Tina & Rainer Nitsche, Ralf Hartzsch, Gerhild Jüttner & Ellen Nicklaus
Die Skitouren im Januar sind schon eine feste Einrichtung der Winterunternehmungen. Die Region Glatzer Schneegebirge und Altvatergebirge hatte Ralf diesmal ausgesucht. Gestartet sind wir in Kraliky. Ein schöner, kleiner Ort mit restaurierten alten Gebäuden (Arkaden) um den Marktplatz.
Schnee gab‘s reichlich. Temperaturen bis –15 °C und klares sonniges Wetter in den ersten Tagen.
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Abfahrt vom Großem Schneeberg, 1425 m
Foto: Rainer Nitsche |
Die „Eingehtour“ ging gleich auf den Sneznik (Schneeberg), 1423 m. Der Gipfel ragt baumlos heraus und ist Wind und Wetter sehr ausgesetzt. Wegen Vereisung hatten wir Schwierigkeiten beim Aufstieg, aber noch mehr bei der Abfahrt. Das zum Glück vorgebuchte Quartier erreichten wir gegen 17:00 Uhr. Es war ein einsames Haus, das uns erst nach grobem Lärm geöffnet wurde. Am folgenden Tag Aufstieg zum 1125 m hohen Smrk.
Weiter ging es auf einem sehr unterhaltsamen Skiweg. Ständig steile Aufstiege und Abfahrten in sehr naturbelassenem Gelände mit umgestürzten Bäumen. Unsere Zeitplanung ging flöten. Es wurde dunkel und wir fanden keine Wegemarkierungen.
Zum Glück hatten wir eine Spur, der wir folgen konnten, obwohl es nicht unsere Richtung war. Letztendlich landeten wir auf einer beleuchteten und geräumten Straße. Hier erwartete uns das nächste Highlight: Die Bindungen waren eingefroren. Erst nach mühsamer Bearbeitung konnten die Schuhe ausklinken. Zum Glück ist in Tschechien das Eisenbahnnetz noch vollständig in Betrieb! Nach einem kleinen Fußmarsch gelangten wir zu einem Bahnhof. Der letzte Zug des Abends brachte uns zum geplanten Etappenziel: Lipova-lazne, ehemals Bad Lindewiesel.
Am nächsten Tag fand nur eine 15 km - Wanderung statt. Zunächst nach Gräfenberg, wo das Mausoleum von Vincent Prießnitz, einem Naturheilkundler steht und nach Jesenik (Freiwaldau), wo Rainers Familie ihre Wurzeln hat.
Der Glanz der Kurorte zur Zeit des Jugendstils war teilweise noch erkennbar, die Anstrengungen, wieder westlichen Standard zu präsentieren, sind auffällig.
Danach ging es in das Altvatergebirge. In Ramzova brachte uns der Skilift auf 1350 m Höhe. Es war vorbei mit schönem Wetter. Nebel, Wind, Schneegestöber! Wir zogen alles Verfügbare an. Der Weg zum Schweizer Haus führte über drei Berge: Keprnik 1423 m, Cervena Hora 1337 m und Kamzik 1200 m.
Das letzte Drittel des Weges mußten wir im Neuschnee spuren und ohne Wegemarkierung auskommen, da zugeschneit. Auch diesmal wurde es dunkel.
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Altvatergipfel, 1491 m
Foto: Rainer Nitsche |
Unser Ziel, eine einsame Hütte im Wald, ohne Spur oder gar Weg war schwer zu finden. Unter Ralfs Pfadfinderspürsinn kämpften wir uns im Tiefschnee eine Schneise empor und trafen endlich auf die Hüttenloipe. Wir waren die einzigen Gäste. Der Altvater (Praděd) 1491m war schon sehr nah. Am nächsten Morgen gab es Nebel bei –15 °C. Wir diskutierten eifrig, ob wir die Abzweigung zum exponierten Gipfel machen sollten. Die Mehrheit entschied sich für den Aufstieg. Der Wind wehte heftig, aber die Wolkendecke brach erst teilweise, oben dann vollständig auf. Der Berg zeigte sich in einem phantastischen Morgenlicht.
Der weitere Weg ging über ein großes Hochplateau an Stangen entlang. Bei den wechselnden Sichtverhältnissen hilfreich. In einer kleinen Schutzhütte (Hirschquelle) trafen wir eine tschechische Gruppe die sich im Tiefschnee von unten hochgearbeitet hatte. Wir waren sehr froh, daß wir deren Spur nutzen konnten und fanden noch vor Sonnenuntergang in Ztracenka ein Quartier.
Die letzte Tour bereitete keine Schwierigkeiten. Wir mußten zwar lange Strecken selber spuren, waren aber dennoch so früh am Bahnhof in Vikyrovice, daß wir zur Übernachtung noch nach Zabreh fuhren, wo wir dann in den EC einsteigen konnten.
Wir bezogen das erste Haus am Marktplatz. Leider lag es weit vom Bahnhof entfernt. Unsere Kopfschmerzen wegen der frühen Zugabfahrt waren aber unbegründet. Es schneite des nachts so heftig, daß wir direkt vom Hotel auf den noch nicht geräumten Wegen mit Ski bis auf den Bahnsteig fahren konnten.
Es war eine interessante Tour und die teilweise extremen Verhältnisse brachten reichlich neue Erfahrungen mit der Materie „Schnee“.
Nach Ralfs Unterlagen betrug die Länge der Tour 110 km, mit Ski stiegen wir 2980 m auf und fuhren 4090 m ab. Einige Anstiege haben wir uns mit Bus und Lift etwas erleichtert.
Gerhild & Ellen