Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2004/3
NHochtourengruppe

Besonders bewandert : Braunschweig – Brocken !

20 Wanderer auf dem Weg zum Brocken
20 Wanderer auf dem Weg zum Brocken
Foto: Horst Rose

Am 15.Mai war es endlich soweit, wir starteten unsere Jubiläumswanderung. Jürgen und Lisel hatten diese Tour perfekt durchorganisiert und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Nur wandern musste jeder aus eigener Kraft – und das war verdammt weit!

Die 20 Teilnehmer trafen sich um 02:20 Uhr am Thüringenplatz vor dem Polizeirevier in Braunschweig-Heidberg. Um 02:30 Uhr ging es wie geplant los. Mit Stirnlampen bahnten wir uns bei kühlen Temperaturen die ersten Kilometer durch das nächtliche Melverode, durch still ruhende Felder, unter der Autobahn hindurch, über die Schäferbrücke nach Groß Stöckheim und durch das westliche Wolfenbüttel, wo wir bereits dank der Straßenlaternen keine Beleuchtungshilfsmittel mehr brauchten.

Jürgen und Lisel hatten im Vergleich zu den vorherigen Wanderungen zum Brocken diesmal einen völlig neuen Streckenverlauf durch Wolfenbüttel gewählt, und erst im Kalten Tal trafen wir wieder auf den Weg vom letzten Mal.

Das Serviceteam
Das Serviceteam
Foto: Jürgen Koziol

Über eine schmale Landstraße gelangten wir an den Rand des Oderwaldes. Nach der ersten Trinkpause an der Posteiche folgten wir dem Europäischen Fernwanderweg E6 (Ostsee-Adria) durch den morgendlichen Wald. Drei Rehe kreuzten unseren Weg, schienen allerdings an uns nicht interessiert zu sein, sondern suchten schnell das Weite, obgleich wir noch ganz frisch und munter aussahen. Im Oderwald machten wir die Bekanntschaft mit dem Matsch, wovon einige Andenken an den Stiefeln, einige sogar an den Hosen mitnahmen. Jetzt hätten die Rehe vielleicht Grund zur Furcht gehabt, aber wir trafen keine mehr.

Brunis 'unverwechselbares Gefährt'
Brunis "unverwechselbares Gefährt"
Foto: Horst Rose

Als wir den Oderwald hinter uns hatten, erwartete uns oberhalb von Werlaburgdorf Bruni mit ihrem unverwechselbaren Gefährt und ihrer „Reiseapotheke“. Verwundert stellte Bruni fest, dass niemand medizinische Versorgung benötigte. Stattdessen konnten wir uns dem Frühstück hingeben und die Rucksäcke etwas leerer futtern. Lisel und Jürgen hatten für die Pause eine kräftig sprudelnde Quelle gefunden, so dass wir unsere Getränke wieder nachfüllen konnten. Es war erst 07:45 Uhr, aber wir waren schon 25 Kilometer gewandert – also ein normales Tagespensum – und hatten immer noch 41 Kilometer vor uns.

Nach der Pause ging es durch Werlaburgdorf über die Warne und unter der B4 hindurch wieder hinab in das Okertal. Vorbei an der Pfalz Werla eilten wir durch weite Wiesen gewohnt zügig nach Schladen. Jürgen hatte hier eine seiner berüchtigten „Varianten“ eingebaut, die uns durch Alt-Schladen führte. Nach der Variante wechselten wir wieder die Seite der Oker und nach einem unspektakulären Stück Neu-Schladen ging es hinein in die endlose Okeraue. An einem idyllischen Platz zwischen Fischteichen, uralten mächtigen Weiden und der eilig vorbeiplätschernden Oker machten wir noch eine Trinkpause. Nach einem kleinen Okerwasserfall wechselten wir über die Eisenbahnbrücke – auf offiziellem Fußweg – zur anderen Okerseite und eilten dem immer noch vier Kilometer entfernten Wiedelah entgegen.

Nachdem die Okeraue endlich vorbei war, liefen wir noch durch Vienenburg. Hier verließen wir das Okertal und wechselten in das kleinere Tal der Radau. Am Ortsende von Vienenburg am Schützenhaus konnten wir die wohlverdiente Mittagspause machen.

...und der 'Küchenchef'
...und der "Küchenchef"
Foto: Horst Rose

Erich - er hatte schon 1997 die Idee für das damalige Buffet - Lilo, Edith und Horst hatten so allerhand für die Wanderer aufgefahren, die jetzt bereits zwei Tagespensen hinter sich hatten: Da warteten Mettbrötchen, Kaffee, Apfelsaft, Mineralwasser und andere Leckereien!

Höchstes Lob und Anerkennung an das ganze Team, das uns in dieser Pause betreut hat!!

Schade war, dass Arne, Heike, Heidelore und Ronald in Vienenburg aufgeben mussten, weil die bisher zurückgelegten 42 Kilometer ihren Tribut verlangten. Wir haben jedoch alle wieder auf dem Brocken angetroffen, denn Arne und Heike waren mit dem Service-Team von Torfhaus hochgewandert, während Heidelore und Ronald vorher wieder zu unserer Wandertruppe zurückkamen.

Nach dieser Mittagspause ging es in gewohnt zackigem Tempo durch die Radau-Aue in Richtung Bad Harzburg. Jetzt zeigte sich das Wetter endlich von einer freundlicheren Seite, und viele legten ihre Jacken ab. Das Radautal verließen wir bald in Richtung Bettingerode, um dann über einen asphaltierten Feldweg nach Westerode zu gelangen. Von hierher kommend überschritten wir den Butterberg. Jetzt konnten wir endlich die Teleskopstöcke einsetzen! Und eh wir uns versahen, waren wir an den ersten Häusern von Bad Harzburg.

Ansturm auf das Mittagsbuffet
Ansturm auf das Mittagsbuffet
Foto: Horst Rose

Diesen Ort durchquerten wir sehr flink, schließlich wartete unterhalb des Burgbergs am Kriegerdenkmal Erich mit den restlichen Getränken und Brötchen auf uns. Wir konnten uns so bei Kilometer 52 noch einmal stärken, um dann den Einstieg in den Harz zu beginnen. Von jetzt an begleitete uns auch Bruni, die noch völlig unverausgabt keine Probleme hatte, mitzuhalten und anfangs sogar vorne das Tempo diktierte. Ausserdem stieg Heidelore wieder mit ein.

Nach dem Passieren der Sennhütte ging es dann doch schon etwas steiler hinauf zum Molkenhaus. Nach einer kurzen Trinkpause ging es weiter zur Eckerstaumauer. Oberhalb des Stausees in der Schutzhütte am Frankenbergplatz machten wir die letzte Trink- und Essenpause vor dem Hauptanstieg zum Brocken.

Ein genaues Ende der Pause gab es nicht. Vielmehr zogen Kleingruppen los, um zum Scharfenstein und dem dann folgenden Hirtenstieg zu gelangen. Ab Scharfenstein bin ich größtenteils allein gelaufen, um das für mich optimale Tempo zu finden. Der Anstieg bis zum kleinen Brocken war sehr anstrengend, aber bei weitem nicht so schlimm, wie ich ihn mir bis dahin vorgestellt habe. Auch die anderen gingen einzeln oder in kleinen Gruppen, aber doch in einem überraschend zügigem Tempo, so dass alle innerhalb von zehn Minuten zwischen 17:40 und 17:50 Uhr den Brockengipfel erreichten.

Noch einmal für die Nicht-Eingeweihten:

Wir waren so verrückt, von Braunschweig zum Brocken an einem Tag zu wandern. Bis zum Beginn des eigentlich Brockenanstiegs am Scharfenstein sind wir 62 Kilometer gelaufen. Danach überwindet der Hirtenstieg innerhalb von vier Kilometern 520 Höhenmeter!

Oben angekommen war dann die Luft absolut raus. Nach 66 Kilometern war ich sehr froh, heiss duschen zu können, aber dabei stellte sich heraus, dass jetzt die winzige „Wanderstrecke“ vom Bett bis zur Dusche eine regelrechte Tortur war. Vielleicht lag es daran, dass ich an Endorphin-Entzug litt.

Nachdem auch bei den anderen Brockenwanderern die Lebensgeister durch die Dusche und das erste Bier wieder erweckt wurden, trafen wir uns alle im Goethesaal zum gemeinsamen Abendessen. In dieser geselligen Runde fand die gesamte Brockenwanderung ihren krönenden Abschluss, und bei gutem Essen und vielen Getränken wurde der Abend verlebt, bis schließlich um halb zwölf die letzten in die Betten krochen.

Jens Köhler

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.28. Juli 2004