Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2005/3

Fahrradtour auf Sizilien vom 17. März bis 01. April 2005

Nachdem wir vor zwei Jahren (ebenfalls in den Osterferien) den Peloponnes beradelt haben (übrigens auch ein lohnendes Fahrradziel), war in diesem Jahr Sizilien unser Ziel. Es hat sich wieder gelohnt, zumal der Wettergott mitspielte.

Reiseroute: Unsere Reise führte uns noch am Tag der Ankunft von Catania zunächst mit der Bahn nach Siracusa, von dort in zwei Tagesetappen mit dem Fahrrad an die Südostspitze nach Portopalo bzw. weiter nach Westen nach Pozzallo. Dort nahmen wir noch einmal die Bahn, um uns quer durch die Insel an die Nordküste nach Termini Imerese bringen zu lassen. Jetzt startete die eigentliche Fahrradtour, zunächst in östlicher Richtung die Küste entlang nach Cefalù. Von dort ging es ins Gebirge in den Parco delle Madonie zu den Tagesetappenzielen Piano Zucchi (Hütte des italienischen Alpenvereins, in der leider unser deutscher Alpenvereinsausweis nicht galt), Petralia-Sottana, Nicosia, Bronte (am Fuße des Etna), nördlich um den Etna herum nach Linguaglossa. Weiter ging es nach Taormina und von dort nach Süden nach Zafferana, von wo wir einen Abstecher über die östliche Zufahrtsstraße auf den Etna zur 1910 m hoch gelegenen Rifugio Sapienza machten. Die nächsten Stationen sind dann Mascalucia, San Maria di Licodia und schließlich wieder Catania. Die gesamte Fahrradstrecke betrug gut 700 km mit knapp 7000 Höhenmetern.

Catania
In Catania
Foto:Dirk Scharf

Ausrüstung: Wir hatten, wie auf dem Peloponnes, unsere eigenen Trecking-Fahrräder mit. Jeder hatte zwei Packtaschen mit ca. 12 kg Gepäck pro Person einschließlich leichter Wanderstiefel; zusätzlich einen Tagesrucksack (für Tagesverpflegung und Papiere) für Ausflüge bzw. Besichtigungen. Wichtig waren windundurchlässige Jacken, Handschuhe und lange Fahrradhosen für die kalten, bis zu 17 km langen Abfahrten (ansonsten sind wir überwiegend in kurzen Fahrradhosen und T-Shirts gefahren - siehe Wettergott). Ein Fahrradreiseführer mit vielen Reiseroutenbeschreibungen und vor Allem mit der Darstellung der verschiedenen Höhenprofile sowie kurzen Beschreibungen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten war sehr hilfreich. Flickzeug einschließlich einiger Kettenglieder, Speichen und zwei Schläuchen ist gut, wurde aber von uns nicht benötigt.

16 Fahrrad im Flugzeug/in der Bahn: Nicht Jedem ist bekannt, dass man Fahrräder im Flugzeug mit nehmen kann; allerdings geht das nicht bei allen Flügen. Kosten: in diesem Fall 40 s pro Fahrrad für Hin- und Rückflug. Die Kosten hängen von der Fluggesellschaft und vom Wohlwollen des Check-in-Personals ab: nach Griechenland mit drei Fahrrädern haben wir nur für ein Fahrrad bezahlt. Fahrradmitnahme in der Bahn auf Sizilien geht offiziell nur in bestimmten Zügen und teilweise nur auf bestimmten Strecken (im Internet ersichtlich). Inoffiziell haben wir die Räder auch in nicht für Fahrräder vorgesehenen Zügen mitgenommen: man muss einfach einsteigen.

Fahrradfahren auf Sizilien ist in den Städten und auf stark befahrenen Straßen gewöhnungsbedürftig, aber doch recht sicher. Radwege gibt es nicht. Man muss immer auf Sichtkontakt und einfach losfahren: dann nehmen die Autofahrer Rücksicht. Beim Überholen hupen sie häufig, jedoch nicht ausÄrger, sondern um den Radfahrer zu warnen. Auf Nebenstraßen ist das Fahren entspannend, in den Bergen begegnet man nur wenigen Autos. Abgesackte Straßenteile sind nicht selten.

Unterkünfte/Buchungen: Die Quartiere haben wir uns jeweils problemlos vor Ort gesucht, manchmal morgens telefonisch für den Abend reservieren lassen in Hotels, Bed-and-Breakfast-Unterkünften, Privatpensionen und auf Gutshöfen (AgroTourismo), wobei die Unterkünfte auf den Höfen vorzüglich waren.

Gesamteindruck: Häufig wurden wir von deutsch sprechenden Sizilianern angesprochen, die längere Zeit in Deutschland gelebt haben und in ihre Heimat zurück gekehrt sind. Wir sind überwiegend freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet. Was die Reisezeit angeht, waren wir wohl etwas zu früh (wegen der Ferien). Ein bis zwei Wochen später hätte uns wahrscheinlich eine größere Blütenpracht beschert. Allerdings hatte Sizilien einen ziemlich langen Winter, immerhin wurde in Piano Battaglia noch Ski gelaufen. Schade, dass die Städte und die Ränderder Überlandstraßen so von Müll verschmutzt sind. Interpretiert man das jedoch als sizilianischitalienischen Charme und nimmt die Landschaft mit schneebedeckten Bergen unter blauem Himmel sowie die Zitronen-, Apfelsinen-, Mandarinen- und Olivenplantagen, die Weinberge, natürlich den Etna sowie die kulturellen Sehenswürdigkeiten dazu, so ergibt sich ein Bild, das dazu auffordert, wieder zu kommen.

Wer noch mehr wissen möchte: Dagmar und Dirk Scharf

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 24. August 2005