit dem Taxi nach Meran ins Hotel, das direkt am Fluss Passeirer liegt. Später bummeln wir ein Stück durch das Stadtzentrum. Die Stadt bietet einigermaßen italienisches Ambiente, zumindest am alten Kurhaus, Baujahr 1912 oder an einer alten Brücke über die Passeirer. Abends gibt es bei uns im Hotel noch etwas Köstliches zu essen und noch später gehen wir noch einmal in die Stadt, um noch Wein zu trinken. Als wir zum Hotel zurückkehren, beginnt es wieder zu regnen. Die Nacht im Hotel ist herrlich zu schlafen.

Abreise in Meran
Die Summit-Gruppe bei der Abreise auf dem Bahnhof von Meran (2. v. l. Arne Günther)
Foto:Arne Günther

11. Tag (Dienstag, der 16. Juli 2002)

Wir verlassen das Hotel und gehen zum Bahnhof. Mit der Bahn beginnt die Heimreise von Meran über Bozen – Innsbruck – München – Hannover nach Braunschweig.

Arne Günther

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.13. Mai 2003