Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2006/4
Hochtourengruppe

Hochtourenwochen August 2006 im Wallis

Endlich war es soweit, die Hochtourenwochen im Wallis konnten beginnen!

Da ich (Karin) nur eine Woche dabei sein konnte, habe ich schon einige Tage vorher allein dort verbracht, um mich zu akklimatisieren. Doch um über diese Zeit zu berichten, würde ein eigener Artikel geschrieben werden müssen. Ich beschränke mich darauf, über die Tour zum Monte Moro Pass am 07.August zu berichten:

Um 9.30 Uhr gingen Lisel und Jürgen Koziol, Ute Rabenstein, Peter Bornholm, Helmut Meineke, Thorsten Schubert und ich vom Parkplatz am Mattmark-Stausee (1.853m) los. Das Wetter spielte mit, denn die Sonne schien und es versprach, schön zu bleiben.

Erst ging es ebenerdig am Stausee entlang, dann verließen wir den Fahrweg und stiegen bergauf, über Almwiesen und an dickfelligen schwarzen Rindern vorbei. Ob es die berühmten Walliser Kampfkühe waren? Keine Ahnung…

Goldene Madonna
An der Goldenen Madonna am Monte-Moro-Pass
Foto: Karin Gregan

Es ging immer weiter bergauf, und mit zunehmender Höhe wurde auch der Ausblick auf die umliegenden Gipfel und Gletscher immer schöner. Am Wegesrand entdeckten wir schöne Alpenblumen und dicke Schmetterlingsraupen, die im nächsten Sommer als Schmetterlinge umherflattern wollen.

Die Felsen wurden nun größer, die Gletscher kamen näher, und der Wind wurde kälter. Teilweise mussten wir schon ein wenig klettern und auch schon mal von Fels zu Fels springen. Aber das macht ja Spaß!

Und dann, um 12:20 Uhr, sahen wir die goldene Madonna aufragen! Von der Sonne angestrahlt stand sie erhaben da, zu ihren Füßen die rastenden Bergsteiger, den Blick ins Nachbarland Italien gerichtet.

Die Aussicht auf die umliegenden Berge war einmalig schön…. Was für eine Belohnung für die Mühe! Nun zogen wir uns noch die letzten Meter an einer eisernen Kette hoch und standen auf dem Gipfel! Wir hatten nun 1.650 HM gemeistert und standen in 2.853m Höhe!

Schaut man in die Blickrichtung der Madonna, ragt eine der größten Eiswände der Alpen auf. Es ist bekannt, dass man besonders vormittags einen wunderbaren Blick in die beeindruckende Monte-Rosa-Ostflanke hat, die immerhin die höchste Eiswand Europas darstellt. Wir hatten Glück – es war mittags und doch war sie zu sehen.

Aber schon bald kamen die Wolken. Es wurde neblig und der kalte Wind wurde noch kälter. Zeit zum Absteigen, um im Windschatten eine Mittagspause zu machen.

Während Peter, Thorsten und ich diese Pause nutzten, um auf einer Schneefläche in der Nähe eine kleine Schneeballschlacht zu machen und „Winter zu spielen“, freute sich Jürgen über andere Wanderer, die schwitzend aufwärts kletterten und „Striptease“ machten. Augenschmaus als Nachtisch….. warum nicht?

Gestärkt zogen wir dann wieder talwärts, dem Strom der aufwärts ziehenden Wanderer, die wohl Langschläfer waren, entgegen. Um 16.30 Uhr erreichten wir die Staumauer wieder und damit dann auch bald unsere Autos. Ein schöner Tourentag neigte sich nun dem Ende zu.

Es folgten noch andere, sehr schöne Touren, die ich auch noch mitmachen konnte, doch aus Platzmangel beschränke ich mich auf den Bericht dieser einen. Jens wird nun die Berichterstattung fortsetzen, denn nach meiner Abreise ging es für die Hochtourengruppe erst richtig los...

... und damit übernehme ich (Jens) den erzählerischen Staffelstab, um über die zwei folgenden Wochen zu berichten. Mein Weg in das Wallis führte mich über den Furka-Pass, und Neuschnee in 2500 Metern Höhe deutete an, dass ich im Wallis kein Sommerwetter zu erwarten hatte.

Bestätigung fand dies bei der ersten gemeinsamen Wanderung mit Lisel und Jürgen, Helmut, Ute und Peter am 13.August. Treffpunkt war in Saas Grund, und es ging hinauf zur Almageller Alp. Dort trafen wir Gerhild Jüttner und Lars Jansen, die ebenfalls zum Blumenweg wollten. Jetzt folgten wir dem bei schönem Wetter sicher herrlichen Weg zur Kreuzalpe. Bei Temperaturen um knapp über Null Grad und nassem Schneefall kam allerdings keine rechte Wanderlaune auf. Aber allemal besser, als im Tal zu hocken! Zur Belohnung, dass wir uns bei dem Wetter überhaupt rausgetraut hatten, gab es an einem Hang eine große Anzahl von Edelweißen zu bestaunen.

Die nächsten Tagen waren geprägt von zäh durchwachsenem Wetter; sonnige Abschnitte wechselten sich ab mit Regenschauern, das Weiß auf höheren Bergen nahm ständig zu. Eine Lücke ergab sich zwei Tage später am 15.August. Helmut, Jürgen und ich verabredeten uns zu einer Hochtour auf das Allalinhorn. Dank Jürgens Insider-Tipp bezüglich der ersten Seilbahnfahrt waren wir mit die ersten auf dem Mittelallalin. Bei Traumwetter konnten wir den leichtesten Viertausender der Alpen (4029m) gemütlich besteigen. Lediglich kurz vor dem Gipfel machte uns eine schwierige Variante zu schaffen, die aber schnell gemeistert war. Oben angekommen erläuterte mir Jürgen das prachtvolle Panorama und benannte jede einzelne Spitze, wobei besonders das Matterhorn, die Monte-Rosa-Gruppe sowie die Mischabelgruppe hervorstachen.

Während des Abstiegs trafen wir noch auf Harald Schnatzmit seinem Sohn Christian und einem Freund gleichen Namens sowie Peter, Bornhorn, die ebenso wie wir den guten Tag für das Allalinhorn nutzten.

Eine weitere Wanderung gilt es, besonders hervorzuheben, nämlich die Wanderung zu den Gletscherseen Seewjinen (2707 bzw. 2574m) am 17.August, oberhalb des Mattmarkstausees, und zwar deswegen, weil es uns gelungen war, fast alle angereisten Mitglieder der Hochtourengruppe für dieselbe Unternehmung zu gewinnen. Belohnt wurden wir alle durch eine einsame und idyllische Hochgebirgslandschaft, geprägt durch Wasserfälle, saftige Bergwiesen und wollgrasgesäumte Gletscherseen. Petrus hatte auch ein Einsehen und schickte erst bei Erreichen des Parkplatzes Regenschauer gen Erdboden.

Gemeinschaftliche Touren in dieser Stärke gab es in den dann folgenden Tagen nicht mehr, stattdessen bildeten sich Kleingruppen, die je nach Interesse verschiedene Touren unternahmen. Es sprengte hier sicher den Rahmen, jede einzelne, für sich sehr reizvolle, Tour zu beschreiben, deswegen fasse ich mich entsprechend kurz und erwähne nuur einen Teil aller Unternehmungen.

Das Jegihorn (3206m) und sein berühmter und ebenso faszinierender Klettersteig wurde an verschiedenen Tagen von Peter, Ute, Familie Nitsche, Helmut, Lars, Holger Blume und mir besucht. Höhepunkt war dabei die „Zitterpartie“, eine achtzig Meter lange, zu überquerende Drahtseilbrücke.

Ein weiterer von uns besuchter 4000er war das Weißmies (4017m). Die Überquerung von der Almageller Hütte zu den Weißmieshütten unternahmen an zwei verschiedenen Tagen Peter, Familie Nitsche, sowie Gerhild, Ronald Scheffler, Lars, Holger und ich. Konditionssieger dieser Überschreitung war Peter, denn er ist mitten in der Nacht von Almagell zur Almageller Hütte aufgestiegen, um dann mit Familie Nitsche gemeinsam die Überschreitung durchzuführen.

Auf dem Jegihorn
Auf dem Jegihorn
Foto:Jens Köhler

Ganz unerschrockene unternahmen direkt nach der Weißmiesüberquerung am Folgetag den Aufstieg zum Lagginhorn, einem weiteren 4000er in der Nähe des Weißmies. Dies waren Gerhild, Ronald und ich.

Peter, Ute und Familie Nitsche absolvierten auf dem Schwarzberggletscher oberhalb des Mattmarkstausees ein Gletscher-Training, um auf Folgetouren vorbereitet zu sein.

Ein weiterer, von der Hochtourengruppe heimgesuchter Klettersteig war jener am Mittaghorn (3143m), dies können Gerhild, Lars, Ernst Martin und Christel Werner bezeugen. Auch meine Co-Autorin Karin soll dort gesehen worden sein.

Der große Bruder des Mittagshorns, der 3366m hohe Egginer, wurde schließlich von Gerhild, Ronald und mir über den Normalweg durch die Südostflanke bezwungen. Dank seiner zentralen Lage ist dieser etwas anstrengende Berg wegen seiner Aussicht sehr zu empfehlen.

Neben diesen Hochtouren gab es zwischen Tal und Gletscher noch diverse andere Unternehmungen, wie den Grächener und Gsponer Höhenweg oder die "Weitwanderung "zur Jazzilücke und zum Antronapaß. Grund. Eine kleine Gruppe dehnte versehentlich einen Nachmittagsspaziergang zu einer Klettersteigtour über den Almageller Erlebnispfad aus. Hier wurde vor allem die Erkenntnis gewonnen, dass Schulklassen und Hängebrücken nicht zusammenpassen und entsprechende Wartezeiten verursachen.

Auch Flora und Fauna kamen nicht zu kurz; Flora-begeisterte konnten ihr botanisches Wissen auf dem Bergblumenweg oberhalb von Saas Grund auffrischen oder sogar erweitern, während die Fauna immer wieder in Form von Gämsen und Steinböcken über den Weg lief. Letztlich bleibt mir nur noch, Peter für die Idee und die Rahmenorganisation dieser Gruppenfahrt zu danken. Jeder hat seinen Interessen entsprechend etwas unternommen und viele Eindrücke mit nach Hause genommen.

Jens Köhler und Karin Gregan

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.4. November 2006