Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2005/4
Hochtourengruppe

Herbstkletterfahrt zur Hermann-von-Barth-Hütte

Gruppenbild
Mit den voll gepackten Rucksäcken geht es zur Hütte.
Foto: Ronald Scheffler

Sonntag abend, wie bei den letzten Kletterfahrten üblich, stellt Klaus Steube seinen VW-Bus als Transportmittel zur Verfügung. Olaf sammelt alle Teilnehmer aus Braunschweig und Umgebung ein. Als ich bei Gerhild ankomme, stellt sich heraus, dass unser Tourorganisator Klaus plötzlich krank geworden ist und leider nicht mitkommen kann. Klaus vertraut uns aber großzügig seinen Bus an. So sind wir nur noch 6 Teilnehmer, das Busfahrerteam Gerhild Jüttner, Silke Fähnrich, Ralf Hartzsch, Olaf Schröder und ich. Thorsten Schubert kommt direkt von seinem Alpenurlaub zur Hütte.

6 Uhr morgens erreichen wir Elbingenalb. Jetzt haben wir noch 1100 Höhenmeter Aufstieg zur Hütte in 2131m vor uns. Unser Gepäck vertrauen wir auf halber Höhe der Hütten-Transportseilbahn an. Nebenan gibt es ein Telefon, mit dem man den Hüttenwirt über den Gepäcktransport informiert.

Ohne Gepäck ist der Aufstieg bei herrlichem Spätsommerwetter nun ein Spaziergang. Wir genießen die Ausblicke vom Wanderweg auf das Lechtal und die umgebenden Berge. Dann sehen wir auch unsere Rucksäcke an uns vorbei zur Hütte schweben. Endlich liegt die Hütte vor uns - eingerahmt von Bergspitzen, rechts oben eine langgezogene stark zerklüftete Felsmauer, in deren Zentrum die markante große Plattenwand der Wolfebner Spitze zu sehen ist, in deren Mitte sich gerade eine Seilschaft befindet. Die Südwestwand der Wolfebner Spitze ist steil und beinhaltet entsprechend schwierige Touren. Leichter ist es auf der Nordostseite. Hier verläuft auch der Normalweg. Auf diesem steigt man vom Gipfel kommend bis zur Wolfebner Schulter ab, wechselt auf die Südwestseite und erreicht über einen steilen Pfad in teilweise leichter Kletterei die Hütte. Zu den Routen in der Südwestwand benötigt man etwa 20 Minuten von der Hütte aus. Darüber hinaus gibt es unterhalb der Plattenwand, direkt neben dem Abstiegsweg, noch einen Klettergarten mit Baseclimbings in den Schwierigkeiten zwischen III und VI.

Helle Schicht
Gerlind in Helle Schicht
Foto:

Nachdem wir unser Lager bezogen haben, hat Olaf für uns schon erste Kletterrouten ausgesucht. Wer weiß, wie lange das schöne Wetter anhält. Gerhild und Olaf steigen in die „Helle Schicht“ (V-) ein. Silke und ich nehmen uns die leichtere Tour „Zwischenspiel“ (IV) vor. Die erste Seillänge kommt mir aber für eine IV recht knackig vor. Es geht senkrecht nach oben an kleinen auflegerartigen Griffen. Da ich meine bequemen Kletterschuhe angezogen habe, stehe ich auf den kleinen Tritten auch nicht sonderlich gut. Im Nachhinein erfahre ich, dass wir in den „Großen Pfeiler“ eingestiegen waren und ich dadurch eine V- klettern musste.

Thorsten trifft am Mittag in der Hütte ein, so ist unsere kleine Klettergruppe vollzählig. Ralf hat nun auch seinen Kletterpartner, mit dem er sich sogleich auf die „Himmelsleiter“ begibt, Genusskletterei im dritten Schwierigkeitsgrad. Die Tour endet auf dem Plattenwandgipfel. Um zum Hauptgipfel der Wolfebner Spitze zu gelangen, muss man noch auf den Normalweg abseilen.

Am nächsten Tag wollten Gerhild und ich die Bluatschink (IV+) klettern. Leider mussten wir umdisponieren, da in die Tour gerade zwei Seilschaften eingestiegen waren und eine dritte am Einstieg wartete. So nahmen wir uns „Zeit zum Träumen“ (IV+) vor, was für uns erst einmal viel Zeit zum Suchen des Einstiegs bedeutete. Wir mussten vom Wanderweg ein steiles Schrofengelände aufsteigen. Am rechten Rand eines sich anschließenden steilen Grashanges begann ein Gratausläufer. Hier war der Einstieg durch einen Bohrhaken markiert. Die Tour sind wir dann auch wieder abgeseilt, da nach umfangreicher Erkundung des Ausstiegsbereiches kein vernünftiger Abstiegsweg zu finden war. Die ausführliche Beschreibung konnten wir am Abend im Kletterführer nachlesen. Die entsprechende Seite hatten wir auf der Tour leider nicht dabei.

Das Wetter meinte es die nächsten Tage sehr gut mit uns. Es gab Sonnenschein pur. So konnten wir uns alle Wunschtouren zwischen III und VI vornehmen. Olaf ist zwei schwere Routen vorgestiegen . Bei der „Kadner Führe“ (VI-) sind Gerhild und ich nachgestiegen. Auf der „Kauschka Führe“ (VI) waren Olaf und ich unterwegs.

Wolfebnerspitze
Wolfebnerspitze
Foto:

Der Fels an der Wolfebner Spitze war teilweise brüchig und von Steinschlag gefährdet. Andererseits war er aber schön rauh und nicht blank poliert, wie wir es zum Beispiel bei den Sonnenplatten von ARCO her kennen. Leider war der Abstieg über den Normalweg recht zeitaufwendig. Das lose Geröll erforderte große Aufmerksamkeit und bei einer heiklen Querung (III) installierten wir doch besser eine Seilsicherung. Für unsere Touren (8 bis 10 Seillängen) benötigten wir je nach Schwierigkeit etwa 2 bis 3 Stunden. Aber durch den mühevollen Abstiegsweg wurde es dann doch immer früher Nachmittag, so dass es sich nicht mehr lohnte, eine weitere Tour anzufangen. Es bot sich daher an, noch einige Baseclimbings im Klettergarten zu machen oder schon mal gemütlich ein Bier auf der Hütte zu trinken.

Die von uns ausgewählten Routen waren vor einigen Jahren saniert worden., so brauchten wir außer Express-Sicherungen nur ab und an eine Schlinge, einen Klemmkeil oder Friend zu legen. Durch die Klebehaken war auch die Routenführung klar, solange es keine Abzweigungen in andere Routen zu beachten galt. Trotz der guten Absicherung verlangten der brüchige Fels und schuttige Routenabschnitte große Aufmerksamkeit. Es passierte uns mehrmals, dass sich Steine lösten, die dann jedesmal zu einem kleinen Steinschlag führten. Der Kletterhelm war deshalb in diesem Gelände besonders wichtig und wir setzten ihn bereits auf, bevor wir die Einstiege in der Wand erreichten.

Ralf, Silke und Thorsten unternahmen auch einmal eine Wanderung zur Marchspitze, um dort den Westgrat in leichter Kletterei (II) zu besteigen. Die Tour musste leider aus Zeitgründen abgebrochen werden, sonst wäre das Abendbrot (19 Uhr Küchenschluss) ausgefallen.
Und das Essen in der Hütte ist sehr zu empfehlen. Einmal gab es als Hauptgericht eine riesige Käsenocken-Pfanne, die wir trotz guten Willens nicht schafften. Meine Befürchtung, dass es nun beim nächsten Abendessen viel weniger geben würde, traf glücklicherweise nicht zu. Nach einem guten Abendbrot gönnten wir uns zur Förderung der Verdauung Kräuterschnäpse aus hütteneigener Produktion. Sehr zu empfehlen ist hier der sogenannte „Zirben“, ein Zirbenkiefernschnaps.

Etwa 5 Minuten von der Hütte entfernt, etwas oberhalb vom Wanderweg Richtung Wolfebner Spitze, gibt es eine Höhle, in die man sich abseilen kann. Am Donnerstag Nachmittag gingen Gerhild, Silke und Olaf auf Höhlenerkundung. Ich zog es vor, mit Thorsten ein Bier zu trinken.

Am Freitag sollte endlich die angekündigte Schlechtwetterfront eintreffen. Silke und Thorsten begaben sich schon am Vormittag auf den Heimweg. Gerhild und ich kletterten endlich die „Bluatschink“, die mit 10 Seillängen die längste Route an der Wolfebner Spitze ist. Olaf und Ralf unternahmen noch eine Gipfelbesteigung auf den Großen Krottenkopf über den Normalweg.
Am Nachmittag zog sich der Himmel dann mit dicken grauen Wolken endgültig zu, und wir machten uns auf den Abstieg ins Tal. Um 18 Uhr hatten wir unseren Bus erreicht. 5 Minuten später begann es in Strömen zu regnen. Das Timing hatte wieder einmal gepasst.

Abschließend muss ich sagen, dass es für uns eine prima Kletterwoche war. Sogar Silke, unserem Alpin-Küken, hat es großen Spaß gemacht. Die Wolfebner Spitze ist eine weitere Kletterfahrt wert.

PS.: Informationen zur Hermann-von-Barth-Hütte gibt es unter http://www.hermann-von-barth.at/.

Ronald Scheffler

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 13. November 2005