Auch in diesem Jahr zog es die Skifanatiker unserer Klettergruppe und ihre
schweizer Verstärkung (Grüazi Dirk und Katrin!) wieder in
die winterlichen Alpen. Das St. Anton für Skitourengeher war unserer Ziel:
St. Antönien (1400 m).
Da uns leider dieses Jahr ein abenteuerlicher Hüttenanstieg mit viel Gepäck
verwehrt blieb, trudelten wir so nach und nach, bepackt mit Säcken, Kisten
und diversen Skivariationen in unserem Hotel (mit Sauna!) ein und trafen uns
abends zum Vier-Gänge-Menü mit jeder Menge unverbrauchter Kraft und
großen Gipfelambitionen.
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"Paukerin"
Anja auf ihrem Weg zum Hasenflüeli
Foto: M. Körner |
Bei Sonne machten wir uns am ersten Morgen zum nahe gelegenen Hasenflüeli
auf. Da die Tour sehr beliebt ist, folgten wir der vorhandenen Spur bis auf
2412 Meter. Die letzten Meter stellten doch noch leichte alpine Anforderungen
aber glücklich und die letzten Sonnenstrahlen genießend bezwangen
wir den Gipfel.
Die erste Abfahrt war nur eine müde Vorahnung auf den Traumschnee, der
uns in den kommenden Tagen noch erwartete. Dennoch schlugen sich alle bei ihren
ersten Pistenmetern recht souverän. Auch unser Marius alias „Kamikaze-Super-Mario“,
der als fast blutiger Anfänger den Rufen unseres Bosses (Matthias) gefolgt
war, kam doch relativ elegant den Hang hinunter und bewies, dass Stürzen
durchaus eine effektive Bremstechnik sein kann. (Super Marius!) Während
die Elite unserer Gruppe (Boss, schweizer Skihasen, the mashine, Lehrerin1)
sich in Hoffnung Pulverschnee erneut den Anstrengungen des Aufstieges hingab
und noch in Richtung Eckberg (2202 m) aufbrach, genossen die anderen die letzten
Abfahrtsmeter Richtung ... Sauna!
Aber, was ist eine Sauna ohne Marius? Sicherlich nicht mehr als eine Skitour
ohne Pulverschnee, denn ohne ihn wären uns die unzähligen Aufgüsse,
die die Sauna des öfteren in ein Dampfbad verwandelten, entgangen und das
Saunen wäre nur halb so schön gewesen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es bei Schneetreiben aber
relativ guter Sicht zunächst zum Pistenaufstieg am weltberühmten Junkerlift.
Die Bedingungen und das Gelände waren optimal für die obligatorische
Piepssuche: Alte Piepse und neue Tracker wurden erfinderisch im Schnee vergraben
und mal langsamer (mit Hilfe der Piepse), mal schneller (ein Tracker ist doch
sicherer!) ausgebuddelt. Nur einer nicht, denn Kamikaze-Super-Mario war mal
wieder am Werk!
Nachdem Matthias mehrfach andere Tourengeher anstatt des vergrabenen Pieps gefunden
hatte, war in weiter Ferne ein jämmerlicher Hilferuf zu hören. Gemeinsam
suchten wir und setzten unser Fachwissen ein, um das arme Pieps endlich zu retten.
Nachdem eine tiefe Mulde freigeschaufelt war und wir im Morast versanken, schien
die Suche aussichtslos. Neue Strategien wurden diskutiert und immer wieder hörten
wir auf die Hilferufe des Pieps, das doch der Sektion gehörte! Endlich
fanden wir es, mitten im sumpfig-nassen Bachbett. Beinahe wäre es ertrunken!
Wer hätte das gedacht, dass man in einer Lawine auch ertrinken kann. Nachdem
das Gerät entwässert war, funktionierte es zum Glück wieder einwandfrei.
Weiter ging es dann bei besser werdenden Wetterverhältnissen bergauf, bergab
hinauf zum Chrüz (2196 m). Der Neuschnee sah super aus! Wo blieb denn nur
unser Telemarker (Jens), der mit seinen zwei „Surfbrettern“ auf
den richtigen Kick bei der Pulverschneeabfahrt wartete? Teletubbies leiden anscheinend
oft unter Fellproblemen, zumindest musste unser zu Fuß die letzten Gipfelmeter
zurücklegen.
Der Abfahrt sahen wir angesichts zahlreicher Gegenanstiege zunächst etwas
skeptisch entgegen. Aber auch hier hatte unser Boss schon wieder eine geniale
Alternative herausgetüftelt: 1400 Meter Abfahrt durch unberührte Neuschneehänge,
unter Zäunen hindurch, über Straßen hinweg und durch Gärten
ging es hinunter bis in den Talort Küblis. Ein Pulvertraum für jeden
Skifahrer und Teletubby, solange der Vordermann schon die verdeckten Steine
freikratzte!
Bei anfänglich recht eisigen Temperaturen stiegen wir auf die Gierenspitz
(2369 m), die wir gegen Mittag erreichten, leider aber mit zahlreichen anderen
Skifahrern teilen mussten. Von hier aus hatte man einen einzigartigen Ausblick
auf die umliegende Bergwelt. Recht bald stürzten wir uns deshalb in die
Pulverschneehänge, welch ein Gaudi!
Leider erwartete uns weiter unten immer schwerer werdender Schnee, da die Temperaturen
frühlingshafte Werte erreichten. Nach etwa 560 Höhenmetern entschieden
wir uns die restlichen Kraftreserven auch noch aufzubrauchen und brachen in
Richtung Schafberg (2456 m) auf. Schließlich war das Tagespensum bei weitem
noch nicht erfüllt! (unter 1300 Höhenmetern braucht man doch gar nicht
erst anzufangen!)
Schwitzend zogen wir in der Nachmittagssonne erneut bergauf, die Pulverschneehänge
bereits im Blick. Aber 700 Höhenmeter sind für einen zweiten Anstieg
doch sehr viel. So drehten Philippe und ich unterhalb des Gipfels um und hatten
so zumindest einen unberührten Tiefschneehang zum Austoben. Auch der Teletubby
gab kurz vorm Ziel auf und warte auf die Gipfelstürmer (Matthias, Petra,
Dirk und Burkhard). Die Tagesleistung war erreicht und eine erneute Traumabfahrt
(die ersten 400 Hm) war hart erkämpft. Doch das ist im Endorphinrausch
danach schnell vergessen.
Wir entschieden uns angesichts des schlechten Wetters für ein moderates
Programm für diesen Tag und stapften zunächst wieder Richtung Hasenflüeli.
Bestiegen dann aber auf der gegenüberliegenden Seite den doch sehr unspektakulären
Spitzenbüel (2194 m). Angekommen auf der runden Kuppe, genießen wir
in Vorfreude auf den bevorstehenden Abend schon einmal die erste Flasche Sekt.
Wenn die Höhenmeter sogar unter der tausender Marke bleiben, muss doch
zumindest das Gewicht der Rucksäcke erhöht werden! Also schlürfen
wir mit eisigen Händen im Schneetreiben das gute Tröpfchen und machen
dabei Bekanntschaft mit der dritten Art (neben Super-Mario und Teletubby), einem
Raben, der sich besonders Philippe verbunden fühlt und mit großer
Zufriedenheit unser Mittagessen verspeiste. Egal, wir hatten ja den Sekt!
Nach einer etwas bruchharschigen Abfahrt, wurde bei der Rückkehr im Hotel
noch schnell die nächste Flasche Sekt geköpft. Zur Vorbereitung auf
die lange Nacht ließen wir danach in der Sauna durch diverse Aufgüsse
unseres Saunachefs unsere Kräfte wiederbeleben. Anschließend gab
es eine erstklassiger schweizer Silvesterspezialität: Fondue chinoise.
Bei Tabu und Apfelmost verging der Rest des Abends wie im Fluge, auch wenn einige
bei dem Spiel doch etwas gestresst wirkten, obwohl sie doch sonst so souverän
sind (oder, Matthias?) Ob Teletubby, Super-Mario, Boss oder einfach nur normales
Mitglied der Klettergruppe, feierten wir bei einem nicht endenden Glockengeläut
um Mitternacht draußen weiter und freuten uns vor allen Dingen für
Petra, die nach ihrem Unfall so gut wieder auf die Beine gekommen ist.
Etwas müde saßen wir an diesem Morgen am Frühstückstisch.
Aber bei dem ersten Blick auf den strahlend blauen Himmel, verflog die letzte
Unlust und so ging es hinaus in die eisige Kälte. So liefen wir, liefen
und liefen immer weiter hinauf, bis wir nach langer Zeit auf einer Hochebene
ankamen. Nach einer kurzen Pause zogen wir in einem langen Bogen zum Nollenkopf,
da der direkte Weg zu steil und damit auch zu lawinengefährdet gewesen
wäre.
Irgendwann erreichten wir dann den Gipfel im Sonnenschein und wieder mit einem
traumhaften Panorama. Auch die Abfahrt war so, wie sie an einem Neujahrstag
sein musste: unberührter Pulverschnee! Da sah man dann doch mal ein Lächeln
bei unserem Teletubby, der sich beim Aufstieg anscheinend doch sehr nach einem
Lift sehnte.
Wieder auf der Hochebene angekommen, war klar, dass 1000 Höhenmeter natürlich
noch nicht genug sind. Leute denkt an das Tageslimit oder, wie es Matthias in
solchen Situationen immer sehr pädagogisch verpackt: „Wir gehen da
jetzt erst noch mal ein Stück hoch und gucken, wie weit wir kommen.“
Das heißt dann im Klartext: „Leute, wir treffen uns auf dem Gipfel
wieder!“ Also vereinten wir unsere letzten Kraftreserven und machten uns
auf den Weg zum Jägglischhorn (2290 m), 360 Höhenmeter. Gegen 15.00
Uhr standen wir dann doch alle auf dem Gipfel. Und dann gings hinab ins pulvrige
Weiß, eine geniale Abfahrt bis zur Fahrstraße nach St. Antönien.
Leider verbarg sich unter dem schönen Schnee doch des öfteren ein
Stein, die schönen neuen Skier (Arme Katrin)!
Endlich hatte sich die Pistenfraktion durchgesetzt, denn das Skigebiet von Klosters liegt doch so nahe. Obwohl es da durchaus feine Unterschiede gab: Jens gab sich nun endlich als „Pistensau“ zu erkennen und verschwand mit dem ersten Bus in den Skizirkus. Günter der Antipistler schnappte sich seine Tourenskier (die er an diesem Tag zum ersten Mal unterschnallte), mit denen er zwar lieber aufsteigt als abfährt und begab sich zum Hasenflüeli. Die "abfahrtsgeilen" Tourengeher entschieden sich für die Zwischenlösung: Wir haben im Madrisaskigebiet die Vorteile der Liftanlagen genutzt, um zunächst ein paar nette Variantabfahrten zu machen. Damit wir dieses mal nicht ohne Teletubby unterwegs waren, entschied sich Dirk diese Rolle zu übernehmen. Er schlug sich zunächst auch sehr gut, nur leider stieß er bei einer seiner schon bekannten Vorwärtsrollen im Schnee die Skispitze an seinen Kopf. Aber auch mit Horn machte er immer noch ein gute Figur! Genug vom Lifteln, stiegen wir mit minimalen Aufwand (1oo Hm) auf das Rätschen Horn (2517 m), um von dort aus eine traumhafte Abfahrt auf die andere Seite ins St. Antönier Tal zu machen. Glücklich wiedervereint freuten wir uns abends, Bea unsere allbekannte Originalschweizerin begrüßen zu können, für die sich Matthias am folgenden Tag eine ganz besondere Tour überlegt hatte.
Leider sah der Morgen doch noch sehr trüb und neblig aus, was uns aber
nicht davon abhalten konnte, bei immer eisiger werdenden Temperaturen an unseren
Tageszielen zu festzuhalten: Eine Überquerung ins österreichische
Nachbartal mit zwei Gipfeln und mindestens 2000 m Abfahrt (und 1500 m Aufstieg
für Günter) klang einfach zu verlockend. Wir liefen einige Kilometer
entlang der Straße und stiegen dann zügig weiter. Auf der Höhe
von ca. 2000 m riss dir Nebeldecke zum Glück auf und wir hatten einen grandiosen
Blick auf die Gierenspitz, den Schafberg auf der gegenüberliegenden Seite
und auf unsere bevorstehenden Ziele, die Rotspitz (2517 m) und den Riedchopf
(2552 m). Nach 1200 Höhenmetern hatten wir den Gipfel erklommen, genossen
die Sonnenwärme und den Ausblick ins bergeller Tal.
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"Dirk Dressman" im weißen
Rausch
Foto: M. Körner |
Der Blick in diese Tiefe genügte aber auch, um schnell zu entscheiden,
dass eine Abfahrt mit elf sturzfreudigen Skifahrern zu viel für die Schneedecke
wäre! Also fuhren wir an der Aufstiegsseite wieder ab. Nach dem ersten
Pulverrausch machten wir uns klar für den zweiten Aufstieg. Matthias begleitete
Super Mario noch weiter ins Tal und wollte uns dann folgen.
Da die Aufstiegsspur extrem steil war und die Temperaturen auf minus 20 Grad
sanken, passierte, was kommen musste: Die Felle lösten sich von den Skiern.
So tapte einer nach dem anderen die nicht klebenden Felle mit dem noch weniger
klebendem Tape an die Skier, leider mit wenig Erfolg! So musste auch ich die
Erfahrung machen, wie es ist zu Fuß im Tiefschnee auf den Gipfel zu steigen.
Nach dem Besteigen eines echten „Gipfelkreuzberges“ ging es auf
der anderen Seite dem absoluten Pulvertraum entgegen. Schade nur, dass die Beine
doch schon sehr müde waren. Nach eine etwas riskanten Querung und einer
abwechslungsreichen Bruchharschabfahrt erreichten wir nun endlich einmal im
Dunkeln unser Quartier und genossen zum letzten Mal die Sauna, das leckere Essen
und .. das Kübli.
Aber auch der schönste Schnee schmilzt einmal, also behalten wir diese
traumhaften Pulverschneetage in netter Gemeinschaft lieber gut in Erinnerung
bevor er geschmolzen ist und freuen uns auf nächstes Jahr! Danke Matthias!
Anja Winkel