Ein langgehegter Traum sollte in
diesem Sommer in Erfüllung gehen: die
Durchquerung der Brenta-Gruppe. Zuvor mache ich mit Frau und Rauhaarteckel
noch Urlaub am Gardasee. Das Hotel Saturno in Limone ist idyllisch am Hang
gelegen. Auf der anderen Seeseite liegt Malcesine. Der Monte Baldo - Ziel meiner
vorjährigen Fernwanderung auf dem E5 - thront darüber.
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In der Vedretta dei Camosci
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Gegen 10.00 Uhr treffe ich bei prächtigem Wetter in San Lorenzo in Banale (792 m) ein. Ich bin über Riva und PonteArche angereist und parke meinen Golf Trendline im Ortsteil Senaso. Verabredet bin ich mit Manfred Graul, der seit vielen Jahren AV-Mitglied ist und mittlerweile unzählige Bergkilometer hinter sich gebracht hat. Wir werden gemeinsam unterwegs sein.
Als Manfred „auftaucht“, sitze ich schon eineinhalb Stunden vor der kleinen Kapelle San Matteo im Schatten eines Walnussbaumes. (Kleine Verspätung. - Aber mein Begleiter hatte ja auch von Garmisch den weitaus längeren Anreiseweg.)
Die Sonne steht schon ziemlich hoch, als wir unsere Höhenwanderung durch
die Brenta-Gruppe beginnen. Bald schwenken wir jedoch in das Val d’Ambiez
ein. Das Tal ist eng und liegt überwiegend im Schatten der Bergwände.
Angenehm, zumal es zunächst noch gemächlich nach oben geht. Doch
nach etwa einer guten halben Stunde sitzen wir - allein um Zeit gutzumachen
- im Servizio Taxi, das uns zum Rifugio Cacciatore auf 1822 m bringt. Die Fahrt
mit dem Geländewagen ist zwar nicht gerade preisgünstig, dafür
jedoch um so abenteuerlicher: Es geht in rasantem Tempo an Steilwänden
vorbei. Auf der anderen Seite gähnender Abgrund. Millimeterarbeit. Ein „Höllenritt“.
Das Tal hat sich allmählich geöffnet. Die Wolken hängen mittlerweile
jedoch tief. Der Weiterweg wird zunehmend steiler. Die Alpenrosen zeigen
die ersten zaghaften Blüten. Troll- und Sumpfdotterblumen, Enzian und
Aurikel lassen die Almwiesen gelb, blau und lila leuchten.
Um 15.00 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel: das Rifugio Agostini (2410 m). Erschöpft lassen wir uns nieder.
Beim Vino rosso plaudern wir abends über vergangene Bergerlebnisse. Neue
Kräfte sind freigesetzt. Ein reinigendes Gewitter hat die Wolkendecke
vertrieben. Eine bizarre Gebirgskulisse liegt vor uns in der Abendsonne.
San Lorenzo - Val d’Ambiez - Rif. Cacciatore - Sent. Daliago - Rif. Agostini
Tourenlänge: 10,5 km ; Wanderzeit: 2 h (Geländewagen: 1/2h) ; Höhenunterschiede:
1650 m Anstieg
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Weg Nr. 318 zur Bocca di Brenta
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Zunächst wird erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Dann wandern wir ohne Hast los. Zum Rifugio dei Brentei ist es anscheinend nicht allzuweit. Wir können und sollten uns unterwegs Zeit lassen. Denn zum einen gilt der Weg Nr. 304 über die Bocca d’Ambiez auf Eis und Schnee als schwierig zu begehen, zum anderen sind wir ohnehin in das Lager der Genießer übergewechselt. (Leider falsch gedacht. Wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, wird sich die heutige Tageswanderung als eine der beschwerlichsten erweisen.)
Die Sonne lässt die Bergwelt erstrahlen. Wolkenloser Himmel. Auf dem
Weg Nr. 358, dem Sentiero Livio Brentini, steigen wir zunächst bergwärts über
ein riesiges Schneefeld auf die Bocca d’Ambiez (2784 m). Die letzten
rund hundert Höhenmeter werden an Drahtseilen zurückgelegt. Der Abstieg
in die Vedretta dei Camosci ist ebenfalls drahtseilgesichert.
Erneut liegt ein kilometerweites Schneefeld vor uns. Der Weiterweg wird zur
Rutschpartie. (Leichtsinnigerweise lassen wir unsere Steigeisen im Rucksack.)
Die Cima Tosa (3159 m) erhebt sich rechts.
Bevor der weitere Abstieg unterhalb des Crozzon di Brenta (3135 m) erfolgt,
muss noch ein längerer Felsvorsprung umgangen werden. Wir sind längst
auf dem Sentiero Martinazzi.
Ein letzter Anstieg zieht sich in die Länge. Jeder Schritt schmerzt. Nach
sechs Stunden Plackerei ist es geschafft. Wir stehen vor der Brentei-Hütte
(2182 m ).
Später sitzen wir vor der Hütte in der Sonne. Das Bier schmeckt.
Rif. Agostini - Sent. Brentini - Bocca d’Ambiez - Vedr. dei Camosci - Sent. Martinazzi - Rif. dei Brentei
Tourenlänge: 6 km ; Wanderzeit: 6 h ; Höhenunterschiede: 500
m An- und 700 m Abstieg
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Der Tuckett-Pass
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Auf dem schmalen Steig Nr.318 gelangen wir über die Bocca di Brenta (2552
m) in knapp zwei Stunden über Altschnee zur Pedrotti-Hütte (2491
m).Vor Einstieg in die Scharte haben wir diesmal allerdings unsere Steigeisen
angelegt.
Hinter der Hütte erheben sich die Felszacken des Croz del Rifugio (2613
m), gegenüber die schroffen Wände der Cima Brenta bassa (2765 m)
sowie der Cima Brenta alta (2960 m). Die Tosa-Hütte liegt nicht weit entfernt.
Als wir auf dem Orsi-Weg absteigen, zieht Morgendunst nach oben. Der Gegenanstieg führt uns unter steilen Felswänden in das Massodikar. Weiter ansteigend umgehen wir weitere Bergriesen, die mittlerweile in Wolken gehüllt sind. An der Sega alta ist noch eine Steilwand zu überwinden. Das Felsband ist jedoch hinreichend gesichert. Doch plötzlich donnern wenig vor uns Gesteinsbrocken zu Tal. Instinktiv suchen wir Schutz unter einem Felsvorsprung.
Die Cima Brenta (3151 m) erhebt sich linkerseits. Ein weiteres Geröllfeld liegt vor uns. Kurz darauf sind wir am Einstieg zum Tuckett-Pass (2649 m). Die Steigeisen werden angelegt. Der Abstieg führt ebenfalls über ein Gletschergebiet. Der Schnee ist sulzig. Bis zum Rifugio Tuckett (2271 m) sind es von hier nur noch 45 Minuten. Die Sonne hat inzwischen wieder die Oberhand.
Bis zum frühen Abend sitzen wir in der wärmenden Sonne. Die Hütte
ist gut besucht. Wir nehmen auch diesmal Halbpension. Als Dessert entscheiden
wir uns für ein Gläschen Grappa.
Rif. dei Brentei - Bocca di Brenta - Pedrotti-Hütte - Orsi-Weg - Tuckett-Pass - Tuckett-Hütte
Tourenlänge: 14 km ; Wanderzeit: 63/4 h ; Höhenunterschiede:
650 m An- und 600 m Abstieg
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Gebirgskulisse hinter dem Refugio
Cacciatore
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Mit dem Sentiero delle Bocchette wollen wir heute „den“ Felsweg in der Brenta schaffen.
Von der Tuckett-Hütte wandern wir zunächst nach Osten., bis uns die Tafel „Sentiero SOSAT“ zur ersten Leiter weist. Ein nicht ganz leichter Klettersteig liegt vor uns. Seile und Klammern helfen. Dann geht es sogar senkrecht über weitere Leitern erst abwärts und dann wieder nach oben. Höchste Vorsicht ist geboten.
Einige Stunden sind wir unterwegs, als wir das Rifugio Alimonta (2580 m) erreichen. Der Ausblick von hier ist wieder einmal nicht zu beschreiben. Weit hinten recken sich die schneebedeckten Gipfel der Presanella- und Adamello-Gruppe. Im Vordergrund die Brentaberge.
Auf dem Klettersteig sind wir nur zögerlich vorangekommen. Manfred ist ausgepowert. Wir machen eine längere Pause.
Am frühen Nachmittag geht es weiter. Vierzig Minuten im Schnee bis zur Bocca degli Armi (2749 m). An der Scharte geht es richtig los: Der Klettersteig führt zunächst senkrecht über mehrere Leitern nach oben. Darauf schlängelt sich der Steig an den Wänden der Felsgiganten entlang. Atemberaubend schön,wenn uns nicht plötzlich und unerwartet ein Gewitter eingeholt hätte. Unter einem überhängenden Felsvorsprung suchen wir Schutz. Der Regen prasselt. Hagelschauer folgen. Kein gutes Gefühl auf einer Via ferrata bei Blitz und Donner zu sein. Und das eineinhalb Stunden in gebückter Haltung.
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Gleich hinter dem Rif. S. Agostine
beginnt der aufstieg zur Bocca d'Ambiez
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Als das Gewitter vorüber ist, bleibt uns nur der Rückzug vom Bocchette-Weg. Alles Weitere wäre auf dem glitschigen Klettersteig unverantwortlich. Wir übernachten zwangsläufig im Rifugio Alimonta.
Die Sonne meint es am späten Nachmittag wieder gut. Wir genießen
die wärmenden Strahlen vor der Hütte.
Rif. Tuckett - Sent. SOSAT - Rif. Alimonta - Bocca degli Armi - Bocchette-Weg - Bocca degli Armi - Rif. Alimonta
Tourenlänge: 10,5 km ; Wanderzeit: 6 h ; Höhenunterschiede:
550 m An- und 300 m Abstieg
Die gestrigen heftigen Niederschläge halten uns von einem abermaligen
Einstieg in den Bocchette-Weg ab. Zu gefährlich, zumal die heutige Wetterlage
auch nicht die beste ist. Das Barometer ist gefallen. Und so steigen wir kurzentschlossen
zur Brentei-Hütte ab.
Von hier aus geht es weiter über die Bocca Brenta, wo auch der Bocchette-Weg
endet. Allerdings steigen wir diesmal nicht in dem Schneefeld sondern über
den gekennzeichneten Klettersteig auf.
Oben angelangt stecken wir im Nebel. Als sich abermals ein Gewitter entlädt,
sind wir bereits in der nahen Pedrotti-Hütte. Es regnet in Strömen.
Derweil stärken wir uns mit Minestrone und Spaghetti. Die Gasträume
sind überfüllt. Alle warten auf Wetterbesserung.
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Manfred auf dem Sentiero delle
Bochette
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Kurz nach 14.00 Uhr brechen wir auf. Der Regen hat nur wenig nachgelassen. Der Sentiero Palmieri führt uns allmählich abwärts. Zum Passo Forcolotta di Noghera (2413 m) geht es in Serpentinen dann wieder nach oben. Über Schotter und danach auf dem Weg Nr. 325b absteigend gelangen wir nach 31/4stündiger, strapaziöser Wanderung völlig durchnässt zum Rifugio Cacciatore.
Vor dem Abendessen nehme ich noch schnell eine heiße Dusche. Ich fühle
mich wie neugeboren. Es regnet die ganze Nacht.
Rif. Alimonta - Rif. dei Brentei - Bocca Brenta - Rif. Pedrotti - Sent. Palmieri - Rif. Cacciatore
Tourenlänge: 12 km ; Wanderzeit: 6 h ; Höhenunterschiede: 600
m An- und 1250 m Abstieg
Die Wandertage in der Gruppo di Brenta haben uns alles gegeben. Leider müssen wir schon heute von dieser wunderschönen Bergwelt Abschied nehmen. In der Erinnerung werden die Eindrücke jedoch ewig haften bleiben.
Durch das Val d’Ambiez streben wir in 23/4 Stunden gemächlich San Lorenzo zu. Das Wetter zeigt sich wieder von seiner besten Seite.
Manfred fährt zurück nach Garmisch. Er wird auch noch ein paar Tage
auf der Braunschweiger Hütte verbringen. Im Hotel Saturno am Gardasee
sitzt meine Frau schon auf den gepackten Koffern. Es geht gleich nach meiner
Ankunft heimwärts.
Rif. Cacciatore - Val d’Ambiez - San Lorenzo
Tourenlänge: 8 km; Wanderzeit: 23/4 h; Höhenunterschiede: 1050 m Abstieg
Wer wars