Anläßlich der Feierlichkeiten /Jubiläen:
habe ich mich vom 20.8.03 bis 25.8.03 auf der Gießener Hütte aufgehalten. Mein Freund und Bergkamerad Ernst Brand, Mitglied der Sektion Detmold des DAV, hat sich vor Jahren zusammen mit Gleichgesinnten um den Erhalt und die Sicherung des Klettersteiges engagiert. Von ihm stammt auch die Idee sich anläßlich des Jubiläums auf der Hütte zu treffen. Aber was danach ???
Schon bald waren wir uns einig. Ernst fuhr zum Klettern in die Dolomiten und
ich wollte eine Hüttenwanderung mit dem Ziel Salzburg unternehmen. Insgesamt
bin ich vom 19.8.03 bis zum 4.9.03 unterwegs gewesen. Auf viele schöne
Erlebnisse will ich nicht eingehen; sie würden den Rahmen dieses Berichtes
sprengen. Ich werde bemüht sein, mich kurz zu fassen und nur das Wesentliche
berichten. Alle Zahlenangaben sind ungefähre
Werte.
Und nun in chronologischer Reihenfolge der Tourenverlauf.
1. Tag: Bahnreise im DB NachtZug NZ 1989 „METEOR“
von Eckernförde kommend über Hamburg - Bremen – Hannover (ab
00.46 Uhr) – München – Salzburg – Spittal. Mit „BahnCard
25“ und dem Frühbucherrabatt von 50% betrug der Reisepreis für
Hin- und Rückfahrt im Liegesessel incl. aller Reservierungen 129,00 EURO.
Nachteil des Frühbucherrabattes: Man legt sich auf vorher bestimmte und
einzuhaltende Zugverbindungen fest. Ich mußte also am 3.9.03 spätestens
um 21.04 Uhr in Salzburg sein , Abweichungen nur gegen Aufpreis! Würde
ich das schaffen?
2. Tag: 11.25 Uhr Ankunft in Spittal. Von dort um 12.15 Uhr
per Bus über Gmünd in das Maltatal bis Koschach. Weiter zu Fuß
auf guter Fahrstraße immer dem Gößbach folgend durch den „Gößgraben“
bergan zum Speicher Gößkar (Parkplatz) und weiter in Kehren hinauf
zur Hütte. Wichtiger Hinweis: Im gesamten Gößgraben gibt es
k e i n e Übernachtungsmöglichkeit mehr! Ich bin zu Fuß gegangen,
empfehle aber von Koschach ein Taxi zu nehmen, falls möglich.
Strecke 20 km, Anstieg 1.203 m.
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Gießener Hütte
Foto: Jürgen Schmidt |
3. bis 6. Tag: Direkt von „Meeresnull“ kommend habe ich diese Tage zur Eingewöhnung an die Höhe benutzt. Die Gießener Hütte liegt in 2.217 m Höhe und bietet reizvolle Tagesziele wie z.B. Hochalmspitze (über Gletscher erreichbar) 3.360 m, Säuleck 3.086 m, Schneewinkelspitze 3.015 m, Lassacher Winkelscharte 2.862 m, Mallnitzer Scharte 2.672 m, oder die Begehung des „Detmolder Weges“ zwischen Säuleck und Oberer Winkelscharte sowie des Detmolder Grates von der Oberen Winkelscharte zur Hochalmspitze.
7. Tag: Gießener Hütte (2.217 m) - Mallnitzer Scharte (2.672 m) – Arthur-von-Schmid-Haus (2.281 m) am „Dösner See“ 2.267 m.
Die Überschreitung der Mallnitzer Scharte erfordert äußerste
Konzentration, denn im Auf- wie auch im Abstieg führt der Steig über
tonnenschwere „Wackelsteine“ und Steinblöcke. Die Markierung
ist gut.
Strecke 8 km, Anstieg 457 m, Abstieg 391 m.
8. Tag: A.v.Schmid-Haus – Mallnitz Obervellach (1.050 m) – per Bahn durch den Tauern Tunnel bis Bad Gastein, von dort per Bus nach Sportgastein (1.575 m) und Aufstieg zum Niedersachsenhaus (2.471 m)
Nach zeitigem Aufbruch folgt man dem Dösenbach steil talwärts um
den Zug um 11 Uhr in Obervellach zu erreichen. Bahnstrecke 16 km bis Bad Gastein
und von dort per Bus um 12.10 Uhr die restlichen 9 km nach Sportgastein (1.575
m). Durch das Siglitztal erreicht man auf dem „Hermann-Bahlsen-Weg“
, erst mäßig, dann in steilen Kehren das Niedersachsenhaus. Es ist
so exponiert gelegen, daß man eine fantastische Rundumsicht in die Hohen
Tauern genießen kann.
Strecke 17 km, Anstieg 891 m, Abstieg 1.181 m.
9. Tag: Niedersachsenhaus (2.471 m) – Gasthaus Bodenhaus (1.235 m) –
Rauris (950 m).
Schöner Abstieg mit großem Höhenunterschied über Kolm Saigurn,
den Ammenhof (1.628 m) und auf dem „Knappenweg“ durch Wald nach
Bodenhaus zum Bus. Von dort nur noch 16 km bis Rauris.
Strecke 13 km, Abstieg 1.236 m.
10. Tag: Ruhetag in dem hübschen, sehenswerten Bergdorf
Rauris im Salzburger Land. Besuch der Karalm in 1.420 m Höhe.
Strecke 8 km, Anstieg 470 m, Abstieg 470 m.
11. Tag: Busfahrt Rauris – Zell am See – Saalfelden , Haltepunkt Pabing (767 m) und Aufstieg zur Peter-Wiechenthaler-Hütte (1.752 m).
Die Busfahrt dauert 1 Std. 23 Min .und ist 49 km weit. Ankunft Pabing 11.15
Uhr. Wer genügend Zeit hat sollte 2 – 3 Tage in Zell am See verweilen.
Die Hütte liegt völlig frei auf dem Grat des Kienalkopfes und bietet
einen herrlichen Ausblick auf Zell am See und in die Tauern.
Strecke 7 km, Anstieg 986 m.
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Bachdurchquerung
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12. Tag: P.-Wiechenthaler-Hütte – Weißbachscharte
(2.259 m) – „Praterstern“ im Steinernen Meer – Ingolstädter
Haus (2.119 m) – Wimbachgrieshütte (1.327 m).
Lange, schöne aber anspruchsvolle Tour. Nur bei zeitigem Aufbruch und gutem
Wetter möglich; sonst Quartier im Ingolstädter Haus beziehen. Es sind
viele Varianten möglich, auch über das Kärlingerhaus und den
Königsee. Über das „Hundstodgatterl (2.149 m) durch Schotter
und Geröll gelangt man talwärts zur Wimbachgrieshütte.
Strecke 15 km, Anstieg 591 m, Abstieg 954 m.
13. Tag: Wegen Dauerregen Verbleib im Naturfreundehaus Wimbachgrieshütte. Der AV-Ausweis wird nicht akzeptiert. Oberhalb 1.500 m geschlossene Schneedecke, aber nur für die Dauer von 2 Tagen.
14. Tag: Wimbachgrieshütte – Wimbachtal – Ramsaubrücke (Haltepunkt des Bus nach Berchtesgaden 615 m) – Bahnhof Berchtesgaden – Hintergern (800 m) – Stöhrhaus (1.894 m).
Unschwierige aber lange Tour. Orientierungspunkte:
Wimbachschloß (937 m), Haltepunkt Ramsau Brücke (615 m), Busfahrt
bis Hintergern (800 m), auf dem „Stöhrweg“ unterhalb der Almbachwände
vorbei an der Talstation der Materialseilbahn zum „Leiterl“ (1.602
m) und weiter zur Hütte. Sie ist 103 Jahre alt und damit das älteste
Haus auf dieser Tour.
Strecke 14 km, Anstieg 1.104 m, Abstieg 677 m.
15. Tag: Stöhrhaus – Berchtesgadener Hochthron (1.972 m) – Mittagsscharte (1.671m ) – Salzburger Hochthron (1.853 m) – Zeppezauerhaus (1.663 m).
Eigentlich bei gutem Wetter eine sehr reizvolle Genußtour. Am 2.9.2003
herrscht allerdings oberhalb 1.650 m starkes Schneetreiben. Obwohl mir der Weg
bekannt ist , muß ich mich dreimal mit Hilfe von Karte, Kompaß und
Höhenmesser orientieren. Zeitweise ist die Sicht gleich „Null“!.Das
Zeppezauerhaus ist 90 Jahre alt, ein sehr gemütliches Haus in Holzbauweise
mit netten Wirtsleuten. Nachteil vor allen Dingen bei Regenwetter: Die Toiletten
befinden sich weit außerhalb des Hauses wie auch die Waschgelegenheit
unter freiem Himmel am Brunnen; aber herrliche Sicht auf Salzburg!
Strecke 8 km, Anstieg 330 m, Abstieg 561 m.
16. Tag: Zeppezauerhaus – Bergstation „Untersberg Seilbahn“ – Talfahrt nach St. Leonhard – Busfahrt zum Bahnhof Salzburg.
Bei strahlendem Sonnenschein kreisen über dem Geiereck (1.805 m) zwei
Steinadler, wie zur Verabschiedung bestellt. Zeitig in Salzburg wird der Rucksack
auf dem Bahnhof deponiert und ein ausgiebiger Stadtrundgang gemacht; Ziele sind
u.a. Schloß Mirabell mit Schloßpark, die Altstadt und die Festung
Hohensalzburg. Die Zugauswahl habe ich so getroffen, daß ich am Abend
in München noch ein typisch bayrisches Abendbrot einnehmen kann. Um 22.57
Uhr sitze ich im Nachtzug nach Hamburg.
Strecke incl. Salzburg 10 km, Anstieg 256 m, Abstieg 115 m.
17.Tag: 10.05 Uhr Eintreffen in Eckernförde, am wunderschönen
Ostseestrand. Eine erlebnisreich Tour geht zu Ende. Sie bietet viel Sehenswertes
beiderseits des Weges. Interessierte Leser melden sich bitte bei mir. Einschließlich
aller kleinen Abstecher bin ich 150 km gewandert und davon 8.585 m im Anstieg
sowie
7.883 m im Abstieg.
Zur Nachahmung empfohlen ? !
Jürgen Schmidt