Die traditionelle Frühjahrskletterfahrt der Hochtouren-Kletterer auf die Südseite der Alpen fiel dieses Jahr aus – ermöglichte aber dadurch eine gemeinsame Unternehmung von Wanderern und Kletterern der Hochtourengruppe: die Fränkische Schweiz erfreut mit mehr als 500 Kletterfelsen, über 100 Brauereien, etlichen Schnapsbrennereien und viel Gegend zum wandern, radfahren, paddeln....
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Jede Menge Kletterfelsen
Foto: Klaus Steube |
Getrennt marschieren (anreisen), vereint schlafen: wir schafften es, zu siebt 3 Autos zu nutzen und gewollt-ungewollt während des Eröffnungsspiels der Fußball-WM auf fast leeren Autobahnen ins fränkische Schlaifhausen zu düsen. Die Wanderer waren bereits 2 Tage vorher in ihrem Quartier (Gasthof Schüpferling) eingefallen, während ich sechs Kletterer (plus zwei Wanderer, denen wir gerne Asyl gewährten) in einem Gemeinschaftsraum des Gasthofes Kroder zusammenlegte. Gegen 21.00 h endlich alle vereint, war es zu spät, um die umfangreichen Routenvorschläge (aus drei Kletterführern) zu besprechen. Ein Wahrzeichen des Frankenjuras, „das Walberla“, direkt vor Augen, strebten wir am Samstagvormittag zum Rodenstein, den zum Klettern freigegebenen Teil des Hausberges. Unsere Wahl erwies sich als goldrichtig: Mannigfache, (zu) gut gesicherte Routen in meist festem Fels warteten darauf, von uns – und nur wenig anderen Besuchern - beklettert zu werden. Je nach Lust und Können fand jede(r) etwas zwischen Schwierigkeit 3 und 6-. Wie in Sportklettergebieten üblich, hatte jede Route ihren Namen. Manche waren in kleiner Schrift am Felsen angeschrieben und erleichterten uns die Auswahl sehr (das wäre im Harz für Ortsfremde auch nicht schlecht). Die Routen sind nach SW ausgerichtet und entsprechend heiß wurde es ab Mittag (zur Erinnerung: der Sommer hatte mit Temperaturen über 25°C zwei Tage zuvor begonnen). Obwohl sich Körper unter Erwärmung ausdehnen (also pro Volumeneinheit leichter werden), wurden bei drei Kletterern am Nachmittag die Arme immer schwerer und verlangten nach äußerer (Dusche) und innerer (Bier, Eis...) Kühlung. Zwei etwas hitze-resistentere und leistungsstärkere Teams harrten noch eine Stunde länger aus, ehe auch hier das Verlangen nach Flüssigkeitszufuhr die Kletterbegeisterung überwand.
Zur Wiederherstellung des Mineral- und Flüssigkeitshaushaltes von Kletterern bietet die fränkische Küche neben reichhaltigen und deftigen Speisen ein in dieser Gegend sehr verbreitetes, vergorenes gerstensafthaltiges Getränk mit den Namen „Helles“ (auch als Variante „Dunkles“ erhältlich). Es hat gewisse Geschmacksähnlichkeiten mit unserem nördlichen Bier und rinnt vorzüglich durch ausgedörrte Kehlen. Es zeichnet sich jedoch deutlich durch Menge und Preis (1,80 € pro 0,5 ltr) im Vergleich zum hiesigen Gebräu aus. Da nur wenige dieser regionalen Verlockung widerstehen konnten, flossen etliche Liter im Laufe des Abend durch die dafür vorgesehenen Körperöffnungen hinein (und hinaus).
Verständlicherweise trat auch deshalb wieder die ausführliche Diskussion über das Kletterziel des nächsten Tages in den Hintergrund (ein Novum in der Klettertruppe!!). Wichtig war uns allen: „Schattenklettern“. Zum Glück hatte sich einer zu Hause ausführlichst vorbereitet und präsentierte der Gruppe am nächsten Morgen das Ziel: Aufseßtaler Südwand. Wir fuhren zum kleinen Ort Doos und parkten unser „Dienstfahrzeug“ an einem Platz mit Sonnengarantie (will mir die Sektion nicht mal den Bus abkaufen?) und schlenderten durch den Talgrund bis zu einem großen Felsklotz. Dieser war bereits von einer Zweierseilschaft aus Thüringen belagert, die uns ohne große Sprachschwierigkeiten bestätigte, dass wir auch ohne GPS den richtigen Felsen gefunden hatten. Alle Routen verliefen im Schatten und trugen motivierende Namen wie Käsekuchen, Höhlenweg oder Forelle mit Sahnemeerrettich. Jede(r) fand die Schwierigkeit die man/frau wollte und bis auf zwei Routen waren diese auch recht gut abgesichert. Auf einen Vorsteigersturz wollen wir hier nicht näher eingehen, denn Gott sei’s gedankt, und auch der Gerhild, die aufmerksam gesichert hatte (aber vielleicht beim nächsten Mal bitte mit Helm klettern).
Um einen wichtigen Termin nicht zu versäumen (wollte sagen: „wir waren ausgepowert und hatten alles gemacht was (für uns) zu machen war“) setzen wir uns am Nachmittag wieder in Richtung unseres mobilen Backofens in Bewegung. Der Abend brachte dann den ersten kulinarischen Höhepunkt der Fahrt mit Schäuferla und Klössen (leider nicht zu beschreiben - selber testen!), die mit reichlichem Hellen, Dunklen (s.o.) der Verdauung zugeführt wurden.
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Gerhild
Foto: Klaus Steube |
Der dritte Tag brachte uns den Lindenstein (bei Stadelhofen) näher. Ein Anfängerfels, der unseren Ufügks (unter-dem-fünften-Grad-Kletterern) so richtig behagte. Im lichten Buchenhochwald (siehe Namen!) konnten wir uns an vielen leichten bis mittleren Routen (3 bis 5) im hellen Kalkstein tummeln. Der „HTG-Einweggrill“ (Traditionen müssen gepflegt werden) sollte uns am Abend den zweiten kulinarischen Höhepunkt bescheren. Direkt vom Felsen in die Supermärkte schwärmten drei Seilschaften aus, um Getränke, Fleisch und Ballaststoffe zu erbeuten. Zwischenstopp an einem Erdbeerfeld und schließlich Endspurt zum Quartier, daselbst das Getränk in den kühlen Waschraum und der Abend konnte kommen… Er kam, und außerdem einige Mutige des Wandertrupps (der Rest kam später zur Nachsitzung). Bald qualmte der Grill, das Bier fand seine Abnehmer und der Salat (angemacht in einer Besteckschale) mundete allen. Da der Gastwirt uns seinen Biergarten überlassen hatte (Montag war Ruhetag), konnten wir bis spät abends zusammensitzen und Wanderer- oder Klettererlatein verzapfen.
Im Zentrum des Frankenjura liegt Gößweinstein, und seine zahlreichen Kletterfelsen sind beliebt und bekannt. Die hohen Mauern der Eibenwände wirkten durch ihre Nordlage am frühen Vormittag noch abweisend und dunkel. Zwei ‚locals’ (dt.; Eingeborene, der eine 72 Jahre alt, der andere etwas jünger) wiesen uns in die Klassiker ein und hatten bereits zwei Routen runtergespult, als wir endlich starteten. Ungewohnt war es schon, die ersten Haken in sechs Meter Höhe oder mehr zu sehen, doch der zuerst so abweisende Fels entpuppte sich als erstaunlich rauh und griffig und bot viele Möglichkeiten Zwischensicherungen zu legen. Auch eine neue Kamintechnik, im Rücken ein Baum und vor sich der Fels, kam zum Einsatz – allerdings waren wir damit nicht die Ersten, denn so glatt konnte keine natürliche Baumrinde sein. Wirklich ganz leichte Routen gab es nicht, aber etliche Bierkrug-5er und -6er, mehr als man an einem Tag schaffen kann. - Mit dem Symbol eines Bierkruges sind im Kletterführer die besonders lohnenden Routen hervorgehoben. - Das am späten Nachmittag, die Felsen waren inzwischen viel heller geworden, ein Teil der Nachsteiger nicht mehr die rechte Kraft hatte und die Vorsteiger schon gar nicht, soll an dieser Stelle nicht näher betont werden. Die Aussicht auf ein schönes fränkisches B.. (nein: Eis! - was denn sonst?) lockte uns von den Felsen zurück in die Ortsmitte. Zu spät sollte es auch nicht werden, denn drei von uns wollten noch am Abend nach Braunschweig zurück. Wir anderen ließen zusammen mit dem Wandertrupp (der noch keine Auflösungserscheinungen zeigte) den Abend ausklingen und beendeten die gemeinsame Unternehmung von Wanderern und Kletterern der Gruppe bei einem genüsslichen Glas Wein oder Bier – es könnte auch mehr als ein Glas gewesen sein….
Klaus Steube