Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2004/3
Wandergruppe

Auf den Spuren des bayrischen Märchenkönigs, Ludwig II

Wanderwoche auf dem König-Ludwig-Weg vom 9.bis 15.5.2004

Wer oder was ist eigentlich Raisting?
Raisting ist ein Ort in der Nähe des Ammersees, von touristischem Trubel noch nicht überrollt, mit dörflichem Charakter, aber einer Verbindung zum Weltall (Erdefunkstelle) und einem gepflegten Hotel und Gasthof „Post“ mit angeschlossener Metzgerei.
Raisting war am 9.5.2004 Ziel der Wandergruppe. 22 Wanderfreunde und zwei Gäste versammelten sich- nach Stärkung durch eine reichhaltige bayrische Mahlzeit- um 19.00 Uhr zur Begrüßung und Information durch die Firma Alpenland-Touristik in der Kegelbahn des Hauses. Erwartungen waren groß, so groß wie die erste Wegstrecke (27 km); insbesondere wurde beschworen, dass gutes Wetter herrschen möge.

Montag, 10.Mai: Der nächste Morgen erfüllte nicht alle Wünsche. Der Himmel zeigte sich bedeckt, auf den Fahrzeugen konnten Spuren von Katzenspuren im Rauhreif entdeckt werden und Feuchtigkeit lag in der Luft.
Unverzagt und optimistisch bestiegen die Wanderer den bestellten Bus, um in Richtung Berg am Starnberger See aufzubrechen. Der Bus setzte sich in Bewegung, doch halt – wer kommt den Hof entlang geschlendert? Der Wanderfreund Rolf – beinah hätten wir ihn vergessen, nur weil wir es nicht abwarten konnten und drei Minuten vor der Zeit gestartet waren.

Vor dem Marienmünster in Dießen (Ammersee)
Vor dem Marienmünster in Dießen (Ammersee)
Foto: Wolfgang Henschel

Damit die Wanderung nicht unerträgliche Längen erreicht, brachte uns der Bus nach Starnberg. Nun ging es per pedes am Ufer des Sees entlang bis zum Einstieg in die Maisinger Schlucht. Sie ist beidseitig mit Laubgehölz bewachsen und der ebene Weg führt am Fallbach entlang ins Naturschutzgebiet Maisinger See. Nieselregen begleitete uns. Durch Wiesen führte die Wanderung nach Aschering, bergan über Rothenfeld (ein Gefängnis und noch nicht das Kloster) in Richtung Andechs. Eine romantischer Anblick, die Klosteranlage auf der Höhe im Sonnenschein. Dieser Wallfahrtsort ist auch in heutiger Zeit ein Magnet für allerlei Menschen. Beiläufig sollte erwähnt werden, dass es hier auch ein gutes Bier gibt, aber erst nach Besichtigung der kulturellen Höhepunkte. Nach viel zu kurzem Aufenthalt ging es bergab durch das Kerbtal des Kienbaches nach Herrsching am Ammersee.
Kaffeepause und warten auf den Dampfer. Vom Anleger schaukelten wir über den See nach Dießen. Ein letzter Anstieg durch den Ort führte uns zum Marienmünster hinauf, eine weitere prachtvolle sakrale Anlage. Noch ein letztes Bild der ermüdeten Wanderer, wie sie auf einem kleinen Zaun hocken, bevor sie der Bus zu Gasthof, bayrischem Essen, einer Maß und weichen Hotelbett zurückgebracht hat.
(Sigrid und Wolfgang Kaeding)

Dienstag, 11Mai 2004: Wie immer bei Wanderungen vom Alpenverein konnte es pünktlich um 8.00 Uhr losgehen bzw. „losrasen“, denn die acht km nach Wessobrunn wurden in einem Höllentempo (1 h 50 min) zurückgelegt. Die interessante Führung von Schwester Georgia durch das Kloster hatte uns gelockt und angespornt., schnell zu sein. Das Kloster Wessobrunn mit seinen bekannten Stuckarbeiten der Familie Johann Schmuzer in den Gängen des Gästetraktes und die Pfarrkirche St. Johann Baptist- ebenfalls mit Marmor an drei Altären – waren sehr schön anzusehen und Orte um wieder Kräfte zu sammeln.
Weiter ging es. Gelbe Wiesen, all überall! Eine Augenweide, wo das Auge hinreichte. Die Farbe gelb begleitete bei Sonne, Wolken, Nieselregen, Schauer und sogar Gewitter mit Blitz und Donner – Gott sei Dank weit genug entfernt. Mal war der Löwenzahn in voller Blüte, mal war die Blüte aus Furcht vor Regen nur zu ahnen und mal als unglücklich abgemähtes Häufchen.
Unterwegs hatten wir auch etwas dazugelernt. Richard klärte uns nämlich auf, was ein Pfister ist. Na, was ist denn ein Pfister?
Ìn Hetten (nach ca. 20 km) teilte sich unsere sehr homogene Wandergruppe in acht Wanderer (die den Rest bis Peiting mit dem Bus erledigen) und 16 Wanderer (die sich eine halbe Stunde bis auf den Hohenpeißenberg quälten). Die kurze Strapaze hatte sich jedoch auf alle Fälle gelohnt: die Gaststätte „Bayrischer Rigi“ belohnte uns nicht nur mit kulinarischen Genüssen (Becherovka von Wolfgang u.a.), sondern auch mit einem super Panorama-Blick auf die leider etwas mit Wolken verhangenen Alpen. Der Abstieg und die anschließende Zugfahrt (eine Station) waren ein Klacks gegen den nicht enden wollenden Weg vom Bahnhof zum Hotel. Fazit: 20 bzw. 27 km in 8.45 bzw. 9.50 h. Kein Wunder, dass danach die Füße gedampft und die Zehen gepocht hatten!
Auflösung: Ein Pfister (bairisch-alemannisch) ist eine Bäcker, der – ursprünglich im Mittelalter – bei einem Kloster oder einer Herrschaft angestellt war.
(Claudia Hassa)

Die Wieskirche bei Steingaden
Die Wieskirche bei Steingaden
Foto: Wolfgang Henschel

Mittwoch, 12. Mai: Am dritten Wandertag meinte es unser Wanderführer recht gut mit uns. Er bestellte einen Bus, der uns um 8.45 Uhr zum Eingang der Ammerschlucht brachte, so dass wir nicht wie am Vortage durch den langgestreckten Ort Peiting auf verkehrsreichen Asphaltstraßen zu laufen brauchten. Auch Petrus war uns wohl gesinnt, denn wir konnten bei sonnigem Wetter bedenkenlos die nicht ungefährliche Schlucht begehen. Allerdings war Vorsicht geboten: im Gänsemarsch überwanden wir die angeblich 460 Stufen, Stege und gefährlichen Brücken, die uns allmählich in die Höhe führten. Nach Verlassen den dichten Mischwaldes weitete sich der Blick über prächtig leuchtende Löwenzahnwiesen auf ein herrliches Bergpanorama, das wir ganz besonders bei der sonnigen Mittagsrast genossen. An diesem Tag brachte uns der König-Ludwig-Weg zu zwei architektonischen Meisterwerken: der Stiftskirche Rottenbuch und der Wieskirche. In Rottenbuch bewunderten wir eine gelungene Stilmischung: die romanische Basilika aus dem 11. Jahrhundert wurde in der Gotik erweitert und Mitte des 18. Jahrhunderts im Rokokostil ausgeschmückt. In der Wieskirche, der malerisch auf einer Anhöhe gelegenen Wallfahrtskirche „zum gegeißelten Heiland auf der Wies“, erlebten wir die formvollendete Schönheit des reinen Rokokostils. Wir hatten das große Glück, bereits gegen 14.30 Uhr am Ziel unserer 18 km langen Wanderung einzutreffen. So konnten wir nicht nur unseren Kaffeedurst löschen, sondern auch die Besichtigung der Kirche vertiefen durch Teilnahme an einer Führung oder Messe, bei der die hervorragende Akustik besonders eindrucksvoll war.
Gegen fünf Uhr fuhren wir mit zwei Bussen zu unserem neuen Quartier in Berghof. Stargast des Abends bei reichhaltigen bayrischen Essensportionen war „Bärle“, ein 70 kg schwerer Schweizer Sennenhund, der allgemein zur Heiterkeit beitrug.
(Hella Eilers)

Donnerstag 13.Mai: Am Vorabend bei sternklarem Himmel und Fernblick auf das beleuchtete Schloß Neuschwanstein zu Bett gegangen, weckte uns während der Nacht das Plätschern in der Dachrinne.
Am Morgen sahen wir dann die Bescherung: keine Fernsicht, statt dessen Nebel, Regen und Temperaturen um 3 Grad. Als Folge ließen wir und entgegen der Planung mit dem Bus nicht bis zum Anschlußpunkt der Wieskirche bringen, sondern bis Steingaden. Dort besichtigten wir das Welfenmünster (eine romanische Pfeilerbasilika mit barocker Ausstattung und romanischem Kreuzgang).
Danach fädelten wir uns, mit dem Regenschirm in der Hand, wieder in den König-Ludwig-Weg ein. Nach einer Weile aber, oh Schreck, stellten wir fest, daß wir in die falsche Richtung gegangen waren. Souverän erfaßt, waren wir schon bald wieder auf Rille und damit auf dem richtigen Weg in Richtung Urspring. Im weiteren Verlauf, am Ausgang von Steingädele dann, fanden wir neben einem Bauernhof das schützende Überdach einer Scheune und konnten endlich die Schirme zur Seite legen, um eine Obstpause einzulegen.
Über das Premer Filz, einem Moorgebiet mit Lehrpfad, kamen wir nach Steinwies und vorbei an einem riesigen Sägewerk zum Lech. Flußaufwärts fanden wir schließlich zur Mittagszeit im Gasthaus „Lechaue“ ein warmes Plätzchen und zur Auffrischung der Lebensgeister eine warme Mahlzeit. Anschließend ging es wieder zum Lech, wo wir schon bald die Staustufe 2 erreichten. Wir wanderten entlang des aufgestauten Lechs, auch Lechsee genannt, und kamen bald nach Küchele. Nun ging es hinauf durch hügeliges Gelände bis nach Eschenburg. Abwechselnd mit und ohne Regenschirm gewandert, fand sich auch dort wieder ein Überdach für eine Erholpause. Auf Grund der Tageszeit bekamen die Kaffeefreunde unter uns Appetit auf Kuchen. So trennte sich die Gruppe und sieben von ihnen nahmen den kürzesten Weg nach Trauchgau, wo aufgrund der Ortsgröße noch am ehesten solcher zu erwarten war. Der größere Teil aber wählte den direkten Weg in unser Hotel nach Berghof.
Die Kuchenfreunde jedoch mußten lange laufen, um zu ihrem Genuß zu kommen, hatten dafür aber den Vorteil, daß sie zwischen drei Sorten wählen konnten. Die Anderen bekamen schließlich in unserem Hotel auch welchen, allerdings gab es dort nur eine Sorte.
Zum Abendessen traf man sich dann in gemütlicher Runde wieder und reflektierte den Tag und seine Ergebnisse. Trotz verkürzter Wegstrecke waren es doch noch 20 km geworden.
(Kurt Raschke)

Freitag, 14.Mai: 9.00 Uhr schlug es vom Kirchturm in Berghof. Pünktlich starteten alle 24 Teilnehmer zur letzten Etappe des König-Ludwig-Weg’s. Bei idealem Wanderwetter ging es durch blühende Löwenzahnwiesen Richtung Füssen. Im Bereich des Biotop-Mosaiks zwischen Forggensee und Bannwaldsee entdeckten wir endlich sehr viele königsblaue stengellose Enziane, ein begehrtes Fotomotiv und wunderschön anzusehen. Die Überraschung war zur „Bananenpause“ in Mühldorf ein Metzgerwagen. Wolfgang bestritt energisch, diesen bestellt zu haben. So gab es also leckere warme Leberkäsesemmeln im Anblick von Neuschwanstein, Hohenschwangau und St. Coloman. Die Menschenmenge in Schwangau ließ uns schnell auf den wunderschönen Alpenrosenweg flüchten. Am Lechfall vorbei ging es hoch nach St. Mang, die letzte Kirche dieser sehr schönen Wandertage. Damit war nach 19 km unser Ziel Füssen erreicht.
(Ruth Kuhlemann)

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.28. Juli 2004