Wer oder was ist eigentlich Raisting?
Raisting ist ein Ort in der Nähe des Ammersees, von touristischem Trubel
noch nicht überrollt, mit dörflichem Charakter, aber einer Verbindung
zum Weltall (Erdefunkstelle) und einem gepflegten Hotel und Gasthof „Post“ mit
angeschlossener Metzgerei.
Raisting war am 9.5.2004 Ziel der Wandergruppe. 22 Wanderfreunde und zwei Gäste
versammelten sich- nach Stärkung durch eine reichhaltige bayrische Mahlzeit-
um 19.00 Uhr zur Begrüßung und Information durch die Firma Alpenland-Touristik
in der Kegelbahn des Hauses. Erwartungen waren groß, so groß wie
die erste Wegstrecke (27 km); insbesondere wurde beschworen, dass gutes Wetter
herrschen möge.
Montag, 10.Mai: Der nächste Morgen erfüllte
nicht alle Wünsche.
Der Himmel zeigte sich bedeckt, auf den Fahrzeugen konnten Spuren von Katzenspuren
im Rauhreif entdeckt werden und Feuchtigkeit lag in der Luft.
Unverzagt und optimistisch bestiegen die Wanderer den bestellten Bus, um in
Richtung Berg am Starnberger See aufzubrechen. Der Bus setzte sich in Bewegung,
doch halt – wer kommt den Hof entlang geschlendert? Der Wanderfreund
Rolf – beinah hätten wir ihn vergessen, nur weil wir es nicht abwarten
konnten und drei Minuten vor der Zeit gestartet waren.
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Vor dem Marienmünster in
Dießen (Ammersee)
Foto: Wolfgang Henschel |
Damit die Wanderung nicht unerträgliche Längen erreicht, brachte
uns der Bus nach Starnberg. Nun ging es per pedes am Ufer des Sees entlang
bis zum Einstieg in die Maisinger Schlucht. Sie ist beidseitig mit Laubgehölz
bewachsen und der ebene Weg führt am Fallbach entlang ins Naturschutzgebiet
Maisinger See. Nieselregen begleitete uns. Durch Wiesen führte die Wanderung
nach Aschering, bergan über Rothenfeld (ein Gefängnis und noch nicht
das Kloster) in Richtung Andechs. Eine romantischer Anblick, die Klosteranlage
auf der Höhe im Sonnenschein. Dieser Wallfahrtsort ist auch in heutiger
Zeit ein Magnet für allerlei Menschen. Beiläufig sollte erwähnt
werden, dass es hier auch ein gutes Bier gibt, aber erst nach Besichtigung
der kulturellen Höhepunkte. Nach viel zu kurzem Aufenthalt ging es bergab
durch das Kerbtal des Kienbaches nach Herrsching am Ammersee.
Kaffeepause und warten auf den Dampfer. Vom Anleger schaukelten wir über
den See nach Dießen. Ein letzter Anstieg durch den Ort führte uns
zum Marienmünster hinauf, eine weitere prachtvolle sakrale Anlage. Noch
ein letztes Bild der ermüdeten Wanderer, wie sie auf einem kleinen Zaun
hocken, bevor sie der Bus zu Gasthof, bayrischem Essen, einer Maß und
weichen Hotelbett zurückgebracht hat.
(Sigrid und Wolfgang Kaeding)
Dienstag, 11Mai 2004: Wie immer bei Wanderungen vom Alpenverein konnte es
pünktlich um 8.00 Uhr losgehen bzw. „losrasen“, denn die acht
km nach Wessobrunn wurden in einem Höllentempo (1 h 50 min) zurückgelegt.
Die interessante Führung von Schwester Georgia durch das Kloster hatte
uns gelockt und angespornt., schnell zu sein. Das Kloster Wessobrunn mit seinen
bekannten Stuckarbeiten der Familie Johann Schmuzer in den Gängen des
Gästetraktes und die Pfarrkirche St. Johann Baptist- ebenfalls mit Marmor
an drei Altären – waren sehr schön anzusehen und Orte um wieder
Kräfte zu sammeln.
Weiter ging es. Gelbe Wiesen, all überall! Eine Augenweide, wo das Auge
hinreichte. Die Farbe gelb begleitete bei Sonne, Wolken, Nieselregen, Schauer
und sogar Gewitter mit Blitz und Donner – Gott sei Dank weit genug entfernt.
Mal war der Löwenzahn in voller Blüte, mal war die Blüte aus
Furcht vor Regen nur zu ahnen und mal als unglücklich abgemähtes
Häufchen.
Unterwegs hatten wir auch etwas dazugelernt. Richard klärte uns nämlich
auf, was ein Pfister ist. Na, was ist denn ein Pfister?
Ìn Hetten (nach ca. 20 km) teilte sich unsere sehr homogene Wandergruppe
in acht Wanderer (die den Rest bis Peiting mit dem Bus erledigen) und 16 Wanderer
(die sich eine halbe Stunde bis auf den Hohenpeißenberg quälten).
Die kurze Strapaze hatte sich jedoch auf alle Fälle gelohnt: die Gaststätte „Bayrischer
Rigi“ belohnte uns nicht nur mit kulinarischen Genüssen (Becherovka
von Wolfgang u.a.), sondern auch mit einem super Panorama-Blick auf die leider
etwas mit Wolken verhangenen Alpen. Der Abstieg und die anschließende Zugfahrt
(eine Station) waren ein Klacks gegen den nicht enden wollenden Weg vom Bahnhof
zum Hotel. Fazit: 20 bzw. 27 km in 8.45 bzw. 9.50 h. Kein Wunder, dass danach
die Füße gedampft und die Zehen gepocht hatten!
Auflösung: Ein Pfister (bairisch-alemannisch) ist eine Bäcker, der – ursprünglich
im Mittelalter – bei einem Kloster oder einer Herrschaft angestellt war.
(Claudia Hassa)
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Die Wieskirche bei Steingaden
Foto: Wolfgang Henschel |
Mittwoch, 12. Mai: Am dritten Wandertag meinte es
unser Wanderführer recht
gut mit uns. Er bestellte einen Bus, der uns um 8.45 Uhr zum Eingang der Ammerschlucht
brachte, so dass wir nicht wie am Vortage durch den langgestreckten Ort Peiting
auf verkehrsreichen Asphaltstraßen zu laufen brauchten. Auch Petrus war
uns wohl gesinnt, denn wir konnten bei sonnigem Wetter bedenkenlos die nicht
ungefährliche Schlucht begehen. Allerdings war Vorsicht geboten: im Gänsemarsch überwanden
wir die angeblich 460 Stufen, Stege und gefährlichen Brücken, die
uns allmählich in die Höhe führten. Nach Verlassen den dichten
Mischwaldes weitete sich der Blick über prächtig leuchtende Löwenzahnwiesen
auf ein herrliches Bergpanorama, das wir ganz besonders bei der sonnigen Mittagsrast
genossen. An diesem Tag brachte uns der König-Ludwig-Weg zu zwei architektonischen
Meisterwerken: der Stiftskirche Rottenbuch und der Wieskirche. In Rottenbuch
bewunderten wir eine gelungene Stilmischung: die romanische Basilika aus dem
11. Jahrhundert wurde in der Gotik erweitert und Mitte des 18. Jahrhunderts
im Rokokostil ausgeschmückt. In der Wieskirche, der malerisch auf einer
Anhöhe gelegenen Wallfahrtskirche „zum gegeißelten Heiland
auf der Wies“, erlebten wir die formvollendete Schönheit des reinen
Rokokostils. Wir hatten das große Glück, bereits gegen 14.30 Uhr
am Ziel unserer 18 km langen Wanderung einzutreffen. So konnten wir nicht nur
unseren Kaffeedurst löschen, sondern auch die Besichtigung der Kirche
vertiefen durch Teilnahme an einer Führung oder Messe, bei der die hervorragende
Akustik besonders eindrucksvoll war.
Gegen fünf Uhr fuhren wir mit zwei Bussen zu unserem neuen Quartier in
Berghof. Stargast des Abends bei reichhaltigen bayrischen Essensportionen war „Bärle“,
ein 70 kg schwerer Schweizer Sennenhund, der allgemein zur Heiterkeit beitrug.
(Hella Eilers)
Donnerstag 13.Mai: Am Vorabend bei sternklarem Himmel
und Fernblick auf das beleuchtete Schloß Neuschwanstein zu Bett gegangen,
weckte uns während
der Nacht das Plätschern in der Dachrinne.
Am Morgen sahen wir dann die Bescherung: keine Fernsicht, statt dessen Nebel,
Regen und Temperaturen um 3 Grad. Als Folge ließen wir und entgegen der
Planung mit dem Bus nicht bis zum Anschlußpunkt der Wieskirche bringen,
sondern bis Steingaden. Dort besichtigten wir das Welfenmünster (eine
romanische Pfeilerbasilika mit barocker Ausstattung und romanischem Kreuzgang).
Danach fädelten wir uns, mit dem Regenschirm in der Hand, wieder in den
König-Ludwig-Weg ein. Nach einer Weile aber, oh Schreck, stellten wir
fest, daß wir in die falsche Richtung gegangen waren. Souverän erfaßt,
waren wir schon bald wieder auf Rille und damit auf dem richtigen Weg in Richtung
Urspring. Im weiteren Verlauf, am Ausgang von Steingädele dann, fanden
wir neben einem Bauernhof das schützende Überdach einer Scheune und
konnten endlich die Schirme zur Seite legen, um eine Obstpause einzulegen.
Über das Premer Filz, einem Moorgebiet mit Lehrpfad, kamen wir nach Steinwies
und vorbei an einem riesigen Sägewerk zum Lech. Flußaufwärts
fanden wir schließlich zur Mittagszeit im Gasthaus „Lechaue“ ein
warmes Plätzchen und zur Auffrischung der Lebensgeister eine warme Mahlzeit.
Anschließend ging es wieder zum Lech, wo wir schon bald die Staustufe 2
erreichten. Wir wanderten entlang des aufgestauten Lechs, auch Lechsee genannt,
und kamen bald nach Küchele. Nun ging es hinauf durch hügeliges Gelände
bis nach Eschenburg. Abwechselnd mit und ohne Regenschirm gewandert, fand sich
auch dort wieder ein Überdach für eine Erholpause. Auf Grund der Tageszeit
bekamen die Kaffeefreunde unter uns Appetit auf Kuchen. So trennte sich die Gruppe
und sieben von ihnen nahmen den kürzesten Weg nach Trauchgau, wo aufgrund
der Ortsgröße noch am ehesten solcher zu erwarten war. Der größere
Teil aber wählte den direkten Weg in unser Hotel nach Berghof.
Die Kuchenfreunde jedoch mußten lange laufen, um zu ihrem Genuß zu
kommen, hatten dafür aber den Vorteil, daß sie zwischen drei Sorten
wählen konnten. Die Anderen bekamen schließlich in unserem Hotel
auch welchen, allerdings gab es dort nur eine Sorte.
Zum Abendessen traf man sich dann in gemütlicher Runde wieder und reflektierte
den Tag und seine Ergebnisse. Trotz verkürzter Wegstrecke waren es doch
noch 20 km geworden.
(Kurt Raschke)
Freitag, 14.Mai: 9.00 Uhr schlug es vom Kirchturm
in Berghof. Pünktlich
starteten alle 24 Teilnehmer zur letzten Etappe des König-Ludwig-Weg’s.
Bei idealem Wanderwetter ging es durch blühende Löwenzahnwiesen Richtung
Füssen. Im Bereich des Biotop-Mosaiks zwischen Forggensee und Bannwaldsee
entdeckten wir endlich sehr viele königsblaue stengellose Enziane, ein
begehrtes Fotomotiv und wunderschön anzusehen. Die Überraschung war
zur „Bananenpause“ in Mühldorf ein Metzgerwagen. Wolfgang
bestritt energisch, diesen bestellt zu haben. So gab es also leckere warme
Leberkäsesemmeln im Anblick von Neuschwanstein, Hohenschwangau und St.
Coloman. Die Menschenmenge in Schwangau ließ uns schnell auf den wunderschönen
Alpenrosenweg flüchten. Am Lechfall vorbei ging es hoch nach St. Mang,
die letzte Kirche dieser sehr schönen Wandertage. Damit war nach 19 km
unser Ziel Füssen erreicht.
(Ruth Kuhlemann)