Montag: Die Wettervorhersage war „bescheiden“. Dienstag: Gerhild Jüttner, Anita Trautmann, Olaf Schröder, Klaus Steube und Michael Krech fuhren durch eine regenreiche Nacht und kamen am Mittwochmorgen im nebelverhangenen Ötztal an. Im Radio hieß es: Morgen soll es besser werden!
Frühstück in Sölden, dann die schweren Rucksäcke mit Gepäck für fünf Tage geschultert und von den Rofenhöfen aufwärts zur Breslauer Hütte. Diese steht in 2.844 m Höhe und soll einen hervorragenden Blick auf die gegenüberliegenden Berge bieten (soll!). Wir aber bewegten uns inmitten von Nebelwolken und waren froh, nach 2 ½ Stunden Nieselregen die warme Hütte zu erreichen. Die Hütte ist frisch renoviert und mit dem Umweltgütesiegel des DAV ausgezeichnet. Zu Recht! Nach der Mittagspause strebten wir - jetzt leichtfüßig - Richtung Urkundholm, einem der Wildspitze vorgelagerten Hüttendreitausender. Aber der Nebel wurde dichter, es begann zu graupeln und Schnee bedeckte den durch Geröll führenden Anstieg. Der Gipfel kam unerwartet, die Fernsicht blieb - wie erwartet - aus. Eine Stunde später trockneten wir am Kamin unsere Kleidung und der Hüttenwirt meinte: „Morgen......“
Der nächste Tag kam und das Wetter blieb - als Zugabe eine geschlossene Schneedecke und eine nochmals verringerte Sichtweite. Nun lautete die Prognose: „Ab Mittag wird es besser.“ Also verließen wir erst gegen 11.00 Uhr die Breslauer Hütte und tasteten uns über den Seuffertweg, einen fast ebenen Pfad und ein Schaustück des inneren Ötztals - wie der Führer schreibt, in Richtung Vernagthütte. Wir waren froh, in dem milchigen Weiß überhaupt den Weg zu finden. Hin und wieder ragte ein roter Holz- oder Metallstab aus dem Schnee (Kompliment an die Wegbetreuer, da hat wohl jemand an Neuschnee gedacht!) und so fanden wir auch diese Hütte ohne GPS. Die Wetterbesserung am Nachmittag machte sich durch nachlassenden Schneeregen bemerkbar und wir machten uns auf den Weg zum nahegelegenen Guslarferner: Anita wollte noch ein bisschen üben. Anseilen, losstapfen, Spalten suchen; Seilerster und Seilletzter konnten sich im Nebel kaum sehen. Also Rückmarsch, Nieselregen setzte wieder ein. In der Hütte hieß es dann, .........
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Zustieg zum Vernagtferner
Foto: Olaf Schröder |
Die Nacht war klar, und der nächste Tag bescherte uns - kaum zu glauben - einen strahlend blauen Himmel, keine Wolke, kaum Wind und plötzlich Berge um uns herum. Nichts wie los: Hinter der Hütte begann ein Moränenpfad Richtung Vernagtferner. Trotzdem kleine Orientierungsprobleme, denn wir wollten uns eigentlich weiter „rechts“ halten. Etwas „rauf und runter“, zwei Mal durch einen Gletscherbach, dann ging es über den glitzernd weißen Ferner. Das Spuren im Neuschnee war sogar für Olaf anstrengend. Niemand vor oder hinter uns, so näherten wir uns der kurzen Rinne zum Taschachjoch (3.236 m), um auf die andere Seite des Weißkamms zu gelangen.
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Die letzten Meter zum Taschachjoch
Michael am Ausstieg Foto: Olaf Schröder |
Oben ausgiebige Halbzeit-, Mittags- und Fotopause, dann nordseitig hinab in ein engeres Tal und auf einen spaltenreichen Gletscher. Der Hüttenwirt hatte uns gewarnt, und so tasteten wir uns am langen Seil vorsichtig nach unten. Tatsächlich fanden wir auch zwei verdeckte Spalten und der Seilerste musste feststellen, dass die Schneebrücken nicht hielten. Mit Verzögerung erreichten wir als nächstes Zwischenziel den Urkundsattel. Ab hier ging es weiter durch einen Gletscherbruch, bis wir schließlich in die Felsflanke auswichen. Im schneebedeckten Fels oder Geröll weglos und bergab war es mühsam und stellenweise heikel. Nach einer Stunde kamen wir in flacheres Gelände und bald darauf entdeckten wir auch Wegmarkierungen: Fast geschafft! Der Pfad geleitete uns zum Taschachhaus (2.433 m), das wir nach fast 10 Stunden völliger Bergeinsamkeit erreichten.
Trotz Hüttentrubel, Massenabfertigung und „Holzfäller“ im Nachtlager stellten sich dann Erholungsgefühle ein: Vor uns lag bereits die vorletzte Etappe (den Rückweg nach Sölden schon mitgezählt) und die Strecke über das Mittelbergjoch (3.166 m) zur Braunschweiger Hütte (2.758 m) würde zwar länger als am Vortag, aber weniger anstrengend sein. Auf dem Gletscher weniger Spalten und mehr Spuren. Unsere gesamte Tagesetappe ging anscheinend wieder niemand außer uns, dafür waren aber Gipfelsammler mit leichtem Gepäck unterwegs. Unterhalb des Mittelbergferners stolperten wir durch die Baustellen des Sommerskigebietes hinüber zum Karlesferner. Olaf und Gerhild scherten aus und kletterten noch eine Steileis-Seillänge am Gletscherrand. Dann folgte der jetzt doch etwas mühsame Schlussanstieg zur Braunschweiger Hütte. Diesmal kamen wir noch so rechtzeitig an, dass wir die Sonnenstrahlen auf der Terrasse genießen konnten, bis uns das Jubiläumsessen in die Hütte lockte.
Klaus Steube und Michael Krech