Seit langem ist es eine liebgewordene Tradition für die Familien unserer Gruppe: Am dritten Adventwochenende treffen wir uns - fernab vom Großstadttrubel - für einige gemeinsame vorweihnachtliche Stunden am Torfhaus. Aber wenige Tage vor der Adventfeier 2005 kam überraschend eine Hiobsnachricht: Schon ab Anfang Dezember sind die Pächter nicht mehr da, wird die Torfhaushütte daher geschlossen.
Was sollte jetzt aus der beliebten Veranstaltung werden? Wer einmal eine Weihnachtsfeier für einen Verein, den Betrieb oder eine andere größere Gruppe organisiert hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass es fast unmöglich ist, in der Adventszeit kurzfristig einen freien passenden Raum zu finden. So war es leider auch hier, eine geeignete Alternative war auf die Schnelle nicht aufzutreiben. Wer hätte diese Steigerung der schlechten Nachrichten geahnt: Selbst die wahrscheinlich letzte Adventfeier auf der Torfhaushütte lag plötzlich nicht mehr vor uns, sondern schon zwölf Monate zurück ...... Schweren Herzens musste ich mich ans Telefon setzen und den angemeldeten Familien absagen.
Aber um Weihnachten herum soll es schon immer kleine und große Wunder gegeben haben. In diesem Falle begann es mit einem abendlichen Anruf von zwei Damen unserer Gruppe: Ob wir nicht doch in der Torfhaushütte feiern könnten ......Sie hätten bereits fast alles geklärt. Auch der erste Vorsitzende hätte schon genickt. Es wären nur noch einige Details abzusprechen. Wie sich zeigte, ließen sie ihren Worten alle notwendigen Taten folgen und hatten die Dinge jederzeit im Griff. Aber hören wir, was eine der beiden selbst berichtet:
Am 19. November, während unserer letzten Braunkohlwanderung, war bei Sigrid Holste und mir die Idee entstanden, die Weihnachtsfeier doch in der Torfhaushütte zu veranstalten. Wir wollten uns und unseren Enkeln noch einmal Gelegenheit geben, wahrscheinlich das letzte Mal, die Hütte so zu nutzen.
Aber wir hatten von der Idee bis zur Feier nicht viel Zeit. Hier gleich ein "Dankeschön" an Herrn Dr. Sprenger und Brigitte Kähler-Bock, die die Verantwortung übernommen und uns eine warme Hütte beschert haben.
Sigrid und ich telefonierten viel, einmal trafen wir uns am Abend und ihr Computer warf das richtige Programm aus, d. h. Sigrid hatte toll vorgearbeitet, Listen erstellt was einzukaufen war. Sie hatte von Streichhölzern bis Toilettenpapier alles mit eingeplant. Heinrich schlug einen kleinen Weihnachtsbaum. Lichterkette und Baumschmuck brachten wir mit. Ein Riesensuppentopf mit leckerer Hackfleischsuppe reiste auch mit an, Essen, Trinken, wie in einem kleinen Hotel! Sigrid, Heinrich, "Danke"!
Als die jungen Familien hörten, dass wir doch feiern, machten viele spontan mit.
Der Anreisetag für uns Planer war am Freitag, dem 9. Dezember. Fast zeitgleich kamen wir oben an. Sigrid mit Jonas und Wolfgang, ich und unsere drei Enkel. Zuerst hieß es Schnee schaufeln, damit wir besser zur Tür hinein kamen. Alles aus dem Auto ausräumen - die Hütte in Beschlag nehmen und dann im 1. Stockwerk die Zimmer aussuchen. War ein tolles Gefühl. Als alles wohnlich eingerichtet war, aßen wir gemeinsam zu Abend. Die Kinder tobten ausgelassen in der Hütte und fielen später todmüde in die Betten. Nun hatten wir Zeit, alles weihnachtlich zu schmücken. Der Baum wurde aufgestellt, in der Küche die mitgebrachten Kaffeemaschinen und der Zweiplattenherd plaziert.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gab es kein Halten mehr, blauer Himmel und Schnee lockte uns zum Schlittenfahren. Kurz ein Zettel an die Hüttentür und der Schlittenabhang gehörte uns. Wir hatten einen Superspaß!
Gegen Mittag waren wir wieder in der Hütte, und nach und nach füllte sie sich. Kaffee trinken mit Kuchen und Keksen, Lachen der Kinder und Warten auf den Weihnachtsmann? Zumindest wurde im Flur neben der Eingangstür ein Jutesack mit Geschenken gefunden, sicherlich aus Zeitmangel vom Weihnachtsmann dort abgestellt. Na, das gab ein Hallo! Waltraud Witt spielte mit der Gitarre Weihnachtslieder, Anna begleitete super mit der Flöte.Wir sangen dazu. Danach gab es kein Halten mehr, mindestens sechs Kinderköpfe waren halb im Sack verschwunden, um zu sehen, was es darin zu entdecken gab. Michael Krech bescherte die Kinder, zum Teil mit der Bitte, doch ein Gedicht aufzusagen. Alles klappte gut. Der restliche Abend mit gutem Essen und Trinken in geselliger Runde verlief harmonisch und sehr nett.
Suppen, Brot, ganz viel Leckereien waren neben dem Tresen aufgestellt. Teelichte, Servietten, es war alles da. Das Essen hätte bestimmt für eine Woche gereicht! Nach dem Essen tummelten sich manchmal fünf bis sieben Personen in der Küche zum Abwaschen und Wegräumen. Auch Männer waren dabei! Es ging alles Hand in Hand. Auch vielen Dank an dieser Stelle für alle Helfer, eigentlich an alle! (die da waren, denn es brachte jeder etwas mit oder half!!!)Am Sonntagmorgen gab es für uns Verbliebenen wie Holste, Witt und Watteroth eine Überraschung. Als wir zum Frühstück kamen, waren Ralf und Karina Hartzsch schon mindestens eine Stunde fleißig: Kaffee war gekocht, Brötchen aufgebacken, der Tisch gedeckt. Ich jedenfalls habe es genossen, kam doch dann danach noch richtig viel Arbeit auf uns zu. Alles wieder einpacken, die Hütte saubermachen. Aber wir wussten vorher, auf was wir uns eingelassen haben. Jeder half mit, es war wieder eine große Familie. Aber ganz besonders möchte ich an dieser Stelle Karina erwähnen. Nach dem Resteessen zu Mittag war sie nur noch mit Eimer und Schrubber zu sehen, sie putze von der 1. Etage bis über den Schankraum und unten die Toiletten. Sie hat hier wirklich ein großes Lob verdient und ich sage noch einmal "DANKE"
Etwas wehmütig schloss ich die Hütte am Sonntag ab.
Gegen 16.00 Uhr machten wir uns mit drei müden Enkelkindern auf den Heimweg und noch heute denken wir an die drei wundervollen Tage auf
"unserer Torfhaushütte"
Bruni Watteroth
Die Begeisterung, die aus diesen Zeilen spricht, trügt nicht. Dass die Adventfeier nach der unglücklichen Vorgeschichte doch stattgefunden hat und wie gelungen sie war, kann man schon als märchenhaft empfinden. Sigrid und Bruni haben mit ihrem Optimismus und mit ihrer Tatkraft ein kleines "Wunder" vollbracht und die übrigen förmlich mitgerissen. Selbst das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Nach blauem Himmel am Tage schuf die untergehende Sonne auf der Schneehaube des Brockens einen Hauch von Alpenglühen. Später starteten die Kinder bei Fackelschein zum Nachtrodeln. 34 Personen haben nach all dem Hin und Her letztlich an der Feier teilgenommen, für eine "Selbstversorger-Hütten-Veranstaltung" eine stattliche Zahl. Niemand brauchte sein Kommen zu bereuen, alle Gäste werden diese außergewöhnliche Zusammenkunft vermutlich lange in sehr guter Erinnerung behalten.
Ein ganz, ganz herzlicher Dank geht an Sigrid und Bruni, an ihre tatkräftigen
Ehemänner und an die übrigen Gäste wie das Ehepaar Hartzsch, Waltraud Witt
und all die übrigen kleinen und großen begeisterungsfähigen Mitglieder der
Familiengruppe!
Michael Krech