(Fortsetzung des Berichtes aus Heft
2/2003)
Wir haben die Aufforderung von Günter Hahne ernst genommen und sind seinem Ruf "Auf ins Erzgebirge" gefolgt.
Genaugenommen war es Ralf Hartzsch, der dazu aufgerufen hat und sechs Mutige haben sich der Hausausforderung gestellt - und wir zwei, Helmut und ich, sind als Verstärkung zum eingeschworenen Mittelgebirgs-Durchquerungs-Grüppchen dazugestoßen. Dank an Ralf, dass er wegen uns die Tour um eine Woche verschoben hat, was sich bezüglich der Schneemenge als Glücksgriff herausstellte.
Im Zockeltempo per Wochenendticket brachte die Bahn den harten Kern zum Ausgangspunkt Muldenberg, wo es gleich im Schnee stramm bergauf zum Aschberg ging. Es war nämlich kein Komforturlaub mit Hotelstandort und Nachmittagssauna geplant, sondern eine Skitour entlang des gesamten Erzgebirgskamms auf der tschechischen Seite.
Während unsere Freunde schon etliche Kilometer in zwei Tagesetappen zurückgelegt hatten, stoßen wir bei Oberwiesenthal dazu. Wir hatten die Gelegenheit genutzt, alte Freunde in Chemnitz zu besuchen und die Tschopau auf Paddelfähigkeit zu prüfen Treffsicher stießen wir auf tschechischem Terrain auf unsere Truppe und lotsten sie zum Aufwärmen in ein von uns erprobtes Lokal in Bozi Dar.
![]() |
Über weite Flächen in
Dorfnähe
Foto: Brigitte Kähler-Bock |
Dann musste der Keilberg, 1.244 m, ein beliebter Skiberg, erklommen werden. Oben war so dichter Nebel, dass sich der Turm nur für Augenblicke schemenhaft zeigte. Die vereisten Gebäude erinnerten an den Brocken. Über eine Puckelpiste führte die Abfahrt hinunter in Richtung des nächsten Nachtquartiers in Loucná. Alle Hotels und Pensionen in Tschechien waren sicherheitshalber vorgebucht und entpuppten sich als einfache, aber sehr gastliche und vor allem preiswerte Häuser. Wo bekommt man sonst noch einen halben Liter Bier für 70 Cent? Reichhaltige Speisekarten, auf denen böhmische Knödel und Palatschinken nicht fehlen, laden überall zum Schmausen ein.
Nach zwei Tagen ergiebigen Schneefalls war Spuren durch Tiefschnee angesagt, was aber durch Reduzierung auf ein Siebtel (da 7 Leute) der Strecke ganz erträglich war. Nur der Stockeinsatz blieb stets gleich hoch und machte sich auf Dauer in den Schultern bemerkbar.
Auf den nächsten beiden Etappen trafen wir, glaube ich, nur einen Skiläufer, stattdessen Rotwild. In den Dörfern fielen mir viele leerstehende Häuser auf, deren Bewohner wohl hier kein Auskommen mehr hatten. Da wir uns immer auf Kammhöhe hielten, hatten wir durch den niedrigen Bewuchs aus Kiefern und Birken herrliche Ausblicke in die böhmische Tiefebene und auf die sächsischen Vorberge.
Nach Deutsch-Georgenthal auf sächsischer Seite ging es steil bergab und es gab wegen einiger Engstellen Schneeberührung. Gemein war der plötzliche Split am Auslauf.
![]() |
Ralf beim Spuren
Foto: Brigitte Kähler-Bock |
Wir landeten im Dunkeln an einer Bachbrücke direkt am Grenzzaun, wo uns die Zöllner in Empfang nahmen und die Pässe verlangten. Irgendwie sahen wir wohl verdächtig aus mit den großen Rucksäcken über den Zaun kletternd. Die nächste und letzte große Etappe mit 29 km und 745 Hm wurde noch einmal zur Herausforderung. Die Wegmarkierung, sonst immer von Ralf mit gutem Spürsinn gefunden, führte in dieser Einsamkeit in die Irre und zum Verhauer. Wer sollte ahnen, dass es über den zugefrorenen Bach ohne Brücke und Spur ging? Dann kamen wieder Stangen über einem Moor in Sicht und damit die Lauftrasse.
Als wir uns dem Skigebiet Nove Mesto näherten, trafen wir wieder auf Loipen, wodurch sich unser Tagesschnitt verbesserte. Unser Führer musste aber unbedingt den Bournák, 889 m,mitnehmen, den er als Dresdner Student nie erreicht hat. Dort herrschte am Samstag Hochbetrieb und der Kellner im Berggasthof war überfordert.
Kurz vor Cinovec, vis-à vis Zinnwald, kam uns eine Meute laut knatternder Schneeskooter mit von weitem sichtbaren Scheinwerfern entgegen. Das war totales Kontrastprogramm zu unserer Fortbewegungsart und passte gar nicht in die stille Landschaft.
Nach diesem anstrengenden und kalten Tag empfanden wir die heiße Dusche und das prasselnde Kaminfeuer im Hotel als Genuss pur. Trotzdem wird diese Herberge als das "Haus ohne Haken" im Gedächtnis bleiben; die Kleider mussten nämlich an der Gardinenstange aufgehängt werden.
Aufkeimende Wünsche einiger Teilnehmer, die Tour auf Grund der guten Schneelage in Richtung Dresden fortzusetzen, erledigten sich wegen schlechter Zugverbindung am Sonntag von selbst. Nur noch 6 Kilometer bis Bahnhof Geising erlaubten eine Besichtigung des Bergwerkmuseums in Zinnwald.
Wir bedanken uns bei Ralf Hartzsch für die perfekte Organisation, die durch seine tschechischen Sprachkenntnisse erleichtert wurde.
Teilnehmer: Ralf Hartzsch, Ellen Niklaus, Gerhild Jüttner, Tina und Rainer Nitsche, Brigitte und Helmut Kähler.
Brigitte Kähler-Bock